Amazon-Alternative: kostenlose Bücher

Amazon-Alternative: kostenlose Bücher - Foto: Öffentliches Buchtauschregal in Schwabach

„Wenn es keinen Konsum gibt, geht gar nichts mehr.“ (Jil Sander)

Amazon machte in der Vergangenheit wiederholt negative Schlagzeilen. Vielen Kunden ist die Kauflaune vergangen, seit sie wissen, dass der Online-Marktführer Mitarbeiter unmenschlich behandelt, Nazi-Produkte im Sortiment hat und seine Macht gegenüber Zulieferern gnadenlos ausnutzt. Auch ich mache mir Gedanken, ob ich noch auf Amazon verlinken soll.

Man kann den Schattenseiten des Kapitalismus auf verschiedener Weise entgegentreten. Wir sollten wieder mehr im Einzelhandel vor Ort kaufen und ansonsten der Maxime des Minimalismus folgen und weniger konsumieren.

Für alle, die wie ich auf Bücher nicht verzichten wollen, habe ich gute Nachrichten. Es gibt verschiedene Möglichkeiten kostenlose Bücher zu bekommen. Sie haben alle mit Tauschen, Leihen oder Wiederverwenden zu tun. So schont man Ressourcen, stärkt die Nachbarschaft und schafft ein kollektives Bewusstsein jenseits von Konsum und Besitz. Ich habe fast alle dieser Möglichkeiten schon genutzt und stelle sie heute vor.

Das eigene Bücherregal

Fast jeder kennt es: Man interessiert sich für ein Buch, kauft es in freudiger Erwartung und stellt es dann doch nur ins Regal. So sammelt sich im Laufe der Zeit eine Reihe ungelesener Schätze an. Geht man die Hausbibliothek durch, kommt Überraschendes zum Vorschein. Wenig später liegt man mit einem unberührten Ratgeber oder einem Krimi, den man vor Jahren verschlungen hat und immer schon ein zweites Mal lesen wollte, auf der Couch.

Familie und Freunde

Kaum jemand hängt so sehr an seinen Büchern, dass er – pflegliche Behandlung und zuverlässige Rückgabe vorausgesetzt – nicht welche verleihen würde. Ich selbst gebe gerne Bücher auf Zeit her, da mich die Meinung des anderen Lesers interessiert.

Büchertauschparty

Mit ein paar Freunden eine Büchertauschparty zu veranstalten, kann ein großer Spaß sein. Jeder bringt einen Karton Bücher und eine Flasche Wein mit und schon beginnt das muntere Tauschen. Drei John Grisham gegen einen John Updike. Den neuen Timur Vermes gegen das Debüt von Carlos Ruiz Zafón. Das Windows 7 Buch gegen Simplify Your Life …

Bibliothek

Nach der Deutschen Bibliotheksstatistik gibt es in Deutschland rund 8.500 Öffentliche Bibliotheken. Das Angebot an Büchern ist selbst in kleinen Städten erstaunlich. Ich gehe einmal im Monat in die Stadtbücherei in Forchheim und habe noch immer eine interessante Neuerscheinung oder einen spannenden Klassiker gefunden. In der Regel zahlt man einen geringen Jahresbeitrag (in Forchheim sind es neun Euro für Erwachsene und einen Euro für Kinder und Jugendliche) und kann dann Bücher und andere Medien kostenlos ausleihen. Was viele nicht wissen: Auch Staatliche Bibliotheken und Universitätsbibliotheken können meist von jedermann ab einem bestimmten Alter genutzt werden.

Bookcrossing

Bookcrossing ist eine Bibliothek für die ganze Welt. Über neun Millionen Bücher „reisen“ durch 132 Länder. Sie sind an öffentlichen Orten wie Bushaltestellen oder Cafés hinterlegt und dürfen von jedem mitgenommen werden.

Öffentlicher Bücherschrank

In Öffentlichen Bücherschränken werden Bücher zum Tausch oder zur kostenlosen Mitnahme angeboten. In Erlangen, 20 Kilometer von meinem Wohnort entfernt, sind gleich zwei dieser nachhaltigen Einrichtungen rund um die Uhr zugänglich. Auf Wikipedia gibt es eine unvollständige Liste öffentlicher Bücherschränke.

Givebox

Ein ähnliches Konzept wie Öffentliche Bücherschränke verfolgen die erst in letzter Zeit populär gewordenen Giveboxes. Bei dieser Nachbarschaftsinitiative werden nicht nur Bücher, sondern auch andere Dinge wie Kleidung und Spielsachen zur Verfügung gestellt.

Umsonstladen

In Umsonstläden oder Kost-Nix-Läden können gebrauchsfähige Gegenstände abgegeben bzw. mitgenommen werden. In den meisten der über 60 Umsonstläden Deutschlands findet man auch kostenlose Bücher. Nicht ganz vollständige Adresslisten zu solchen Projekten in Deutschland und Österreich gibt es auf www.umsonstladen.de und alles-und-umsonst.de.

Tauschring

In einem Tauschring oder Tauschkreis werden Dienstleistungen und Gegenstände, gelegentlich auch Bücher, bargeldlos zwischen den Mitgliedern getauscht. Wer sich genauer informieren möchte, kann dies auf www.tauschringadressen.de, www.tauschring.de oder der Online-Plattform Tauschen ohne Geld machen.

Die hier aufgeführten Wege kostenlose Bücher zu bekommen, stehen allen offen. Es gibt noch eine Reihe anderer Einrichtungen, die nur einem beschränkten Kreis zugänglich sind. Schüler können beispielshalber die Schulbücherei nutzen, Mitarbeiter die Unternehmensbibliothek und Hilfsbedürftige gemeinnützige Organisationen.

Welche der Möglichkeiten nutzt Du bereits? Hast Du andere Ideen, wie man kostenlos an Bücher kommen kann?

Um keine Artikel zu verpassen, kannst Du Dich hier mit mir verbinden: Newsletter, RSS-Feed, Facebook, Twitter, Google+

{ 33 Kommentare }

  • Patrick 22. Februar 2013

    also ich les nicht soviel um ehrlich zu sein und wenn dann am rechner. da hättest du vielleicht noch ein paar tips geben können wie man kostenlose ebooks bekommt. aber ansonsten schon gut wieviele bücher man so kostenlos bekommen kann. die meisten der tips kannte ich noch nicht. nach dem bücherschrank werde ich mal suchen. soll nach der liste bei wikipedia einer in meiner stadt geben. ciao, patrick

    Antworten
  • rage 22. Februar 2013

    Also erstmal: Ich weiß echt nicht, was ich mit diesem Zitat anfangen soll. Ich glaube das einfach nicht. Dass Konsum notwendig ist…und ohne ihn nichts mehr geht. Vielleicht ist es aber auch eine Frage der Definition. Da es sich von dem lateinischen consumere ableitet bedeutet es sowohl verbrauchen als auch verschwenden. Natürlich irgendwie dasselbe, aber mit unterschiedlicher Färbung, wie ich finde. Ach, ich schweife doch zu sehr ab. Aber auf den Konsum, den wir derzeit erleben, könnten alle gut verzichten und vieles würde besser laufen.
    Bücher würde ich auch gerne tauschen. Allerdings bin ich viele meiner Bücher schon losgeworden. Als ich das letzte Mal meine Verkauf-, Verschenk- und Tauschkiste hervorgekramt habe, war es tatsächlich nur noch eine Kiste. Wouhu!! Allerdings suche ich noch nach einer Option Ebooks zu tauschen oder Spielzeug auszuleihen. Wie soll das sonst noch hier aussehen? Ne weitere Idee? Ansonsten muss ich wo hinziehen, wo es so nen Umsonstladen oder ähnliches gibt. ;) Oder ich probier mal die TauschPlattformen aus. Selber schon mal ausprobiert?

    Antworten
  • Christof Herrmann 22. Februar 2013

    @Patrick
    Zum Thema kostenlose eBooks schreibe ich wahrscheinlich noch mal einen extra Artikel. Hier ging es erstmal nur um Bücher. Ich konzentriere mich in meinen Beiträgen meist auf ein eher begrenztes Thema und gehe dafür detailliert darauf ein.

    @Rage
    Das Zitat von Frau Sander lass ich einfach mal im Raum stehen ;) Tauschringe sind das einzige, was ich aus der Liste oben noch nicht probiert habe. Ich weiß aber, dass es sehr viele in Deutschland gibt und die teilweise recht aktiv und engagiert sind. Ist halt bisschen komplizierter mit anmelden usw. Spielsachen findest Du mit etwas Glück auch in Umsonstläden und Giveboxes. Einfach hingehen, schauen und evtl. was mitnehmen. Was man nicht mehr braucht, aber noch brauchbar ist, trägt man einfach wieder dort hin.

    Antworten
  • Hungerkünstler 23. Februar 2013

    Erstaunlich zu erfahren, was es für Möglichkeiten gibt. Die meisten davon sind allerdings, wenn man in ländlicherGegend wohnt, nur zu realisieren, wenn man das ;-( Auto benutzt. Da bietet sich, wie auch für viele andere Sachen, schon das Internet an. Wenn man Bücher unter Vermeidung von Amazon kaufen will (dafür sprIcht wirklich vieles) so kann man einen anderen Internetbuchhändler wählen (z.B. buecher.de).
    @rage: An der Sentenz von Jil Sander ist schon etwas dran. Nur Nachfrage schafft Arbeitsplätze. Und umgekehrt. Vielleicht sollte man sich über „guten Konsum“ und „schlechten Konsum“ diskutieren.

    Antworten
    • Sophie 16. Juli 2014

      Hallo,

      ich kann als Alternative zu Amazon den Onlinebuchhändler buch7 weiterempfehlen. Dort habe ich mittlerweile schon dreimal bestellt und immer gute Erfahrung damit gemacht. Besonders der Kundenservice ist sehr freundlich und hilfsbereit. Und das Beste daran ist, dass buch7 75% des Gewinns spendet.
      Dort gibt es jedoch nur neue Bücher, CDs und DVDs. Selber anbieten kann man dort nichts. Und Empfehlungen kann man auch keine schreiben. Dafür kann man aber Projekte an die Spenden gehen sollen, selber vorschlagen.

      VG Sophie

      Antworten
  • Gerald Schmid 23. Februar 2013

    Hallo,
    ich unterstütze seit mehreren Jahren die Global Marshall Plan Initiative im Rahmen des Buchabos.
    Das bedeutet, dass ich für eine monatliche Spende (gemeinnütziger Zweck) regelmäßig Bücher zu Themen rund um Nachhaltigkeit und Globalisierung zugesandt bekomme. Diese Bücher haben mich begeistert. Für den heimischen Schrank sind sie viel zu schade. So habe ich diese und zukünftige Büchersendungen unserer Stadtbücherei gespendet. Alles kann ich sowieso nicht lesen und bei Bedarf kann ich ja in die Bücherei gehen. Viele Grüße, Gerald

    Antworten
  • Christof Herrmann 23. Februar 2013

    @Hunderkünstler
    Ich bin davon überzeugt, dass sich das in einem ganz natürlichen Prozess anpassen würde: Wir konsumieren weniger und leben mehr, also geben wir auch weniger Geld aus und müssen demnach weniger arbeiten. Oder habe ich da einen Denkfehler?

    @Gerald
    Klingt nach einer sehr guten Initiative! Schockierend zu lesen, dass heute schon 20.000 Menschen verhungert sind.

    Antworten
  • M21 23. Februar 2013

    Ich schlage noch die Bresche für den Lesezirkel.

    Was angeblich schon im 17. Jahrhundert funktioniert hat, sollte heute noch weit weniger schwer sein: Ein Kreis von Personen, die Gedrucktes reihum weitergeben.

    Erhöht Reichweite und Leserschaft bei gleichzeitiger Schonung der Ressourcen.

    Am besten gleich mit der neuen Ausgabe von SPIEGEL WISSEN probieren.
    Thema: Einfach Leben. Die Kunst, sich selbst zu finden

    Antworten
  • Madeleine 24. Februar 2013

    Kleiner Tipp: lovelybooks.de

    Unter anderem werden dort von Privatpersonen sogenannte „Wanderbücher“ verschickt. Man kann sich kostenlos registrieren. Und wenn man mag, kann man sich in eine Liste über das Buch seiner Wahl eintragen lassen. Und dann wird das Buch von Person zu Person geschickt, bis es wieder beim Besitzer ankommt. Man kann selber Wanderbücher anbieten oder sich in die Listen von anderen eintragen lassen (letzteres verpflichtet nicht zu ersterem). Alles kostenlos. Außerdem werden regelmäßig Bücher verlost – da hat man dann oftmals die Verpflichtung im Gegenzug eine Rezension zu schreiben und sich an Leserunden zu beteiligen.

    Ich finds eine super Sache. :)

    Antworten
  • Christof Herrmann 24. Februar 2013

    @M21
    Das was wir heute etwa vom Friseur als Lesezirkel kennen, ist natürlich nicht kostenlos. Einen eigenen Lesezirkel, wie er im 18. und 19. Jahrhundert bekannt war, zu unterhalten, finde ich eine gute Idee, vor allem, wenn man die Bücher oder Zeitschriften persönlich weitergeben kann. Ich mache das teilweise mit Büchern und immer mit Der Zeit, die ich mir rund einmal im Monat kaufe.

    @Madeleine
    Kann ich da auch mein Wanderbuch einschleusen ;)

    Antworten
  • Prot 25. Februar 2013

    Ich finde beachtlich das einer der letzten Fernsehberichte so aufweckt. Auch wenn ich die Reaktionen darauf für richtig und wichtig halte. Merke ich hier einfach mal an, das Amazon auch zuvor schon ein Verhalten zeigte das ich bedenklich finde. So wurde in Zeiten der meisten Auslieferungen, von Amazon Praktikanten der Bundesagentur für Arbeit genommen. Dies ist für das Unternehmen Kosten neutral, verschafft einen Wettbewerbsvorteil. Und ist eine Demütigung der Menschen die diese Praktikum Stellen bekommen. Den zu einer vermehrten Einstellung der Menschen, die betroffen waren ist es nicht gekommen. Und das wo diese Menschen einen unwürdigen Gesetz unterliegen, Hartz lässt grüßen und keine Wahl haben.

    Antworten
  • Christof Herrmann 25. Februar 2013

    @Prot
    Du hast recht, da hätte schön viel eher was passieren müssen. Aber vermutlich ist mit dem Bericht, den doch sehr viele gesehen haben (auch danach online in der ARD Mediiathek), das Fass übergelaufen. Amazon steht seit Jahren wegen verschiedener Machenschaften in der Kritik. Kann man im Netz alles nachverfolgen, auch auf Nachrichtenportalen oder Seiten großer Zeitungen.

    Antworten
  • rage 25. Februar 2013

    Und wieder scheint es sich um eine Bewusstseins-Lücke zu handeln, die sich vielleicht bei so einigen schließt. Mir passiert das die verganenen Monate laufend… Amazon, Vegetarismus (aktuelles Greenpeace-Magazin hat eine interessante Artikel-Reihe veröffentlicht), Veganismus, Reboarder (rückwärtsgerichtete Autokindersitze), … ich könnte die Liste beliebig lang fortsetzen. Vieles betrifft mich persönlich, bei dem ich denke, warum ist das dem Rest nicht klar? Aber viele Dinge werden endlich auch von einer breiteren Öffentlichkeit wahrgenommen, wie beispielsweise die Amazon-Verhältnisse. Nun ja, Zeit des Umbruchs? Vielleicht. Mal schauen.

    @Madeleine: Danke für den Tipp. Finde ich großartig! Die Idee mit dem Lesezirkel ist mir die Tage auch durch den Kopf gegangen.

    Außerdem habe ich ein geniales Buch die Tage entdeckt. Vielleicht hat jemand Lust das mit mir zusammen zu lesen? Die nächsten Tage gibt’s nen Artikel dazu auf meinem Blog. Mit Buchtitel und Hintergrund für dieses Buch, das es sowohl zu kaufen als auch zum legitimen und legalen kostenlosen Download gibt. Alles weitere spätestens morgen. Wäre toll, ein paar Mitleser und Mitdiskutierer zu finden. ;)

    Antworten
  • rage 25. Februar 2013

    @Madeleine: Also danke für den LinkTipp.
    @M21: Danke für den Hinweis auf den Lesezirkel. So, jetzt ist es richtig ;)

    Antworten
  • Madeleine 25. Februar 2013

    @Christof
    Ein Wanderbuch, das wandert! Gefällt mir.
    Allerdings nur, wenn Bamberg darin ausreichend Erwähnung findet. ;)

    @rage
    Bitteschön!

    Von mir auch vielen Dank für den Hinweis auf den Lesezirkel!

    Antworten
  • Inga 25. Februar 2013

    Ich mag den Umsonstladen. :) Da bin ich schon einiges an Büchern losgeworden und habe Interessantes mitgenommen. Stellte es sich dann doch als eher weniger interessant heraus, brachte ich es einfach wieder hin. ;)
    Den Umsonstladen werde ich also weiternutzen, wenn ich in Zukunft an Bücher kommen möchte. Und natürlich die Bücherei. Aber erstmal habe ich soviele ungelesene Bücher hier, dass es wohl für Jahre reicht… Soviel lese ich nämlich gar nicht. Ich brauche für ein Buch meistens länger als einen Monat.

    Antworten
  • Frank 1. März 2013

    Christoph, zu deiner Antwort auf Hungerkünstler: „Ich bin davon überzeugt, dass sich das in einem ganz natürlichen Prozess anpassen würde: Wir konsumieren weniger und leben mehr, also geben wir auch weniger Geld aus und müssen demnach weniger arbeiten. Oder habe ich da einen Denkfehler?“

    Das klingt in der Theorie ganz fein. Dem Arbeitgeber wird es aber nicht egal sein, ob er 10 Leute zu je 4 Stunden oder 5 zu je 8 Stunden Arbeitszeit einstellt: buchhalterischer Mehraufwand, organisatorischer Mehraufwand, direkte Personalzusatzkosten, größere Anonymität in der Firma, weniger Identifikation usw.
    Außerdem werden sich in einer Welt, die Vermögen verzinst und damit das Geldhorten fördert, auch bei geringerem Konsum viele für mehr Arbeit und mehr Lohn entscheiden, da dies exponentiell belohnt wird. Sei es aus Gründen der Altersvorsorge, aus dem Wunsch nach Liquidität und Flexibilität heraus oder einfach nur aus Liebe zu den Erben.
    In einer Diktatur des Geldes MÜSSEN wir unter geändertem Konsumverhalten zwar nicht mehr so viel arbeiten, WERDEN es aber trotzdem. Denn mehr Geld ist besser als weniger Geld. Und Arbeit ist ja doch nicht so schlimm, dass der Verzicht darauf über dem geldwerten Vorteil stünde.

    Stattdessen sollte Geldhorten „bestraft“ werden, etwa durch ein Geldsystem, dass Gebühren auf Spareinlagen, dafür aber zinsfreie Kredite vorsieht. Damit fällt die starke Abhängigkeit des schlussendlichen Vermögens von der Bedingung, wann man zu sparen anfängt, weg, stattdessen ist das am Ende zur Verfügung stehende Vermögen nun nur noch von der eigenen (periodischen) Sparleistung abhängig. Das bedeutet: Wenn ich in jeder Lebenslage 200,- EUR monatlich beiseite legen könnte, dann macht es unterm Strich keinen großen Unterschied, ob ich mit 0, mit 20 oder mit 30 Jahren damit anfange. Bei einer Gebühr von -3,5% p.a. entspricht das einem Endvermögen zum Renteneintritt mit 65 Jahren von ca. 60000,00 EUR (seit der Geburt gespart) bzw. 52000,00 EUR und 48000,00 EUR. 30 Jahre lang nicht gespart (also 30*12*200=72000,00 EUR NICHT EINBEZAHLT) bedeutet lediglich 12000,00 EUR weniger Endvermögen!

    Außerdem sollten Verbrauch und Verschwendung, also der oben angesprochene „schlechte“ Konsum, stark besteuert werden. So könnte man Anreize schaffen, sich freie Zeit zum Leben zu schaffen und tatsächlich weniger arbeiten zu müssen. Und dann nimmt die Nachfrage ab und dank freier Marktwirtschaft auch das Angebot.
    Jedoch sehe ich da ein kurz- bis mittelfristiges Ungleichgewicht: 1 Betrieb, 100 Mitarbeiter, alle wollen jetzt nur noch halb so lang arbeiten. Also stellt der Betrieb 100 zusätzliche ein, um die gleiche Menge zu produzieren. Durch den geringeren Lohn werden aber auch alle weniger konsumieren – der Betrieb muss die 100 wieder entlassen. Oder vielleicht nicht ganz 100, sondern 70, weil sich durch den Lohnzuwachs bei den 100 vormals Arbeitslosen in dieser Gruppe die Nachfrage erhöht. Die Umstellung scheint auf mit einer anfänglichen (gedämpften) Schwingung bzgl. der Kaufkraft verbunden zu sein. Und Schwingungen sorgen für wirtschaftliche Unsicherheit. Vielleicht auch Panik. Und Unsicherheit und Panik sind Wirtschaftskiller, die Folgen daraus unabsehbar.
    Im best case allerdings könnte sich alles einpendeln bei einem Gleichgewicht, dass sich Nullwachstum nennt und keinesfalls schlecht ist. Es bedeutet nur, dass genauso viel entsteht (wächst) wie verloren geht (aufgrund von Innovationen, Fortschritt, sich ändernder Bedürfnisse).

    Ich wäre, glaube ich, bereit, mich auf ein solches Experiment einzulassen. Aber das Gros der Gesellschaft? Und die Politik?

    Antworten
  • Johanna Deffner 6. März 2013

    Für Menschen, die in FÜRTH Lesefutter suchen oder loswerden wollen:
    von einer letztjährigen Aktion mit mehreren öffentlichen Bücherregalen ist momentan noch eines geblieben:
    Im KULTURFORUM
    Würzburger Strasse
    Foyer
    unter der Treppe.

    Vielleicht kommt jetzt im Fruehling wieder das andere in der Gustavstrasse dazu.

    Technik:
    Einfach mitnehmen bzw einfach reinstellen

    Antworten
  • Christof Herrmann 6. März 2013

    @Madeleine
    Bamberg wird ja gemeinhin nicht zur Fränkischen Schweiz gezählt. Findet deswegen in dem Buch auch keine Beachtung. Im gleichen Verlag ist allerdings das Buch „Biergartenwanderungen Bamberg und Umland“ erschienen, das für Dich interessant sein könnte ;)

    @Frank
    Du hast mich glaube ich falsch verstanden. Ich behaupte nicht, dass wir alle von heute auf morgen nur noch halbtags arbeiten sollen. Möchte auch keine Diskussion starten was wie politisch oder wirtschaftspolitisch zu tun ist. Es ging mir nur darum eine Alternative zur heutigen Maßlosigkeit aufzuzeigen (das ist ja eigentlich das Hauptthema dieses Blogs). Die Anforderungen auf der Arbeit, der Konsum, die Erreichbarkeit, die Termine und anderes in unserem Leben hat lägst eine Dimension erreicht, die weder für uns noch für unsere Umwelt gesund ist. Ich bin mir sicher, dass viele sehr wohl auf ein bisschen Geld und Einfluss verzichten können und auch wollen. In meinem Freundes- und Bekanntenkreis tun das aktuell auch eine ganze Reihe. Sie legen ein Sabbatjahr ein, feiern Überstunden ab anstelle sich diese auszahlen zu lassen oder schränken die ständige Erreichbarkeit und die Verpflichtungen in der Freizeit ein, wenn eine Reduzierung auf der Arbeit nicht möglich ist. Eine kleine Veränderung kann oft schon Großes bewirken. Babyschritte anstelle Kängurusprünge. Beispiel: Bei meinem letzten Arbeitgeber arbeitete ich täglich 8:15 Stunden und hatte 0:45 Stunden Mittagspause. Nach einem Jahr fragte ich beim Personalgespräch, ob ich anstelle einer Gehaltserhöhung eine Reduzierung der Arbeitszeit auf 8:00 Stunden und der Mittagspause auf 0:30 Stunden bekommen könnte. Die Personalchefin willigte ein. Bei 250 Arbeitstagen im Jahr arbeitete ich so fast vier Tage weniger. Nehme ich die Mittagspause noch mit dazu, hatte ich fast acht Tage gewonnen.

    @Johanna
    Danke für den Tipp. Das öffentliche Bücherregal im Kulturforum werde ich mir anschauen, sobald ich mal wieder in Fürth bin. In der Kofferfabrik (Lange Straße) steht übrigens auch ein großes Regal mit Büchern, aus dem man sich bedienen kann.

    Antworten
  • Wiebke Nimmer 7. April 2013

    Nett gedacht. Aber: auf diesem Wege gehen die, die die Bücher erschaffen, leer aus: die Autoren. Von daher kann das System auf Dauer nicht funktionieren.

    Antworten
  • Christof Herrmann 7. April 2013

    Sorry, aber das ist ein Totschlagargument gegen jede Art von Recycling, Tauschen und Leihen, sogar allgemein gegen ein minimalistisches und nachhaltiges Leben. Im Übrigen behaupte ich nicht, dass wir gar keine Bücher mehr kaufen sollen (gleich im zweiten Abschnitt schreibe ich „Wir sollten wieder mehr im Einzelhandel vor Ort kaufen …“). Bin ja selbst Autor und auf Verkäufe angewiesen ;-)

    Antworten
  • Sandra 5. Februar 2014

    Nun, als „Neue“ bin ich ja noch beim Durchforsten auch älterer Artikel…und dieser hier hat mich ja glatt auf die Idee gebracht…da ich ja nun auch auf dem Land wohne und auch weit und breit kein öffentlicher Bücherschrank zu finden ist…werde ich mich mal darum kümmern, ob das nicht auch für unser Dorf was ist…
    …wir haben gerade einen Spielplatz gebaut und ich finde, da sich doch hier viele Eltern und Kinder treffen, wär das doch ein guter Standort, vielleicht mit überwiegend für Kinder- und Jugendbücher anzufangen…und wenn mal ein Kind auf ein anderes wartet, dann könnte es sich ja solange die Zeit auf dem Spielplatz mit lesen und stöbern von Büchern verbringen…statt mit dem Handy!
    …ich hatte sowieso geplant, mal ein paar Feste für Kinder hier zu organisieren, da könnte ich mir ein Bücherfest auch gut vorstellen, wo die Kinder ihre Bücher zum Tauschen mitbringen, eine Vorleseomi im Ohrensessel, ein Bücherquiz oder eine Büchertombola, Lesezeichenbasteln…und dazu gibts natürlich Kaffee und Kuchen, die die Eltern alle mitbringen!

    Inspirierte Grüße von Sandra

    Antworten
    • Christof Herrmann 6. Februar 2014

      Das wäre sicher eine tolle Initiative. Evtl. reicht schon ein Regal in einem öffentlich zugänglichen Raum wie dem Gemeindehaus. Kannst ja mal berichten, falls es etwas damit wird …

      Einfach bewusste Grüße

      Christof

      Antworten
      • Sandra 6. Februar 2014

        …ein Gemeindehaus gibt es in unserem Dorf leider (noch:-) nicht…aber unser Spielplatz liegt direkt an der Flämingskate…d.h. dann könnten sogar die Radfahrer und Skater, die so vorbeifahren das Bücherregal entdecken! :-)
        …vielleicht noch eine Sitzgruppe aus paar Baumstämmen und Findlingen zum Sitzen und Ausruhen drumherum!
        Was sagen die Fahrradwanderer…würde Euch das zum kurzen Verweilen einladen? Falls Kinder dabei sind, auf dem Spielplatz austoben lassen und selbst mit der Nase im Buch verschnaufen…:-)

        Kleine visionäre Grüße von Sandra

        Viele Grüße von Sandra

        Antworten
  • Manuel 19. Mai 2014

    Zum Thema eBooks ausleihen: in unserer Gemeindebücherei (Grünwald) kann man auch eBooks ausleihen. Das funktioniert dann mit einem speziellen Reader. Nach der Ausleihdauer (wie bei einem normalen Buch) ist das Buch dann nicht mehr auf dem Reader und müsste neu ausgeliehen werden.

    Antworten
    • Christof Herrmann 20. Mai 2014

      Feine Sache. Geht mittlerweile in vielen Büchereien. Franken Onleihe heißt das hier in der Region (man kann sogar Zeitungen und Zeitschriften ausleihen). Ausprobiert habe ich es allerdings nicht. Ich bleibe erst mal bei herkömmlichen gedruckten Büchern.

      Antworten
  • Andrea 18. Oktober 2014

    Die meisten, auch kleinen Buchhändler, bieten neben ihrem Geschäft auch die Möglichkeit, Bücher online zu bestellen und dann wahlweise im Laden abzuholen oder nach Hause liefern zu lassen. Wir müssen also nicht zwischen Internet-Bestellung und Händler vor Ort entscheiden, sondern können es verbinden.
    Habe mich gerade entschieden, meine überzähligen Bücher über bookcrossing „freizulassen“, daran finde ich den Spielcharakter schön, dass ich (hoffentlich) verfolgen kann, wo mein Buch denn überall landen wird. Öffentliche Bücherei , gerade in kleinen Orten, nehmen auch Spendenbücher an, sie sollten dann nur halbwegs aktuell sein. Ich hatte mich gerade mit einigen Büchern zum Thema „Vegan leben“ eingdeckt, die ich sicher nicht alle mehrmals lesen werde. Ich denke, ich werde einige davon als Spende an die Bücherei geben und so in Umlauf bringen

    Antworten
  • Uli 18. Oktober 2014

    Gemeinfreie Klassiker, bei denen der Autor mehr als 70 Jahren tot ist, in verschiedenen digitalen Formaten gibt es beim Projekt Gutenberg, z.B. über den Spiegel.
    Nicht ganz kostenlos, aber sehr günstig und nachhaltig: Oxfam, die haben in vielen größeren Städten Läden. Und natürlich Flohmärkte. Gerade (Klein-)Kinderbücher haben wir auf Kinderflohmärkten ge- und verkauft, immer für kleines Geld.

    Antworten
    • Christof Herrmann 21. Oktober 2014

      Danke für den Tipp mit dem Projekt Gutenberg. In diesem Artikel ging es zwar eher um Bücher, die man in den Händen halten kann, aber vielleicht schreibe ich mal einen Blogartikel über kostenlose E-Books ;-)

      Antworten
  • Meike 6. Oktober 2015

    Der Artikel ist zwar schon etwas älter, aber ich bin gerade erst darauf gestoßen. Was ich ein bisschen vermisse unter den Kommentaren und in dem Artikel ist, dass die Autoren sich durchaus darüber freuen würden, wenn der ein oder andere Mensch noch Bücher kauft. Meinetwegen regional in kleinen Buchläden oder als eBook. Wenn alle nur noch ausleihen und wiederverwehrten (was ich prinzipiell einen guten Gedanken finde), wird es immer weniger Vielfalt geben und kaum noch Autoren, die davon leben können. Ähnlich verhält es sich bei Musik. Bitte bedenkt das auch vor lauter Nachhaltigkeit. eBooks sind ja nicht weniger nachhaltig z.B.. Also unterstützt auch die Autoren. Mich z.B. ;)

    Antworten
    • Christof Herrmann 7. Oktober 2015

      Deinem Argument nach müssten wir aber immer weiter konsumieren, nicht nur in Sachen Bücher und Musik, sondern auch in allen anderen Bereichen. Das kann es meiner Meinung nach nicht sein (und ich sage das, obwohl ich ja selbst Bücher schreibe ;-)). Ich vertrete die Ansicht, dass nur eine minimalistische Lebensweise und eine Postwachstumsökonomie a la Niko Paech uns persönlich, gesellschaftlich, ökologisch und ethisch weiter bringt. Wer weniger konsumiert und einfach bewusster lebt, braucht auch weniger Geld und muss demnach weniger arbeiten (oder eben weniger Bücher verkaufen). Ich ziehe diese drei dem Kauf vor: „Verzichten“ (oft ist es ja gar kein Verzicht, sondern Gewinn), Leihen/Teilen/Schenken, gebraucht kaufen. Erst wenn diese drei nicht möglich sind, macht für mich ein Neukauf wirklich Sinn.

      Viele Grüße

      Christof

      Antworten
      • Meike 8. Oktober 2015

        Mein ja nur, dass jemand, der etwas anbietet, fair dafür bezahlt werden sollte. Man verkauft ein Buch und es wird x-fach gelesen. Bei Nahrungsmitteln z.B. ist es etwas anderes. Man verkauft eine Gurke und sie wird einmal gegessen. Da ist es 1 zu 1. Oder Dienstleistungen. Man bietet eine Massage an und sie wird einmal genutzt.
        (ich weiß, Augen auf bei der Berufswahl ;) )

        Daher unterstütze ich gern tolle Autoren oder Musiker mit einem Kauf (gern auch Digital), auch wenn ich mir das ein oder andere tolle Album z.B. von einem Freund kopieren könnte. Weil ich will, dass die Band weitermachen kann. Es geht mir nicht um MEHR Konsum, sondern um fairen Konsum (denn Konsum ist ja so oder so da).

        Antworten
        • Christof Herrmann 8. Oktober 2015

          Warum soll denn Konsum „so oder so da“ sein? Konsum ist ja nur da, wenn wir konsumieren. Und Konsum macht meiner Meinung nach oft keinen Sinn, weil die Sache schon da ist, weil wir sie gar nicht benötigen und weil Konsum eben auch viel Unheil anrichtet.

Hinterlasse einen Kommentar