Unglaublich viel Zeit und Geld sparen mit der Methode "Kleinvieh macht auch Mist" - Foto: Zac Durant von Unsplash

Das Ziel: Mehr Zeit und Geld

Zeit ist heutzutage vielleicht das kostbarste Gut. Und gegen mehr Geld wird auch niemand etwas einzuwenden haben. Weder Zeit noch Geld machen per se glücklich. Aber sie öffnen Türen in ein selbstbestimmteres, freieres, entschleunigteres, beruhigenderes und letztendlich zufriedeneres Leben.

In diesem Artikel stelle ich Dir einen Weg vor, mit dem Du viel Zeit und Geld sparen kannst. Warum ich diesen Weg als Methode „Kleinvieh macht auch Mist“ bezeichne, wirst Du bald verstehen.

Bei zeitaufwändigen und schwierigen oder unangenehmen Tätigkeiten oder bei hohen Ausgaben überlegen wir gut, ob wir sie überhaupt machen sollen oder wie wir sie reduzieren können. Das liegt daran, dass wir den immensen Zeitaufwand oder den Batzen Geld klar vor Augen haben. Kaum jemand wird ohne Abwägen und Recherchieren ein Haus bauen oder einen Neuwagen kaufen.

Der Denkfehler: Was sind schon 15 Minuten oder 5 Euro?

Ganz anders verhält es sich bei kürzeren Tätigkeiten oder kleineren Ausgaben. Was sind schon 15 Minuten oder 5 Euro? Doch wir übersehen meist, dass dieser Zeit- oder Geldaufwand sich zu einer stolzen Summe addiert, wenn sie immer wieder auftreten.

Bei der Methode „Kleinvieh macht auch Mist“ geht es darum, solche wiederkehrenden kurzen Tätigkeiten oder kleinen Ausgaben aufzuspüren, zu analysieren und dann gegebenenfalls zu vermeiden, zu reduzieren oder mit passenden Alternativen zu ersetzen.

Der 1. Schritt: Aufspüren der Zeit- und Geldräuber

Schau Dir Dein Leben genau an. Wo gehen all die Zeit und das Geld hin? Konzentriere Dich auf regelmäßige Tätigkeiten und Ausgaben, die Dein Leben nicht entscheidend verbessern. Je genauer und länger Du Dein Verhalten beobachtest, desto leichter wirst es Dir fallen, Deine Zeit- und Geldräuber zu finden. Sehr hilfreich ist in diesem Schritt, die Zeitaufwände zu notieren und ein Haushaltsbuch zu führen.

Hier ein paar Beispiele für Zeit- und Geldräuber (Deine können ganz anders ausschauen):

  • morgendliche Wahl der Kleidung, 15 Minuten, täglich
  • in den sozialen Medien lesen und schreiben, 30 Minuten, täglich
  • Pendeln zur Arbeit, 1 Stunde, an jedem Arbeitstag
  • Coffee to go beim Bäcker, 2,50 Euro, an jedem Arbeitstag
  • Zeitungsabo, 9 Euro, wöchentlich
  • Spritkosten, 28 Euro, wöchentlich

Der 2. Schritt: Das Verhalten analysieren (inklusive Formel)

Gehe danach Deine Zeit- und Geldräuber durch und analysiere jeden einzelnen. Welche kannst Du wie reduzieren oder mit einer besseren Alternative ersetzen? Worauf verzichtest Du in Zukunft lieber ganz? Was möchtest Du genau so beibehalten?

Berechne dabei auch, wie viel Zeit und Geld Du auf das Jahr summiert sparst. Das wird Dich im nächsten Schritt motivieren, alte Gewohnheiten abzulegen. Die Formeln lauten:

  • Jährliche Zeitersparnis in Tagen = (Anzahl der Minuten) x (Anzahl der Tage) / 1440
  • Jährliche Geldersparnis in Euro = (Betrag in Euro) x (Anzahl der Tage)

Wenn Du also zum Beispiel auf eine Capsule wardrobe umstellst und so jeden Morgen vor dem Kleiderschrank 5 statt 15 Minuten brauchst. sparst Du über 2,5 Tage im Jahr (10 x 365 / 1440 = 2,53). Bereitest Du an den 220 Arbeitstagen Deinen Coffee to go zuhause für 20 Cent zu, anstelle Dir einen für 2,50 Euro beim Bäcker zu holen, kommt in einem Jahr ein stolzes Sümmchen von über 500 Euro zusammen (2,30 x 220 = 506 Euro).

Die Analyse mit den angestrebten Veränderungen für die Beispiele aus dem 1. Schritt könnte also so ausschauen:

  • Capsule wardrobe, Zeitersparnis: 10 Minuten täglich, 2,5 Tage jährlich
  • die Nutzung der sozialen Medien reduzieren, Zeitersparnis: 15 Minuten täglich, 3,8 Tage jährlich
  • das Pendeln zur Arbeit durch Umzug, Arbeitszeitverkürzung oder Homeoffice auf die Hälfte reduzieren, Zeitersparnis: 30 Minuten an jedem Arbeitstag, 4,6 Tage jährlich
  • Coffee to go zuhause zubereiten statt beim Bäcker zu kaufen, Geldersparnis: 2,30 Euro an jedem Arbeitstag, 506 Euro jährlich
  • Teilabo für Freitag und Samstag anstelle Komplettabo, Geldersparnis: 22 Euro wöchentlich, 1040 Euro jährlich
  • mehr Fahrrad fahren und zu Fuß gehen, um die Spritkosten zu halbieren, Geldersparnis: 14 Euro wöchentlich, 728 Euro jährlich

Wenn es Dir noch immer nicht wie Schuppen von den Augen fällt, solltest Du ausrechnen, wie viel Zeit und Geld Du in Deinem restlichen (Arbeits)leben voraussichtlich sparst. Bist Du 40 Jahre alt, könntest Du 100 Tage weniger vor dem Kleiderschrank abhängen und über 29.000 Euro an Spritkosten anderweitig verprassen.

Der 3. Schritt: Die angestrebten Veränderungen umsetzen

Im diesem Schritt geht es darum, das umzusetzen, was Deine Analyse hervorgebracht hat. Manche Veränderungen wirst Du im Nu realisieren können. Landet die Tageszeitung unter der Woche eh ungelesen in den Papiermüll, wird es Dir leicht fallen, auf ein Teilabo für Freitag und Samstag umzustellen.

Für andere Veränderungen wirst Du mehr Disziplin aufbringen müssen, weil Du dafür Deine festen Gewohnheiten ändern musst. Du wirst Dich wahrscheinlich zwei oder drei Monate zwingen und selbst überwachen müssen, Deine Zeit in den sozialen Medien zu reduzieren. Erst dann ist es Dir in Fleisch und Blut übergegangen. Ich empfehle, ein Gewohnheiten-Tagebuch zu führen und immer nur eine neue Gewohnheit zur gleichen Zeit zu etablieren.

Und es gibt auch Veränderungen, für die Vorarbeit nötig sind. Möchtest Du zum Beispiel näher an Deine Arbeitsstelle ziehen (oder eine Arbeit suchen, die näher an Deiner Wohnung liegt), um weniger pendeln zu müssen, sind zahlreiche Schritte für die Umsetzung nötig. Mittel- oder langfristig gesehen lohnt sich der Aufwand oft.

Der 4. Schritt: Die gewonnene Zeit und das Geld sinnvoll einsetzen

Hat es sich nicht schon in den ersten Schritten ergeben, wirst Du Dir nun Gedanken machen, was Du mit der vielen Zeit und all dem Geld machen möchtest.

Hier ein paar Vorschläge:

  • einfach mal nichts tun oder planen
  • mehr Zeit mit der Familie und den Freunden verbringen
  • Deiner Leidenschaft frönen
  • Dich ehrenamtlich engagieren
  • ein Buch schreiben
  • einen Selbstversorgergarten anlegen
  • in der Natur entschleunigen
  • Schulden abbauen
  • ein finanzielles Polster aufbauen
  • Geld spenden
  • nur noch Biolebensmittel kaufen
  • die Arbeitszeit verkürzen
  • ein Sabbatical nehmen
  • früher in Rente gehen

Das Fazit

Die Methode „Kleinvieh macht auch Mist“ unterstützt Dich dabei, die Zeit- und Geldräuber in Deinem Leben zu erkennen und dann zu reduzieren oder zu eliminieren. Die so freigewordenen Ressourcen kannst Du für Wichtigeres investieren – etwa für Deine Lieben, Deine Leidenschaften und Dein zukünftiges Leben. Probiere es selbst aus. Und berichte uns gerne in den Kommentaren von Deinen Erfahrungen.

Die in diesem Blogartikel erwähnten Themen Capsule wardrobe, Gewohnheiten, Haushaltsbuch, Leidenschaften und Sabbatical bekommen je ein Kapitel in meinem Ratgeber „Das Minimalismus-Projekt – 52 praktische Ideen für weniger Haben und mehr Sein“, der am 2. September bei Gräfe und Unzer (GU) erscheint.

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"Alpenüberquerung Salzburg - Triest" von Christof Herrmann (Bergverlag Rother, 2020)

Für mich als Autor ist es immer wieder ein wunderschöner Moment, wenn eines meiner Bücher als Neuerscheinung oder überarbeitete Auflage auf den Markt kommt und ich dann zum ersten Mal ein Exemplar in den Händen halten. Zwischen den beiden Buchdeckeln steckt die Arbeit von Monaten, manchmal sogar von Jahren.

Das gilt besonders für meinen Wanderführer „Alpenüberquerung Salzburg – Triest“, in dem so viel Zeit, Schweiß und Herzblut steckt. Für die nun vorliegende dritte Auflage bin ich den kompletten Weg im letzten Jahr ein weiteres Mal gegangen (es war das fünfte Mal). Ich habe das Buch also Schritt für Schritt wie auch Satz für Satz überarbeitet.

Hier das Wichtigste, was sich gegenüber der letzten Auflage geändert hat:

  • Cover im neuen Rother-Design
  • 16 zusätzliche Seiten
  • mehrere neue oder alternative Bilder
  • erweiterte Einleitung, z. B. Tipps zur Reduzierung des Rucksackgewichts und für eine Alpenüberquerung in entgegengesetzter Richtung
  • 2 weitere Varianten-Etappen (insgesamt nun 10), zudem weitere kürzere Varianten auf der Hauptroute, sodass Du Deine Tour nach Lust, Wetter und Können anpassen kannst
  • Updates aller Informationen wie die Übernachtungs-, Einkehr- und Einkaufmöglichkeiten
  • neu hinzugekommene Informationen, z. B. in welchen Orten es einen Campingplatz oder ein Postamt gibt
  • optimierte Route mit noch weniger Asphalt bei den Taldurchquerungen
  • entsprechend angepasste Karten und GPS-Tracks

Damit Du Dir ein besseres Bild von dem Buch machen kannst, haben der Verlag und ich ein Dokument mit den wichtigsten Infos erstellt, das Du im Browser lesen, herunterladen, ausdrucken und/oder weitergeben kannst:

Kostenloses PDF zur 3. Auflage des Wanderführers „Alpenüberquerung Salzburg – Triest“ mit der Etappenübersicht, der Route auf einer Karte und einer Beispieletappe

Ich freue mich, wenn Du das Buch bei Autorenwelt bestellst (versandkostenfrei innerhalb Deutschlands). Dort erhalte ich als Autor pro verkauftes Exemplar nämlich eine zusätzliche Beteiligung von 1,04 €, sodass sich mein Honorar mehr als verdoppelt.

Der Wanderführer ist selbstverständlich auch in anderen Webshops sowie in jeder Buchhandlung erhältlich. Du findest weitere Bezugsquellen sowie eine Auswahl an Pressestimmen auf meiner Bücherseite.

Die besten Artikel über die Alpenüberquerung Salzburg – Triest findest Du auf der Themenseite, die wichtigsten Fragen beantworte ich in den FAQ.

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Auf vier Pfoten über die Alpen bis ans Meer. (Foto: Ina Führlein, 2019)

Dieser Artikel ist ein Gastbeitrag der Husky-Mischlingshündin Lina. Sie ist im letzten Jahr mit ihrer „Lieblingsfrau“ Ina von Salzburg nach Triest gewandert. Der Artikel ist ursprünglich in etwas anderer Form in der Vereinszeitung des Tierheims Feucht erschienen.

Letzten Sommer bin ich über die Alpen gewandert. In 4 Wochen ging es fast 500 km weit von Salzburg bis nach Triest. Über alle Berge bis ans Meer. Das war so cool – 4 Wochen lang von früh bis spät spazieren gehen, über Stock und Stein. Das beste daran war: ich durfte rund um die Uhr mit meiner Lieblingsfrau zusammen sein. Die Familie daheim ist schon ok, aber eigentlich bin ich ein richtiger Ein-Frau-Hund. Wenn SIE da ist, bin ich zufrieden. Eine Frau, ein Hund, eine weite Strecke und gaaanz viel Zeit – es war fast sowas wie das Hundeparadies für mich. Und deshalb will ich Euch davon berichten.

Mit der Lieblingsfrau – und dem 1. FCN – ins Trainingslager

Alles fing damit an, dass die Lieblingsfrau im Frühjahr plötzlich unsere Morgenrunde veränderte. Anstatt einmal um die Häuser in unserem Viertel ging es plötzlich auf den Wolfstein, unseren Neumarkter Hausberg. Einmal rauf und wieder runter. Jeden Morgen. Dann änderten sich auch unsere Wochenenden. Anstatt auszuschlafen und gemütlich spazieren zu gehen, fuhren wir schon im Morgengrauen in die Fränkische und Hersbrucker Schweiz. Es gibt da ein paar extra vermessene Strecken, z. B. in Pommelsbrunn und in Streitberg, mit mindestens 20 Kilometern und mehr als 1000 Höhenmetern. Für Menschen, die sich auf die Berge vorbereiten wollen.

Nachdem klar war, dass die Lieblingsfrau das schafft, ging es ins Trainingslager nach Maria Alm. Gleichzeitig mit dem 1. FCN waren wir dort, und das – übrigens sehr hundefreundliche – Jugendgästehaus, in dem wir wohnten, war voller Club-Fans. Nur: bei uns ging es nicht um Bälle, sondern um Berge. Und die waren schon deutlich höher und steiler als in Franken. Einmal hab ich mein Veto eingelegt. Durch die Felswand zum Riemannhaus rauf wollte ich nicht klettern – erst recht nicht mit dem extra für mich angeschafften Klettergurt. Keinen Schritt bin ich in dem Ding gegangen. Das war anscheinend ein Problem, denn diese Passage wäre auf unserer geplanten Tour eine Schlüsselstelle im Abstieg vom Steinernen Meer gewesen. Aber die Lieblingsfrau hatte ein Einsehen und hat nach einer schlaflosen Nacht eine gute Ausweichroute für uns gefunden, ganz ohne Kraxelei.

Lina auf der Anreise nach Salzburg. (Foto: Ina Führlein, 2019)
Lina auf der Anreise nach Salzburg.

Durch Bayern, Österreich, Italien und Slowenien und wieder nach Italien

Und dann gings los. Mit dem Zug starteten wir bei 32 °C Richtung Salzburg. Wir mussten dreimal umsteigen, und je heißer es wurde, umso weniger funktionierte die Klimaanlage in unserem Waggon. Am Ende musste ich zu allem Übel auch noch einen Maulkorb tragen, so ist das in Österreich.

Durch Bayern, Österreich, Italien und Slowenien und schließlich wieder nach Italien sind wir gewandert. Erst mal sind wir von Salzburg über den Untersberg, dann durch den Nationalpark Berchtesgaden, über die Hohen Tauern und schließlich durch den Triglav Nationalpark in den Julischen Alpen. Über unzählige Gebirgspässe – die Fraganter Scharte in der Goldberggruppe war mit 2.754 Metern nicht nur die Grenze zwischen Salzburg und Kärnten, sondern auch der höchste Punkt unserer Tour, genau auf dem Alpenhauptkamm. Als wir den Punkt erreicht hatten, war die Lieblingsfrau mächtig stolz.

Als einziger Transalp-Hund bewundert und verwöhnt

Wir haben 4 Wochen lang jede Nacht woanders geschlafen, in Hütten, Pensionen und Hotels- in Rauris sogar in einem richtigen Hundehotel. Weil ich dort der einzige Hund auf Transalp-Tour war, haben mich alle entsprechend bewundert und verwöhnt. Das war auch der einzige Ort, an dem ich ein eigenes, wirklich bequemes Bett hatte. In allen anderen Nächten musste ich mit der Isomatte Vorlieb nehmen, die die Lieblingsfrau außen an ihrem Rucksack angebunden hatte. Sie selbst fand übrigens die Übernachtung auf einem italienischen Weingut am schönsten. Daran war die Weinprobe nach dem Abendessen sicher nicht ganz unschuldig. Ein wenig schwierig war es auf den slowenischen Alpenvereinshütten – da dürfen Hunde nämlich weder in die Schlafräume, noch in die Gaststube. Wir haben also auf dem Fußboden im Hütteneingang übernachtet, und ich hab die Lieblingsfrau die ganze Nacht über gut bewacht. Dafür waren die Slowenen aber alle sehr nett zu mir, und ich wurde unterwegs über die Maßen bewundert. „Cane lupo“ haben sie mich genannt – Wolfshund.

Beim nächsten Mal ohne Hundeschuhe und Pfotensalbe

Die Strecke war, ganz nach meinem Geschmack, äußerst abwechslungsreich. Wir sind viel durch Wälder gewandert, aber auch tagelang durch die Mondlandschaft der Julischen Alpen. Während der meisten Etappen hatte ich in Gebirgsbächen, Flüssen und Seen genug zu trinken, z. B. durfte ich Quellwasser direkt aus der Soca trinken. Und zur Not hatte die Lieblingsfrau immer eine große Flasche Wasser für mich im Rucksack. Auch Essen hatten wir mit. Als ich noch jünger war, musste ich meinen Rucksack ja immer selber tragen. Diesmal hat das die Lieblingsfrau übernommen. Wir hatten mein Futter vor der Tour sogar schon an mehreren Stellen deponiert, so dass sie immer nur mein Essen für die nächste Woche tragen musste. Ich glaube, ihr Rucksack war auch so schwer genug – jedenfalls hat sie an den steilen Stellen ganz schön geschnauft. Naja, zusätzlich zu ihrem eigenen Gepäck hatte sie auch nicht nur mein Wasser und Futter, meinen Napf, die Matte und ein Erste-Hilfe-Kit, sondern auch noch den doofen Klettergurt und total alberne Hundeschuhe, die wir vorher stundenlang anprobiert hatten, für mich dabei. „Für den Notfall“, hat sie gesagt. Zum Glück ist der nicht eingetreten. Damit ich keine rissigen Ballen kriege, hab ich mir auch immer brav die Füße einschmieren lassen. Übrigens: meine Pfotensalbe war viel teurer als die Salbe für Menschenfüße – und erst unterwegs haben wir gemerkt, dass genau derselbe Wirkstoff drin ist. Nächstes mal bekomm ich auch Menschensalbe, und „unser“ Rucksack ist gleich 100 g leichter.

Wilde Tiere gab es eine Menge: Bären (die hab ich aber nur auf Fotos in den Hütten gesehen), Gämsen, Steinböcke, Murmeltiere und – sehr unheimlich – Kühe. In großen Herden sind die in den Bergen unterwegs. Und dauernd mussten wir ihre Weiden kreuzen. Meistens haben wir versucht, die Herden zu umgehen. Wenn es gar nicht ging, und die Kühe nicht nur dumm gekuckt haben, sondern auch noch auf uns zugekommen sind, durfte ich von der Leine und mir meinen eigenen Weg suchen. Das hat die Situation gleich total entspannt. Ich bin dann in großem Bogen um die Kühe rumgelaufen und hab hinter der Herde auf die Lieblingsfrau gewartet. Dafür hat sie mich auch immer überschwänglich gelobt – als ob sie nicht wüsste, dass es mir eh am liebsten ist, einen großen Bogen um das Viehzeug zu machen. Eine andere Art von tierischer Bedrohung, auch wenn ich es ungern zugebe, waren meine Kollegen. Je weiter wir nach Süden kamen, umso mehr Höfe wurden von Hunden bewacht, die frei in der Gegend rumliefen und nicht sehr vertrauenserweckend aussahen. Für die haben wir lange Umwege in Kauf genommen. Ein paar mal musste die Lieblingsfrau trotzdem ziemlich laut werden, und sogar ihre Wanderstöcke benutzen, um die Hunde auf Abstand zu halten (ich bin da leider ne ziemliche Memme, hab nur den Schwanz eingeklemmt, bin einen großen Bogen gelaufen und hab so getan, als ob ich nicht dazugehören würde).

Lina in der Mondlandschaft der Julischen Alpen. (Foto: Ina Führlein, 2019)
Lina in der Mondlandschaft der Julischen Alpen.

Meer in Sicht: Lieblingsfrau heult

Nach gut 3 Wochen hatten wir den letzten Alpenpass geschafft – von da an gings auf nicht mehr so schwierigen, dafür aber oft mehr als 30 km langen Etappen durch Voralpen, Weinberge und Küstenwege bis an die Adria. Das war übrigens der rührseligste Moment unserer ganzen Tour – so emotional ist die Lieblingsfrau sonst gar nicht. Aber als am vorletzten Tag das Meer in Sichtweite kam, da hat sie glatt angefangen zu heulen. Verstanden hab ich es nicht, aber ich war natürlich trotzdem an ihrer Seite.

An dem Abend hatten wir zur Feier des Tages ein Traumquartier, mit eigenem Pool und einem sehr schneidigen jungen Rüden, Dylan, der mir von seiner Vergangenheit als Straßenhund berichtet hat.

Die letzte Etappe führte uns von Duino über einen Ort mit dem schönen Namen Prosecco bis nach Triest.

Wenn Ihr auch so gerne wandert wie ich, kann ich Euch nur raten, Eure Menschen mal in die Berge zu begleiten. Es schweißt zusammen und hält fit. Und es müssen auch gar nicht immer die Alpen sein. Für dieses Jahr haben wir uns vorgenommen, in heimischen Gefilden zu wandern. Den Jurasteig, der 240 km durch das Oberpfälzer Jura führt, haben wir schon geschafft, jetzt ist der Altmühltal-Panoramaweg dran. Mein Rudel wandert jedes Wochenende ein bis zwei Etappen – und ich bin natürlich immer dabei.

Ein herzliches Wuff wuff

Eure Lina

Anmerkung der „Lieblingsfrau“: Lina ist eine liebe Husky-Mischlingshündin, die wir vor 12 Jahren aus dem Tierheim Feucht zu uns geholt haben. Sie war schon immer ein ausgesprochener Laufhund. Früher ist sie viel am Fahrrad gelaufen und hat mich im Winter auf Skitouren und beim Langlaufen begleitet. Heute ist sie mit unseren Wanderungen vollauf zufrieden. Dass ich sie mit auf meine Alpenüberquerung nehmen würde, war von Anfang an klar. Als Grundlage diente mir der Rother Wanderführer „Alpenüberquerung Salzburg-Triest“. Schwere Etappen, seilversicherte Kletterpassagen und andere heikle Stellen haben wir ausgelassen und bereits vorher mögliche Alternativrouten gesucht. Die Übernachtungen, v. a. auf den Hütten, habe ich jeweils ein paar Tage vorher telefonisch reserviert. In Alpenvereinshütten dürfen Hunde aus hygienischen Gründen nicht ins Matratzenlager. Manche Hütten bieten extra Hundezimmer an oder lassen die Hunde mit im Einzel-/Doppelzimmer schlafen. Oft ist auch eine Übernachtung im Nebengebäude, Winterraum oder in der Gaststube möglich. Es empfiehlt sich immer, vorher mit dem Hüttenwirt zu sprechen. In den Talorten war das Übernachten mit Hund nie ein Problem.

Lieblingsfrau Ina und Husky-Mischlingshündin Lina auf der Fraganter Scharte. (Foto: Ina Führlein, 2019)
Lieblingsfrau Ina und Husky-Mischlingshündin Lina auf der Fraganter Scharte.

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Angekommen am Ellenbogen auf Sylt - dem nördlichsten Punkt Deutschlands. (Foto: Christof Herrmann, 2018)

Heute vor zwei Jahren bin ich auf dem Schwäbische-Alb-Oberschwaben-Weg, dem Hauptwanderweg 7 des Schwäbischen Albvereins, 27 km von Markdorf nach Illmensee gewandert. Es war der zehnte Tag seit meinem Start am südlichsten Punkt Deutschlands, dem Haldenwanger Eck in den Allgäuer Alpen. Den nördlichsten Punkt Deutschlands auf Sylt sollte ich neun Wochen später erreichen.

Nach meiner Rückkehr habe ich hier auf Einfach bewusst ein paar Fotos und in der DAV Panorama den Artikel „Deutschlandtour – Von den Alpen bis nach Sylt“ veröffentlicht.

Wer ausführlicher erfahren möchte, was ich erlebt und gesehen habe, kann mein E-Book „Deutschland der Länge nach – 73 Tage und 1735 km von den Allgäuer Alpen bis nach Sylt“ erstehen. Als Extras gibt es die Etappenliste, die GPS-Tracks der gesamten Route sowie eine ausführliche Packliste.

Da aufgrund der Coronakrise viele meiner Leserinnen und Leser heuer in heimischen Gefilden Urlaub machen, habe ich mich entschlossen die komplette Etappenliste meiner Deutschlanddurchquerung zu veröffentlichen. Vielleicht animiert sie die eine oder den anderen, ein paar Abschnitte nachzugehen. In der vorletzten Spalte sind die Unterkünfte aufgeführt, in denen ich geschlafen haben. Die Etappen, die mir besonders gut gefallen haben, sind in der letzten Spalte mit *** gekennzeichnet, die Etappen, die ich weniger empfehlen kann, mit *. Du kannst Dir die nun folgenden Etappendetails auch als PDF herunterladen und ausdrucken.

Bayern – Oberallgäuer Rundwanderweg, Münchner Jakobsweg u. a.

Einödsbach, das südlichste ganzjährig bewohnte Fleckchen Deutschlands, liegt wildromantisch unterhalb des bis zu 2649 m hohen Dreigestirns aus Hochfrottspitze, Mädelgabel und Trettachspitze. (Foto: Christof Herrmann, 2018)
TagStartZielEntfernungÜbernachtungEtappe
WarthHaus Anita
1WarthEinödsbach16 kmBerggasthof Einödsbach***
2EinödsbachBolsterlang22 kmFerienwohnung Ringelblume**
3BolsterlangImmenstadt17 kmFerienwohnung Killensberger**
4ImmenstadtOberstaufen23 kmPrivatzimmer Ilse Rupp***
5OberstaufenDas Bad Rain
6OberstaufenScheidegg24 kmPilgerherberge Scheidegg**
7ScheideggLindau21 kmPilgerherberge Lindau*
8LindauNonnenhorn11 kmHotel Seehalde*

Baden-Württemberg – Bodensee-Rundweg, HW 7 & Albsteig

TagStartZielEntfernungÜbernachtung Etappe
9NonnenhornMarkdorf30 kmBürgerstuben*
10MarkdorfIllmensee27 kmGasthaus Seehof**
11IllmenseeGasthaus Seehof
12IllmenseeBlönried27 kmbei Freunden**
13BlönriedBad Buchau24 kmHotel Moorbadstuben*
14Bad BuchauObermarchtal27 kmKloster Obermarchtal**
15ObermarchtalHeroldstatt43 kmLandhotel Wiesenhof***
16HeroldstattBläsiberg29 kmBauwagen Gasthof Bläsiberg**
17BläsibergSüßen28 kmHotel Restaurant Löwen***
18SüßenHeubach32 kmGästehaus Rosenstein***
19HeubachUnterkochen24 kmGasthof Rössle**
20UnterkochenEspachweiler27 kmSeegasthof Espachweiler**
21EspachweilerFrankenhardt25 kmSchäferwagen Ferienhof Bohn**
22FrankenhardtSatteldorf25 kmGästehaus Krauß*

Bayern – HW 4, Jakobsweg Fulda-Würzburg & Hochrhöner

Der Tag neigt sich in Rothenburg ob der Tauber dem Ende. (Foto: Christof Herrmann, 2018)
TagStartZielEntfernung ÜbernachtungEtappe
23SatteldorfRothenburg / Tauber36 kmGasthof zur Linde**
24Rothenburg / TauberTauberzell13 kmGästezimmer Christel Knorr**
25TauberzellBaldersheim27 kmGasthof zum Lamm**
26BaldersheimOchsenfurt23 kmbei Freunden*
27OchsenfurtZell am Main29 kmbei Freunden*
28Zell am Mainbei Freunden
29Zell am MainBinsbach26 kmPilgerherberge Binsbach**
30BinsbachPoppenhausen29 kmLandgasthof Goldener Stern**
31PoppenhausenBad Kissingen22 kmPilgerherberge**
32Bad KissingenLangenleiten25 kmPension Böhnlein***
33LangenleitenOberweißenbrunn13 kmGasthof Zum Lamm**

Thüringen – Hochrhöner, Lutherweg, Naturparkweg Leine-Werra u. a.

TagStartZielEntfernung ÜbernachtungEtappe
34OberweißenbrunnBirx28 kmPension Hartmann***
35BirxZella24 kmPension Schmidt**
36ZellaBernshausen20 kmZur Grünen Kutte***
37BernshausenBad Salzungen20 kmPension Morgenweck**
38Bad SalzungenPension Morgenweck
39Bad SalzungenEisenach25 kmSägerwiesenhütte**
40EisenachCreuzburg22 kmFerienwohnung Bischof*
41CreuzburgTreffurt20 kmPension Weiherstraße***
42TreffurtLengenfeld unterm Stein22 kmFerienwohnung Scharf***
43Lengenfeld unterm SteinHeilbad Heiligenstadt38 kmHotel Am Jüdenhof**
44Heilbad HeiligenstadtFerienwohnung Adler

Niedersachen – Via Scandinavica, Heidschnuckenweg u. a.

Auf dem Heidschnuckenweg wandert es sich ganz angenehm. (Foto: Christof Herrmann, 2018)
TagStartZielEntfernungÜbernachtungEtappe
45Heilbad HeiligenstadtDiemarden29 kmDie Insel**
46DiemardenBühle32 kmPension Lindenhof**
47BühleBad Gandersheim37 kmKlosterhof Brunshausen*
48Bad GandersheimAlfeld27 km7 Berge Ferienwohnungen**
49AlfeldHildesheim28 kmBürgermeisterkapelle*
50HildesheimHannover38 kmbei Freunden*
51Hannoverbei Freunden
52HannoverCelle38 kmbei Freunden*
53CelleDehningshof28 kmZur Alten Fuhrmanns-Schänke**
54DehningshofMüden / Örtze23 kmPension Lange**
55Müden / ÖrtzeSoltau30 kmHotel De Greune Eck**
56SoltauBehringen27 kmSchuhmanns Gasthaus*
57BehringenUnderloh22 kmLandhaus Heideschmiefe***
58UnderlohItzenbüttel37 kmLandhaus Grüner Jäger***

Hamburg – Heidschnuckenweg u. a.

Durch den Alten Elbtunnel von 1911 geht es zur Landungsbrücke in St. Pauli.
TagStartZielEntfernungÜbernachtungEtappe
59ItzenbüttelHamburg33 kmPrivatzimmer Margit Zimmer**
60HamburgPrivatzimmer Margit Zimmer
61HamburgPrivatzimmer Margit Zimmer

Schleswig Holstein – Elbweg, geführte Wattwanderungen u. a.

TagStartZielEntfernungUnterkunftEtappe
62HamburgHohenhorst37 kmPrivatzimmer Margit Zimmer***
63HohenhorstGlückstadt30 kmPension Cafe Klingbeil**
64GlückstadtBrunsbüttel28 kmHotel Kleiner Yachthafen**
65BrunsbüttelMeldorf28 kmHotel Zur Linde*
66MeldorfKrempel31 kmFerienwohnung Jensen**
67KrempelHusum30 kmAirbnb Angelika*
68HusumDagebüll44 kmHotel Neuwarft**
69DagebüllNieblum (Föhr)33 kmFriesenhof**
70Nieblum (Föhr)Norddorf (Amrum)23 kmHaus Amanda**
71Norddorf (Amrum)Haus Amanda
72Norddorf (Amrum)Westerland (Sylt)31 kmbei Freunden**
73Westerland (Sylt)Ellenbogen (Sylt)27 kmbei Freunden***
 
E-Book "Deutschland der Länge nach – 73 Tage und 1735 km von den Allgäuer Alpen bis nach Sylt"

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25 Minimalismus-Tipps – der 5. Teil

25 Minimalismus-Tipps – der 5. Teil (Foto: Christof Herrmann, 2020)

Zwischen 2014 und 2016 habe ich vier Blogartikel mit jeweils 25 kurzen Minimalismus-Tipps veröffentlicht (die Links dorthin findest Du ganz unten).

Sie zählen noch immer zu den erfolgreichsten Artikeln auf Einfach bewusst. Wenn das kein Grund ist, die Serie wieder aufleben zu lassen.

Die folgenden 25 neuen Tipps sind ein Potpourri an Ideen und Anregungen, die Dein Leben einfacher, selbstbestimmter und zufriedender machen können.

  1. Minimalismus ist ein Weg, der seinen Reiz schon auf den ersten Schritten entfaltet. Hinter jeder Kurve gibt es Neues, oft Erstaunliches zu entdecken. Man kommt voran, auch wenn es mal ein paar Schritt zurück geht oder man sich kurz verläuft. Nur ankommen, tut man irgendwie nie. Minimalismus ist nun mal ein lebenslanger Weg. Und das ist gut so, solange das einen nicht stresst.
  2. Zieh da hin, wo Du arbeitest, oder such Dir eine Arbeitstelle, wo Du wohnst. Pendelst Du hin und zurück jeweils nur 15 Minuten statt 1 Stunde, gewinnst Du 15 volle Tage pro Jahr bzw. 1,5 Jahre in Deinem Arbeitsleben.
  3. Apropos, der chinesische Philosoph Konfuzius empfahl schon vor 2500 Jahren: „Wähle einen Beruf, den du liebst, und du brauchst keinen Tag in deinem Leben mehr zu arbeiten.“ Da ich das selbst so erfahre, seit ich mich als Autor selbstständig gemacht habe, gebe ich in meinem Ratgeber „Das Minimalismus-Projekt – 52 praktische Ideen für weniger Haben und mehr Sein“ im Kapitel „Finde Deine Berufung und lebe sie“ konkrete Tipps zur Umsetzung.
  4. Steh früher auf (und schlafe am Vorabend entsprechend eher). Das ist der einfachste Weg, den Morgen ohne Hektik zu absolvieren. Wenn Dir das gelingt, bist Du besser gewappnet für den Tag, besonders wenn es ein Arbeitstag ist. Du gewöhnst Dich wahrscheinlich leichter daran, wenn Du schrittweise vorgehst. Stell Deinen Wecker Tag für Tag nur eine Minute zurück. So stehst Du nach einem Monat eine halbe Stunde eher auf, nach zwei Monaten eine ganze Stunde.
  5. Verbringe die Ferien zu Hause. Balkonien ist das nächstgelegene, minimalistischste, nachhaltigste und günstigste Urlaubsziel überhaupt. Mit meinen 7 Tricks klappt es mit dem Traumurlaub daheim – und das sogar ohne Balkon oder Terrasse.
  6. Verabschiede Dich von Geldsorgen. Minimalisten konsumieren mit Bedacht, zahlen weniger Instandhaltungs- und Folgekosten, verkaufen Dinge, die sie nicht benötigen, leben auf kleiner Wohnfläche, zahlen keine Kreditzinsen und lieben Second Hand, Repair Cafes & Co.
  7. Starthilfe zum Ausmisten nötig? Das Gewürzregal eignet sich hervorragend zum Üben. Räume das Regal leer und putze es wie auch die Dosen gründlich. Geh dann Gewürz für Gewürz durch. Du kannst alles entsorgen, was nicht mehr angenehm riecht oder schmeckt oder deutlich über dem Mindesthaltbarkeitsdatum liegt. Gewürze, die Du nicht magst, nie verwendest oder von denen Du mehrere Dosen hast, kannst Du an Freunden oder über Foodsharing verschenken. Die Gewürze, die bleiben dürfen, kommen – zum Beispiel nach Länderküchen sortiert – zurück ins Regal. Vielleicht kannst Du bei der Gelegenheit das eine oder andere Gewürz in ein schönes verschließbares Behältnis umfüllen und in Zukunft unverpackt nachkaufen.
  8. Gehe nicht mit der Mode, sondern kleide Dich zeitlos. So sparst Du viel Geld und Lebenszeit. Schon Oscar Wilde sagte mit spitzer Zunge: „Die Mode ist so hässlich, dass man sie alle sechs Monate ändern muss.“ Minimalismus im Kleiderschrank („Capsule Wardrobe“) ist ebenfalls Thema in meinem Minimalismus-Ratgeber, der am 2. September 2020 bei Gräfe und Unzer erscheint und bereits als Buch oder E-Book vorbestellt werden kann.
  9. Vermeide Rolltreppen und Aufzüge. Unter den alltagstauglichen Fitnessübungen ist das Treppensteigen besonders minimalistisch und effektiv. Es kostet nichts, kann fast überall trainiert werden und fördert die Gesundheit und Lebenserwartung. Studien zeigen, dass das Treppensteigen mit einem intensiven Sportprogramm zu vergleichen ist. In einer viertel Stunde verbrennst Du bis zu 225 Kilokalorien. Das ist mehr als beim Joggen.
  10. Trachte nicht ständig nach Neuem, sondern schätze, was da ist.
  11. Lebe Deinen Kindern Minimalismus vor. Starte also bei Dir selbst. Löse Dich vom Ballast. Konsumiere mit Bedacht. Reduziere die Anzahl der Verabredungen. So kriegst Du den Kopf frei und hast mehr Zeit für Deine Kinder. Das ist neben Liebe und Vertrauen das schönste Geschenk, das Du ihnen machen kannst. Außerdem nimmst Du dadurch eine Vorbildfunktion ein. Kinder lernen viel, indem sie ihre Eltern beobachten und nachahmen. Verbringst Du wenig Zeit vor Bildschirmen, wird es Deinen Kindern auch leichter fallen, achtsam mit Medien umzugehen.
  12. Wenn Du gestresst, überfordert, ausgebrannt, genervt, müde oder krank bist, gibt es eine Lösung: Weniger!
  13. Erstelle eine Einkaufsliste und versuche, Dich daran zu halten. Das ist einer der größten Hebel gegen Spontankäufe und das Zumisten, weil Du nur das kaufst, was Du wirklich benötigst. Bei Lebensmitteln kannst Du von dieser Regel abweichen, sofern Du lernst, mit vorhandenen Zutaten ohne Rezept etwas Schmackhaftes zu kochen (ähnlich der längst eingestellten Fernsehsendung „Kochduell“). Dann hältst Du im Bioladen oder auf dem Markt einfach nach Deinen Favoriten aus der Region und Saison Ausschau.
  14. Iss nur bis zu einem Sättigungsgrad von 80 Prozent. Die Bewohner der japanischen Insel Okinawa leben nach diesem Prinzip der Mäßigung, auch „Hara Hachi Bu“ genannt. Der Ernährungsstil ist mitverantwortlich dafür, dass auf Okinawa sowohl die Lebenserwartung als auch der Anteil der (gesunden) Hundertjährigen so hoch ist wie sonst nirgends auf der Welt.
  15. In manchen Haushalten wird das Leergut gehortet, als wäre das voll gut. In meiner Küche stehen zwei Tragetaschen, in denen ich Altglas und Pfandflaschen sammle. Sobald die Taschen voll sind, spaziere ich damit zum Altglascontainer und zur Pfandrückgabe.
  16. Manchmal ist Reden Blech und Schweigen Gold. Wer zu viel quasselt, dem hören andere weniger zu, weil es schwierig ist, aus den vielen Worten, diejenigen von Bedeutung herauszufiltern.
  17. Liebe Dich selbst. Warum das nichts mit Egoismus, aber viel mit Minimalismus zu tun hat, erfährst Du in diesem Gastartikel von Corinna Sonja Stenzel.
  18. Lege für jeden Gegenstand einen festen Platz fest. In den meisten Fällen bietet es sich an, ähnliche Gegenstände zusammen aufzubewahren. Die Schlüssel ans Board neben dem Eingang, die offenen Rechnungen in die Ablage, die bezahlten Rechnungen in den Ordner, die Medikamente ins Schränkchen, die Fernbedienungen auf den Couchtisch … Wenn Du Dir dann noch angewöhnst, etwas nach dem Gebrauch wieder an seinen festen Platz zu bringen, wirst Du nicht mehr danach suchen müssen. Das Aufbewahren am selben Platz hilft auch beim Ausmisten. Du bekommst einen Überblick über Deinen Besitz und kannst Dubletten und nicht mehr Benötigtes weggeben.
  19. Freu Dich über das kostenlose Fitnesstraining zu Hause: Staub saugen, Boden wischen, Fenster putzen, handwerkliche Arbeiten verrichten, Müll rausbringen, Rasen mähen …
  20. Das Schlafzimmer soll Entspannung, Erholung und Intimität fördern. Unruhe und Übermaß sind da fehl am Platz. Wenn Du anhand dieser Gedanken Dein Bett, das Nachtkästchen und den umliegenden Bereich umgestaltest, wird das die Stimmung und Atmosphäre positiv verändern. Das trägt zu einem gesunden und erholsamen Nachtschlaf bei.
  21. Benutze zum Ohrenputzen keine Wattestäbchen. Die meisten Menschen haben das ideale Ohrenputztool immer bei sich (in doppelter Ausführung, falls mal eines defekt ist): den kleine Finger.
  22. Lass Dich von den Minimalismus-ABC inspirieren, die schon von 15 Bloggern veröffentlicht wurden.
  23. Es gibt zahlreiche Songs, die vom einfachen Leben handeln. Hier drei auf Deutsch: „Glücklich mit nichts“ von Max Prosa, „Einfach sein“ von Willy Astor und „Leichtes Gepäck“ von Silbermond.
  24. Dein Leben ist kurz. Es hat sich schon wieder um einen paar Sekunden verkürzt, seit Du diesen Minimalismus-Tipp liest. Finde also heraus, was (für Dich) wichtig ist im Leben. Dann kannst Du Dich Tag für Tag darauf konzentrieren und wirst am Ende Deiner Tage nichts bereuen.
  25. Überlege gut, was Du alles ansammelst – sowohl in Deinen vier Wänden als auch in Deinem Oberstübchen. Denn am Ende gibt es im Sarg keine Regale und wird die Festplatte Gehirn gelöscht.

Die ersten 100 Minimalismus-Tipps findest Du hier, hier, hier und hier.

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