Wie gute Laune die Hilfsbereitschaft erhöht

Wie gute Laune die Hilfsbereitschaft erhöht - Foto: Glückliche Kinder in Malaysia (Christof Herrmann, 2007)

„Glück entsteht oft durch Aufmerksamkeit in kleinen Dingen, Unglück oft durch die Vernachlässigung kleiner Dinge.“ (Wilhelm Busch)

Ein Cent erzeugt dreimal gute Laune

Neulich ging ich nach dem Bezahlen im Supermarkt mit zwei Stoffbeuteln beladen zum Ausgang. Vor mir lief ein älterer Mann, davor eine Frau in meinem Alter. Plötzlich bückte sich die Frau und hob ein 1-Cent-Stück auf. Sie zeigte es dem älteren Mann, strahlte ihn an und schwebte zufrieden nach draußen. Der Mann drehte sich um, hielt mir die Tür auf und klopfte mir tatsächlich auf die Schulter, während er „Das Glück ist mit der Tüchtigen.“ sagte.

Ich war schwer überrascht. Ein winziges, fast wertloses Stück aus Stahl und Kupfer veränderte schlagartige die Stimmung und Hilfsbereitschaft dreier Menschen. Selbst als ich eine Stunde später zuhause meine Einkäufe in den Kühlschrank stellte, hatte ich noch immer gute Laune.

Gute Laune erhöht die Hilfsbereitschaft

Dann erinnerte ich mich, gelesen zu haben, dass Menschen viel eher helfen, wenn sie selbst gut gelaunt sind. Psychologische Studien ergaben, dass dazu Kleinigkeiten ausreichen. In einem Versuch versteckte man eine 10-Cent-Münze in einer Telefonzelle und wartete, dass jemand sie fand. Dann ließ ein Lockvogel vor dieser Person eine Tasche fallen, deren Inhalt sich über den Boden verstreute. 88 % von denen, die zuvor das 10-Cent-Stück fanden, halfen beim Einsammeln. Von denen, die kein 10-Cent-Stück fanden, halfen hingegen nur 4 %. In anderen Versuchen fand man heraus, dass uns auch schöne Musik und angenehme Gerüche hilfsbereiter machen.

Öfter mal altruistisch handeln

Wer diesen psychologischen Effekt kennt, dem fällt es leichter altruistisch zu handeln. Solches uneigennütziges Verhalten bewirkt immer Positives, was oft – direkt oder auf lange Sicht – wieder auf einen selbst zurückkommt. Hätte die Frau im Supermarkt den älteren Mann nicht angestrahlt, hätte er mir kaum die Tür aufgehalten und auf die Schulter geklopft. Hätte mir der Mann nicht die Tür aufgehalten und auf die Schulter geklopft, hätte ich diesen Artikel nicht geschrieben. Und hätte ich diesen Artikel nicht geschrieben …

Selbstloses Helfen muss keine große Sache sein und kann auch Wildfremden angeboten werden. Ein kurze Unterstützung, ein nettes Wort oder ein 1-Cent-Stück, das man rein zufällig verliert, reichen aus. Einen kollektiven Freudentaumel, wie er während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland zu spüren war, wird man dadurch nicht anzetteln. Mehr Freude, Glück und Wärme im Zusammenleben der Menschen ist aber allemal drin.

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{ 16 Kommentare }

  • Andrea 3. Mai 2013

    So rum hab ich das noch gar nicht betrachtet. Bei mir ist es eher so, dass ich durch Hilfsbereitschaft gute Laune bekomme. Wenn ich im Bus beim Aussteigen einer älteren Person mit dem Rollator helfe und dafür ein Lächeln bekomme, steigt meine Laune automatisch. Stelle ich immer wieder fest, wenn ich mal eher schlecht gelaunt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs bin.

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  • Sven 3. Mai 2013

    Ich verstehe den Artikel so, dass beides möglich ist. Also einfach mal nett und hilfsberet sein, was gute Laune verbreitet. Aber auch aus der guten Laune heraus Hilfsbereitschaft zeigen. Beides in unserer Ellbogengesellschaft eine Seltenheit geworden.

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  • Christof Herrmann 3. Mai 2013

    Genau, beides. Der Versuch mit der 10-Cent-Münze zeigt, dass wir hilfsbereiter sind, wenn wir gute Laune haben. Gute Laune wird aber auch erzeugt, wenn wir selbstlos helfen oder einfach nett sind. Eigentlich trivial, wenn auch leider nicht selbstverständlich. Nach der schönen Be­ge­ben­heit im Supermarkt vor paar Tagen, war mir danach, dies mal aufzuschreiben :-)

    Schönen Abend,

    Christof

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  • Hungerkünstler 4. Mai 2013

    Solch kleine Geschichten aus dem Alltag erfreuen den Leser des Blogs. Ich hatte heute in der Nacht schlecht geschlafen und meine Laune war eher mies. Nach der Lektüre hat sie sich spürbar gebessert.

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  • Christof Herrmann 4. Mai 2013

    Danke, lieber Hungerkünstler! Ich hoffe Du schläfst heute Nacht gut, damit Deine Laune noch besser wird :-)

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  • Inga 6. Mai 2013

    Schöner Artikel! Helfen und Selbstlosigkeit machen sehr viel Freude! Oder einfach mal den Mitmenschen ein Lächeln schenken. :) Vorgestern, ich war mit dem Rad unterwegs, kam mir eine alte Dame entgegen, ebenfalls auf dem Rad und sehr flott unterwegs; und strahlte mich an, einfach so! Ich strahlte zurück und freute mich noch Stunden später über diese Begegnung! Freundlichkeit kann so leicht sein. :)

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  • Christof Herrmann 6. Mai 2013

    Schöne kleine Geschichte, Inga. Freundlichkeit kann wirklich leicht sein und tut immer gut. Dazu fällt mir ein Zitat ein, auch wenn ich nicht weiß von wem es ist: „Sorge tun weh, aber ein freundliches Wort erfreut.“

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  • Ulrike 6. Mai 2013

    Meinst wohl „Sorge im Herzen kränkt, aber ein freundliches Wort erfreut.“ Das ist aus der Bibel, Sprüche Salomos, Kapitel 12, Vers 25

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  • Christof Herrmann 17. Mai 2013

    Genau das meinte ich. Hätte nicht gedacht, dass das aus der Bibel ist. Ich danke für die Auflösung!

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  • Ute K Mercado 3. Oktober 2013

    Ich bezahle gerne mal die Rechnung für Leute wenn ich währen meiner Mittagspause mal im Restaurant esse. Oft sind es ältere Leute die allein sitzen. Die Kellernin erzählt mir oft bei meinem nächsten Besuch wie sich die eine oder andere ältere Dame darüber freut. Es stimmt, es hat einen positiven Effekt auf den Rest meines UND deren Tag. Wer weiß wie sich das auf andere auswirkt die sie später begegnen.

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  • Sandra 12. Mai 2014

    Faszinierend finde ich, je mehr man es sich zur Gewohnheit macht, je weniger Platz ist noch übrig für schlechte Laune…und es ist mindestens so ansteckend wie Gähnen.
    Im Feng Shui sagen wir: „Chi folgt immer der Aufmerksamkeit…!“ oder in der Physik das Resonanzgesetz…wenn wir uns mit der Krankheit beschäftigen, geben wir unserer Krankheit weiter Nahrung…während wir uns mit der Gesundheit beschäftigen und vor allem, was wir dann damit alles wieder tun können, erzeugen wir Gesundheit.
    Oder im Buddhismus wie auf dem Ländle ;-) „Was wir heute säen, ernten wir morgen!“
    Achte auf Deine Gedanken,
    denn sie werden Deine Worte.
    Achte auf Deine Worte,
    denn sie werden Deine Taten.
    Achte auf Deine Taten,
    denn sie werden Deine Gewohnheit.
    Achte auf Deine Gewohnheiten,
    denn sie werden Dein Charakter.
    Achte auf Deinen Charakter,
    denn sie werden Dein Schicksal.
    …das Leben kann so herrlich einfach sein und wir haben immer die Wahlfreiheit!
    Gutgelaunte Grüße von Sandra

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    • Christof Herrmann 16. Mai 2014

      Deine gute Laune ist ja richtig ansteckend, Sandra ;-) Vielen Dank für Deine inspirierenden Worte.

      Ich bin auch der Meinung, dass man sich auf das Positive konzentrieren sollte, so schwer das manchmal oder manchen fällt. Positives bewirkt Positives.

      Das heißt allerdings nicht, dass man dann ganz von Enttäuschung, Krankheit und Verlust verschont bleibt. So lange man es jedoch versteht, in diesem Negativen das Gute zu sehen, bleibt man auf der Sonnenseite des Lebens.

      Einfach bewusste Grüße

      Christof

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  • Christian 13. Mai 2014

    Das Buch von Sahron Salzberg – Metta Meditation – paßt auch gut hier rein,
    auch das Kapital Metta – aus dem Buch von Fritz Schäfer – Der Buddha sprach nicht nur für Mönche und Nonnen – Fritz kann ich ganz viel verdanken, es ist sehr bereichernd Menschen kennenzulernen die ein samtiges Gefühl verbreiten.
    Gruß
    Christian

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    • Christof Herrmann 16. Mai 2014

      Deine Buchtipps klingen interessant. Du kannst sie gerne mal in den Kommentaren meiner Gelesen-Rubrik genauer vorstellen. „Gelesen im April & Mai“ kommt Anfang Juni.

      Viele Grüße

      Christof

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  • Valeria 9. November 2014

    Macht Sinn. Schön. Danke dafür, Christof! Wahrscheinlich ist der „schlecht“ gelaunte erstmal damit beschäftigt, a) seine Laune wieder nach oben steigen zu lassen, oder b) sich auf der schlechten Laune „aufzuhängen“. Da bleibt dann kein Platz für Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft.

    Viele gut gelaunte Menschen sind laut meiner Beobachtung einfach viel offener, herzlicher und vertrauter. Denke, da fällt es leichter, auch „anderen“ etwas Gutes zu tun.

    Manchmal mache ich bewusst „etwas Gutes“, etwas für mich normales, etwas einfaches, was jedoch heutzutage irgendwie selten ist. Die Leute rechnen nicht damit und sind dann dementsprechend positiv überrascht, was natürlich gute Laune und ein Gefühl des „Ich bin besonders“ erzeugt.

    Es sind Kleinigkeiten, die das Herz höher schlagen lassen und ein Lächeln auf dem Gesicht zaubern. Das ist gut und freut mich! :)

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  • catotje 18. August 2016

    Hallo zusammen,

    ich schleiche mich dann auch mal rein. Ich habe diesen Blog erst kürzlich entdeckt und konnte schon viele gute Tips finden, danke dafür!

    Zum Thema:
    Ihr müsst einfach mal in einer Großstadt auf der Straße fremde (sind es ja dann alle) Menschen grüßen oder auch nur freundlich anlächeln. Die meisten sind darüber total verdutzt, grüßen anschließend aber meist sehr freundlich zurück! ;-)

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