Warum es weh tut, sich von Besitz zu trennen

Der Besitztumseffekt: Warum es weh tut, sich von Besitz zu trennen

„Viel besser, nie besitzen, als verlieren.“ (Friedrich Hebbel, Die Nibelungen)

Vor einem Monat erklärte ich, warum weniger besitzen mehr leben bedeutet. Ich bekam daraufhin mehrere Lesermails, in denen mein Artikel gelobt wurde, aber auch durchsickerte, wie schwer es vielen fällt, sich von Besitz zu trennen. Wie kann es sein, dass dies förmlich Schmerzen verursacht, selbst wenn man den Gegenstand nicht mehr benötigt und einen fairen Preis dafür bekommt?

Der Besitztumseffekt

Es liegt am Besitztumseffekt, auch Endowment-Effekt genannt. Dieser bewirkt, dass Menschen eine Sache, die ihnen gehört, für deutlich wertvoller halten als eine gleichwertige Sache, die jemand anderem gehört. Der Psychologe Daniel Kahneman bildete für sein berühmtes Kaffeebecher-Experiment zwei Gruppen. Den Probanden der ersten Gruppe gab er Becher in die Hand und fragte welchen Verkaufspreis sie fordern würden. Die Probanden der zweiten Gruppe wurden gefragt, was sie zahlen würden, um den Becher zu bekommen. Der Preis der Verkäufer lag im Mittel bei 7,12 $. Die Käufer hingegen wollte nur 2,87 $ dafür hinlegen. Auch andere Experimente bestätigten, dass sich der Besitztumseffekt mindestens um den Faktor zwei auswirkt.

Wie Händler unsere Kaufbereitschaft erhöhen

Der Effekt zeigt sich in vielen Bereichen unseres Lebens. Wir bunkern jahrelang nicht genutzte Sachen im Keller anstelle sie zu entsorgen. Wir verkaufen Aktien sehr zögerlich, auch wenn sie rational längst nichts mehr im Depot zu suchen haben. Wir ärgern uns über steigende Preise mehr als wir uns über sinkende freuen. Auch manche Händler machen sich den Besitztumseffekt zu nutzen und geben Produkte auf Probe heraus. Wir fühlen uns so als Besitzer, was unsere Kaufbereitschaft erhöht.

Schmerz, lass nach

Vor wenigen Jahren konnte der Besitztumseffekt auch neurophysiologisch nachgewiesen werden. In einem Experiment wurde das Gehirn von Menschen untersucht, die sich von einer Sache trennten. Dabei beobachtete man, dass das Gehirn in der Inselrinde aktiv war. Die Inselrinde ist die Region, in der Schmerzen verarbeitet und emotional bewertet werden. Wer sich also von Besitz trennt, empfindet das als schmerzhaften Verlust.

Der Besitztumseffekt ist tief im menschlichen Wesen verankert. Er kann sogar bei Primaten beobachtet werden. Gibt man einer Gruppe Schimpansen Äpfel und einer anderen Gruppe Orangen, können sie sich – ähnlich wie die Menschen im Kaffeebecher-Experiment – nicht auf ein Tauschgeschäft einigen.

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{ 57 Kommentare }

  • Heidi 12. März 2013

    Ich glaube, das lässt sich noch viel einfacher erklären mit einem einfachen Modell. Kennst du die Bedürfnis-Pyramide nach Maslow? Diese besagt, dass nach unseren Grundbedürfnissen wie z. b. regelmässige Nahrung als zweite Stufe bereits das Bedürfnis nach Sicherheit kommt. Und… Besitz gibt Sicherheit bzw. Verlust macht Angst, ist Sturz in das Unbekannte!! Also, das was du in deinem Artikel beschreibst. Man beachte!! Erst danach kommt das soziale Umfeld, die Anerkennung und die Selbstverwirklichung…

    Antworten
  • Christof Herrmann 12. März 2013

    Ja, von der Maslowschen Bedürfnishierarchie habe ich schon gelesen. Bin aber kein Psychologe und kann beim besten Willen nicht sagen, ob diese Theorie auch erklärt, warum es weh tut, sich von Besitz zu trennen. Vielleicht ist ja jemand vom Fach und mag etwas dazu beitragen. Der Besitztumseffekt wird jedenfalls an vielen Stellen zur Erklärung dieses Phänomens herangezogen. Mehr als zwei oder drei Sätze braucht man nicht, um es verständlich zu machen. Ich fand es aber so spannend, dass ich ein bisschen weiter ausgeholt habe. Wer sich den Effekt beim nächsten Kauf oder Verkauf ins Gedächtnis ruft, kann evtl. eine bessere Entscheidung treffen, als wenn er einzig unter der Verlustangst stehen würde.

    Antworten
  • Stefan 12. März 2013

    Ob man das Festhalten an Besitztümern nun mit dem Besitztumseffekt oder dem Verlust an Sicherheit erklärt, ist eigentlich egal. Wichtig ist m.E., was am Ende herauskommt: Nämlich z.B. die Erkenntnis, dass unsere sentimentale Bindung an Dinge nicht unbedingt förderlich für unser spirituelles Wachstum ist, und dass diese Dinge möglicherweise nur vermeintliche Sicherheiten bieten.

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  • Patrick 12. März 2013

    danke, christoph. ich finde spannend ist das richtige wort für diesen artikel. auf wikipedia wurde noch ein versuch mit tickets für ein basketballspiel beschrieben. ich werde nun auf diesen effekt achten. ich habe oft das problem, das ich etwas neues kaufe und nichts wegwerfe. ciao, patrick

    Antworten
  • Christian Berger 12. März 2013

    Es gibt Dinge, die ich lieb gewonnen habe und kann mich von diesen einfach nicht trennen. Es gibt andere Dinge mit grossen Erinnerungswert. Und es gibt Dinge, da denke ich, die könnte ich evtl. noch irgendwann einmal gebrauchen.

    Antworten
  • Heidi 12. März 2013

    @Christoph, es tut weh, weil ein Bedürfnis da ist , das nicht befriedigt wurde. Sei es das Erinnerungsstück, die Angst vor Verlust, das Sicherheitsbestreben. Dazu braucht man (frau) kein Psychologe sein… ;)Das sind alles Emotionen, die uns steuern und damit steuert uns auch der Handel!

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  • Frau DingDong 12. März 2013

    hm. interessant.
    …aber wie passt das jetzt mit dem befreienden Gefühl zusammen, das man bekommt, wenn man etwas weg gibt?! Wo verläuft da wohl die Grenze?

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  • Christof Herrmann 13. März 2013

    @Stefan
    Ich bin da natürlich Deiner Meinung. Besitz gibt kaum Sicherheit, auch wenn die Werbung oder die Verlustangst uns das weismachen möchten. Zuviel Besitz lenkt ab, kostet Zeit und Geld, belastet und macht krank.

    @Christian
    Es spricht nichts dagegen, dass man Dinge, die man lieb gewonnen hat bzw. die einen großen Erinnerungswert für einen haben, behält. Nur sind das wirklich so viele Dinge?

    @Frau DingDong
    Das ist eine gute Frage, die wohl in den Experimenten nicht beantwortet wurde. Vielleicht umgehend, wenn die Sache den Besitzer gewechselt hat? Sicher ist es individuell ausgeprägt, wie der Besitztumseffekt übrigens auch. Ich wäre wohl ein Ausreißer unter den Probanden, denn ich freue mich schon vor der Trennung von einer Sache auf die Vorteile danach ;-)

    Gute Nacht,

    ChristoF

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  • Kim 13. März 2013

    Zwei meiner Lieblingsartikel zu diesem Thema hat Dru Pagliassotti geschrieben: „The Magic of Possession“ und „The Magic of Ownership“ . Wenn wir uns von Besitz trennen, verlieren wir wie von Heidi angesprochen ein Stück vermeintlicher Sicherheit, aber auch ein Symbol für Status, Persönlichkeit, Erinnerung, Glück (Talisman), etc. etc. In Drews Worten: „I think a lot of decluttering books act as though people are rational — and we’re not. Even though we probably don’t say to ourselves, “I can’t get rid of Mother’s necklace because it’s magical,” the fact is, we’ve ascribed some kind of mystic link between our mother and that necklace that makes us feel guilty about selling or donating it. Symbole stehen für etwas, ohne es zu sein. Aber das vergessen wir ständig. Und deshalb tut das Weggeben weh.

    Antworten
  • Kim 13. März 2013

    PS: Das befreiende Gefühl?
    Kommt bei mir (z.T.) daher, dass ich ein bisschen stolz bin, das Magic Thinking ausgeschaltet und ein Stück Rationalität zurückgewonnen zu haben. Und wortwörtlich mehr Freiraum zu haben. Vielleicht muss man die Symbole als solche erkennen, um den Weggeb-Schmerz auszuschalten?

    Antworten
  • Torsten 13. März 2013

    Seven of Nine: „Dieses Vorgehen ist ineffizient!“
    Cptn. Janeway: „Nein, es ist Perfektion!“
    (aus Raumschiff Voyager)

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  • Christof Herrmann 14. März 2013

    Schöne Gedanken, Kim. „Symbole stehen für etwas, ohne es zu sein.“ Dieser Satz gefällt mir ganz besonders. Zu viel Besitz ist oft Ersatz für etwas, was dem Besitzer fehlt. Sind die ärmsten Menschen nicht oft auch die herzlichsten?

    Mir fällt es heute nicht mehr schwer mich von Sachen zu trennen. Ich bin wohl ein sehr rationaler denkender Mensch, der der Verlustangst regelmäßig ein Schnippchen schlägt. Vermutlich schafft das jeder andere auch, indem er sich dieser Angst stellt und den Verlust öfter mal bewusst zulässt. Auch wenn es kurz weh tut, kann man sich leicht an das „befreiende Gefühl“ danach gewöhnen.

    Antworten
  • Stefan 14. März 2013

    Ich denke auch, das befreiende Gefühl beim Weggeben von Dingen kann sich erst einstellen, wenn wir die Dinge von den Bedeutungen die sie für uns haben gelöst haben. Wir können uns z.B. fragen, ob denn die Erinnerungen, die wir mit bestimmten Gegenständen verbinden, denn tatsächlich verschwinden würden, wenn diese nicht mehr um uns sind…

    Antworten
  • Micha 15. März 2013

    Danke für den interessanten Artikel, lieber Christof. Obwohl ich „vom Fach“ bin, kannte ich den Besitztumseffekt noch gar nicht, habe ihn aber schon vielfach an mir selber spüren können.

    Zur anfänglichen Frage, was die maslow’sche Bedürfnispyramide mit dem Effekt zu tun hat, kann ich eine Hypothese anbieten: Bestimmte Dinge werden auf den „unteren Stufen“ angeschafft, um Bedürfnisse wie Sicherheit oder auch soziale Kontakte zu befriedigen.
    Nun ist es ja oft so, dass die Dinge, die wir uns besorgt haben, irgendwann ihren Anschaffungszweck verlieren. Die emotionale Bindung (und Befriedigung des Bedürfnisses) ist aber immer noch gut gespeichert und mit positiven Gefühlen verbunden. Ergo: schwierig, davon loszulassen.

    Dinge AB- bzw. WEGzugeben könnte deshalb ein so gutes Gefühl verschaffen, weil es jemand anderem diese Bedürfnisbefriedigung verschafft, uns jedoch wieder auf das Beziehungskonto einzahlt. Und zu wissen, dass ein anderer das, was man ohnehin gerne weggeben möchte, besser gebrauchen kann, macht auch das Loslassen einfacher.

    Liebe Grüße,
    Micha

    Antworten
  • Christof Herrmann 16. März 2013

    Gerne, Micha! Habe für diesen Artikel als Nicht-Psychologe lange recherchiert und u. a. in dem empfehlenswerten Buch „Psycho? Logisch!“ von Volker Kitz und Manuel Tusch über den Besitztumseffekt gelesen.

    Den Gedanken, dass das Weggeben einem ein gutes Gefühl verschafft, weil man jemand anderen dadurch etwas Gutes tut, hatte ich bisher noch gar nicht. Gefällt mir und ich glaube, dass das stimmt. Frage mich nur gerade, ob das in Form eines Beziehungskonto sein muss, von dem man ja Zinsen oder eine andere Leistung erwartet. Kann nicht das reine Geben genauso schön sein wie das Nehmen? Ich glaube daran, dass der Mensch altruistisch und empathisch handeln kann. Gutes zu tun, tut einfach gut!

    Viele Grüße,

    Christof

    Antworten
  • Suse 17. März 2013

    Ich habe erfahren, dass weggeben dann erst gut tut, wenn mann weiß, dass der Empfangende das weggegebene Gut unbedingt braucht oder haben will, d.h. zu schätzen weiß. Dann kann ich auch loslassen. Das ist das Thema „in gute Hände abgeben“. Gilt nicht nur für Haustiere uxw., sondern auch für liebgewordene Dinge.

    Antworten
  • Philipp 18. März 2013

    Hallo,

    Ich kenne das. Meine Wohnung ist so ziemlich um all das erleichtert was Ich nicht mehr brauche. Meine Wohnung wird immer „cleaner“.

    Dafür stapeln sich in meinem Keller mittlerweile über 100 Umzugskisten voller Zeug von dem Ich zu 90 % nicht mal mehr weiss dass Ich es habe, doch wenn Ich es sehe verbinde Ich große Emotionen damit.

    Ich habe mir vorgenommen beim nächsten Umzug, also aus meinem Elternahaus in die eigene Wohnung, all das zuhause zu lassen und nur meine Bücher, Papiere, Kleider und Küchenutensilien mitzunehmen. Alles andere bleibt hier.

    Und dem Rest werde Ich irgendwann sicherlich auch noch los.

    Grüße aus Kaiserslautern

    Philipp

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    • saionara 12. April 2016

      Hallo Philipp!
      Das ist eine „super“ Idee, die Sachen beim nächsten Umzug einfach stehen zu lassen.
      Ich habe mehrere Kinder, die alle bei ihrem Auszug ein bisschen was stehen gelassen haben. Mindestens die Hälfte meines Kellers ist jetzt voll mit diesen Hinterlassenschaften. Da es sich um Sachen handelt, die mir im eigentlichen Sinn nicht gehören, ist die Entsorgung nicht so einfach. Einen Schmerz würde mir die Entsorgung aber mit Sicherheit nicht bereiten.
      Entschuldige, ich musste das einfach mitteilen, bevor noch mehr auf derartig „gute“ Ideen kommen. Da dein Kommentar schon älter ist, hoffe ich, dass du deine Eltern schon von der „Verlassenschaft“ befreit hast inzwischen.
      Lg

      Antworten
      • Jojo 14. April 2016

        Haha, danke Saionara! Genau das habe ich auch gerade gedacht. Als ich angefangen hatte zu lesen, hat es mir ganz gut gefallen: Stück für Stück immer cleaner. Aber die eigentliche Trennung vollziehst du ja gar nicht: Alles wandert einfach in den Keller. Und irgendwann ziehst du aus dem Haus aus. Ich kann das absolut nachvollziehen. Es ist eine gute Art, sich stufenweise von dem Zeug zu trennen und sie erstmal aufs Abstellgleis zu befördern. Aber den letzten Schritt musst du auch noch gehen. Und der wird verdammt schwer, wenn du ihn nicht so regelmäßig machst, wie in deinem Zimmer Philipp, Du hast die Dinge zwar nicht mehr am Hals, aber deine Eltern. Findest du das fair?

        Antworten
  • Sabine 18. März 2013

    Seit ca. 3 Jahren miste ich aus. Manchmal war ich frustriert. Ich hatte das Gefühl , mein Haus kotzt die mit viel Geld erworbenen Waren aus. Es Tat mir weh, die Sachen auszusortieren (Besitztumseffekt). In dem Moment, in dem ich mich aber entscheide, etwas wegzugeben, weicht es dem Erleichterungsgefühl. Das stellte sich dann auch noch einmal im AWO-Laden ein, wo ich die Dinge abgeben kann. Dort bekomme ich dann auch ein Lächeln und weiß, dass ich damit der lokalen Bevölkerung einen Gefallen tue. Sie können sich die Sachen dort zum Spottpreis kaufen – auch ich kaufe dort gelegentlich ein – und ich habe ihnen damit das Leben hoffentlich schöner gemacht (mit dem Erlös werden dann Lebensmittel gekauft und günstiger an Arbeitslose verkauft).

    @Phillipp: ich habe alle Sachen von meinen Eltern mitgenommen. Ich möchte nicht, dass ich irgendjemanden mit meinem Gerümpel belaste. Stelle Dir vor, Du stirbst, und Deine Eltern müssen das alles durchgehen, jedes Buch durchblättern ob noch Geld oder Fotos drin versteckt sind.
    Mein Tipp: behalte nur, was Du liebst oder brauchst – und schon spiegelt Deine Wohnung Deinen Stil wider.

    Ich habe früher schon immer meine Sachen regelmäßig aussortiert, aber wie dann das neue Haus kam und 3 Kinder im 2-Jahres-Abstand, hat es mich ein bissl „geschreddert“. Die Anforderungen änderten sich ständig – wechselndes Spielzeug, wechselnde Kleidergrößen ( Kistenweise Kleidung auf dem Speicher), Babylätzchen herräumen und wieder wegräumen, 6 nasse Handschuhe uns 3 nasse Skianzüge – wo Hänge ich die jetzt hin, Bastelarbeiten in Hülle und Fülle, 3 Kindergeburtstage und 1 Weihnachten mal 3 Kinder (Massen an Spielsachen)…

    Mittlerweile bin ich gnadenloser geworden, was nicht lebensnotwendig ist, kommt weg. Ich möchte lieber mit den Kindern spielen, als die ganze Zeit räumen. Und wenn es zu chaotisch ist, kriegen auch die Kinder schlechte Laune.

    Wer gerne Unterstützung hätte, dem sei die Seite http://www.flylady.net empfohlen. Sie gibt wertvolle Und vor allem liebevolle Tipps, wie man schlimmstes Chaos langfristig abschaffen kann – über Putzpläne, die unter der Schweinehundegrenze liegen – bis hin zu Evakuierungsplänen und wie man sich vorbereiten kann.

    Antworten
  • Sabine 18. März 2013

    Ps: Das wichtigste habe ich vergessen: Danke für Deine Beiträge. Sie regen mich zum Nachdenken an und ich bin mir sicher, dass ich manches nach und nach umsetzen werde.

    Viele Grüße
    Sabine

    Antworten
  • Hanz 18. März 2013

    Hallo,
    einige stichwortartige Ergänzungen zum Thema „Besitz“ zur weiteren Anregung:
    1.) Es sollte auf die unterschiedliche Bedeutung von Besitz, Eigentum, Nutznießung geachtet werden.
    2.) „Was man besitzt wird als wertvoller eingeschätzt…“, so die untersuchte These.
    Es gibt auch den umgekehrten Effekt: ein lang gehegter Traum, den man sich erfüllt und den man sich zu eigen macht und besitzt, verliert rapide an Wertschätzung.
    Folge: Bewahre Dir Träume!
    3.) Besitzverlust und Schmerz können in ihrer Verbindung das ganze Spektrum von Null bis Unerträglich ausmachen, also von Belanglosigkeit bis höchster Wertschätzung von etwas.
    Die große Trauer um den Verlust eines geliebten Menschen ist auch in diesem Kontext zu sehen. Hier, wie bei all den Verlustschmerzen, ist ein Aspekt der, daß man einen Teil von sich selbst verliert, je nachdem wie intensiv der persönlichen Anteil ist, den man an den Gegenstand / die Person geknüpft hat (liebgewonnene Dinge, Lebewesen)
    Nicht unterschätzen sollte man dabei den simplen Aspekt der Gewohnheit.
    4.) Ein Weggeben / Loslassen, kann auch in o.g. Skala ins Negative gehen und wird zur Freude, nämlich dann, wenn Besitz zu Ballast wird, den man loswird, wenn Gönnen Geiz übersteigt und man z.B. jemanden findet, der etwas besser nutzen kann und höhere Freude daran hat, sodaß ein Tauschhandel, Ware gegen Wohlempfinden, zustande kommt.

    Weiter will ich das hier nicht vertiefen, es soll nur Denkanregung sein.
    Gruß Hanz

    Antworten
  • Christof Herrmann 18. März 2013

    @all
    Danke für Eure Meinungen. Nun habe ich genügend Material für weitere Artikel zum Thema Entrümpeln ;) Ich will jetzt nicht auf alles en detail eingehen. Zwei Anmerkungen möchte ich aber doch machen:

    @Philipp
    „100 Umzugskisten voller Zeug“ im Keller Deiner Eltern sind eine Menge, zumal wenn Du das meiste nicht mehr brauchst. Auch wenn man es nicht vor Augen hat, kann es für Dich und (wie von Sabine angemerkt) Deine Eltern zur Belastung werden. Vielleicht kannst Du die Sachen durchgehen und das ein oder andere weggeben. An den meisten Dingen hängt man doch nicht. Vielleicht fällt es Dir leichter, wenn Du das eine oder andere (wie von Suse vorgeschlagen) in gute Hände gibst und etwa spendest.

    @Hanz
    Deine Denkanregung Nummer 2 kennt wohl jeder. Man kauft sich etwa ein lang gewünschtes Buch und stellt es dann doch nur in den Schrank. Vermutlich tritt schon in dem Moment, in dem wir etwas besitzen, die „Macht der Gewohnheit“ ein. Wieder weggeben wollen wir es aber trotzdem nicht („Besitzeffekt“). Ist man sich dem bewusst, fällt es oft leichter, auf Konsum zu verzichten. Deswegen habe ich auch im Artikel Amazon-Alternative: kostenlose Bücher als erste Alternative „Das eigene Bücherregal“ genannt.

    Viele Grüße,

    Christof

    Antworten
  • Paula 19. Januar 2014

    Hallo!
    Der Artikel ist zwar nicht mehr neu, aber immer aktuell. Schön, dass man noch kommentieren kann.

    Meine Erfahrung mit dem befreienden Gefühl würde ich als Schock-Adrenalin-Kick beschreiben. Da schießt was ein, das fast schon ein wenig an Euphorie grenzt.
    Es muss ein Schock sein, für das Kleinhirn oder wie das uralte Hirn im Menschen heißt.
    :-)

    Bei mir spielen die entstandenen Kosten eine große Rolle, warum ich mich bei vielen Dingen schwer tue, sie loszulassen ohne im Gegenzug Geld dafür zu bekommen. Das sind schon einige Monatsgehälter, die ich da „zum Fenster rausschmeiße“.

    Dass andere sich darüber freuen, wiegt bei mir leider nicht so schwer wie der „buyer’s remorse“.

    Aber letztlich ist es ein Virus, den man nicht mehr los wird. Es geht immer weiter, in die Richtung „weniger“, sobald man mal infiziert ist.

    liebe Grüße,
    Paula aus Wien

    Antworten
  • Christof Herrmann 20. Januar 2014

    Hallo Paula,

    stimmt, den Besitztumseffekt wird es auch in 100 Jahren noch geben. Ob dieser Artikel dann noch online ist ;-)?

    Du schreibst, dass es Dir schwer fällt, Dinge, die Du mal teuer gekauft hast, ohne Gegenwert wieder loszulassen. Ich kenne das auch. Aber lässt man wirklich etwas ohne Gegenwert los? Doch nur Sachen, die kaputt oder unbrauchbar sind und auf den Müll landen. Ansonsten verkaufe ich die Dinge bei eBay & Co., was ja auch ökologisch Sinn macht und wofür ich Geld als Gegenwert bekomme. Den Rest gebe ich in soziale Einrichtungen, schenke ich Freunden oder stelle ich der Allgemeinheit zur Verfügung (Bücher etwa über Bookcrossing oder Öffentliche Bücherschränke). Da bekomme ich als Gegenwert zwar kein Geld, aber Unbezahlbares wie ein Dankeschön, ein Lächeln, das Gefühl etwas Sinnvolles getan zu haben …

    Viele Grüße

    Christof

    Antworten
  • Valeria 26. Januar 2014

    Interessant. Kann ich auch vorallem bei vielen anderen beobachten und habs früher nie verstanden. Bis sich raustellte, in mir steckte schon immer einer kleiner Minimalist. :)

    Schön, dass ich das heute immer mehr ausleben darf. Derzeit fällt es mir höchstens schwer mich von Dingen zu trennen, die ich a) brauche, wobei sich dann die Frage stellt: Was brauch ich schon wirklich? und b) mit denen ich ein tiefes Erlebnis o.ä. verbinde. Dabei spielt der Geldwert keine Rolle. Als Beispiel kann das auch ein Papierschnitzel sein, aber eben von Person XY und das kann ich nicht wegschmeissen, weggeben o.ä. ;) So ungefähr.

    Im Grunde ist alles sehr einfach. „Wir“ müssen uns nur entscheiden. Entrümpeln? Ja oder Nein? Verkaufen, Verschenken oder Wegwerfen. Entscheide dich!

    LG

    Antworten
    • Christof Herrmann 30. Januar 2014

      Hallo Valeria,

      „Derzeit fällt es mir höchstens schwer mich von Dingen zu trennen, die ich a) brauche, wobei sich dann die Frage stellt: Was brauch ich schon wirklich?“

      Sich diese Frage einmal zu stellen, lohnt sich. Was brauche ich wirklich oder was denke ich nur zu brauchen? Auf meinen Fernwanderungen und meinen langen Radreisen konnte ich nicht viel mitnehmen. Gefehlt hat mir nichts. Im Gegenteil.

      Ich lese zur Zeit ein Buch von Reinhold Messner, das er vor vor über 30 Jahren geschrieben hat. Er beschreibt darin auch Menschen in Pakistan, die keine 20 Gegenstände besitzen, aber trotzdem große Zufriedenheit ausstrahlen. Vielleicht sollte ich das „trotzdem“ im letzten Satz streichen ;-) Ob bei diesen Menschen wohl der Besitztumseffekt auch nachzuweisen wäre?

      Einfach bewusste Grüße

      Christof

      Antworten
      • Valeria 30. Januar 2014

        Richtig. Meistens kommt (bei mir zumindest) raus, dass ich nichts brauche und mich stattdessen viel lieber weiter von materiellen Dingen trenne.

        Ja, habe deine Bericht gelesen, sehr spannend. Wenn man sich mehr mit dem Thema beschäftigt bzw. es ausprobiert, merkt man das Besitztum irgendwie nicht real ist. ;)

        Danke für den Einblick. Haha, ja streich mal das „trotzdem“. Klingt als hättest du daran gezweifelt. Menschen sind glücklich. Punkt. Ob ohne oder viel Besitz, entscheidet jeder für sich. Aber wie meinst, ob sich auch bei denen der Besitztumseffekt nachzuweisen lässt? Ich verstehe die Erklärung, kenne das aber auch andersherum. So, das „meine“ Sachen keinen Wert haben oder einen weniger hohen als die der anderen.

        Ich sehe immer wieder, dass gerade die Leute, die die Freiheit lieben andere Werte und Denkmuster haben, als die, die Sicherheit oder so bevorzugen. Demzufolge gehört für Freiheits-Liebhaber Besitz anzuhäufen nicht zu den „wichtigsten“ Dingen ihres Lebens.

        Vielleicht hast du Lust einen Artikel über Minimalismus und Freiheit zu schreiben. Konntest du hier über Erfahrungen oder Erlebnisse schreiben? LG

        Antworten
      • Christof Herrmann 1. Februar 2014

        Interessant, dass Du die Nähe von Minimalismus zur Freiheit ansprichst. Habe ich nämlich schon länger auf meiner Liste der zu schreibenden Artikel ;-) Ein minimalistisches Leben kann einem zu mehr Freiheit verschaffen oder anders ausgedrückt: Wer frei sein möchte, sollte sein Leben vereinfachen …

        Antworten
        • Valeria 1. Februar 2014

          :)

          Bin gespannt.

  • Gabriele Helene 27. Februar 2014

    Hallo Christof und an alle Kommentatoren, jetzt hab ich den Beitrag und alle Kommentare gelesen. Interessant, und manchmal habe ich für mich zustimmend genickt und manchmal „neenee“ gedacht. Das Argument Besitz gibt Sicherheit sollten wir für alle Menschen bis zu einem gewissen Grade gelten lassen. Dabei sprechen wir lieber nicht über Personen die, die horrende Summen für Luxusartikel ausgeben, die sie wenns hoch kommt, zweimal im Leben anschauen. Ansonsten ist es schon gut zu wissen, dass man einen warmen Mantel im Schrank hat, wenn der Winter vor der Tür steht., womöglich noch als Überraschung
    Abzugeben, wenn ein anderer es benötigt, sollten wir aber zur Selbst verständlichkeit machen.
    Und was gibt es schöneres, als einem Menschen eine Freude zu machen, womöglich noch als Überraschung. Jeder weiss das aus eigener Erfahrung.
    Ich gehöre natürlich auch zu den „Sammlern“, aber einmal im Jahr habe ich mit mir selbst eine Party, bei einer Flasche Wein wird alles rausgeholt, angeschaut, erinnert und dann … Abschied von ungefähr der Hälfte. Allerdings besitze ich auch nichts, wovob ich mich nicht trennen kann, weil es kein Geld bringt.

    Antworten
    • Christof Herrmann 2. März 2014

      Hallo Gabriele,

      hast Du nicht viel zu viel angehäuft, wenn Du „einmal im Jahr […] Abschied von ungefähr der Hälfte“ nimmst?

      Ich glaube, dass 99,9 % aller Menschen in den Industrieländern mehr besitzen als ihnen gut tun. Früher oder später wird das aus ökologischen Gründen nicht mehr möglich sein. Die Natur schlägt ja jetzt schon zurück.

      Den „einen warmen Mantel im Schrank“ meine ich damit nicht. Es geht vielmehr um all das, was wir nicht zum Leben brauchen und uns vermeintlich glücklicher, meist aber unzufriedener und gehetzter macht.

      Viele Grüße aus der Fränkischen Schweiz

      Christof

      Antworten
      • Gabriele Helene 10. März 2014

        Hallo Christof, neenee, das ist nicht so – eher sind die Mengen klein, so wie von 2 Brötchen 50 % eben 1 Brötchen ist. Klar besitze ich vieles, was ich nicht unbedingt zum Leben benötige, hauptsächlich handelt es sich dabei um Dekorationsstücke in meiner Wohnung, ein grosser Teil davon von mir selbst angefertigt, meine Lieblingsbücher – die ich gern ausleihe, aber dann wiederhaben möchte, meine Küche ist recht gut ausgestattet, da ich sehr gern koche, und ein paar Topfpflanzen, die ich selbst gezogen habe. Ich hab echt lange und gründlich mal darüber nachgedacht, es ist nichts dabei, was mich unzufrieden macht oder hetzt. Also nichts für ungut, ich freu mich auf neue Artikel. Herzliche Grüsse !

        Antworten
  • Margarita 9. März 2014

    Hallo liebe Schwester und Brüder im Geiste!
    Mühsam habe ich mir im Laufe der letzten zwanzig Jahre das Weggeben von Dingen aneigenen müssen, bei drei Kindern und einem kleinen Haus ein äußerst notwendiger Lernprozess.
    Eine meiner Töchter hat meine Ausmistaktionen alle paar Monate offenbar ziemlich geprägt. Beim ersten Studentenzimmer war sie noch von gut ausgestatteten KollegInnen beeinflusst, bei der nächsten Übersiedelung reduzierte sie bereits auf die Hälfte und zuletzt konnte sie mit eher kleinem Rucksack und U-Bahn (2x fahren) ihre Habseligkeiten verbringen. Selbst Fachliteratur besorgt sie sich fast immer auf Ausleihbasis oder kauft gebraucht und nach der Prüfung veräußert sie die Unterlagen wieder. Was mir noch immer schwer fällt, hat sie irgendwie einverleibt. Manchmal ist es mir fast unheimlich, wie wenig Kleidung sie besitzt, seit zwei Jahren möchte ich ihr einen neuen Wintermantel kaufen… erfolglos…

    Trifft in diesem Fall der Besitztumeffekt auf Teflon?

    Liebe Grüße aus Österreich
    Margarita

    Antworten
    • Christof Herrmann 12. März 2014

      Hallo Schwester Margarita,

      was meinst Du mit dem Satz „Trifft in diesem Fall der Besitztumeffekt auf Teflon?“ Vielleicht verstehe ich ihn nach einer Tasse Kaffee ;-)

      Jedenfalls finde ich es erstaunlich, mit wie wenig Dingen Deine Tochter auskommt. Per U-Bahn umziehen – welch Zeit- und Kostenersparnis!

      Viele Grüße

      Christof

      Antworten
  • Klaus Herrig 13. Februar 2015

    Zweimal hab ich alle Kommentare durchgelesen.

    Wenn es unlösbar scheint, die Illusion des Ich – wer es gelesen hat,
    gehe ich viele Schritte zurück und schaue über ALLES, oder einfach,
    zu unseren Vorfahren den Menschenaffen – ins Paradies – in die Natur.

    Es ist eine alte Sehnsucht, mit NICHTS zu leben, ein Traum …

    Aber wir haben eine Aufgabe – wer kennt sie?

    Am 31.1. zog meine Tochter, 3.Semester in eine größere Wohnung.
    Die leichteren Sachen schleppte sie. Nach knapp 12 Stunden sank sie
    glücklich und erschöpft in ihrer neuen Wohnung auf den Boden – kann nicht mehr –
    Sie wirds noch lernen, vom Schwamm zu Teflon zu mutieren.

    Schön bei Euch

    Antworten
  • Dietmar Roßdeutscher 14. Februar 2015

    Nun beschäftige ich mich auch schon viele Jahre mit dem Thema Besitz. Vor etwa 26 Jahren war auch eine große Welle für minimalistischen Lebensstiel und Entrümpelungen im Lebensumfeld.

    Seit dieser Zeit habe ich für mich folgende Überlegungen:
    Jeder Gegenstand kostet meine Energie, meinen Platz, mein Geld, meine Zeit. Bringt er einen Gegenwert? Kann ich mich daran erfreuen, bringt er einen nutzen, oder ist der Gegenstand einfach notwendig?

    So ist für mich alles was Schmuck war unnütz geworden, bis auf eine Armbanduhr:), alle Bilder, alle Bücher die keine Nachschlagewerke sind(wobei, heute gibt es Internet), fast alle Pflanzen, alles zum Hinstellen zur Zierde habe ich aus meinem Umfeld entfernt.

    Bücher lese ich eigentlich nur einmal, dann lege ich sie in eine Art Vogelhaus im Park. Dort kann sie jeder mitnehmen, oder seine ausgelesenen Bücher hinterlegen im Tausch.

    Kleidung ist für mich sehr wichtig. Langlebig, funktional und hochwertig im Gebrauch muss sie sein. Aber Geld für einen „Markennamen“ auszugeben finde ich ……Warum sollte ich jemanden für seinen Namen bezahlen wenn ein anderer etwas Gleiches und gleichwertiges produziert. Anders wenn sich jemand seine Idee bezahlen lässt die mir einen Mehrwert bringt. Spezielle Fasern oder Schuhformen als Beispiel.
    Teure Kleidung die nicht wärmt, Schuhe in denen Mann oder Frau nicht bequem laufen kann, werde ich für mich auch nicht mehr aktzeptieren.

    Sachen zu verschenken ist auch so eine Sache. Ich habe mir schon oft gedacht“ Ich will deinen alten Mist nicht“ Gesagt habe ich aber brav „Danke, wie lieb von dir“
    Mag sein, mein großes leeres Haus erweckt bei vielen den Gedanken ich sei irgendwie arm. Natürlich will man seine Freunde nicht vor den Kopf stoßen und nimmt die Sachen erst mal an, dann werden sie mit viel, viel Aufwand wieder entsorgt(einen alten Schrank kleinsägen und im Rucksack und der Fahrradtasche Richtung Recyclinghof tragen macht keinen Spaß. Das Zeug kann man ja auch nicht verbrennen, Pressspan mit Funier aus Kunstoff)
    Also, wer verschenkt sollte bitte wirklich überprüfen, ob der Beschenkte Bedarf hat.

    Ach ja, mein leeres Haus. Als ich es übernommen habe waren da 17Tonnen Müll(siebzehn in Worten) und 54 Gelbe Säcke zum entsorgen. Kam alles in den Container und wurde weggefahren. Sogar in den Kellerschächten waren alte Reifen eingelagert.
    Zum Glück war auch noch so viel Brauchbares darin, was sich verkaufen ließ. Damit waren die Entsorgungskosten zum Teil gedeckt.
    Nur die Vorbesitzer des Mülls leben noch und sind ein Dorf weiter gezogen…..

    Seit dem bleibt es bei mir einigermaßen leer und übersichtlich.

    Einen größeren Stellenwert in meinem Leben besitzt Werkzeug, Frahrräder oder Material bzw. Teile, die man reparieren kann.

    Ansonsten mache ich nur noch hochwertige Anschaffungen. Dies kann auch ein 100jähriger Schrank sein, sollte er gut gearbeitet und aus hochwertigem Material sein.

    Mit freundlichem Gruß von der schwäbischen Alb

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  • Christof Herrmann 17. Februar 2015

    @Klaus
    Da kommt mir ein Zitat des niederländischen Architekten Rem Koolhaas ein: „Wenn weniger mehr ist, dann ist ’nichts‘ vielleicht alles.“

    @Dietmar
    Ich fand es interessant, über Deine Einstellung zum Besitz und zum Leben zu lesen. Kommt meinen Vorstellungen sehr nahe! Nur eines habe ich mir gefragt: Ist Dein mittlerweile „großes leeres Haus“ nicht die falsche Bleibe geworden? Verursacht es nicht auch Arbeit, Kosten und Belastung?

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    • Dietmar Roßdeutscher 18. Februar 2015

      Das Haus ist tatsächlich ein wunder Punkt.
      Ich verfolge aber damit einen Versuch. Ich brauche keine Bank. Renoviert wird nur wenn Geld vorhanden ist. Große Posten(z.B. Heizung) werden von privaten Geldgebern finanziert, auf max. zwei Jahre.
      Das Baumaterial ist gebraucht oder besteht aus Restposten und der Transport erfolgt wenn nötig mit einem Mietbus.
      Ab September will ich einen Teil vermieten, nur kostendeckend ohne Gewinnabsicht. Hoffe damit meine schlechte Ökobilanz aufzubessern:)

      Meine eigenen Räume sind im Haus mit Dämmung eingepackt damit ich nicht alles heizen muss. Warm ist damit nur mein Bad ein Aufenthaltsraum/Gästezimmer und die Küche. Das Wohnzimmer nur bei Bedarf..
      In einer fernen Zukunft stelle ich mir eine Art WG vor mit lauter getrennten Bereichen und einem gemeinsamen Aufenthaltsraum. Ein Haus in dem alle Bewohner von ihrer Minirente ohne große Wohnkosten, selbstbestimmt leben können.

      Gruß
      Dietmar

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  • Susanne 2. März 2015

    Nachdem ich meinen vorgestrigen Entrümpelungs-Durchhänger übverwunden habe, habe ich eben gerade ca. 30 Bücher in das „Buch zu verschenken-Regal“ gestellt, das wir in der Firma haben. Jeder kann dort Bücher reinstellen und auch welche nehmen.
    Ein spezielles Buch habe ich einem Kollegen geschenkt, weil ich weiss, dass er das Thema besonders mag.
    Und nun fühle ich mich so GUT :-D
    Insofern: es tut nicht immer weh, Dinge wegzugeben. Aber der Weg dorthin ist nicht immer ganz leicht.
    Wir bleiben dran!

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  • Gabriele Helene 2. März 2015

    Hallo an alle, wenn auch in grösseren Abständen – so lese ich jedoch alle Beiträge Interessant, anregend zum nachdenken, aber auch immer mit für und wider. Wenn Besitz wirklich so krank machen würde, müssten ja die Reichen irgendwann aussterben. Es ist ein grosser Unterschied, sich von etwas zu trennen, weil ein anderer es dringender braucht, oder sich von etwas zu trennen, um es in den Müll zu schmeissen. In einem, leeren Zimmer zu wohnen, um zu demonstrieren, dass man nichts braucht, finde ich sinnlos. Wenn jemand allerdings seine Zimmer leer räumt, um drei Betten für Asylsuchende aufzustellen, sieht das schon anders aus.
    Mein Zuhause ist gemütlich, und meine Freunde besuchen mich darum auch sehr gern.
    Es geut doch viel eher um den nutzlosen Konsum – das 47. Paar Schuhe, die neueste Duftnote von …, das angesagte Shirt, die moderne Lieblingsbeschäftigung – shoppen mit meinen Freundinnen – da wird mir schlecht. Und darum koche ich mir jetzt einen leckeren Teee, kuschel mich in meine Couchkissen und lese einen lustikgen Krimi (ein richtiges Buch übrigens)

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  • Susanne 2. März 2015

    Das stimmt absolut (also für mich ist es so): ich halte auch nichts vom „Leben im leeren, kahlen Zimmer“. Aber das ist hier auch nicht gemeint. Das Entrümpeln soll ja nur die Gegenstände betreffen, die wir 1. nicht benötigen, die uns 2. belasten und „zumüllen“, und die 3. von anderen Leuten vielleicht dringend gebraucht werden.
    Wenn ich solche Dinge weggeben kann, fühle ich mich gut ;-)
    Aber meine Sofakissen und die paar Tischdecken (u.ä.), an denen ich mich erfreue: die bleiben, denn die „brauche“ ich für mein Wohlbefinden.
    Das empfindet sicher jeder anders, aber ich sehe für mich keinen Sinn darin, in einer leeren Wohnung zu leben. Aber in einer Wohnung, in der nur noch meine Lieblingssachen drin sind, in der ich Platz habe und nicht von Kram „besessen“ werde: das ist das Ziel.

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  • Christof Herrmann 4. März 2015

    Hallo Gabriele, hallo Susanne,

    schönen Dank für Eure Kommentare.

    Richtig, Minimalismus heißt nicht, nichts zu haben. Es geht vielmehr „um den nutzlosen Konsum – das 47. Paar Schuhe, die neueste Duftnote“.

    Wenn allerdings jemand Freude an diesem „47. Paar Schuhe“ oder „der neuesten Duftnote“ hat, dieser Neuerwerb nicht vom wahren Leben abhält, kein Ballast ist, dann kann dieser jemand immer noch minimalistisch leben (ob das dann nachhaltig ist, steht auf einem anderen Blatt). Ein Minimalist kann also durchaus eine Sammlung besitzen und darf selbstverständlich auch seine Wohnung gemütlich einrichten.

    Viele Grüße

    Christof

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  • Sibylle 25. Juni 2015

    Ich lese hier seit einigen Tagen mit. Die gute Absicht ist bei mir da und ich habe auch schon viele Dinge in „gute Hände“ abgegeben, doch manchmal, wenn ich vor meinen Bücherregalen stehe, überkommt es mich trotzdem wieder und ich mag alles behalten.
    Andererseits, wenn ich es mit Abstand betrachte, würde ich ggf. doch gerne alle Bücher weggeben und noch mal ganz von vorn anfangen. Besonders aufgrund eines bevorstehenden Umzug denke ich mit Schrecken an 80 Kartons allein mit Büchern.
    Lebensmittel, Putzmittel und Kosmetika kann ich aufbrauchen, bei Büchern fehlt mir diese Komponente.

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    • Christof Herrmann 25. Juni 2015

      Ich bin bei den Büchern in zwei Schritten vorgegangen. Vielleicht hilft es Dir weiter: 1. Alle Bücher weggegeben, die ich höchstwahrscheinlich nicht mehr lese. Wenn man ehrlich ist, sind das die Hälfte oder mehr. Bei mir waren es locker 80 % 2. Vom Rest alle Bücher weggegeben, die ich nicht jederzeit wieder schnell besorgen kann (Bücherei!). Heute besitze ich vielleicht noch 50 Bücher ;-)

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      • Sibylle 27. Juni 2015

        Ich würde gern so einige Bücher endlich mal lesen… Doch wenn ich im Herbst zur Buchmesse fahre, kommen wieder locker 50 Titel dazu, die ich gern lesen würde.
        Ja, wahrscheinlich ist das Verfallsdatum einiger Bücher abgelaufen, wenn sie hier zu lange gelegen haben, ohne gelesen worden zu sein.

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  • Susanne 26. Dezember 2015

    Durch beharrliches Lesen von minimalistischer Literatur – und diesem Blog hier – habe ich irgendwie einen umgekehrten Besitzstandseffekt bei mir hervorgerufen … ich will Sachen immer nur noch loswerden und die meiste Zeit beim Ausmisten geht dafür drauf, zu überlegen, wo die Sachen noch gut verwendet werden können. Meist Caritas, Emmaus usw.
    Mittlerweile bin ich um so glücklicher, je weniger Sachen ich habe. Dabei habe ich aber immer noch recht viel … einiges braucht man ja auch wirklich, und dann gibt es Dinge, an denen man hängt. Das ist auch ok, finde ich.
    Einzig bei meinen Klamotten bin ich – trotz extremster Ausmistmaßnahmen, bei denen Tonnen von Anziehsachen zur Caritas kamen! – noch nicht so richtig bei einem „Minimum“ angekommen. Ich liebe einfach meinen gigantischen Kleiderberg … aber ich gebe nicht auf! Es wird nun nur noch in sehr seltenen Fällen etwas dazugekauft.

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    • Christof Herrmann 27. Dezember 2015

      Ich habe eine ähnliche Erfahrung gemacht. Alleine das Wissen von dem Besitztumseffekt, verhindert bei mir in die Konsumfalle zu geraten. Das Hinterfragen jedes Kaufs bzw. das Abwarten beim Auftreten des regelmäßigen Habenwollenreflex sind mir in Fleisch und Blut übergegangen.

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  • Gabriele Helene 26. Dezember 2015

    Hallo Christof, hallo an alle,
    das Jahr ist nun fast zu Ende, mein Plan – täglich eine Sache wegzuwerden oder wegzugeben, hat gut geklappt, ich habe durchgehalten, allerdings ab Mitte Oktober musste ich schon regelrecht suchen, noch etwas zu finden. Auch mein selbstgestelltes Ziel, nie mehr Lebensmittel zu kaufen, die schliesslich im Müll landen, weil es einfach zu viel war, ist – sagen wir mal – zu 95 Prozent erreicht. Bleibt also noch ein wenig für 2016.
    Wirklich freier und reicher wird man, wenn man geben kann ohne etwas dafür zu erwarten.
    Alles Gute für das Jahresende, ich freue mich auf neue Ideen !

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    • Christof Herrmann 27. Dezember 2015

      Schön, mal wieder von Dir zu lesen und dass Du Dein Vorhaben mit dem Loslassen und den Lebensmitteln durchgezogen hast. Ich glaube, Du musst Dir ein neues Ziel von 2016 setzen, damit es nicht langweilig wird ;-)

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  • Christel 19. September 2016

    Ich habe für mich festgestellt dass ich in dem Moment, in dem ich überlege wer mein Zeug noch gebrauchen könnte schon wieder in die nächste Falle tappe…“Wohin..Wer..Warum..“
    So wirds wieder umsortiert und…bleibt. Einmal rigoros sein und wirklich gleich entsorgen
    ist momentan die einzig wirkliche Lösung…für mich… Klingt blöd… is aber so..
    Mein Herz pocht jedesmal gar fürchterlich…Aber selbst das ist Übungssache…Später vermisst man höchstens 10 % der Dinge derer man sich entledigt hat…und selbst die sind ersetzbar…( Herzensdinge natürlich ausgeschlossen :-) )

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    • Biene 2. November 2016

      Sehe ich auch so, dass Loslassen von Besitztümern Übungssache ist. Früher ist mir das bei vielen Dingen richtig schwer gefallen – vor allem, wenn es etwas war, das ich von einem lieben Menschen geschenkt bekommen habe. Mittlerweile kann ich mich auch davon gut trennen. Die Liebe zu einem Menschen zeigt sich nicht darin, dass man alles dingliche hortet, was je von ihm gekommen ist.

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  • Nelly 1. Oktober 2016

    Hallo Christopf!

    Deine Homepage ist toll. Ich bin gerade darauf zugekommen.
    Muß mir noch alles angucken. Vor allem die Pilgerreise von
    Nürnberg nach Spanien per Füßlinge! Toll :-)
    Leider bezieht sich deine Homepage nur auf Möbel etc.
    bei mir liegt das Problem bei Zeitungsartikel und Papiere.

    Was macht man gegen Schreib-und Papiersucht?
    Bei mir ist es das Papier, was mich zunehmend stört.
    So schrieb ich Tagebuch oder auch Gedichte / Erkenntnisse,
    und lege alles zur Seite. Der nächste Tag brachte neues Papier.
    Rückblickend betrachtet, habe ich keine Erkenntnisse daraus gezogen.
    Ich war zwar bei mir – aber vieles konnte ich nicht „umsetzen“
    und das ist das, was so schmerzlich ist.
    Ich würde mich so glücklich fühlen, wenn ich alles loslassen könnte,
    aber ich habe Angst, etwas falsch zu machen.
    Durch eine ungerechtfertigte Kündigung habe ich den Boden
    unter den Füßen verloren, so daß ich mich wertlos fühle.
    Vielleicht suche ich einen seelischen Ausgleich über das Papier.

    Manchmal denke ich, man müßte so arm sein,
    wie eine Klosterfrau, nichts haben – nur das Nötigste.
    Und dann, entsprechend dem jeweiligem Bedürfnis …
    die Hände aufhalten und bitten oder gucken,
    was wirklich in diesem Moment gebraucht wird.
    Ich meine wirklich achtsam sein – mit sich selbst!
    Ganz ´bei sich sein – aus dem eigenem Innerem heraus,
    ohne Zettel + Papier zur Sicherheit, ohne Selbsthilfebücher.
    Einfach aus dir selbst heraus, weil alles ja im Menschen selber
    an-und grundgelegt ist!

    So, und das ist das Schlimme: Ich weiß das oder spüre das, alles selber
    und habe einfach nur große Angst, mein inneres Gefühl / Gespür
    in die Tat „umsetzen“ !
    Es ist, als würde ich – „mir selber nicht trauen“ !
    So, als hätte ich kein Ur-Vertrauen in mir, wobei Letzteres richtig ist.
    Weiß jemand Rat?
    Danke im Voraus

    Antworten
    • Christof Herrmann 16. Oktober 2016

      Hallo Nelly,

      zumindest zu Deiner Schreib-und Papiersucht möchte ich etwas schreiben. Wenn es Dir nur ums Loswerden Deiner Gedanken (und nicht auch ums später lesen) geht, spricht nichts dagegen, das Papier danach wegzuwerfen. Wenn Du Dir nicht sicher bist, kannst Du es mit dem Papier, das in einer Woche angefallen ist, probieren. Wenn es Dir ein paar Wochen später nicht fehlt, hast Du vielleicht den Mut, mehr loszulassen.

      Vielleicht hilft Dir auf Deinem Weg in ein leichteres Leben mein Artikel über die 8 Probleme, die ein einfaches leben lösen kann.

      Alles Gute und viele Grüße

      ChristoF

      Antworten
  • Angela 23. November 2017

    Eine Idee, die mir wirklich hilft, leicht auszuführen ist und keinen ‚Clutter‘ verursacht (außer einem zusätzlichen USB-Stick vielleicht): Fotos von den Dingen machen, dann weg, wohin auch immer egal, CDs, LPs, Bücher, Klamotten, mein Exemplar ist nicht das Einzige auf der Welt – wenn doch, klar, dann verkauf ichs auch ^^ – , ich hatte meine Freude daran (oder auch nicht, zumindest den – damals ’notwendigen‘ – Lustgewinn beim Kauf…).
    Die Fotos sind dann in einem Erinnerungs-Ordner, der aber außer ein paar bytes keinen wirklichen Platz einnimmt. Damit habe ich meine Erinnerungsstücke ‚erhalten‘, sie sind noch als ‚real‘ nachweisbar – es ist ja so oft ’nur‘ das Anschauen, das schöne Erinnerungen weckt.
    Es ist ein Projekt. Und ich bin noch am Anfang. Ich weiß, die Fotos sind eine ‚Krücke‘, aber der Besitz ist ja weg, steht nicht mehr im Weg rum, macht keine ‚Schutzmauer‘ mehr. Ich kann loslassen, habe aber noch ‚Erinnerungshilfen‘, bzw. ‚Erinnerungs-Erinnerungen‘. Für ab und zu mal reinschauen und selig lächeln, oder eben ’nur‘ zum wissen, dass es Fotos gibt.

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    • Christof Herrmann 23. November 2017

      Wenn Dir das hilft, Dinge loszulassen, ist das doch eine gute Idee. Vielleicht hilft das anderen auch. Ich kann mir nur nicht vorstellen, dass man sich auf lange Sicht Fotos von CDs, Büchern, Klamotten und anderem Kram anschaut.

      Bei Erinnerungsstücke wie Fotos, Souvenirs, Geschenke von den Lieben mache ich es übrigens so: Ich behalte nur ein oder zwei dieser Erinnerungsstücke pro Person oder pro Ereignis. Also z. B. ein gerahmtes Foto von der Oma, zwei Muscheln von dem schönen Urlaub auf Capri o. ä.

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