Der kleine Outdoor-Knigge: 7 Regeln fürs Draußensein

Der kleine Outdoor-Knigge: 7 Regeln fürs Draußensein

Dieser Artikel ist ein Gastbeitrag von Daniel Roth. Auf beVegt.de veröffentlicht er zusammen mit seiner Frau Katrin einfache vegane Rezepte und gibt Tipps für ein sportlich aktives und nachhaltiges Leben. Daniel hat auf Einfach bewusst auch schon erörtert, warum vegane Ernährung nicht kompliziert ist.

Vor einigen Jahren habe ich mit meiner Frau Katrin am Karwendelmarsch teilgenommen – einem 56 Kilometer langen Ultramarathon durch das Karwendelgebirge, der Jahr für Jahr tausende Läufer und Wanderer aus aller Welt ins beschauliche Örtchen Scharnitz in Tirol lockt.

Der Karwendelmarsch ist – wie auch die vielen anderen Trailläufe, die es inzwischen gibt – auf der einen Seite natürlich ein sportlicher Wettkampf. Gleichzeitig geht es beim Traillaufen aber immer auch um das Outdoor-Erlebnis, also das Draußen- und Unterwegssein in der weitgehend unberührten Natur.

Man sollte deshalb eigentlich meinen, dass die Teilnehmer bei solchen Veranstaltungen besonders darauf achten, keinen Müll zu hinterlassen. Schließlich gibt es auf hochalpinen Wanderwegen keinen Besenwagen, der die Hinterlassenschaften des Läuferfeldes aufsammelt.

Umso größer war unsere Verwunderung, als wir schon nach wenigen Kilometern die ersten Riegelverpackungen und ausgequetschten Gel-Päckchen am Wegesrand entdeckten (die süßen, klebrigen Kohlenhydrat-Gels sind ein praktischer Energiespender für Ausdauersportler, werden aber leider wenig nachhaltig in kleinen Portionsbeuteln aus Aluminium verpackt).

Und dieses Bild sollte sich bis zum Zieleinlauf nicht mehr ändern: Wenn die Strecke des Karwendelmarschs nicht ausgeschildert gewesen wäre, hätten wir einfach nur den vielen bunten Plastikfetzen folgen können, wie Hänsel und Gretel den Brotkrumen.

So machst du das Beste aus deiner Zeit in der Natur

Ich finde, dass wir Rücksicht nehmen sollten, wenn wir draußen unterwegs sind – auf die Natur, aber auch auf die anderen Menschen, mit denen wir sie uns teilen. Meiner Erfahrung nach ist das sogar eine klassische Win-Win-Situation: Je achtsamer und rücksichtsvoller wir uns verhalten, desto schöner wird auch unsere eigenes Naturerlebnis.

Die Regeln, die ich dir im Folgenden ans Herz legen möchte, darfst du vor allem als Denkanstöße verstehen. Ich will dir nicht vorschreiben, wie du dich beim Wandern, Radfahren und Spazierengehen zu verhalten hast, und ich bin in vielerlei Hinsicht auch nicht perfekt und kann noch viel dazulernen.

Also lass dich einfach mal darauf ein, und ergänze gerne deine eigenen Ideen in den Kommentaren!

1. Sei leise

„Über allen Gipfeln ist Ruh“, schreibt Goethe in seinem Gedicht „Wanderers Nachtlied“. Ist es nicht oft gerade diese Ruhe, die wir suchen, wenn wir uns ins Grüne begeben? Diesen Kontrast zum lauten, hektischen Alltag in den Städten?

Bei deinem nächsten Waldspaziergang kannst du mal ganz bewusst darauf achten, dich möglichst leise fortzubewegen, also zum Beispiel keine lauten Gespräche zu führen und den Klingelton des Smartphones auszuschalten (oder es gleich zu Hause zu lassen).

So wirst du die beruhigenden Geräusche des Waldes viel eher wahrnehmen und auch selbst zur Ruhe kommen.

2. Verlasse die Straße – aber nicht den Pfad

Auch wenn die Natur manchmal wie ein riesiger Spielplatz wirkt, auf dem wir uns nach belieben austoben können: Sie ist es nicht. Wir sollten daran denken, dass wir uns im Lebensraum der Tiere und Pflanzen bewegen, und uns wie gute Gäste benehmen.

Für mich bedeutet das, dass ich auf den Wegen bleibe und höchstens mal ein paar Meter ins Unterholz gehe, wenn ich mich erleichtern muss.

3. Hinterlasse keine Spuren

Das gilt natürlich zum einen für Abfälle jeglicher Art – von Taschentüchern über Verpackungen bis hin zu Lebensmittelresten (auch organischen wie Bananenschalen und Apfelkernen).

Aber auch wenn du in der Natur übernachtest, ein Lagerfeuer machst oder auf andere Weise in die Umgebung eingreifst, solltest du anschließend deine Spuren verwischen und alles wieder in seinen ursprünglichen Zustand versetzen.

Zur Orientierung kann die aus Zugtoiletten bekannte Höflichkeitsregel dienen: Hinterlasse diesen Ort so, wie du ihn selbst gerne vorfinden würdest.

4. Reise zu Fuß, mit dem Rad, mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder in einer Fahrgemeinschaft an (in dieser Reihenfolge)

Das Abenteuer beginnt im besten Fall direkt vor der Haustür … und es gibt wohl kaum etwas unabenteuerlicheres als die Fahrt in einem klimatisierten PKW.

Überlege dir stattdessen, ob du dich mit anderen zu einer Fahrgemeinschaft zusammenschließen kannst, oder – noch besser – mit öffentlichen Verkehrsmitteln, dem Rad oder sogar zu Fuß an dein Ziel gelangst.

Das ist nicht nur nachhaltiger, sondern steigert auch den Erlebniswert: Während andere auf der Autobahn im Stau stehen, bist du schon auf der Reise!

5. Sei freundlich und hilfsbereit, wenn du anderen Menschen begegnest

Ein Lächeln oder ein freundlicher Gruß kostet nichts und macht selbst den schönsten Tag in der Natur noch ein bisschen schöner – für die Menschen, denen du begegnest, und auch für dich selbst.

Und Hilfsbereitschaft ist natürlich eine Tugend, die wir immer und überall an den Tag legen sollten. Im Wald, in den Bergen oder der Wildnis ist sie aber besonders wichtig, denn dort ist organisierte Hilfe oft weit entfernt.

Wenn du unterwegs andere Menschen triffst, die in Schwierigkeiten sind, dann biete ihnen deine Unterstützung an – auch wenn es „nur“ um Kleinigkeiten wie ein Blasenpflaster oder einen Blick auf deine Wanderkarte geht.

6. Mach dich mit den lokalen Gesetzen und Gepflogenheiten vertraut

Neben solchen informellen „Benimmregeln“ gibt es natürlich auch verbindliche Gesetze, an die wir uns halten sollten, wenn wir uns in der Natur aufhalten. Und diese Vorschriften können von Ort zu Ort unterschiedlich sein.

Bevor du zu deiner Reise aufbrichst, solltest du deshalb etwas Zeit in die Recherche stecken: Kannst du dein Zelt einfach so in der Wildnis aufschlagen, oder musst du offizielle Campingplätze nutzen? Brauchst du spezielle Genehmigungen, um einen Nationalpark zu betreten oder einen Gipfel zu besteigen? Darfst du ein Feuer machen? Und was gibt es dabei zu beachten?

Das Gleiche gilt selbstverständlich auch für lokale Gepflogenheiten und kulturelle Verhaltensregeln, mit denen du dich rechtzeitig zum Beispiel mit Hilfe eines (Kultur-)Reiseführers vertraut machen kannst. Schöner Nebeneffekt: Die Vorfreude auf dein Abenteuer steigt weiter, und du lernst etwas über das Land und die Menschen, die du besuchst.

7. Sei achtsam und lass dir Zeit

Auch meine letzte Empfehlung fällt etwas aus dem Muster und ist keine „Benimmregel“ im eigentlichen Sinn. Wenn du achtlos durch die Natur hetzt schadest du damit schließlich niemandem … außer vielleicht dir selbst.

Für die meisten von uns dürfte jede Minute an der freien Luft ein kostbares Gut sein. Lass deshalb die Hektik und den Stress des Alltags zu Hause, wenn du ins Grüne gehst, und nimm dir Zeit, die Natur mit allen Sinnen wahrzunehmen!

Das waren meine Vorschläge für ein achtsames und nachhaltiges Naturerlebnis. Und natürlich bin ich gespannt: Welche „Regeln“ und Tipps würdest du noch ergänzen?

Um keine Artikel zu verpassen, kannst Du Dich hier mit mir verbinden: Newsletter, RSS-Feed, Facebook, Twitter, Google+

{ 2 Kommentare }

  • Daniela 15. Juli 2018

    Deine Benimm-Regeln gefallen mir sehr gut. Ich werde sie in abgewandelter und verkürzter Form als Ergänzung der Satzung eines Schwarzwaldvereins vorschlagen, wenn ich darf.

    Antworten
    • Daniel 15. Juli 2018

      Hallo Daniela, schön dass dir der Beitrag gefällt! Ihr könnt sie natürlich gerne für eure Satzung verwenden :-)

      Viele Grüße
      Daniel

      Antworten

Hinterlasse einen Kommentar (Infos zur Kommentarfunktion und der Speicherung der Daten findest Du in meiner Datenschutzerklärung)