Warum Wandern minimalistisch ist

Warum Wandern minimalistisch ist - Foto: Rapsfelder in der Fränkischen Schweiz. (Christof Herrmann, 2014)

„Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen.“ (Johann Wolfgang von Goethe, deutscher Dichter, 1749 – 1832)

Plötzlich auf dem Jakobsweg

Gestern war ich mit meinem Vater zum Wandern verabredet. Wir trafen uns am Bahnhof Eggolsheim und liefen in drei Stunden zum Kreuzberg bei Hallerndorf. Nach der Einkehr im Bierkeller fuhr mein Vater mit Bus und Bahn zurück. Ich wollte mich noch mehr bewegen, fühlte mich gut und hatte ausreichend Wasser dabei. Also entschloss ich mich spontan, weiter zu wandern, nach Hause, um genauer zu sein. Ich hatte nämlich an der Wallfahrtskirche auf dem Kreuzberg die Markierung des Jakobsweges entdeckt, der direkt an unserer Haustür vorbeiführt.

Dieser Blogartikel entstand beim Wandern

Ich sollte meinen Entschluss nicht bereuen. Der Gang durch den angenehm temperierten Wald war ein Genuss. Bis zu den ersten Häusern von Forchheim hatte ich all die Kleinode der Natur für mich allein. Unterwegs stellt ich mir die Frage, warum ich so gerne wandere. Neben dem Naturerlebnis, der reinen Luft und der Bewegung kam mir ein Grund in den Sinn: Weil Wandern minimalistisch ist! Ich erkannte zu meiner Überraschung, dass ich schon immer diese Einfachheit am Wandern geliebt habe. Am späten Nachmittag traf ich etwas müde, aber ziemlich zufrieden zuhause ein. Ich hatte 28 km in den Beinen und diesen Blogartikel im Kopf.

5 Gründe, warum Wandern minimalistisch ist

Der Zusammenhang zwischen Bewegung und Hirnleistung ist wissenschaftlich nachgewiesen. Kein Wunder, dass mir gestern eine Reihe von Gründen eingefallen ist, warum Wandern minimalistisch ist. Hier die fünf wichtigsten:

  • Gehen ist die ursprünglichste und natürlichste Fortbewegungsart des Homo sapiens. Und Wandern ist nichts anderes als Gehen in der Landschaft. Rennen, Radeln, Zug fahren und Autofahren hingegen sind gescheiterte Versuche, etwas Perfektes zu verbessern.
  • Beim Wandern wird niemand ausgeschlossen, denn gehen kann fast jeder. Wer es aus körperlichen oder Altersgründen nicht schafft, muss nicht unbedingt in die Röhre gucken. Es gibt Baby-/Kindertragen, geländetaugliche Kinderwagen und barrierefreie Wanderwege.
  • Gutes Schuhwerk, Sonnen- und Regenschutz, ausreichend Wasser – viel mehr braucht man nicht, um zu starten. Erst wenn man tagelang durchs Flachland oder Mittelgebirge marschieren oder über die Alpen steigen möchte, sollte man sich mehr Gedanken über die Ausrüstung machen. Auch dann gilt: Weniger ist mehr.
  • Wandergebiete gibt es überall. Weite Anreisen sind nicht nötig. Selbst in Großstädten finden sich Möglichkeiten wie der Englische Garten in München, Havel und Wannsee in Berlin oder der Alsterwanderweg in Hamburg. Oft bietet es sich an, direkt von zuhause loszulaufen. Meine bisher längste Tour führte mich von meiner Haustür in Franken in 52 Tagen nach Venedig.
  • Wandern ist nicht nur minimalistisch, sondern lehrt uns auch im Alltag einfacher zu leben. Wir werden unterwegs so reich beschenkt, dass es uns an nichts fehlt, so wenig wir auch mitnehmen. Sind wir mit allen Sinnen dabei, kann uns das Naturerlebnis zu unseren Wurzeln und dem, was für uns wichtig ist, führen. Der US-amerikanische Philosoph und Schriftsteller Ralph Waldo Emerson brachte dieses Erlebnis im 19. Jahrhundert mit den wunderschönen Worten zum Ausdruck: „Abends ging ich hinaus in die Dunkelheit, da sah ich einen schimmernden Stern und hörte einen Frosch quaken. Die Natur schien zu sagen: Nun? Ist das nicht genug?“

Das Gehen geht auch kompliziert

Wir Menschen haben den hanebüchenen Hang, Einfaches kompliziert zu machen. Diese Gefahr besteht auch beim Wandern. Man kann ans Ende der Welt fliegen, um einen Trail zu gehen, den man angeblich einmal im Leben gemacht haben muss. Man kann sich zu Tode schleppen. Man kann vor lauter Ausrüstungsfetischismus nicht mehr zum Wandern kommen. Man kann wandern, obwohl man keine Lust dazu hat …

Mach es einfach, im doppelten Sinne

Keep it simple! Ich empfehle, auf wenige, aber hochwertige Ausrüstungsgegenstände zu setzen. Und dann einfach machen: Raus in die Natur. Die Luft einatmen. Staunen. Wandern. Genießen.

Warum Wandern minimalistisch ist - Foto: Stephi geht den Anstieg zum Hundstein an, im Hintergrund das Steinerne Meer. (Christof Herrmann, 2013)

Bist Du auch der Meinung, dass Wandern minimalistisch ist? Fällt Dir ein weiterer Grund ein, warum das so ist?

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{ 55 Kommentare }

  • Christiane 2. August 2014

    Das ist ja wieder mal ein wunderbarer Artikel! Keep it simple ist ja auch mein Motto beim Radfahren – dem wohl am wenigsten gescheiterten Versuch, wenn man sich auf´s Ursprüngliche besinnt: einfach losradeln, anhalten wann und wo man will, in und mit der Natur sein.
    Ganz liebe Grüße
    Christiane

    Antworten
    • Christof Herrmann 2. August 2014

      Danke für Dein Lob! Da bin ich ja beruhigt, dass Du mir den Artikel nicht um die Ohren gehauen hast, wo ich das Radeln doch etwas provokant als „gescheiterten Versuche, etwas Perfektes [das Gehen/Wandern] zu verbessern“ bezeichnet habe ;-)

      Viele Grüße

      Christof

      Antworten
    • Johann 3. Dezember 2015

      Hallo Christiane!
      Naja, ein bißchen hat Christof dies ja auch relativiert mit „barrierefreien Wanderwegen“..:-) Diese sind eben auch für Radlwanderer (besser, weil gelenkschonend!) geeignet…;-)

      Antworten
  • Peter S. 2. August 2014

    Kann Christiane nur beipflichten. Mal wieder ein toller Artikel mit ein paar schönen Wortspielen und Sätzen. Er motiviert mich mal wieder zu wandern, vielleicht gleich morgen wenn das Wetter passt. Ich finde nämlich auch, dass das wandern minimalistisch ist.

    Antworten
    • Christof Herrmann 2. August 2014

      Freut mich, dass Dir der Text gefällt und Du morgen vielleicht sogar wandern gehst! Geht notfalls auch bei nicht so gutem Wetter ;-)

      Antworten
  • Manuela Hertel 2. August 2014

    Ja! Ein wirklich toller Artikel. Sehr gut. Ich mach das auch so. Einfach loslaufen. Ausrüstung braucht man wirklich nicht viel. Trinken – klar. Gute Schuhe – auch. Bei mir mus aber immer das Fernglas dabei sein. Oft verweile ich an schönen Orten einfach, und dann nach einiger Zeit in der Stille kann man vielleicht auch einige Beobachtungen machen. Und wenn es „nur“ der Eichelhäher ist. Auf diese Weise der Hektik des Alltags entfliehen ist einfach wunderbar. Man kommt zurück und ist stark für all die Herausforderungen, die das Leben so parat hat.

    Antworten
  • Jens | Hiking Blog 2. August 2014

    Wandern ist definitiv minimalistisch, weil du dafür wirklich kaum etwas brauchst. Und auch die Ausrüstung und Bekleidung lässt sich auf ein Minimum reduzieren.

    Antworten
  • Christof Herrmann 2. August 2014

    @Manuela @Jens

    Schön, dass auch Ihr meine These teilt. Mal sehen, ob jemand widerspricht oder einen weiteren Grund parat hat, warum Wandern minimalistisch ist …

    Antworten
  • Michael 2. August 2014

    …ja, ein wirklich lesenswerter Artikel und vor allem hast DU vollkommen RECHT…genau aus diesem Grund liebe ich das WANDERN!
    Wünsch Dir ein wunderschönes, wanderbares Wochenende!
    Alles Liebe
    Michael

    Antworten
  • Berger, Christian 2. August 2014

    Kluge Gedanken und machbar, man muss es nur tun.
    Was gibt es nur besseres, durch die Natur zu wandern und diese zu genießen.
    Wichtig ist, es zu tun und abzuschalten von den Alltagsproblemen.
    Liebe Grüsse,
    Christian.

    Antworten
  • joy 2. August 2014

    ein wunderbarer artikel – und ein foto wie aus dem bilderbuch!

    … hänschen klein… ging allein.. … lalala …. ;-)

    einfach nur DANKE!

    joy

    Antworten
  • Sabine 3. August 2014

    Ach ja, wie schön – du sprichst mir aus der Seele. Wandern ist minimalistisch und gibt so viel zurück. Und wie du schon schreibst, Schuhe an und los geht’s und genießen.

    Schön finde ich auch den Kommentar zum komplizierten Gehen – dass man nicht weit weg muss, um wandern zu können, muss man auch erst mal lernen. Wer hätte auch gedacht, dass man einfach nur aus dem Haus rausgehen und loslaufen kann :-).

    Liebe Grüße,
    Sabine :-)

    Antworten
  • Christof Herrmann 3. August 2014

    @all
    So viel positives Feedback, so viele liebe Kommentare, so starte ich gerne in den Tag :-)

    @Sabine
    Von zuhause aus zu starten hat noch paar mehr Vorteile. Wäre fast einen eigenen Artikel wert: 1. Man muss nicht auf die Uhr schauen, sondern startet, wenn man startbereit ist 2. Man kann notfalls noch mal zurück, wenn man etwas vergessen hat. 3. Man schon die Umwelt 4. Man schont seinen Geldbeutel 5. Man spart Zeit. 6. Man bewegt sich von bekanntem Terrain zum unbekannten Terrain …

    Antworten
  • erand 3. August 2014

    Hi,
    kennt wahrscheinlich schon jeder, aber trotzdem noch mal, weil es so wahr ist.

    “Ich habe mir meine besten Gedanken ergangen und kenne keinen Kummer, den man nicht weggehen kann.”
    Sören Kierkegaard

    Dazu kann ich nur, aus eigener Erfahrung nickend zustimmen.
    LG e.

    Antworten
  • Mark Dollery 3. August 2014

    Sehr gute Artikel, danke!
    Nachdem ich viel Zeit mit hohenblutdruck erzeugt durch zu viel stress zu kampfen hatte, versuche ich mein leben minimalistisch zu gestalten.
    Es hat geholfen. :-)
    Deine Artikeln haben ofters das bestätigt was ich gedacht haben, bloß das vegan sein fällt mir zu schwer.
    p.s German is my second language, sorry for any mistakes.

    Antworten
    • Christof Herrmann 3. August 2014

      Danke, Mark! Dein Deutsch ist doch sehr gut!

      Ja, wandern und minimalistisch leben im Allgemeinen, ist gesund und kann Stress und Burnout vermeiden :-)

      Zum „vegan sein“: Nicht jeder schafft das von heute auf morgen. Aber jedes Stück Fleisch und jedes Glas Milch, auf das man verzichtet, hilft!

      Antworten
    • Christof Herrmann 3. August 2014

      PS: Es gab hier übrigens einen interessanten Gastbeitrag von Daniel zum Thema Warum vegane Ernährung nicht kompliziert ist.

      Antworten
    • Udo 28. August 2014

      Hallo Mark,
      um es noch minimalistischer beim Wandern anzugehen, faste doch mal einen Tag oder eine Woche mit grünen Smoothies und viel Wasser…So ein Entlastungstag wirkt Wunder auf DEM Weg zum Jungbrunnen:-)
      Viel Spass!

      Antworten
      • Christof Herrmann 9. September 2014

        Ich habe in den 2000er Jahren paar Mal gefastet, meist so eine knappe Woche lang. Nur Smoothies waren da nicht erlaubt. Wird dadurch nicht der Magen zur Arbeit angeregt, was dann ja großen Hunger hervorruft? Da ich nur Flüssigkeit (Wasser, Tees, Brühen etc.) zu mir nahm, hatte ich nie einen verspürt.

        Antworten
  • Martina 3. August 2014

    Hallo Christof,
    danke für den schönen Artikel. Ich neige auch dazu eher zu komplizieren und bin froh, wenn mal wieder jemand anspricht wie einfach etwas sein kann. Das bringt mich zum schmunzeln über mich selber aber auch zum Nachdenken.
    Schönen Sonntag
    Martina

    Antworten
    • Christof Herrmann 3. August 2014

      Hallo Martina,

      oft ist es einfacher kompliziert zu sein. Haben es meist nicht anders gelernt. Ich muss mich auch immer zusammenreißen, dass ich es schön schlicht bleibt.

      EBG

      Christof

      Antworten
  • Hungerkünstler 3. August 2014

    Christof, da hast du ja den Rückweg vom Kreuzberg gut genutzt ;-). Ich kann jeden Satz, mit dem du das Loblied des Wanderns singst, mit voller Überzeugung unterschreiben. Ich wandere nun schon etwa 70 Jahre und kann nur sagen, dass Wandern hat mein Leben unheimlich bereichert. Ob Spaziergang von der Haustür aus, ob in den deutschen Mittelgebirgen oder den Dolomiten oder auch in eher exotischen Gegenden (Griechenland, England, Frankreich, Kanaren), wunderbar war es immer. Die Erinnerungen bleiben. Wie schön, dass es in diesem Blog so viele Wanderbegeisterte gibt.

    Antworten
    • Christof Herrmann 3. August 2014

      Von allen Menschen, die ich kenne, bist Du der mit den meisten Wanderkilometern! Wäre das nicht ein schöner zweiter Gastbeitrag ;-): „Wie das Wandern mein Leben bereichert hat“

      Antworten
  • rainer lenniger 3. August 2014

    hallo
    komme gerade von einer norwegenwanderung zurück.
    es war die hölle
    hatte den falschen partner mit
    er täuschte nur interesse vor
    ich komme auf meinen wanderungen immer besser alleine zurecht
    gruss rainer

    Antworten
    • Christof Herrmann 3. August 2014

      Das tut mir leid, Rainer. Hinterher ist man schlauer. Sicher hatte die Norwegenwanderung auch paar positive Aspekte, oder.

      Es ist sicher ratsam, wenn man die Mitwanderer gut kennt. Die Alpenüberquerung Salzburg-Triest gehen ab nächsten Sonntag inkl. mir acht Wanderer an. Ich kenne nur zwei davon, mit den anderen hatte ich nur Kontakt per E-Mail. Habe niemanden versprochen zusammen zu laufen. Alles kann, nichts muss.

      Ich geh mal offline und raus in die frische Luft.
      Viele Grüße

      Christof

      Antworten
    • Udo 28. August 2014

      Hallo Rainer,
      damit sprichst Du mir aus der Seele: „ich komme auf meinen wanderungen immer besser alleine zurecht“…
      Insbesondere, wer den Jakobsweg nach Santiago de Compostela gehen möchte: nur alleine!

      Morgengruss von der Sonneninsel
      Udo

      Antworten
  • Tanja Heller 3. August 2014

    Hallo Christof,

    ich hab leider keinen Flow dabei. Ist mir wandern vielleicht ZU minimalistisch, einfach nur schrecklich langweilig und ergebnislos :) ? An einer Küste ginge es ja noch. Ich schaffe lieber was mit meinen Händen. Gerade lege ich den Garten neu an. Das finden Andere bestimmt langweilig. Ich komischerweise nicht.

    Genieß es.

    Liebe Grüße,
    Tanja

    Antworten
  • Emmih 3. August 2014

    Lieber Christof,
    Deinen schönen Artikel habe ich nun schon das dritte Mal gelesen.
    Alles stimmt!
    Neben Bücher lesen, Pflanzen auf der Terrasse pflegen oder alles Mögliche mit Handarbeiten gestalten, gehörte Wandern schon immer zu mir.
    Seit einiger Zeit liegt in meinem kleinen Rucksack das“Tintenwelt Notizbuch“.
    Ganz spontane Gedanken haben dort schon ihren Platz gefunden.
    Wo kommen sie nicht ideenreicher als draußen in der frischen Luft beim Wandern!?
    Wasserflasche und ein Riegel! Was braucht es mehr dabei?
    Lieben Gruß an Dich und alle Leser
    Emmih

    Antworten
  • Heidi 3. August 2014

    Kann vieles gut nachvollziehen, bin aber selber eher der Fahrradtyp. Liegt daran, daß es mir schwer fällt mit Gepäck zu wandern. Selbst bei Minimalausstattung für einen mehrtägige Tour tun mir schnell Knie und Schultern weh. Hatte jedoch gerade eine ganz tolle Zeit bei einer 3 wöchigen Fahrradtour entlang von Neckar und Donau. So konnte ich Schlafsack und ein kleines Zelt mitnehmen und genießen völlig frei und unabhängig zu sein.Selbst für einen kleinen Malkasten war moch Platz. Kam mir im Vergleich zu anderen Radfahrern trotzdem ziemlich minimalistisch vor, weil ich mit meinem normalen Stadtfahrrad unterwegs war und keinerlei spezielles Fahrradzubehör/Kleidung gebraucht habe. WarHabeinfach nur meine beiden normalen Satteltaschen mit ein paar normalen Alltagsgegenständen

    Antworten
  • Annegret 3. August 2014

    Hallo Christof,

    ein schöner Artikel. Was mir zum Wandern noch einfällt, ist, daß Wandern ein einfaches Mittel ist zu entspannen. Schuhe an, Trinken mitnehmen, durchatmen, die Natur genießen.

    Viele Grüße
    Annegret

    Antworten
  • Maria 3. August 2014

    Mittlerweile ist Wandern für mich eines meiner liebsten Hobbys geworden und ich habe auch schon viele Wanderurlaube verbracht, die ich sehr genossen habe.

    Für mich sind es 2 Aspekte, warum es mich so hinzieht: Die Verlangsamung des Lebens und die für mich spürbare Nähe zur Natur.

    lg
    Maria

    Antworten
  • Nanne 3. August 2014

    Was das umperfekte Fahrradfahren angeht, lieber Christof, hast du ja einfach Recht! So minimalistisch wie wandern ist es einfach nicht. Man braucht ein Fahrrand und das benötigt wiederum Inspektionen, Pflege, ggf. Erneuerung einzelner Teile. Aber ich liebe seit meiner Kindheit Radfahren. Das ist mir die liebste Tätigkeit überhaupt, und ich bin so froh, dass ich jetzt auch im Alltag endlich wieder Kilometer machen kann.
    Ich gehe aber auch gerne spazieren, nur wenn es länger als 90 Minuten wird, dann wird es mir einfach zu lang…
    lg Nanne

    Antworten
  • chillerin 4. August 2014

    Spazieren gehen oder wandern ziehe ich dem Radfahren vor, weil man mehr von der Natur sieht. Die kleinen Lebewesen, auf die man nicht treten möchte; die Blumen am Wegesrand betrachten; mal eben stehen bleiben und die Aussicht genießen. Nicht nur dran vorbei fahren. Ein kleines Stück unserer schönen Erde intensiv genießen ist besser, als ein großes Stück nur „ankratzen“. Und die körperliche Bewegung ist beim Wandern auch besser als beim Radfahren.

    Antworten
  • Petra Koch-Röthlein 4. August 2014

    Lieber Christof!
    Wie du es doch immer wieder auf den Punkt bringst, was auch mir oft durch den Kopf geht und wo ich einfach nur zustimmen kann…Danke für deine Gedanken und Artikel, es ist sehr wohltuend sich darin so aufgehoben und verstanden zu fühlen!
    Liebe Grüße
    Petra

    Antworten
  • Christof Herrmann 4. August 2014

    @all
    Verrückt, da bin ich einen halben Tag offline und werde dann mit einem ganzen Schwung neuer Kommentare überrascht. So viele, dass ich gar nicht auf jede einzelne eingehen kann. Danke Euch allen!

    In diesem Text ging es ja eigentlich um die Frage, ob und warum das Wandern minimalistisch ist. Nun finden sich in den Kommentaren viele Gründe, warum man wandern soll bzw. was das Wandern so attraktiv macht. Das wird wohl mal ein extra Blogartikel;-)

    Nicht das ein falscher Eindruck entsteht: Ich habe nichts gegen das Radfahren, bin ja mal anderthalb Jahre um die Welt geradelt. Früher oder später werde ich auch über diese Fortbewegungsart schreiben, die durchaus ihre Vorteile und Reize gegenüber dem Pedalieren hat (weitere Stecke, mehr Gepäck, höherer Kalorienverbrauch etc.).

    Schönen Start in die Woche wünscht

    Christof

    Antworten
  • Wolfgang 4. August 2014

    Servus Christof,
    dein Wanderartikel kam gerade recht …
    Ich hab grad eine Wanderwoche mit meiner Frau im Tiroler Pitztal hinter mir, habe einige Wanderungen gemacht. Die schönste war wohl die über einen Gletscher zur Braunschweiger Hütte, wo wir eine 11-köpfige Damengruppe trafen, die von Hütte zu Hütte unterwegs waren, am nächsten Tag in Vent (Ötztal) sein wollten und am übernächsten in Meran. Tolle Stimmung auf der Hütte und als wir auf dem Rückweg in ein Gewitter gerieten, spürten wir die Allmacht der Natur ganz deutlich. Der Wettergott hatte aber ein Einsehen mit uns und es schüttete wie aus Schaffeln erst, als wir beim Gletscherexpress waren.
    Ein wunderbares Erlebnis war die Wanderung durch einen Zirbenwald auf dem Sechszeiger in Jerzens und ein anschließender Besucht in einem Sägerwerk, das Zirben komplett verarbeitet: Holz, angesetzter Likör mit Zapfen, Schnaps destilliert aus Zirbenhackschnitzel, Hobelspäne fürs Schlafzimmer, … Wer sich von meiner jahrelangen Begeisterung für die Zirbe anstecken lässt: http://www.gesund-zirbe.at
    Ganz liebe Grüße
    Wolfgang

    Antworten
    • Christof Herrmann 5. August 2014

      Servus Wolfgang,

      freut mich, dass Ihr paar tolle Wandertage und -erlebnisse im Pitztal hattet!

      Die 11 Damen waren sicher auf dem E5 Oberstdorf-Meran unterwegs.

      Viele Grüße

      Christof

      Antworten
  • Kate Dunning 4. August 2014

    und noch etwas..wandern ist nicht nur erholsam als Ausgleich zum heute weit verbreiteten Arbeitsstress – speziell konzentriertes PC-Arbeiten,oft unter Zeitdruck . Wandern hilft einem auch einen eigenen Rhythmus zu finden bzw zum ursprünglichen Bewegungsrhythmus zurückzufinden.. wir alle sind schließlich von Körperrhythmen bestimmt..

    Antworten
  • Gilbert Dietrich 5. August 2014

    Hallo Christof,
    ein toller Beitrag, der mich sehr an die Einfachheit erinnert, mit der ich Probleme entwirren kann, indem ich einfach loslaufe und entdecke: „Es ist, wie es ist und was daraus wird, muss sich zeigen.“ Hier ein paar Sätze aus einem Artikel von mir zum selben Thema:

    „Beim Spazieren gehen in der Natur wird unser Gehirn entlastet. Die Wahrnehmung ist eine eher ästhetische, als eine analytische. Die Reize, die uns begegnen sind weniger komplex und verlangen nicht nach Interpretation. Hindernisse, wie ein auf den Weg gestürzter Baum, müssen nicht durchdacht und beseitigt werden, sondern sie werden umgangen. In unseren sozialen Umfeldern klingt ‚ein Hindernis umgehen‘ nach passiver Vermeidungsstrategie, nach Verantwortungsverweigerung. In der Natur ist es notwendig und klug.“

    Ab nächstem Wochenende bin ich in Polen und werde versuchen, mich wieder zu erden.

    Mit besten Grüßen,

    Gilbert

    Antworten
    • Christof Herrmann 6. August 2014

      Hallo Gilbert,

      besten Dank für Dein Lob (und auch, dass Du meinen Artikel geteilt hast ;-))!

      Deine philosophischen Gedanken zum „Spazierengehen in der Natur“ sind klug und gut beobachtet. Werde mir gleich den kompletten Artikel durchlesen.

      Viel Spaß beim Erden in Polen.

      EBG

      Christof

      Antworten
  • trix 18. August 2014

    Jetzt bist Du schon unterwegs … ich schreib trotzdem. Neben all den Eindrücken, die ich beim Wandern sammle und all dem, was ich an Alltagssorgen und Stress loswerde, ist für mich die Bescheidenheit im Sein ein ganz entscheidender Faktor. Meist hab ich den J.W.-Kinderrucksack dabei. Der ist zwar winzig, aber was brauche ich mehr als eine Flasche Wasser und ein Butterbrot? :) Na gut – inzwischen hat sich der obligatorische Wanderkuchen von mir ebenfalls schon etabliert. :D lg

    Antworten
    • Christof Herrmann 9. September 2014

      Jetzt bin ich wieder zurück.

      „Bescheidenheit im Sein“ – schöne Beschreibung des Gefühls beim Wandern, trix.

      Ist der Wanderkuchen denn vegan? Dann würde ich mich über das Rezept freuen.

      Antworten
  • Mona 14. September 2014

    Hallo Christoph

    Natürlich bin ich begeistert von deinem Blog und deiner Alpenüberquerung! Lebe ich doch selbst in einem Alpenland und habe mich dank Bergsteigen jahrelang seelisch über Wasser gehalten….(wäre einen Textbeitrag wert). Und doch habe ich ein wenig gestutzt bei der Idee des Minimalismus. Gehen in Gottes Natur habe ich nie als minimalistisch empfunden, ganz im Gegenteil, es war und ist mir immer Zugang zur ganzen Fülle, die mich – wenn nötig – wieder auffüllt und trägt.
    Ich habe irgendwie aufgeatmet, als ich Punkt 5 deiner 5 Gründe las. Da bin ich voll und ganz dabei und verstehe, dass du minimalistisch so verstehst, dass du fast kein Material brauchst, um lange und erfüllt unterwegs zu sein. Toll! Danke, dass du uns durch deinen Blog teilhaben lässt an deiner Lebenserfahrung.
    Mona

    Antworten
    • Christof Herrmann 14. September 2014

      Hallo Mona,

      da bin ich ja beruhigt, dass der Artikel doch noch die Kurve gekriegt hat ;-) Danke auch fürs Lob zu Einfach bewusst.

      ChristoF

      Antworten
  • Sonja Berndl 30. September 2014

    Hallo Christof,

    wandern kann minimalistisch sein, wenn man sich bei der Ausrüstung nicht verfranst und die Natur auf sich wirken lässt.

    Die Natur selber ist gar nicht minimalistisch. Da gibt es allerhand zu entdecken: zwitschernde Vögel, winzige Käferchen mit tollen Zeichnungen und Farben, große und kleine Bäume und Sträucher, bunte Blumen, Aus- und Einblicke, idyllische Wiesen, lauschige Bäche, Gipfel und Täler und, und, und… Wäre die Natur auf das Wesentliche reduziert, könnte ein Käfer auch nur schwarz oder braun sein, müsste nicht blau oder rot-grün schillern. So gesehen ist wandern nicht schlicht-minimalistisch, sondern ziemlich vielfältig ausufernd. Menschen, die dem Wandern nichts abgewinnen können, fehlt vielleicht der Blick für diese Details, für die Abwechslung am Wegesrand?

    Sonja

    Antworten
    • Wolfgang 30. September 2014

      Liebe Sonja,
      du hast so was von recht! Die Natur ist dermaßen üppig ausgestattet/eingerichtet, dass die Fantasie des Menschen gar nicht ausreicht, das alles zu ermessen. Wer offenen Auges per pedes durch die Lande zieht, entdeckt immer etwas Neues. Aber nur wer gewohnt ist zu schauen und offen ist auch für scheinbare Kleinigkeiten, die oft übersehen werden, wird die Schätze der Natur finden.
      Ich wohne seit fast 30 Jahren in meinem Haus. Vorige Woche habe ich wie immer gleich nach dem Aufstehen aus dem Küchenfenster geblickt, auf meinen Schwimmteich. Sitzt da auf dem Geländer ein Eisvogel! Zu gerne hätte ich ihn fotografiert. Er wollte wohl aber, dass ich in in meinem Gedächtnis abbilde und schwupp, war er weg. Nie zuvor habe ich ein solches Prachtexemplar von einem Vogel in meiner Umgebung gesehen!
      Geht und schaut! Ihr werdet fündig! Sicher!
      Liebe Grüße
      Wolfgang

      Antworten
    • Christof Herrmann 2. Oktober 2014

      Hallo Sonja, hallo Wolfgang,

      die Natur ist fraglos üppig ausgestattet und wir nie gänzlich von uns erfasst werden.

      Trotzdem ist sie für mich minimalistisch. Minimalismus bedeutet nicht, nichts zu haben, sondern keinen Ballast zu haben. Das ist ein kleiner, aber entscheidender Unterschied. Die Natur kennt keinen Ballast. Alles hat seine Berechtigung. Die Natur eilt nicht und trotzdem wird alles erreicht.

      Viele Grüße

      Christof

      Antworten
  • Rohloff 7. März 2015

    Hallöchen,
    Danke für den Artikel.
    Ich gehe andauernd wandern. In Hamburg ist das super easy, ab in die S-oder U-Bahn und los – in Kiel ohne Auto schon schwerer. Deswegen bin ich sehr froh jetzt hier zu wohnen- Alsterwanderweg,Ahrensburg- bis Buckhorn oder Buchenkamp, Elbe, etc.
    Ich lasse meine Seele baumeln- da sein…
    ohne Lärm, Menschengetümmel und ohne Technik einfach nur sein… so als Mensch und einfach verbunden mit etwas Größerem.
    Das bringt Frieden und läßt das Herz lachen….Frische Luft und vollgetankt mit Glückshormone- bringt es auch viel mehr Spaß, danach auf der heimischen Couch.
    So nun mal raus- ab in die Natur…..
    Sonnige Grüße
    Birte

    Antworten
  • Waldameise 14. März 2015

    Bin durch Zufall auf deine schöne Seite gestoßen und werde mich gern noch weiter umschauen.

    Zum Thema „Wandern“ und „Minimalismus“ möchte ich dir gern mein Gedicht schicken:

    Genügsamkeit

    Den Geldbeutel, den brauch ich nicht,
    es reicht mir, wenn die Sonne sticht
    und mich hinaus ins Freie lockt.
    Dann schnapp ich meinen Wanderstock
    und alles andre bleibt zurück.
    Da draußen liegt mein ganzes Glück.
    Im Wald und auf den Blumenwiesen
    kann ich nach Herzenslust genießen,
    wonach es mich so sehr verzehrt.
    Jede Minute ist es wert,
    der Lerche in der Höh` zu lauschen,
    im Tal des Bächleins muntres Rauschen.
    Sich tasten durch die Nebelschwaden,
    den Tannennadelduft zu atmen,
    ins Körbchen geben braune Schwammerln
    und eifrig blaue Beeren sammeln.
    Auch die Feder nicht vergessen,
    die der Kuckuck einst besessen.
    All diese wunderschönen Gaben
    darf ich dann nach Hause tragen,
    wo ich wieder einmal denk`:
    Dieser Tag war ein Geschenk.

    (C) Andrea Oberdorfer

    Ein lieber Gruß von der „Waldameise“

    Antworten
  • Ralf 4. April 2015

    Servus,

    als Kind und dann auch als Jugendlicher war ich häufig auf den Beinen, ob zur Schule oder zum Bahnhof (vier Kilometer zu Fuß statt mit Schulbus) oder sporadisch vom Dienst heim (in Knobelbechern 20 Kilometer), an den Wochenenden häufig in den Alpen oder im Jura mit den Eltern unterwegs. Und dann… ja dann war über 25 Jahre nichts mehr.

    Nun besinne ich mich aus gesundheitlichen Gründen zurück. Kraft-, Ausdauer- und Koordinationstraining im eigens rasch hergerichteten „Studio“ in der Garage. Und immer dann, wenn ich entweder nicht dazu komme oder eine Ausrede nutze, das Training nicht zu machen, genieße ich die Trainingsalternative „Wandern“, meist in den frühen Abendstunden. Nichts Großartiges, nur fünf Kilometer auf dem Deich: Auf der Nordseite ´gen Osten, auf der Südseite des kleinen Flüßchens retour. Gestern zum ersten Male zehn Kilometer – ging überraschend gut. Obgleich mir das Sporttraining während der Ausführung Freude bereitet, muß ich mich doch immer wieder dazu überreden. Nicht so beim „Wandern“. Auch das Wetter spielt keine wirklich sonderliche Rolle.

    Ein paar gute Schuhe, ein bis zwei leichte Jacken und die obligatorische Pudelmütze, Handschuhe, Handy, ein Ball als Schwunggewicht (Schultern), Taschenlampe und ggf. eine kleine Flasche Wasser. An den Holzstock muß ich mich noch gewöhnen – nutze ihn eher als Gymnastik-Werkzeug während des Marsches und ggf. zur Abwehr bösartiger Eichhörnchen oder ähnlichem… Ja, mehr braucht es nicht, weder an Ausrüstung noch an Vorbereitung. Mehr als diese Mini-Wanderungen sind momentan zwar nicht drin, dennoch bemerke ich, wie gut sie mir tun – in jeder Beziehung.

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    • Christof Herrmann 5. April 2015

      Servus Ralf,

      ich fand es sehr interessant zu lesen, wie Du nach 25 Jahren den Weg zurück zum Gehen und Wandern gefunden hast. Du wirst sehen, dass bald auch noch größere Strecken kein Problem mehr sind.

      Übrigens muss ich mich wie Du zum Wandern und Gehen nie zwingen. Deswegen mache ich es auch oft. Zum Laufen oder gar Krafttraining muss ich mich zwingen, so dass ich es nur selten mache.

      Viele Grüße

      Christof

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  • Ping 25. April 2015

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