10 Tipps, wie es mit der Alpenüberquerung klappt

10 Tipps, wie es mit der Alpenüberquerung klappt - Foto: Der Funtensee im Steinernen Meer (Christof Herrmann, 2013)

„Erklimme die Berge und spüre die gute Energie. Der Friede in der Natur wird in dich fließen wie der Sonnenschein, der die Bäume nährt. Der Wind wird dich erfrischen, der Sturm dich mit Kraft erfüllen und alle deine Sorgen werden abfallen von dir, wie Herbstblätter.“ (John Muir)

Wer gerne im Gebirge ist und Mehrtagestouren für sich entdeckt hat, träumt früher oder später von einer Alpenüberquerung. Ich glaube, solche Träume sind dazu da, erfüllt zu werden. Deswegen bin ich in den letzten beiden Sommern von München nach Venedig und von Salzburg nach Triest gewandert. Die meisten, die gesund sind und über eine durchschnittliche Konstitution verfügen, könne das auch schaffen. Trotzdem brechen viele Alpenüberquerer vorzeitig ab. Auf dem Traumpfad München-Venedig lag der Anteil der Abbrecher unter meinen Mitwanderern bei einem Drittel. Dies muss nicht sein, wenn man ein paar grundsätzliche Dinge beachtet.

1. Schwindelfreiheit und Trittsicherheit prüfen

Auf jeder Alpenüberquerung gibt es Etappen, die alpine Erfahrung, Schwindelfreiheit und Trittsicherheit erfordern. Vor allem bei Wetterumbrüchen mit Nebel, Regen oder Schnee können diese Wegstellen gefährlich werden. Zwischen München und Venedig sind das zum Beispiel der Abstieg vom Schlauchkarsattel und der Aufstieg von der Roa-Scharte zur Nives-Scharte. Die Route von Salzburg nach Triest ist etwas einfacher. Exponiertes Gelände und kurze mit Drahtseilen versicherte Stellen müssen aber auch hier überwunden werden. Bevor man sich ins Abenteuer stürzt, sollte man bereits Erfahrung in den Bergen gesammelt haben.

2. Vor dem Abmarsch Fitness aufbauen

Täglich bis zu neun Stunden zu wandern, erfordert ein gewisses Maß an Fitness und Kondition. Ohne dem kann bald jeder Schritt zur Qual werden. Zwar kommt die Fitness im Laufe der Wochen beim Gehen, jedoch warten die Alpen und somit unzählige Auf- und Abstiege bereits zweieinhalb Tage hinter München bzw. zwei Stunden hinter Salzburg. Ich empfehle mindestens sechs Wochen vor dem Abmarsch mit dem „Trainingslager“ zu beginnen.

3. Schuhe einlaufen

Gibt es etwas Unangenehmeres, als mit Blasen an den Füßen über die Alpen zu steigen? Auch Blasenpflaster helfen dann oft nicht mehr. Man sollte also nur mit gründlich eingelaufenen Bergschuhen München oder Salzburg verlassen. Am Besten kauft man sie im Fachgeschäft, im Zweifel eine halbe oder ganze Schuhgröße größer. Auf mehrwöchigen Bergtouren schwillt der Fuß nämlich stärker an als auf Tagestouren.

4. Nur das Nötigste mitnehmen

Weniger ist mehr, auch oder gerade auf einer Alpenüberquerung. Jedes Gramm muss jeden Meter und jeden Höhenmeter fortbewegt werden. Ich versuche inklusive zwei Liter Wasser ein Gesamtgewicht von zehn Kilogramm auf dem Rücken nicht zu überschreiten. Auf einer mehrtägigen Hochgebirgeswanderung klappt das problemlos. Auf unserer diesjährigen Alpenüberquerung lag ich etwas darüber, da ich zusätzliche Karten, mehr Proviant und weitere Gegenstände wie eine Stirnlampe mitnahm. Trotzdem passte noch alles in einen 32 l Rucksack. Zu zweit oder in der Gruppe zu wandern, hat den Vorteil, dass man sich Ausrüstung teilen und Gewicht sparen kann.

5. Nicht auf Wanderkarten verzichten

Manche Wanderführer, wie die aus dem Bergverlag Rother, beinhalten Kartenausschnitte, die für die Orientierung in der unmittelbaren Umgebung ausreichen. Da ist es verlockend, auf zusätzliche Karten zu verzichten. Für eine komplette Alpenüberquerung sind das immerhin rund acht Stück. Bei mir kommen sie trotzdem in den Rucksack. Aus zweierlei Gründen: Erstens kann ich so nach Lust und Laune die vorgegebene Route variieren oder bei einem Wettersturz ins Tal absteigen. Zweitens kann ich mich anhand einer Karte auch über die nähere Umgebung hinaus zurechtfinden. Stehe ich auf einem Gipfel, möchte ich doch wissen, wie dieser mächtige schneebedeckte Gebirgszug auf der anderen Seite des Tals heißt. All dies ist mit kleinen Kartenausschnitten kaum möglich.

6. Vertrauen

Eine Reise zu Fuß ist ein kleines Abenteuer. Man wird vorab nicht erfahren, was einen unterwegs alles erwartet. Wahrscheinlich wird gerade das Unerwartete eintreten. Solange man aber Grundlegendes (wie die Tipps in diesem Blogbeitrag) beachtet hat und sich nicht unnötig in Gefahr bringt, spricht nichts gegen den Aufbruch. Vertrauen hilft dabei den ersten Schritt und die weiteren rund eine Millionen zu machen, Vertrauen auf den eigenen Körper, Vertrauen auf die Hilfsbereitschaft anderer Wanderer und Vertrauen auf die Herzlichkeit in den Hütten.

7. Ohne Zeitdruck wandern

23 Tage hatten Stephi und ich heuer Zeit, die Piazza dell’Unità d’Italia in Triest zu erreichen. Nach 23 Tagen, wenige Stunden bevor unser Nachtzug zurück nach Deutschland abfuhr, erreichten wir das Ziel. Dieses knappe Unterfangen war nur möglich, weil wir äußerst lange Etappen liefen, gesund blieben und das Wetter mitspielte. Besser ist es, einen vollen Monat einzuplanen. Gerade in den Bergen kann viel Unvorhergesehenes passieren. Auch wenn alles nach Plan läuft, möchte man in einer Landschaft, die in Millionen von Jahren entstand ist, lieber nicht hetzen. Ideal wäre es, kein festes Ende zu haben. Im Sommer letzten Jahres kündigte ich meinen Job und war frei wie ein Vogel. 32 Tage nachdem ich in München gestartet war, trudelte ich in Venedig ein. Wer zu wenig Urlaub am Stück bekommt, kann die Tour aufteilen. Im ersten Sommer könnte man von Salzburg über die Berchtesgadener Alpen, die Salzburger Schieferalpen und die Hohe Tauern gehen. Im zweiten Jahr stünden dann die Gailtaler Alpen, der Karnische Hauptkamm, die Julischen Alpen und Friaul-Julisch Venetien auf dem Programm.

8. Mit Trekkingstöcken gehen

Hätte mir vor ein paar Jahren jemand gesagt, dass ich vor Eintritt ins Rentenalter mit Gehhilfen wandern würde, hätte ich ihn für verrückt erklärt. Zum Glück habe ich auf den Ratschlag erfolgreicher Alpenüberquerer gehört, Trekkingstöcke mitzunehmen. Ohne wäre ich vielleicht nie in Venedig oder Triest angekommen. Trekkingstöcke sorgen für Halt in schwierigem Gelände und für eine ausgewogenere Belastung der Arme und Beine. Längst sind diese modernen Wanderstöcke, die etwa bei Bergzeit erhältlich sind, leicht und ineinander schiebbar. Man kann sie problemlos am oder im Rucksack verstauen, um an gesicherten Stellen die Hände frei zu haben oder das Gleichgewichtsgefühl beim „normalen“ Gehen nicht zu verlieren.

9. Ausreichend schlafen

Wer in einem Monat von Salzburg ans Mittelmeer geht, bewältigt täglich durchschnittlich 18 km, 860 Höhenmeter im Aufstieg und 875 Höhenmeter im Abstieg. Zwischen Marienplatz und Markusplatz sind ähnliche Leistungen gefragt. Um dies zu schaffen, ist Regeneration sehr wichtig. Dazu zählt neben der Versorgung mit Nährstoffen vor allem ausreichend Schlaf. Diesen fand ich meist problemlos, selbst wenn ich mit zwanzig anderen im Matratzenlager lag. Für den Fall, dass mein Bettnachbar schnarcht, habe ich Ohropax griffbereit. Am besten schläft man natürlich im eigenen Zimmer. Diesen Luxus sollte man sich gelegentlich im Tal oder, sofern verfügbar, auf der Hütte leisten.

10. Zeitig aufbrechen

Ich versuche in den Bergen möglichst früh loszukommen. „Möglichst früh“ bedeutet für mich gegen 8 Uhr. Bei langen Etappen bleibt einem gar nichts anderes übrig, um das Tagesziel ohne Hetze zu erreichen. Aber auch an Tagen mit kürzerer Wegstrecke empfiehlt es sich aus mehreren Gründen, nicht auf Sprüche wie “Frühaufsteher sind schon abends Spielverderber” zu hören. Morgens ist die Luft angenehm kühl und das weiche Licht ideal zum Fotografieren. Mittags hat man bereits einen großen Teil des Pensums geschafft und kann eine Weile aus der Sonne gehen. Und wenn am Spätnachmittag in den Alpen oft Gewitter aufziehen, befindet man schon auf der Hütte.

Um keine Artikel zu verpassen, kannst Du Dich hier mit mir verbinden: Newsletter, RSS-Feed, Facebook, Twitter, Google+, Pinterest

Ich freue mich auch, wenn Du den Artikel mit Deinen Freunden teilst oder einen Kommentar hinterlässt.

{ 16 Kommentare }

  • Christian Berger 26. September 2013

    Lieber Christof,
    man denkt immer,dass alles bekannt sei,aber Deine Tipps beweisen,weit gefehlt.
    Du hast mit Deiner Trekking-Tour Erfahrungen gesammelt und hier vermittelt.Dafür danke ich Dir.
    Ich werde mit fast 70 Deine Tour nicht machen,aber bei meinen bescheidenen Touren Deine Tipps mit nutzen.
    Viele Grüsse, Christian.

    Antworten
  • Franky 27. September 2013

    Schöner Artikel mit guten Tips! Ich fahre jedes Jahr in den Bergen. An eine Tour mit Hüttenübernachtungen habe ich mich noch nicht ran getraut. Ich sollte mir wohl mal Tip 6 „Vertrauen“ zu Herzen nehmen. Hast jemand einen Tip für eine 4 oder 5 Tage-Tour? Franky

    Antworten
  • Michael 27. September 2013

    Ich kann Deine Tipps nur aus eigener Erfahrung bestätigen und bin froh, nachdem ich Dein facebook Tagebuch diesen Sommer gelesen habe, dass Du weniger Eile / Zeitdruck empfiehlst.
    Zum Gewicht: Ich habe mit 14 kg die Alpenüberquerung gemacht und ich habe eindeutig zuviel geschleppt. Lieber 20 mal aussortieren als 2 kg zuviel mitschleppen! Als ich zurück war, wußte ich leider erst, was ich noch hätte aussortieren können :-)

    Antworten
  • Christof Herrmann 27. September 2013

    @Christian
    Besten Dank für Deine herzlichen Zeilen und viel Spaß bei Deinen Touren.

    @Franky
    4- bis 5-tägige Touren in den Alpen gibt es natürlich einige. Um bei Salzburg-Triest zu bleiben, könntest Du die ersten fünf Etappen von Salzburg nach Maria Alm laufen, so wie ich es nun für 2014 geplant habe (dieses Jahr sind wir etwas anders gelaufen, u. a. möchte ich in Zukunft die Bootsfahrt auf dem Königssee vermeiden). Du würdest dabei die kompletten Berchtesgadener Alpen (inkl. dem Steinernen Meer) überqueren. Salzburg ist mit der Bahn (auch Bayernticket) zu erreichen. Von Maria Alm kommt man mit dem Bus in wenigen Minuten nach Saalfelden am Steinernen Meer, wo es ebenfalls einen Bahnhof gibt. Hier die Etappen: 1. Salzburg – Toni-Lenz-Hütte 2. Toni-Lenz-Hütte – Berchtesgaden (inkl. Besuch Schellenberger Eishöhle) 3. Berchtesgaden – Gotzenalm 4. Gotzenalm – Kärlingerhaus 5. Kärlingerhaus – Maria Alm

    @Michael
    Ich hatte letzes Jahr ähnlich viel dabei wie Du. Vermutlich geht es den meisten auf der ersten längeren Hüttentour so. Mal sehen, ob ich 2014 unter 10 kg komme. Planst Du denn schon die nächste Tour?

    Antworten
  • Johann 4. Oktober 2013

    Den 10. Punkt möchte ich noch etwas ergänzen. Es lohnt sich auch manchmal um 6 Uhr kurz vor Sonnenaufgang aufzubrechen, weil man die Berge dann in einer ganz besonderen Stimmung erleben kann.
    Auf der Wanderung von München nach Venedig haben wir das auf der Glungezer- und der Piscaduhütte gemacht und es waren beidesmal unvergessene Sonnenaufgänge.

    Antworten
  • Christof Herrmann 5. Oktober 2013

    Danke für den Tipp, Johann. Allerdings hattet ihr ja ein Zelt dabei. Da ist es einfach, um sechs Uhr mal kurz den Sonnenaufgang anzuschauen und danach wieder in den warmen Schlafsack zu kriechen ;-) Bisschen ärgerlich fand ich, dass es auf manchen Hütten erst ab 7 oder 7:30 Uhr Frühstück gibt.

    Antworten
  • hildegard 3. November 2013

    hallo, Lieber Christof,
    hab mal wieder bei dir rumgelesen .
    kannst du mir bitte deine infos zu salzburg triest zusenden
    plane ja für 2014 auch wieder einmal über die alpen , aber ich gehe gerne alleine.
    dir weiterhin gute ideen .
    gruß hildegard

    Antworten
  • Christof Herrmann 4. November 2013

    Liebe Hildegard,

    schön, dass Du mal wieder bei mir rumgelesen hast :-)

    Das Dokument mit den Details zur Route Salzburg-Triest 2014 schicke ich Dir gerne! Sollte in einer Minute bei Dir sein.

    Viele Grüße

    Christof

    Antworten
  • Reinhard 2. April 2014

    Hallo Christof,
    danke für Deine Tipps. Da wir ja nun ein Jahr Zeit haben uns vorzubereiten werden wir das alles sicher beherzigen können. Im frühen Sommer wollen wir ja in den Harz und dort weitere Streckenerfahrungen machen. Ich selbst fahre dann mit einem Freund zusammen über die franz Alpen (Albertville. Val de Isere ) nach Turin dabei aknn ich dann auch schon mal wieder Höhenluft schnuppern und an den Bergen „riechen“.
    Das mit dem Auto ist bei uns vor allem im Winter ein Problem – wir haben immer wieder dran gedacht aber bei den Arbeitszeiten meiner Frau ist noch nix mit öffentlichen Nahverkehr. Aber im Sommer bzw. schon seit Anfang März ist das Rad unser treuer Begleiter.
    Herzliche Grüße
    Reinhard

    Antworten
    • Christof Herrmann 4. April 2014

      Hallo Reinhard,

      schön, dass Ihr bereits in den Vorbereitungen für die Alpenüberquerung seid. Da habt ihr ausreichend Zeit. Welche wollte ihr denn nächstes Jahr in Angriff nehmen? München-Venedig, Salzburg-Triest oder eine andere?

      Viele Grüße aus Franken

      Christof

      Antworten
  • Susan 9. Juni 2015

    Hi Christof,

    Ganz tolle Webseite! Echt super.
    Wo findet man denn Infos zu den Huetten / Uebernachtungsmoeglichkeiten fuer die Wanderung Salzburg – Triest?

    Mfg, Susan

    Antworten
    • Christof Herrmann 9. Juni 2015

      Danke, Susan!

      Mein Wanderführer „Alpenüberquerung Salzburg-Triest“ kommt erst im Frühjahr 2016 im Bergverlag Rother raus. Die wichtigsten Infos findest Du aber bereits jetzt in der FAQ zur Alpenüberquerung 2015 und im PDF, das ich Dir gleich mailen.

      Viele Grüße

      Christof

      Antworten
  • Johannes 31. Juli 2015

    Vielleicht kann ich mich nun endlich auch mal dazu animieren die Alpenüberquerung in Angriff zu nehmen :-) Bis jetzt habe ich mich leider nicht rangetraut…. Venedig ich komme!!! ;-)) danke Christof, toller Artikel! Gruß, Jo

    Antworten
  • Daniela 6. November 2015

    Lieber Christof,
    ich bewundere die Fotos oder Artikel zum Thema Alpenüberquerung.
    Vor allem das Thema „Gepäck“ interessiert mich sehr. Wir machen selbst sehr viele Tagestouren, hin und wieder mal eine Mehrtagestour auf der Hütte oder im Zelt.
    Unter 10 kg für so lange Zeit zu sein kann ich mir aber irgendwie schwer vorstellen. Mein 30 l Rucksack ist meist für eine normale Tageswanderung schon vollgepackt, vor allem mit Überbekleidung.
    Kannst du irgendwelche Tipps geben, wovon man vielleicht gemeinhin annimmt man braucht es, und braucht es dann doch nicht?
    Liebe Grüße, Daniela

    Antworten
    • Christof Herrmann 7. November 2015

      Hallo Daniela,

      nimm so wenig wie möglich und so viel wie nötig mit ;-)

      Vielleicht hilft Dir meine Packliste für Hochgebirgenswanderungen. Ich nehme mittlerweile sogar noch etwas weniger Klamotten mit.

      Ein paar Tipps und eine überarbeitete Packliste gibt es auch in meinem Buch „Alpenüberquerung Salzburg-Triest“, das im April oder Mai 2016 erscheint. Hier schon mal ein Auszug aus meinem Manuskript, der vielleicht Deine Frage beantwortet:

      „Ich könnte ein ganzes Buch zum Thema Ausrüstung auf einer Fernwanderung im Hochgebirge füllen, muss mich an dieser Stelle aber kurz fassen. Lassen Sie sich ggf. in einem Outdoor-Fachgeschäft beraten. Grundsätzlich sollte man so viel wie nötig und so wenig wie möglich mitnehmen. Wer seinen Rucksack nach dem Motto „Weniger ist mehr“ packt (und danach lebt), wird die Tour (und das Leben) mehr genießen können. Man kommt schneller voran, hat an versicherten und ausgesetzten Stellen weniger Probleme und verringert das Risiko, sich zu verletzten oder Belastungsschmerzen zu bekommen. Die meisten Wanderer schleppen viel zu viel mit sich herum. Ich bin auf meinen letzten Alpenüberquerungen mit einem 32-Liter-Rucksack und 9 kg ausgekommen, obwohl ich als Autor und Veganer ein Tablet, eine Fotoausrüstung, eine Powerbank und reichlich Proviant mitnehmen musste. Freunde von mir sind wochenlang mit Rucksäcken mit einem Volumen von rund 25 Liter unterwegs und haben sich nie beklagt, irgendetwas zu vermissen. Wichtig ist, für Notfallsituationen gewappnet zu sein und einen zuverlässigen Wetterschutz zu haben. Sengende Sonne, strömender Regen, Windböen, Schneetreiben – im Hochgebirge muss man sich selbst im Sommer auf einiges gefasst machen. Ihre Ausrüstung sollte sich schon vor der Alpenüberquerung bewährt haben (zumindest auf mehreren Tageswanderungen mit vollem Gepäck) und Sie sollten bereits Routine im Umgang mit den einzelnen Gegenständen haben. Dazu zählen v. a. die Wanderschuhe, der Kälte- und Regenschutz, das Erste-Hilfe-Set sowie das Equipment für die Orientierung.
      Die folgenden Tipps helfen beim Gewicht sparen und beim Herauszufinden, was für einen persönlich „so viel wie nötig und so wenig wie möglich“ bedeutet:
      – Ein Rucksack mit geringem Volumen hat auch ein geringes Eigengewicht.
      – Funktionskleidung ist leicht, hat ein geringes Packmaß und trocknet schnell.
      – Setzen Sie auf das Zwiebelprinzip, d. h. tragen Sie ggf. mehrere dünne Kleidungsschichten übereinander.
      – Breiten Sie die gesamte Ausrüstung auf dem Boden oder Bett aus und stellen Sie sich bei jedem Gegenstand diese drei Fragen: Brauche ich ihn zum Überleben? Kann seine Funktion von einem anderen Gegenstand übernommen werden (ein Smartphone kann u. U. den Foto ersetzen)? Kann ich ihn unterwegs ausleihen oder mit anderen teilen?
      – Packen Sie mit Hilfe einer Waage. Ein T-Shirt kann 80 g wiegen oder das dreifache.
      – Um Ordnung im Rucksack zu halten, kann ich Zip-Beutel empfehlen. Es gibt sie in unterschiedlichen Größen und Qualitäten. Ein kleiner ersetzt zum Beispiel einen deutlich schwereren Waschbeutel.
      – Verzichten Sie auf Bespaßungen wie den Urlaubskrimi oder den Knopf im Ohr. Das tägliche Gehen, die Berge, Flora und Fauna sowie die Begegnungen mit Einheimischen und anderen Wanderern werden Sie ausreichend beschäftigen – im doppelten Sinne des Wortes.
      – Es hat sich noch niemand zu Tode gestunken.
      – Wenn Sie mir den letzten Punkt nicht glauben, kann ich Sie trotzdem beruhigen. Mit etwas Shampoo und Wasser bekommt man am Etappenziel die Schmutzwäsche ausreichend sauber. Wringt man sie gut aus und hängt sie an geeigneter Stelle (warme Stube, Wind, Sonne) auf, sollte sie am nächsten Morgen trocken sein. In vielen Hotels und Pensionen kann man auf Nachfrage gegen eine geringe Gebühr die Waschmaschine benutzen.
      – Wissen Sie über den anstehenden Wegabschnitt Bescheid. Wenn auf einer Etappe mehrere Brunnen und Quellen liegen, muss man nicht mit zwei Liter Wasser aufbrechen. In diesem Buch habe ich bei jeder Etappe angegeben, wo es Wasserstellen, Einkehrmöglichkeiten, Supermärkte, Sportgeschäfte und Apotheken gibt.“

      Viele Grüße

      Christof

      Antworten

Hinterlasse einen Kommentar