Eine kleine Einführung in die vegane Rohkost

Eine kleine Einführung in die vegane Rohkost - Foto: Antje und Ronny Düwel von Einfach anfangen

Dieser Artikel ist ein Gastbeitrag von Antje Düwel. Sie ist Autorin und Gesundheitstrainerin mit Hummeln im Hintern. Auf ihrem Blog Einfach anfangen findest Du einen kostenlosen Onlinekurs mit Tipps zur veganen Rohkost.

Er war mein Mentor. Das erste Mal hörte ich von ihm vor zehn Jahren. Ich war von seiner Idee begeistert. Dieser eine Satz ging mir nicht mehr aus dem Kopf: „So einfach wie möglich.“ Sebastian Kneipp (1821-1897) war, wenn ich auf die letzten zehn Jahre meiner Familie zurückblicke, unser Startschuss in ein natürlich gesundes und begeistertes Leben.

Schritt für Schritt gelangten wir vier wieder zurück zur Basis – zu einem Leben im Einklang mit uns selbst, unseren Mitmenschen und der Natur. Unser Alltag und vor allem unser Essen gestaltete sich im Laufe der Zeit immer einfacher. Kneipps Aufforderungen „Esst saisonal und regional“ sowie „Lasst die Nahrung unverarbeitet und möglichst naturbelassen“ führten uns schließlich über Umwege zur veganen Rohkost.

Nur noch Kartotte und Grünzeug?

Ich hatte vorher keine Ahnung, welche neue Geschmacks- und Lebenswelt sich mir eröffnet. Ich stellte mir also die Frage: Was ist vegane Rohkost?

Darunter werden alle pflanzlichen Lebensmittel zusammengefasst, die möglichst naturbelassen verzehrt werden. Sie sind wenig verarbeitet und kaum erhitzt. Bei dieser vollwertigen Ernährungsform werden vorwiegend Obst und Gemüse gegessen. Eine bunte Vielfalt auf dem Speiseplan entsteht durch die Ergänzung von Nüssen, Samen, Sprossen, Keimlingen, Trockenobst, getrocknetem Gemüse und essbaren Wildpflanzen.

Menschen, die sich vorwiegend so ernähren, genießen die Lebensmittel in reiner und unverfälschter Form – quasi vom Baum in den Mund.

Warum nur bis 42 Grad erhitzen?

Ab einer Temperatur von 42 Grad stirbt das Leben in einer Pflanze (ähnlich wie beim Menschen) ab. Durch das Kochen verlieren die Lebensmittel über 85 % ihres Nährwertes. Vitamine, Mineralien und andere Vitalstoffe werden also in Luft bzw. Dampf aufgelöst. Besonders wichtig sind auch die in roher Nahrung vorkommenden Enzyme. Auch sie werden durch Wärmeeinwirkung zerstört.

Durch das Erhitzen der Nahrung kann unser Organismus die enthaltenen Mineralstoffe nicht mehr lösen. Sie lagern sich in den Blutbahnen ab. Es entsteht geronnenes Eiweiß, das den Körper verschlackt und das Blut übersäuert. Somit ist der Nährboden für Zipperlein und Krankheiten vorhanden.

Der Körper muss also viel mehr Energie aufwenden, um gekochte oder industriell hergestellte Nahrung zu verdauen, als er daraus Nutzen ziehen kann.

Die Vorteile der veganen Rohkost

Vegane Rohkost ist eine der einfachsten und natürlichsten Methode, gesund zu werden bzw. zu bleiben. Im Laufe der letzten Jahre habe ich zahlreiche Vorteile dieser Ernährungsform am eigenen Leib erfahren. Die wichtigsten sind die folgenden:

  • Natürlichste Anti-Aging-Programm. Ich bin leistungsfähiger und brauche weniger Schlaf, fühle mich lebendig, jung und könnte Bäume ausreißen. Die Haut ist glatt. Auch meine Launenhaftigkeit ist gewichen.
  • Heuschnupfen und Co. verschwinden. Meine Rückenschmerzen, Hautprobleme, Müdigkeit, Menstruationsbeschwerden und Allergien gehören der Vergangenheit an. Freunde und Bekannte berichten über die Linderung ihrer Krankheiten (z. B. Rheuma, Schilddrüsenerkrankungen).
  • Essen ohne Zusatzstoffe. Rohe Lebensmittel enthalten keine giftigen Substanzen, die durch das Erhitzen entstehen. Stattdessen enthalten sie alle Inhaltsstoffe in unveränderter Form, die unsere Zellen benötigen, um gesund zu bleiben.
  • Nie wieder Diät. Ich schlemme und koste, was ich will. Rohkost ist keine Diät! Es ist eine Lebenseinstellung! Mit der Zeit fing ich an, kleinere Mengen zu verzehren. Auf der anderen Seite verwehre ich mir aber auch nichts. Mein Mann und ich nahmen insgesamt rund 40 Kilo ab, ohne es darauf angelegt zu haben.
  • Zeitersparnis. Ich nutze mein Leben noch intensiver, da ich weniger Zeit in der Küche verbringe. Oft bereiten wir sagenhafte 10-Minuten-Gerichte zu. Es entsteht kaum Abwasch. Wenn ich Lust habe, „kochen“ wir gemeinsam mit der Familie oder für Freunde aufwendigere Gerichte.
  • Mehr Platz. Egal ob in der Küche oder im Vorratsraum. Wir haben seit unserer Ernährungsumstellung noch mehr Platz. Unnütze Töpfe, Backformen, Geschirr, Zutaten und Küchenmaschinen verschwanden aus unserem Haushalt.
  • Steigendes Bewusstsein. Die vegane Rohkost veränderte meine Eigenwahrnehmung und Lebensziele. Ich erkannte, was tatsächlich wichtig im Leben ist.
  • Starke und gesunde Kinder. Mein Wissen will ich auch meinen Kindern weitergeben. Ich wurde immer lockerer im Umgang mit ihnen. Mein starkes Vertrauen in ihre Person und Fähigkeiten macht sie selbstständig und frei von Ängsten.
  • Geringer ökologischer Fußabdruck. Wir konnten unseren Müll weiter reduzieren, treffen bewusstere Kaufentscheidungen und hinterfragen auch die Rohkostindustrie kritisch.

Unser Startschuss war damals die Kneipp-Lehre. Wir wollten einfach gesünder und natürlicher leben. Finde Deine eigene Motivation.

Wie du vegane Rohkost unkompliziert in Deinen Alltag holst

Auch bei der veganen Rohkost streiten sich die Geister. Es gibt verschiedene Richtungen und Meinungen. Die einen preisen das an und die anderen verteufeln es dann wieder. Wenn Du sieben Bücher zum Thema gesunde Ernährung liest, hast Du sieben verschiedene Meinungen. So verhält es sich auch bei der veganen Rohkost.

Wir haben uns in der Familie unsere eigene Meinung gebildet und wenden sie im Alltag an. Wir wollen fröhlich durch die Welt hüpfen und ohne persönliche oder gesellschaftliche Einschränkungen leben. Unser Leitspruch lautet: So natürlich und so einfach wie möglich und dabei lächeln!

Ich gebe Dir 6 Tipps für Deinen perfekten Start in die Welt der Rohkost:

  1. Nimm nicht alles so ernst. Genieße das rohvegane Essen ohne Dogma. Mach Dir Deine eigenen Regeln. Nur so findest Du Deinen Weg und hast dauerhaft Spaß daran.
  2. Beschäftige Dich ganzheitlich mit dem Thema. Du erkennst schnell, was Deinem Körper und Deiner Seele gut tut.
  3. Verändere Deine Frühstücksgewohnheiten. Verzehre bis zum Mittag nur Obst, grüne Smoothies oder Säfte. Jeden Tag gelingt Dir das leichter.
  4. Tausche schrittweise eine Mahlzeit am Tag durch Rohkost aus. Erhöhe diesen Anteil stetig, aber in Deinem Tempo und das Deiner Familie.
  5. Probiere einfache Rezepte aus. Diese verbrauchen weniger Zutaten, sind besser bekömmlich und stellen die ursprüngliche Rohkost dar.
  6. Nicht so viel quatschen, einfach machen.

Warum Du keine Rohkost essen solltest

Meine Erfahrung und mein Wissen über die natürliche Gesundheit lehrten mich, dass die rohvegane Ernährung nicht für jeden Menschen geeignet ist. Im Internet, in Büchern und in Gesprächen mit anderen Menschen werden auch Dir Gründe begegnen, warum Du nicht rohköstlich essen solltest. Sie ist nicht für Menschen geeignet, die abhängig sind von der Meinung anderer.

Sie ist für Frauen, Männer, Kinder, Greise, Pubertierende, Schwangere, Stillende, Kranke, Übergewichtige, Andersdenker und Ausprobierer, die Verantwortung für ihre Gesundheit und ihr Leben übernehmen. Diese mutigen Menschen verstehen, dass sie schon immer vegane Rohkost gegessen haben – einen knackigen Apfel, einen frischen Salat oder ein Erdbeerdessert. Sie erkennen, dass es zum glücklich und gesund sein mehr bedarf als zu sagen „Ich ernähre mich 100 % rohköstlich“. Sie werden sich intensiv mit dem Thema beschäftigen und sich Unterstützung suchen. Auf ihrem Weg werden sie immer bewusster für ihre Bedürfnisse und die ihrer Umwelt. Sie ersetzen Schritt für Schritt mehr Mahlzeiten durch unverarbeitete natürliche Nahrung. Und lächeln dabei. Durch ihr Vorbild wirken sie positiv auf andere Menschen und entwickeln ihre eigene Ernährungs- und Lebensphilosophie.

Bist Du einer dieser Andersdenker und Ausprobierer? Dann lebe jetzt und fang einfach damit an.

Zugabe: 6 schnelle rohvegane Rezepte

Auf meinem Blog Einfach anfangen und auf Christofs Blog Einfach bewusst gibt es einige Rezepte für rohvegane Gerichte. Hier meine aktuellen Favoriten:

Apfeltarte
Couscoussalat in drei Varianten
Erdbeer-Spargel-Salat mit Orangen-Vanille-Dressing
Schaumige Mandelmilch
Selbstgemachte Energieriegel
Tomatensuppe

Sei begeistert von Deinem Leben!

Antje

Erdbeer-Spargel-Salat mit Orangen-Vanille-Dressing

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{ 13 Kommentare }

  • Stefan 9. März 2016

    Einfach super ein super Artikel mit guten Infos und Tipps!
    Finde eure Einstellung top!
    Vielen Dank für diesen Artikel!

    Antworten
    • Antje 10. März 2016

      Hallo Stefan,
      danke Dir für Dein Feedback und die netten Worte. LG Antje

      Antworten
    • Ildiko 13. März 2016

      Ja, die Einstellung ist tatsächlich absolut genial. Es gefällt mir sehr, dass die ganze Familie direkt einfach so mitzieht.

      Ich habe mich gleich in den Newsletter eingetragen und schaue mich auch gleich auf eurer HP um. Ich möchte selbst auch gern auf Rohkost übergehen, bin aber immer wieder gescheitert, weil ich zu viel zu schnell ändern wollte.

      Ich möchte es diesmal langsamer, dafür aber konsequenter durchziehen. Eure Artikel werden dafür für mich bestimmt eine gute Quelle sein.
      Ich freue mich jetzt schon :)

      Antworten
  • Alex 10. März 2016

    Hallo Antje,

    Dein Beitrag gibt einen gelungenen Einblick in die vegane Rohkost.

    Die Gewohnheiten beim Essen zu verändern und mal was Neues zu probieren ist eine gut Idee. Deine Tipps schrittweise Mahlzeiten auszutauschen und einfach mal anzufangen sind treffend und ein Anfang in ein Bewusstsein für gesunde ursprüngliche Ernährung.

    Das Verspeisen von saisonaler Nahrung ist gesünder und nachhaltiger. Frisch geerntetes Obst oder Gemüse haben die meisten Inhaltsstoffe und sind wertvoll. Nahrung, die vor dem Verspeisen erst um die halbe Welt gefahren sind, haben viele Inhaltsstoffe verloren.

    Danke für diese Inspiration!

    Grüße von mir aus Vietnam

    Alex

    Antworten
    • Antje 10. März 2016

      Hey Alex,
      wow Vietnam :)
      Ja das Geheimnis liegt wohl in der Einfachheit der Rezepte und dem langsamen Verändern des Speiseplans. Wenn wir tatsächlich regional und saisonal einkaufen, ist schon viel erreicht in Sachen Umweltschutz.
      LG Antje

      Antworten
      • Nanne 13. März 2016

        Ich hätte es klasse gefunden, wenn auch die Rezeptvorschläge den Grundsatz regional stärker im Blick hätten. Orange, Vanille? Auch Mandeln fallen da für mich schon nicht mehr drunter (Norddeutschland).
        Ich esse gerne einen Apfel morgens zum Frühstück, der weckt meine Lebensgeister (danach gibt es allerdings Brot).
        LG Nanne

        Antworten
        • Antje 14. März 2016

          Hallo Nanne und Lisa,
          ich danke euch für euren Kommentar und den wichtigen Hinweis zu regionalen Zutaten.
          Die einfache Rohkost, also tatsächlich ohne großartige Zubereitung, schont die Umwelt, den Geldbeutel und unsere Zeit.
          Ab und zu verlangt die Seele nach der Gourmet-Rohkost mit ausgefallenen Rezepten. Auch hier sind das Maß und Gleichgewicht entscheidet :) LG Antje

  • Lisa 13. März 2016

    Hallo zusammen,
    der interessante Artikel und auch die Links zu den Rezepten haben mich direkt motiviert einen Couscous-Salat herzustellen. Ich habe mir ein Rezept mit Fenchel, rosa Grapefruit, Salatgurke, Petersilie ausgesucht, der jetzt im Übergang zwischen Winter und Frühjahr ganz wunderbar erfrischend und frühlingisch (!) schmeckt!
    Danke für die Inspiration! :-)
    LG, Lisa

    Antworten
  • maren 15. März 2016

    Hej zusammen,

    der Artikel ist sehr informativ und interessant geschrieben. Eure Einstellung ist super und ich merke immer wieder: Wenn man sich gesund ernährt, ist der Kopf automatisch viel klarer. Ist man ungesund, beschäftigt man sich selbst auch nur mit „ungesundem“ Zeug (zu viel Fernsehen, zu wenig Bewegung, zu wenig Motivation…)

    Einen weiteren Spezialisten bezüglich der Rohkost will ich hier noch nennen: Werner Kollath. Durch seine Forschungen ist er zu dem Ausspruch gekommen: Lasst die Nahrung so natürlich wie möglich! (wahrscheinlich war er auch „Freund“ von Kneip) Von ihm stammt auch die berühmte Kollath-Tabelle. In der er die Lebensmittel und Nahrungsmittel nach dem Grad der Verarbeitung eingeteilt hat (Links: roh, rechts: konserviert). Man sollte am meisten Lebensmittel von der linken Seite der Tabelle verzehren. ;o)

    Daher noch ein Hinweis zur Rohkost: Dazu kann ja auch Getreide gezählt werden, wenn man es in einem Frischkornbrei verzehrt. Einfach 3 EL Getreidekörner frisch am Abend mahlen und über Nacht (mind. 5 Stunden) in Leitungswasser einweichen. Am nächsten Morgen einfach Obst und Nüsse nach Wahl dazu und fertig ist ein super Frühstück mit allem was der Körper an Vitalstoffen benötigt. Siehe dazu auch Dr. Max-Otto Bruker (Begründer der GGB in Lahnstein). ;o)
    Dr. Max-Otto Bruker lehrte auch die Kneipp-Anwendungen. ;o)

    Hinweis zu bestimmten Getreidesorten:
    Hafer nicht über Nacht einweichen. Der wird bitter. Am Besten morgens schroten oder als frisch geflockte Haferflocken verwenden. Buchweizen im Ganzen einweichen, sonst zieht er Fäden. ;o)

    Vielleicht konnte ich euch noch ein paar Anregungen mit auf den Weg geben.

    Viele Grüße

    Antworten
    • Antje 17. März 2016

      Hey Maren,
      super und danke für deine wunderbaren Ergänzungen!
      Auf unserem Weg zur Rohkost hatten wir auch eine Bruker-Phase mit Frischkornbrei etc. Das war schon ein großer Schritt für uns. Irgendwann merkten wir dann, dass zu viel Getreide uns schwer im Bauch liegt (auch angemeint). Aber da muss sich jeder selbst beobachten, was gut für ihn ist. Es gibt eben nicht den einen Weg, sondern jeder geht seinen eigenen. LG Antje

      Antworten
  • Lia 17. März 2016

    Der ökologische Fußabdruck ist mir besonders wichtig! Im Winter achte ich besonders darauf, dass ich Käufe von Lebensmitteln vermeide, die von weit her kommen. Im Frühling, Sommer und Herbst gibt es ja dann wieder eine große Auswahl an regionalen Produkten.
    Ein Traum ist es mir mein eigenes Obst und Gemüse auf meinem eigenen Bauernhof anzubauen. Einen besseren Fußabdruck kann man dann nicht haben! :)

    Antworten
  • Hilde 18. März 2016

    Wer keinen Garten hat, kann sich umschauen, ob es in der Gegend eine Solidarische Landwirtschaft gibt. Es wird nur für Mitglieder angebaut und die gesamte Ernte verteilt, meist von April – Dez. In der Hochsaison gibt es oft so viel, dass durch Einkochen, Dörren, mit Salz konservieren (also alles nach alter Hausfrauenart) oder Einfrieren Vorräte für den Winter hergestellt werden können. Ich bin seit 4 Jahren dabei und freue mich schon, wenn es ab April wieder das herrlich frische, knackige Gemüse, Kräuter, Salate, Beeren und Obst, alles in bester Demeter-Qualität, gibt. Man ist dadurch ganz raus aus dem ausbeuterisch und zerstörenden konventionellen Lebensmittel-Wirtschaftssystem und frei vom Handel und Preisdumping! Wir geben den Lebensmittel ihren Wert zurück.

    Antworten
    • Antje 21. März 2016

      Liebe Lia und Hilde,
      danke für eure wertvollen Tipps in Richtung Selbstversorger. Ja, das stimmt, besser kann der ökologische Fußabdruck nicht sein. Auch der Genuss beim Essen ist wahrscheinlich nochmal anders, da man alles selbst angebaut und geerntet hat. Sonnige Grüße Antje

      Antworten

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