Warum Du Reisen von der Haustüre aus starten solltest

Warum Du Reisen von der Haustüre aus starten solltest - Foto: Wandern in Oberfranken (Christof Herrmann, 2013)

„Willst du immer weiter schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah.“ (Johann Wolfgang von Goethe, deutscher Dichter, 1749 – 1832)

Immer mehr in kürzerer Zeit erleben, immer weiter weg, immer exotischer. 1990 waren auf deutschen Flughäfen rund 80 Millionen Passagiere unterwegs, heute sind es bereits über 200 Millionen. Auch beim Reisen wollen wir möglichst hoch hinaus. Nur werden wir dadurch weiser, weltgewandter und wunschlos glücklich? Haben wir nicht eher in den schönsten Wochen des Jahres das Maß verloren?

Ich glaube, Goethe hatte recht. Das Gute liegt näher als gedacht. Nah ist das neue Fern. Langsam ist das neue Schnell. Ich rate sogar, eine Reise direkt von der Haustüre aus zu starten. Das klappt am besten zu Fuß oder mit dem Rad, unter Umständen auch bei einer (An-)Reise mit Bus und Bahn oder dem PKW.

Meine Reisen von der Haustüre aus

Ich habe die Vorteile, direkt von der Haustüre aus zu starten, am eigenen Leib erfahren. Eine Auswahl meiner Reisen der letzten 20 Jahre:

  • Als Student war ich mehrmals wochenlang mit dem InterRail-Ticket unterwegs. Auch wenn mich die Touren von Finnland bis Fes und von Gent bis Griechenland führten, starteten sie stets in meiner Bude in Würzburg. Ich packte meine Siebensachen, lief zum Bahnhof und stieg in die erstbeste Regionalbahn. Da hatte meine Reise längst begonnen. Es ging mir ums Unterwegssein und nicht ums Ankommen.
  • Im Spätsommer 2005 radelte ich in 18 Tagen von meiner Haustüre in Aachen nach Nizza am Mittelmeer. Zurück ging es mit dem Zug.
  • Von Februar 2006 bis Juli 2007 war ich auf einer 20.000 km langen Radweltreise. Los ging es abermals in Aachen. Erst dreieinhalb Monate später stieg ich in Amman in Jordanien zum ersten Mal in ein Flugzeug.
  • Im Sommer 2012 erfüllte ich mir den Traum, von München nach Venedig zu wandern. Ich hatte gerade meinen Job hingeworfen. So konnte ich es mir erlauben, von meiner Haustüre in Forchheim aus loszulaufen.
  • Diesen Herbst bin ich mit Stephi acht Tage lang durch Nordbayern geradelt. Start und Ziel war unser Häuschen in Pinzberg.

Auch Tageswanderungen, Nordic-Walking-Runden und kurze Radtouren starte ich oft von Zuhause aus, vor allem seit ich mein Auto verkauft habe.

Eines Tages möchte ich durch Franken und Bayern nach Salzburg wandern und dort die Alpenüberquerung Salzburg-Triest anhängen. Und falls ich je nach Santiago de Compostela pilgern sollte, wäre klar, wo ich starte. Jeder Jakobsweg beginnt vor dem eigenen Haus.

7 Gründe, warum Du Reisen von der Haustüre aus starten solltest

Warum nicht in die Ferne schweifen, nicht mit dem Schnellzug ins nächste Land rasen und schon gar nicht auf einen anderen Kontinent fliegen? Ein paar Gründe sind naheliegend, andere habe ich erst im Laufe der Zeit schätzen gelernt.

  • Du hast mehr vom Urlaub. Während andere noch am Brenner im Stau stehen, pedalierst Du schon durch deutsche Landen. Kommt noch die Rückfahrt dazu, sparst Du schnell zwei volle Tage.
  • Wer zu Fuß oder mit dem Rad startet, spart Geld, denn die Kosten für die An- und evtl. Rückreise entfallen.
  • Reisen von der Haustüre aus sind nachhaltiger und schonen die Umwelt.
  • Oft ist es möglich, auf den ersten Etappen bei Freunden zu übernachten. Das ist gleichermaßen gut für die Freundschaften und die Reisekasse.
  • Du entdeckst Deine Heimat von einer ganz anderen Seite. Keine Bange: Unbekanntes Territorium kommt spätestens nach 50 Kilometern (10 Kilometern, wer bisher zur Toskana- oder Tasmanien-Fraktion gehörte).
  • Es ist die entspannteste Art zu verreisen. Anstelle um 5:15 am Flughafen sein zu müssen, startet Du „irgendwann nach dem Frühstück“.
  • Du wirst nicht krank. Entspannt vom Bekannten zum Unbekannten zu reisen, sich also physisch und psychisch, klimatisch und kulinarisch langsam an das Fremde zu gewöhnen, sind bewährte (und rezeptfreie) Mittel gegen Montezumas Rache & Co.

Bonus: Tipps zur Planung für die Reisemittel Beine, Bike, Bahn und Pkw

Mir ist klar, dass nicht jeder jede Reise von der Haustüre aus starten kann oder möchte. Ich mache das auch nicht immer. Aber es ist eine wunderbare Alternative zum klassischen Urlaub. Die folgenden Tipps können bei der Planung helfen.

  • (Fern-)Wanderwege gibt es in der Nähe jeder Stadt in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Für Deutschland empfehle ich als Einstieg die Liste von Wanderwegen bei Wikipedia sowie das Portal Wanderbares Deutschland. Im Zeitschriftenhandel gibt es einige Magazine zum Thema, darunter das trekking-Magazin, für das ich mehrere Artikel geschrieben habe. Mitglieder des Deutschen Alpenvereins bekommen alle zwei Monate das lesenswerte Magazin Panorama, das zudem online zur Verfügung steht.
  • Auch in Sachen Radfahren wird Du bei Wikipedia und im Kiosk fündig. Das Radreise-Wiki und das Verzeichnis der Bahntrassenwege habe ich selbst oft verwendet.
  • „Fahr Bus und Bahn“ lautete der Werbeslogan, der in den achtziger Jahren die Autofahrer zum Umsteigen bewegen sollte. Mit dem Zug zu reisen, kann viel Vergnügen bereiten, gerade auf Nebenstrecken. Landschaftlich reizvolle Strecken sind etwa in der RailTravel Map Deutschland gekennzeichnet und findest Du online auf Führerstandsmitfahrten. Übrigens gibt es InterRail-Tickets längst auch für Personen über 25 Jahre. Neben der unter „Meine Reisen von der Haustüre aus“ angegebenen Webseite der europäischen Bahngesellschaften kann ich das Portal Raildude empfehlen, das ich schon als Student genutzt habe.
  • Und wenn man partout nicht auf den Pkw verzichten möchte? Dann kann es ein Gewinn sein, die Anreise zum Urlaubsort als Teil der Reise zu sehen. Also wenig befahrene Straßen und Ferienstraßen wählen, sich Zeit lassen, Zwischenstopps einlegen, um etwas zu besichtigen oder durch die Natur zu streifen …

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{ 41 Kommentare }

  • Max Sembach 21. Dezember 2014

    Hallo!
    Das sind schon plausible Gründe. Ich habe mehrere Radtouren bzw Radreisen ab der Haustüre unternommen. Kann es auch nur empfehlen. Einmal hatte ich etwas vergessen (Ladekabel fürs Handy). Bin dann noch mal eine Std. zurück gefahren. Im Flugzeug wäre das ja nicht möglich gewesen.
    Danke für den Link zu den Bahntrassenradwegen kannte ich noch nicht.
    Dass man auch als Erwachsener Interrail machen kann, wusste ich auch noch nicht. Muss ich mir genauet anschauen.
    Auch die Alpenüberquerungen Salzburg-Triest und München-Venedig würden mich reizen.
    Dieser Artikel ist eine wahre Fundgrube für mich!
    Gruss
    Max

    Antworten
    • Christof Herrmann 21. Dezember 2014

      Hallo Max,

      besten Dank für Deinen Kommentar und Dein Lob!

      InterRail ist seit 1998 auch für Personen über 25 Jahre möglich. Ich weiß das so genau, da ich damals 26 Jahre alt war und aufgrund der Änderung unerwartet meine InterRail-Karriere verlängern konnte ;-)

      Viele Grüße

      Christof

      Antworten
  • Elke Gelzleichter 21. Dezember 2014

    Das ist ein Artikel nach meinem Herzen! Ich wohne selbst in einer herrlichen Gegend, die u.a. die 29. Biosphäre der UNESCO beinhaltet und ich habe dem Eindruck, dass ich mit meinen 70 Jahren noch gut und gerne in weiteren 30 bis 40 Jahren Fuß-Wanderungen durch den Saar-Pfalz-Kreis, immer noch Zauberhaftes und Neues entdecken darf.

    Antworten
    • Christof Herrmann 21. Dezember 2014

      Und wenn Du nach den 30 bis 40 Jahren Fuß-Wanderungen durch den mir bis jetzt noch unbekannten Saar-Pfalz-Kreis tatsächlich alles gesehen hast, dann fängst Du einfach von vorne wieder an ;-)

      Antworten
    • Hungerkünstler 1. Januar 2015

      Bravo, das ist die richtige Einstellung zum Seniorenleben. Es gibt nichts Schöneres als ein Gang durch die Natur. Ich gehe auch so 100 mal im Jahr ab zuhause los und weitere 100 male mit kleinen Anfahrten mit Zug oder Bus. Frohes Wandern!

      Antworten
      • Christof Herrmann 1. Januar 2015

        Chapeau, 200 Wanderungen im Jahr, 100 davon von der Haustüre aus – wenn das mal nicht gesund und glücklich hält.

        Antworten
    • brigitte 14. Februar 2016

      Liebe Elke,
      natürlich ist es klasse so wunderbar durch die Gegend zu gehen.
      Mein Mann und ich sind früher durch Nepal, Indien gelaufen- jetzt hat er eine Gefäßerkrankung und ist fast blind und muß um in die Natur zu gelangen mit mir im Auto rausgefahren zu werden um zu genießen.
      Aber dann sind wir dabei am Genießen…
      Besonders wenn die Schwerbehinderung da ist sind Wege anders gestaltet.
      Liebe Grüße
      Brigitte

      Antworten
  • Anne 21. Dezember 2014

    Hallo,
    ja Christof du hast wie immer recht.Höher, größer, weiter,und dabei vergessen wir die schönsten Gegenden in Deutschland. Wir sind große Radfans. Da wir seit Jahren durchs Münsterland sausen, kommen für uns die unbekannten Kilometer erst sehr spät. Doch auch der Wiedererkennungswert……“weißt du noch, hier hatten wir letztens den ersten Platten oer hier müssen wir immer Pause machen“ ist sehr schön.
    Unser Vorsatz für den nächsten Sommer ist die Vennbahntrasse. Es soll eine drei Länder Tour werden.
    Ich wünsche dir und allen Lesern ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest
    und alles Gute für das neue Jahr
    liebe Grüße aus dem Münsterland
    Anne

    Antworten
    • Christof Herrmann 21. Dezember 2014

      Hallo Anne,

      schöner Plan! Den ersten Teil des Vennbahn-Radwegs bin ich in meiner Aachener Zeit mehrmals gefahren (der Rest wurde meines Wissens erst in den letzten Jahren fertig gestellt). Erinnere mich an ein nettes Cafe in einem ehemaligen Bahnhof in der Nähe von Kornelimünster, in das wir öfter eingekehrt sind. Paar Infos zur Vennbahntrasse findest Du übrigens im oben verlinkten Verzeichnis der Bahntrassenwege .

      Euch auch eine schöne Weihnachtszeit

      Christof

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  • Kerstin & Werner 21. Dezember 2014

    Hallo,

    wir leben ja seit dem 1.12. autofrei, auch durch Deinen motivierenden Blogbeitrag, vielen vielen Dank!
    Seit wir kein Auto mehr haben ist jedes Wochenende wie ein Kurzurlaub für uns, das wir zu Fuß oder in Verbindung mit Bus & Bahn verbringen. Da wir beide eine Jahreskarte für 2 unterschiedliche Tarifgebiete haben und am Wochenende jeweils bei dem anderen mitfahren können sind unsere Wochenenden meist sogar alle kostenlos :-)
    Es ist einfach nur befreiend zu wissen dass man in keinem Stau stehen muss, dass man keinen Parkplatz suchen und bezahlen muss und dass man nicht von den Ölkonzernen oder der Autoversicherung abhängig ist, von der Pflege und Wartung ganz zu schweigen. Okay – das ist jetzt ein kleiner Exkurs zum Thema „autofrei“ (-:
    Unser Wochenende und unsere zukünftigen Urlaube beginnen ab jetzt immer vor der Haustür, zu Fuß oder mit Bus und Bahn und das ist ein richtig gutes Gefühl! Einen Fernwanderweg zu laufen ist auch noch ein neues und reizendes Projekt für uns.
    Radfahren ist derzeit keine Alternative, Kerstin hatte im Sommer einen sehr schweren Radunfall (wir sind bis dahin sehr sehr viel mit dem Rad gefahren). Seitdem zieht es uns beide im Moment nicht wirklich zum Radfahren …

    Herzliche Grüße
    Kerstin und Werner

    Antworten
    • Christof Herrmann 21. Dezember 2014

      Hallo Kerstin & Werner,

      vielen Dank für die Blumen und Euren „kleinen Exkurs zum Thema autofrei“. Passt doch gut zum Thema „Reisen von der Haustüre aus“. Es führt ja automatisch dazu, dass man sich mehr bewegt, öfter in der eigenen Gegend draußen unterwegs ist.

      Ich hoffe Kerstin ist nach dem Unfall wieder gesund. Kann verstehen, dass ihr erst mal genug vom Radeln habt. Ist das nicht ein guter Grund, mit dem Fernwandern durchzustarten? Einfach Rucksack packen und losmarschieren ;-)

      Viele Grüße

      Christof

      Antworten
  • Johannes 21. Dezember 2014

    Hallo Christof,
    wie eigentlich immer ein schöner Artikel. Insbesondere das zu Hause starten ist etwas, was wir gelegentlich auch praktizieren. Da fängt der Urlaub einfach schon auf der Haustreppe an. Ein tolles Gefühl! :-)

    Antworten
  • Jessie 21. Dezember 2014

    Ahh toller Artikel! Spricht mir fast aus der Seele! :)

    LG Jessie

    Antworten
  • Christof Herrmann 21. Dezember 2014

    Hallo Johannes, hallo Jessie,

    danke für Euer (fast) positives Feedback :-)

    Viele Grüße

    Christof

    Antworten
  • Mario Rehse 21. Dezember 2014

    Sehr schöner Artikel – stimme absolut zu. Eine meiner schönsten Kajaktouren ging von Zuhause an die Nordsee
    War echt spannend, sich da ins Boot zu setzen, wo man sonst nur kürzere und längere Tagestouren startet, und mit Muskelkraft dorthin zu fahren, wo man sonst nur mit dem Auto hinfährt.

    Viele Grüße – Mario

    Antworten
    • Christof Herrmann 22. Dezember 2014

      Tolle Idee, einfach mit dem Kanu loszupaddeln, sofern man einen geeigneten Fluss vor der Haustüre hat.

      Antworten
  • Birgit 21. Dezember 2014

    Hallo Christof,
    heute muss ich dir mal widersprechen. Vielleicht ist dein Reisehunger durch die Weltreise so ziemlich gestillt worden? Auch wenn du zu Hause losgefahren bist, hast du doch eine Menge Länder, Menschen und Gegenden kennengelernt. Das erkunden der näheren Umgebung macht uns auch sehr großen Spaß. Aber die Reisen in ferne Länder erweitern meinen Horizont, machen mich sensibel für die Probleme unserer Welt. Ich bin demütiger geworden. Seitdem wir auf Borneo waren, ist uns die Vermeidung von Palmöl wichtig :-), wir sind seit der letzten Reise fast vegan geworden , da gibt es noch viele Beispiele. Ich glaube es ist wichtig mal über den Tellerrand zu schauen, schließlich fahren wir nicht ausschließlich los, um zu konsumieren, sondern vor allem um uns zu informieren.
    Liebe Grüße und schöne Weihnachtszeit
    Birgit

    Antworten
    • Christof Herrmann 22. Dezember 2014

      Hallo Birgit,

      ich habe noch nicht genug vom Reisen, im Gegenteil ;-) Ich muss dafür nur nicht mehr um die Welt jetten. Habe aber auch gut reden, war ich doch schon auf allen Kontinenten und habe viel gesehen und erlebt …

      Über den Tellerrand schauen, halte ich wie Du für wichtig. Nur muss man dafür immer mehr in die Ferne schweifen? Muss ich einen Stierkampf miterlebt haben, um gegen Stierkämpfe zu sein? Ich denke, wir sind heute mit Literatur, Kino, TV, Presse und Internet gut aufgeklärt.

      Mein Artikel und seine Überschrift sind bewusst etwas provokant. Am Ende relativiere ich das ganze ja. Nicht jeder wird und will jede Reise von der Haustüre aus starten.

      Ich fahre heute z. B. für paar Tage nach München. Die 5 km bis zum Bahnhof in Forchheim gehe ich zu Fuß. Dann gehts mit der RE nach Nürnberg. Und von dort rase ich mit dem ICE ans Ziel ;-)

      Viele Grüße

      Christof

      Antworten
      • Birgit 22. Dezember 2014

        Lieber Christof,
        Stierkampf ist kein gutes Beispiel, ich empfehle lieber die Kegelrobben auf Helgoland, die dort seit Wochen geboren werden. Ich kenne kaum ein größeres Glück, als das beobachten von Tieren in ihrem natürlichen Lebensraum. Natürlich nur so, das die Tiere möglichst nicht gestört werden. Und für manche Tiere, die uns interessieren muss man eben reisen.
        Es kommt aber auch darauf an, in welcher Gegend man so wohnt. Es können nun mal nicht alle in Bayern oder an der Nordsee wohnen…
        Aber grundsätzlich gebe ich dir und dem alten Goethe schon recht, das Gute liegt oft näher als man glaubt, man sieht es nur nicht immer.

        Mach weiter so und viel Spaß in München, ab dem 26.12. sind wir auch dort

        Antworten
  • Torsten 22. Dezember 2014

    Hallo Christof,

    bei Deinen Gedanken kann ich Dir nur zustimmen. Der Weg ist das Ziel und es gibt vieles vor der eigenen Haustür zu entdecken. Aber selbst Goethe hat ja zur Bildung und zum Genuss auch Fernreisen durchgeführt – am bekanntesten ist wohl seine Italienreise. Mangels Auto ist er aber mit der Pferdekutsche gefahren und das war wohl damals auch kein Vergnügen.

    Selbst mit dem Auto kann die Anreise zum Urlaubsort aber schon zu einem Erlebnis werden. Ich erinnere mich da auch immer wieder gern an meine Kindheit zurück. Das schönste mit am Familienurlaub waren die Vorbereitungen, das Kofferpacken und die Fahrt an die Ostsee oder ins Gebirge mit unserem Trabbi. Autobahnen gab es nicht so viel wie heute und wir sind über Land gefahren. Unterwegs wurde dann mehrmals Rast eingelegt und der mitgenommene Proviant im Picknick verzehrt.

    Das heutige Hin- und Herhasten vermiest einen die Lust am Urlaub und wenn man wieder zu Hause ist, dann braucht man auch erst einmal Urlaub vom Urlaub.

    Für Dich und Deine Lieben ein frohes besinnliches Weihnachtsfest!

    Beste Grüße Torsten

    Antworten
    • Christof Herrmann 22. Dezember 2014

      Hallo Torsten,

      eine Fernreise schließt ja nicht den Start von der Haustüre aus ;-)

      Danke für die lebhafte Schilderung Eurer Familienurlaube mit Trabbi und Picknick.

      Wir sind Sommer für Sommer mit dem Zug nach Südtirol gefahren. Die Anreise war jedesmal ein kleines Abenteurer. Hätte ich eigentlich mit in die Liste oben aufnehmen können.

      Frohe Feste

      Christof

      Antworten
  • Art 22. Dezember 2014

    Hallo Christof,

    plane für 2015 den Jakobsweg von der Haustüre aus in Köln nach Schengen oder noch weiter zu wandern.

    Mach weiter so und viel Spaß in München!

    Antworten
    • Christof Herrmann 22. Dezember 2014

      Mach das! Wie viele Etappen sind es nach Schengen?

      Einfach bewusste Grüße

      Christof

      Antworten
  • Oli 23. Dezember 2014

    Das sehe ich recht ähnlich. Ich verstehe nicht, wieso Leute, die eine Weltreise machen wollen, zuerst nach Thailand fliegen müssen, wenn es unterwegs ja so viele spannende Zwischenstationen gibt.

    Klar gibt es Situationen, wo man bei einer Reise vor der Entscheidung steht: Entweder fliege ich oder ich reise nicht dorthin. Aber oft geht das Reisen auch auf dem Landweg und für mich sind ja gerade diese langsamen Übergänge bei der Landschaft, der Kultur und in den Zügen der Menschen des Spezielle.

    Antworten
  • Alex 23. Dezember 2014

    Hallo Christof,
    ein sehr schöner und inspirierender Artikel. Wir sind ohnehin nicht so die Fernreisenden, aber eine Reise tatsächlich mit dem ersten Schritt aus der Haustür zu starten, hat wirklich seinen Reiz. Vor einigen Jahren sind wir von zu Hause in Mönchengladbach zur Nordsee mit dem Rad gefahren – eine besondere Erfahrung – eben mit dem Weg als Ziel.

    Seit einiger Zeit haben wir im Hinterkopf, den Jakobsweg zu gehen und für dieses Jahr werden die Pläne konkreter. Zuerst würden wir von Zuhause aus nach Roermond laufen und dann dem Rhein-Maas-Weg und der Via Mosana durch Holland und Belgien bis zur französischen Grenze zu folgen. Mehr werden wir in einem Urlaub aber wohl nicht schaffen, sodass wir bei einer Fortsetzung (im folgenden Jahr?) dann wieder an der gleichen Stelle starten würden…
    Schöne Festtage
    Alex

    Antworten
  • Jan 24. Dezember 2014

    Gelungener Artikel! Man sollte generell viel mehr vor der eigenen Haustür machen, meine Rede :-) LG, Jan

    Antworten
  • Christof Herrmann 26. Dezember 2014

    Danke für Eure Kommentare!

    @Alex
    Schöner Plan, den Jakobsweg von der Haustüre aus zu starten. Wie weit ist es denn von Mönchengladbach bis zur wallonisch-französischen Grenze? Das müsste doch in 10 Tagen zu schaffen sein ;-) Im Jahr darauf den Jakobsweg fortzusetzen, machen ja nicht wenige. Wenn ich jemals nach Santiago de Compostela gehen, dann aber am Stück.

    Antworten
  • Tobias 29. Dezember 2014

    Lieber Christof,

    in diesem Artikel steckt so viel Wahres, aber gerade den Lesern (die ohnehin schon sehr bewusst leben, wie ich hoffe ;) ) sollte man auch die Kehrseite der Medaille nicht vorenthalten. Fernreisen können einem die Augen für die eigene kulturelle Identität öffnen, uns Deutschen zeigen, wie wir bei kulinarischem Genießen und in sich selbst begründeter Lebensfreude hinter vielen unserer Nachbarländer hinterherhinken. Sie können uns als Europäer klarmachen, wie gut es uns materiell geht, und wie wenig wir uns darüber zu freuen in der Lage sind. Fremde Lebensarten sind ein Spiegel für die unsere und von unfassbarem Wert.
    Trotzdem sollte man meiner Meinung nach aus Umweltgründen Langstreckenflüge nur dann buchen, wenn der Aufenthalt deutlich länger als ein gewöhnlicher Urlaub ist. Um aktiv herrliche Natur zu erleben oder sich einfach nur auf die faule Haut zu legen, kann man sicherlich in der Heimat bleiben, ohne das einem jemals langweilig wird. Im Gespräch mit Fernost- oder Lateinamerikajunkies ist diese Unterscheidung bestimmt hilfreich für das gegenseitige Verständnis.

    Liebe Grüße
    Tobias

    Antworten
    • Christof Herrmann 29. Dezember 2014

      Hallo Tobias,

      bin ganz Deiner Meinung. Reisen bildet und erweitert den Horizont. Wir sollten unsere Nachbarländer besuchen (geht ja perfekt zu Fuß oder mit dem Rad von der Haustüre aus ;-)), von deren Bewohnern lernen und gegenseitig inspirieren.

      Nur bezweifel ich, dass wir „Fernost- oder Lateinamerikajunkie“, Globetrotter oder Vielflieger werden müssen, um zu verstehen, wie es um unseren Planeten bestellt ist. Wir wissen durch die Medien und Kommunikationsmittel doch längst Bescheid, auch wenn wir so tun, als wüssten wir von nichts.

      Viele Grüße

      Christof

      Antworten
  • Monika 9. Januar 2015

    Lieber Christof, deine Inhalte sprechen mich immer an. Das Gefühl, Gleichgesinnte gefunden zu haben, ist schön!
    Ich selbst hatte mich 2014 entschlossen, in meinem 3-monatigen Sabbatical an meiner Haustür in Berlin loszugehen und über Tschechien bis in die Nähe von Linz in Österreich zu wandern, wo ich ursprünglich herkomme. Ich hab 40 wunderbare Tage mit unendlicher Freiheit erlebt, auch, weil ich an keine Verkehrsmittel gebunden war. Ich habe über die Schönheit und Vielfalt meiner näheren Umgebung gestaunt. Und ich fand es gut zu wissen, dass ich bei auftretenden Problemen, jederzeit in den Zug/Bus steigen könnte und schnell wieder zu Hause wäre.
    Ich bin viel gereist in meinen gut 50 Jahren – eine Zeit lang als Stewardess. Das ist bestimmt mit ein Grund, warum ich den Reisestart direkt an der Haustür genießen kann.
    Danke, für deine inspirierenden Texte!
    Monika

    Antworten
    • Christof Herrmann 11. Januar 2015

      Hallo liebe Monika,

      freue mich über Dein Lob und dass Dich meine Texte so ansprechen!

      Deine 40-tägige Wanderung von Berlin nach Linz klingt nach einer tollen Erfahrung, auch wenn oder gerade weil Du schon viel von der Welt gesehen hast. Je älter wir werden, desto kleiner wird der Radius, in dem wir uns bewegen und reisen. Ich beobachte das bei mir selbst, bei meinen Eltern und bei vielen anderen Menschen. Macht man das freiwillig (aus welchen Gründen auch immer), ist es ein Gewinn an Lebensqualität. Man nimmt sich den Druck, die gesamte Welt gesehen haben zu müssen. Die Welt beginnt ja auch vor unserer Haustüre :-)

      Viele Grüße

      Christof

      Antworten
  • Jennifer 24. April 2015

    Coole Ansichten. Mache auch regelmäßige Trekking und Wanderungen, meist jedoch in fernen Ländern.
    Habe aber im Vorjahr zum ersten Mal eine mehrtägige Wanderung quasi von der Haustüre aus gestartet und war selbst sehr überrascht wie toll die Landschaft war. Also dank deiner Gründe vielleicht jetzt öfter.
    LG Jennifer

    Antworten
    • Christof Herrmann 25. April 2015

      Du lebst in Österreich und wusstest nicht, dass es tolle Landschaften vor Deiner Haustüre gibt ;-) Welche „mehrtägige Wanderung“ war das denn?

      Viele Grüße

      Christof

      Antworten
      • Jennifer 28. April 2015

        Na gut, das war jetzt vielleicht etwas unglücklich formuliert ;-) Dass es in Österreich schön ist, ist mir wohl bewusst. :-) Habe mich aber immer gegen mehrtägige Touren entschieden in Österreich weil ich gerne einfach mit Rucksack und Zelt unterwegs bin und es in Österreich leider nicht so leicht geht wild zu campieren. Darum habe ich lieber Trips nach Skandinavien, Grönland, Alaska,… gemacht um WIRKLICH in der Natur zu sein und auch draußen zu übernachten und zu schlafen.

        Der Trip in Österreich war ein Kompromiss mit meiner Schwester die einen kleinen 6mon alten Sohn hat. Da wir uns nicht sicher waren wie dem Zwerg das Outdoordasein gefallen würde haben wir eine 4 Tagestour nach Mariazell gestartet und haben in Pensionen und Gasthäusern geschlafen. Und die Natur war wirklich sehr sehr schön. Zwar nicht die Wildnis die ich sonst so gerne habe,… aber schön war´s allemal und sicher Fortsetzungen wert. Auch wenn man nicht einfach draußen schlafen kann.

        Antworten
  • Petra 30. Juli 2015

    Hallo Christof, ich habe vorhin erst deine Seite entdeckt und gleich das erste gelesene Thema ist aktuell auch meines:-). Ich bin seit zwei Jahren etwas frustriert, weil ich aufgrund verschiedener Verantwortlichkeiten nicht mehr als drei, vier Tage am Stück verreisen kann. Der Traum, Island und Schottland mit Rucksack und Zelt zu erwandern, bleibt auch noch für Jahre, wenn nicht für immer, ein Traum.
    In meinen Urlaub vor vier Wochen habe ich mich jedoch endlich aufgerafft, gegen den Frust was zu tun, und es war schlußendlich einfach. Fast jeden Tag habe ich im nahen Umkreis in der Südwestpfalz eine Wanderung unternommen. Abends geplant – per Internet einfach und komfortabel – frühmorgens los, nach einer kurzen Anfahrt von ein paar Kilometern oder direkt von der Haustür aus. Bei hochsommerlicher Hitze in die kühlen grünen Tiefen des Pfälzer Waldes abtauchen, Bäume, Felsen, kleine Bäche und gerade soviel Begegnungen, dass es Spaß macht. Und spätnachmittags wieder zu Hause, um den Verpflichtungen nachzukommen. Der Urlaub ist rum, aber ich werde auch in Zukunft möglichst jedes Wochenende einmal losgehen, ich hab auch schon damit begonnen, die „ich habe keine Zeit-Barriere“ ist gefallen! Irgendwann ist sicher auch mal eine Energiereserve da die es ermöglicht, mal eine Nacht draußen zu bleiben.
    Vielleicht kann ich hiermit jemanden ermutigen, der wie ich aus verschiedenen Gründen nicht länger wegkann. Und jetzt werde ich diese Website weiter erkunden – gefunden habe ich sie bei der Suche nach „Minimalismus“ – es tut sich nämlich gerade noch mehr in meinem Leben.

    Antworten
    • Christof Herrmann 12. August 2015

      Urlaub machen, auch wenn man nur paar Tage am Stück freibekommt – das ist ja sogar ein achter Grund, warum man Reisen vor der Haustüre starten sollte. Klasse, Petra!

      Viel Spaß beim Stöbern. Verirr Dich nicht in die Tiefen meines Archivs ;-)

      Christof

      Antworten
  • Antje 9. Dezember 2015

    Warum nicht einfach loslaufen? Lieber Christof, wieder sprichst du mir aus der Seele. Sämtliche Urlaubsvorbereitungen sind mir ein Graus.Während andere Monate vorher ihren Flug buchen, lassen wir die freien Tage einfach herankommen. Meist landen wir dann in einer Ferienwohnung an der Ostsee, im Spreewald oder einer anderen Region Deutschlands.
    Warum also nicht einfach gleich von zu Hause starten. Es wäre auch mit unseren Kindern mal ein Experiment. :) LG Antje

    Antworten
    • Christof Herrmann 10. Dezember 2015

      Toll, Antje, die kurze Vorbereitungszeit ist ja ein weiterer Grund, direkt von der Haustüre aus zu starten :-)

      Antworten
  • Stephan Homberg 10. März 2016

    Es ist so einfach und darum fällt es vielen Leuten so schwer sich darauf einzulassen. Bei mir war es unser 14-jähriger Sohn, der den Vorschlag machte: „Papa, können wir in diesem Jahr nicht einfach mal zuhause losgehen?“. Ich möchte dazu sagen, dass wir schon sehr bewusst unterwegs sind: Elektro- und Fahrradmobil – trotzdem haben auch wir Flugreisen (auch Fernreisen, dann aber mit sehr langen Aufenthalten) gemacht. So war die Anregung sehr willkommen. Wir haben uns einen Wanderwagen (Pulka auf Rädern) besorgt, Zelt und Ausrüstung gepackt und sind dann losmarschiert. So haben wir eine Woche bis zu meinen Eltern gebraucht und eine wirklich schöne Zeit miteinander gehabt. Auch jetzt noch, nach vier Jahren und einigen Drei-/Viertagestouren schwärmen wir noch vom „Erstlingswerk“! Ich kann sowas nur empfehlen ! VG Stephan

    Antworten
  • Christof Herrmann 19. Mai 2016

    Liebe Von-der-Haustüre-aus-Starter,

    ich werde ab Ende Juni mal wieder von der Haustüre aus losgehen :-)

    Diesmal möchte ich 4 Monate auf dem Jakobsweg pilgern. Wie es mir dabei ergeht, erfährst Du mit meinen Berichten und Fotos von unterwegs.

    Viele Grüße aus Franken

    Christof

    Antworten
  • Martin Schmitz 16. Juni 2016

    Sehr wahr und richtig!
    Ich habe für mich auch genau dieses langsame Reisen von der Haustüre aus endeckt und sehr gute Erfahrungen damit gemacht. Vor drei Jahren bin ich so von Hamburg Altona aus bis nach Zakopane (A-Z) gewandert.
    Kollegiale Grüße

    Martin

    Antworten

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