Kann ein Minimalist Sammler sein? Und warum ich wieder Platten höre! (Foto: Christof Herrmann, 2020)

„Als mein Sohn gerade laufen konnte, bin ich mit ihm in einen Plattenladen gegangen und habe ihn mit den Schallplatten versorgt, die man meiner Ansicht nach besitzen und kennen muß, also die erste von The Clash, das Sex Pistols-Album und die ersten beiden von Led Zeppelin und Black Sabbath.“ (Billy Idol, britischer Rockmusiker, *1955)

Richtig gelesen und gesehen. Ich kaufe wieder Schallplatten, ich höre wieder Vinyl.

Noch vor ein paar Jahren habe ich stolz verkündet, dass ich 4.000 CDs und LPs verkauft und verschenkt habe. Musik wollte ich fortan nur noch streamen.

Das habe ich und mache ich weiterhin. Quasi jederzeit und auf jedem digitalen Gerät aus Millionen Songs wählen zu können, ist so verlockend wie praktisch.

Vinyl – meine alte und neue Leidenschaft

Trotzdem fehlt mir etwas oder besser gesagt einiges, wenn ich Musik streame. Das großformatige Cover einer LP, das mehr Kunstwerk als Schutz ist. Die Haptik und das Ritual, wenn ich die Schallplatte aus der Hülle nehme, auf den Teller lege und den Tonarm samt Nadel auf das Vinyl senke. Und natürlich der warme analoge Klang, den wir Vinyl-Aficionados so sehr schätzen.

Wenn ich eine Platte auflege, höre ich bewusst Musik. Meist sitze ich auf der Couch und lausche im Singletasking den Tönen. Allenfalls schaue ich mir das Cover an, lese die Songtexte oder informiere mich über den Interpreten und das Album. Nach 20 bis 25 Minuten stehe ich kurz auf, um die LP umzudrehen. Ich bin ganz bei der Sache. Ich gehe meiner Leidenschaft Musikhören nach.

Wenn ich streame, läuft die Musik oft im Hintergrund. Die Technik und Playlisten ermöglichen stundenlanges Musikhören. Das mag praktisch sein. Aber es fühlt sich für mich meist wie Konsum und nicht wie Leidenschaft an.

Minimalismus bedeutet nicht, nichts zu besitzen

Deine erste Reaktion war vermutlich, dass ein Minimalist doch kein Sammler sein kann.

Ich bin anderer Meinung. Zunächst sollten wir uns von den Bildern lösen, wie Minimalisten gerne im Fernsehen und in der Presse dargestellt werden: Als Hipster in einer durchgestylten Architekturzeitschrift-Loft, als Alternativer auf einer abgelebten Couch oder als digitaler Nomade am Strand mit Laptop auf dem Schoß. Diese Bilder haben eines gemeinsam: Gegenstände des alltäglichen Gebrauchs sind kaum zu sehen, von einer Sammlung ganz zu schweigen.

Minimalismus bedeutet für mich aber nicht, nichts zu besitzen, sondern nur Gegenstände zu besitzen, die ich (ge)brauche. Ich löse mich als Minimalist also vom Ballast und umgebe mich – übrigens nicht nur auf materieller Basis – mit Dingen, die mein Leben erleichtern, bereichern oder verschönern. Da ich zum Beispiel gerne und oft koche, ist meine Küche entsprechend ausgestattet. Ich habe mich lediglich vom Ballast getrennt, von den Geräten, die ich selten oder nie verwende. Ciao Nudelmaschine. Adios Paellapfanne. Ade Fleischwolf.

Wann Minimalismus und Sammeln zusammenpassen

Demnach dürfen Minimalisten auch Gegenstände besitzen, die zum Seelenwohl beitragen. Diese Gegenstände braucht man nicht unbedingt zum Überleben, aber eben für ein schönes Leben. Bei mir sind das zum Beispiel ein oder zwei Pflanzen in jedem Raum, ausgesuchte Deko wie eine hübsche Tischdecke oder ein paar Kerzen sowie drei Bilderrahmen aus Holz und Glas, in die ich einmal im Monat drei thematisch zusammenpassende Plattencover stecke. Die letzte Ausstellung siehst Du im Foto am Ende dieses Artikels.

Das beantwortet auch die eingangs gestellte Frage, ob ein Minimalist ein Sammler sein kann. Selbstverständlich – wenn das Sammeln das Leben bereichert, wenn der Sammler die Sammlung im Griff hat und nicht andersherum, wenn das Sammeln dem Streben des Minimalisten nach Freiheit, Klarheit und Freude nicht entgegensteht, wenn das Sammeln also Leidenschaft und keine Sucht ist.

4 Tipps, wie Du als Minimalist Sammler sein kannst

Die größte Gefahr beim Sammeln ist, dass aus der bereichernden Leidenschaft eine Sucht wird. Dann investiert man schnell zu viel Zeit, Energie, Geld und Platz. Das steht den Prinzipien des Minimalismus entgegen und wirkt sich negativ auf das Wohlbefinden aus.

Die folgenden Tipps sollen Dir helfen, Dein Streben nach Minimalismus und Deine Sammelleidenschaft unter einen Hut zu bringen. Was Du sammelst, spielt keine Rolle. Bücher, Briefmarken, Bierkrüge. Kaffeemühlen, Keramik, Kotztüten. Oder eben Schallplatten, von mir liebevoll schwarzes Gold genannt. Sammle, was Dir gefällt.

  1. Nur Lieblingsteile. Viele Sammler streben nach Vollständigkeit. Das kann im Widerspruch zur minimalistischen Lebensweise stehen, denn die meisten Sammelgebiete sind groß. Der Minimalist unter den Sammlern muss nicht alle Stücke besitzen, sondern nur die, die ihm wirklich Freude bereiten. Gehe Deine Sammlung durch, nehme jedes Stück in die Hand und entscheide, ob es Dich bereichert oder gehen darf. Ich behalte nur LPs, die ich gerne höre und deren Cover und Vinyl in einem guten Zustand sind. Mein Ziel ist keine große und schon gar nicht vollständige Sammlung, sondern eine gut gepflegte und gehegte Sammlung meiner Lieblingsalben, den sogenannten Inselplatten.
  2. Setze Dir und Deiner Sammlung Limits. So verhinderst Du, dass Deine Sammlung und Dein Hobby keinen ungesunden Umfang annehmen. Ich besitze im Moment rund 200 LPs. Mein Limit muss ich noch festlegen. Es könnte bei 500 liegen. Dann würde ich die Regel aufstellen, dass ich eine Platte aus meiner Sammlung verkaufe, verschenke oder spende, sobald ich die 500er-Grenze erreicht habe. Andere Limit könnten z. B. lauten: Ein Buch lesen, erst dann ein neues kaufen. Nicht mehr Zippos sammeln, als in die Glasvitrine passen. Maximal alle zwei Monate ein neues (oder gebrauchtes) Paar Schuhe kaufen.
  3. Halte Ordnung. Es macht Spaß, sich mit einer gut organisierten Sammlung zu beschäftigen. Außerdem verhindert es Fehlkäufe, Dubletten und die Übersicht zu verlieren. Ich habe meine Plattensammlung nach Interpreten sortiert, also z. B. „Simon & Garfunkel“, dann „Simon, Paul“, „Smith, Elliott“, „Smith, Patti“, „Smiths, The“, „Souled American“ usw. Innerhalb eines Interpreten sind die Alben nach dem Erscheinungsdatum geordnet, z. B. von den Stones „Let It Bleed“ (1967) vor „Sticky Fingers“ (1971) und „Exile On Main St.“ (1972). Ich habe außerdem auf Discogs eine Liste mit meiner Sammlung und eine Wunschliste erstellt. So kann ich im Plattenladen auf meinem Smartphone nachschauen, wenn ich mir mal nicht sicher bin, ob ich ein Album schon habe bzw. noch suche.
  4. Gebe Deiner Sammlung einen Sinn. Eine gut gepflegte Sammlung bereitet dem Sammler schon durch ihre Existenz und die gelegentliche Durchsicht Befriedigung. Wenn Du jedoch etwas sammelst, dass Du zugleich verwendest, hast Du noch mehr Freude daran. Bei meinen Schallplatten ist das gegeben, weil sie nicht nur herumstehen, sondern auch gehört werden. Bei anderen Sammelgebieten muss man vielleicht erst nach einem erweiterten Sinn suchen. Aus Bierkrügen schmeckt nicht nur Bier, sondern auch Apfelsaftschorle, und man kann sie als Pflanzentöpfe verwenden. Postkarten kann man in Alben stecken oder versenden. Bücher sind zum Lesen da. Kaffeemühlen zum Kaffee mahlen …

Nun Du: Bei welchen Dingen packt Dich die Sammelleidenschaft? Wie verhinderst Du, dass daraus keine Sucht wird? Bonusfrage für Musikliebhaber: Welche sieben LPs (Interpret und Name des Albums) sind im Foto oben abgebildet?

Kann ein Minimalist Sammler sein? Und warum ich wieder Platten höre! (Foto: Christof Herrmann, 2020)

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Meine Empfehlungen: Überbewertete Gedanken + Adventskuchen + Der Philanthrop + Alles wird gut …

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich wünsche Dir viel Vergnügen und die eine oder andere Inspiration mit meinen letzten Empfehlungen im Jahr 2020.

Alpin – Alex hat die Alpenüberquerung Salzburg – Triest und meinen gleichnamigen Wanderführer sehr schön auf seinem Blog Luftschubser vorgestellt. Dabei beantworte ich Fragen zur Entstehungsgeschichte der Route und gebe Tipps für alle Alpenüberquerer(innen) in spe. Diesen Sommer waren trotz Corona einige unterwegs (wenn auch weniger als in den Jahren zuvor und zumeist mit durchgebuchten Hütten und Unterkünften). Wie es 2021 ausschaut, erfährst Du im Frühling im Salzburg-Triest-Newsletter oder in den FAQ.

Gelassen – Stress in der Freizeit, Ärger auf der Arbeit, die nicht enden wollende Coronakrise. Gelassen zu bleiben, aber nicht gleichgültig zu werden, ist eine Herausforderung. Da kommen Annabels Tipps für mehr innere Balance gerade recht.

Gewickelt – Find ich gut, auch wenn ich vermutlich noch keine Kinder habe: Das ehrenamtlich von Eltern geführte Projekt Deine Stoffwindel setzt sich für die Verwendung von Stoffwindeln anstelle Wegwerfwindeln ein und fordert von den Städten einen „Stoffwindelzuschuss“. Freunde von mir erziehen ihren Säugling sogar weitgehend windelfrei.

Interviewt – Nach der Veröffentlichung meines Minimalismus-Ratgebers stellte ich mich den Fragen des Magazins Go for More, der Blogs Achtsamer Minimalismus und Einfach achtsam sowie der Umweltbank.

Nachhaltig – Die grünste Internetsuche ist stets die, die man erst gar nicht startet. Nicht alles wissen müssen, brainstormen, diskutieren oder in Büchern nachschlagen lauten die naheliegenden Alternativen. Kommt man dabei nicht weiter, stehen nachhaltige Suchmaschinen zur Verfügung, die übrigens allesamt auf die Suchalgorithmen von Microsofts Bing zurückgreifen. Das MyGreenChoice-Magazin stellt Ecosia, Givero & Co. im Vergleich vor.

Neugierig – Stillstand muss nicht Rückschritt bedeuten. Aber hin und wieder etwas Neues auszuprobieren, tut gut und kann einen persönlich und andere voranbringen. Deswegen bin ich nun seit ein paar Wochen auf Instagram unterwegs. Um nicht mehr Zeit online zu verbringen, habe ich meine Accounts bei Mastodon und Xing gelöscht.

Philanthropisch – Der Amerikaner Chuck Feeney wurde früh Milliardär – und arbeitete zeitlebens daran, wieder arm zu werden. Jetzt, mit 89, verkündete er, es geschafft zu haben. Sein Konto sei nahe Null.

Süß – Brauchst Du noch eine Inspiration für ein veihnachtliches Dessert Wie wäre es mit diesem Adventskuchen, ein paar Spitzbuben oder meiner Spekulatius-Nachspeise?

Überbewertet – Warum Du nicht alles glauben solltest, was Du denkst, und wie Du mit Deinen Gedanken stattdessen umgehen kannst, erfährst Du bei Aljona alias Frau Lyoner: „Gedanken sind einfach nur Gedanken. Sie sind flüchtig, wandelbar und sollten weder (über)bewertet, noch als unanfechtbare Wahrheit betrachtet werden.“

Weihnachtlich – Oh Du stressige Weihnachtszeit? Das muss nicht sein! Jani und Freddy von Grünes Familienleben, Jennifer und Thomas von genug und Nicole von Familie ordentlich geben Tipps, damit die nächsten drei Wochen entspannt über die Bühne gehen. Weitere Vorschläge für eine minimalistische und achtsame Weihnachtszeit gibt es hier auf meinem Blog.

Wild – Die Autorin, Wolfs- und Hundeexpertin Elli H. Radinger erzählt in ihrem neuen Buch „Das Geschenk der Wildnis“ Geschichten, die zeigen, was die Natur uns alles geben kann: Abenteuer, Gelassenheit, Staunen, Stille, Dunkelheit, Gemeinschaft, Resilienz, Vertrauen. Das Kapitel „Am Walden Pond“ handelt von Ellis Suche nach dem minimalistische Leben in der Wildnis.

Desolat, nicht hoffnungslos – In diesem Jahr ist irgendwie alles anders. Sogar das traditionelle Jahresendlied von Erdmöbel aus Köln verströmt nicht seine gewohnte Fröhlichkeit. Es beschreibt die desolaten, aber bitte nicht hoffnungslosen Lage in Zeiten von Corona. Beherbergungsverbot. Alles wird gut.

Vielen Dank für Deine Aufmerksamkeit!

Stöbere gerne auch in den bisher veröffentlichten Empfehlungen.

Einfach bewusste Grüße

Christof

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Ungewollte Geschenke – was tun?

Ungewollte Geschenke – was tun? (Foto: Carolin Mache, 2020)

Dieser Artikel ist ein Gastbeitrag von Carolin Mache. Mit ihrem Blog Wortblatt möchte sie zu einem bewussteren Leben inspirieren. Schwerpunktthemen sind dabei Nachhaltigkeit, Minimalismus und die Frage „Wer bin ich, wer will ich sein?“

Letztens war es wieder so weit. Der Postbote kam und brachte ein ungeplantes Paket. Nach einem skeptischen Blick in Richtung meines Freundes war klar, dass auch er nichts damit zu tun hatte. Wir öffneten es und es war – ein Spiralschneider. Dann erinnerten wir uns auch, dass wir der Tante gegenüber mal erwähnt haben, dass wir Zucchininudeln ganz witzig finden würden. Jetzt können wir sie sogar selber machen. Lieb gemeint, aber mein Minimalismus-Herz zog sich zusammen. Das brauche ich doch nicht wirklich!

Aus diesem Anlass und auch, weil bald Weihnachten ist, habe ich mir Gedanken gemacht, wie ich zukünftig mit Geschenken umgehen möchte. Dabei hatte ich zwei Überlegungen:

  • Was tun, um ungewollte Geschenke zu verhindern?
  • Was tun, wenn es zu spät ist?

Erklären, warum man weniger Zeug haben möchte

Ungewollte Geschenke zu vermeiden, ist der wesentlich einfachere Teil der beiden Gedankengänge, da man im Vorhinein beeinflusst, was man letztendlich geschenkt bekommt. Für mich besteht die Aufgabe hierbei, neue Geschenkgewohnheiten zu etablieren. Diese Gewohnheiten können ganz unterschiedlich aussehen.

Der erste Schritt, der wahrscheinlich immer notwendig und sinnvoll ist, ist zu reden. Denn wenn wir uns entschieden haben, minimalistischer zu leben und Geschenke bzw. Gegenstände allgemein weniger Wert zuzuschreiben, sollten wir das auch unserem Umfeld kommunizieren. Denn woher kann es wissen, dass wir eine Veränderung durchlebt haben? Ich versuche bei diesen Gesprächen immer meinen Standpunkt klar zu machen und die Gründe zu nennen, warum ich mich dazu entschieden habe, minimalistischer zu leben. Ich erkläre, dass ich weniger Zeug haben möchte, weil es mich zufriedener macht. Oft reicht das schon aus.

Neue Geschenkgewohnheiten etablieren

Wenn diese Grundlage geschaffen ist, geht es darum, das zukünftige Procedere beim Schenken zu klären. Da kommen die neuen Gewohnheiten ins Spiel. Die einfachste Variante ist, mit Freunden und Familie zu vereinbaren, dass man sich nichts mehr schenkt.

Das habe ich bei meiner Oma auch versucht. Ihre Antwort war sinngemäß, dass das nicht ginge und ich doch immer was bekomme. Okay, da war kein Platz für Widerrede. Ich hätte natürlich meinen Standpunkt weiter vertreten können, aber da sie mir wirklich etwas schenken möchte, habe ich einen Kompromiss gefunden: Ich wünsche mir nur noch Sachen, die ich verbrauchen kann und ich mir sonst nicht kaufen würde. Zum Beispiel etwas Besonderes zu essen oder eine nachhaltige Kerze, die ich zum Meditieren nehmen kann. Sie macht mich glücklich und verschwindet wieder.

Eine weitere Möglichkeit ist, sich Zeit mit dem jeweiligen Menschen zu wünschen. Das kann ein Konzert oder ein gemeinsamer Kochabend sein. Zeit statt Zeug ist vielleicht das schönste Geschenk überhaupt.

Zusammengefasst: Wenn es nicht in Frage kommt, sich nichts zu schenken, dann sollte man lieber Wünsche aussprechen. Und aufpassen, dass man sich nichts wünscht, was man gar nicht verwendet.

Was kann man mit ungewollten Geschenken machen?

Jetzt kommen wir zum schwierigen Teil der Überlegungen, da wir uns dort auch in moralische Gefilde begeben. Was ist, wenn man ein Geschenk bekommt, das man nicht gebrauchen kann?

Dazu sollten wir uns den grundlegenden Sinn des Schenkens anschauen. Das Problem mit ungewollten Geschenken ist, dass sie ein schlechtes Gewissen bereiten, weil man sie nicht schön findet oder nicht gebrauchen kann. Dieses schlechte Gewissen lässt einen Dinge behalten, die man sonst weggeben würde. Doch warum glaubt man, dass man es gut finden muss? Es ist ein Geschenk. Das heißt, der andere möchte uns etwas Gutes tun und eine Freude machen. Aber er möchte sicher kein schlechtes Gewissen einreden. Wir können mit dem Geschenk machen, was wir wollen.

Dass das nicht immer so einfach ist, weiß ich auch. Aber wir sollten uns vor Augen halten, dass es beim Verschenken eigentlich nur um die Freude in dem Moment geht. Wir sollten uns als darüber freuen – und nicht schon darüber nachdenken, was wir mit dem Geschenk anfangen sollen.

Oft behalten wir das Geschenk dann aus Rücksicht auf den Schenkenden. Er wollte uns ja eine Freude machen. Wie wir mit dem materiellen Teil dieser Freude umgehen, dürfen wir aber selbst entscheiden.

Es folgen ein paar Ideen, wie Du mit ungewollten Geschenken umgehen kannst.

Ehrlichkeit währt am längsten

Der mutigste Weg ist gleich beim Erhalt des Geschenks zu sagen, dass man sich sehr freue, dass der andere an einen gedacht hat, aber dass das Geschenk nicht das Richtige ist und man es gerne zurückgeben möchte. Natürlich sollte man ehrlich kommunizieren, warum genau. Ich muss zugeben, für mich wäre das nichts. Mir würde der andere zu sehr leidtun. Aber vielleicht kannst Du diesen Weg einmal wählen.

Mit ungewollten Geschenken anderen eine Freude machen

Wenn man das Geschenk annimmt oder noch Geschenke bei sich rumliegen hat, die man eigentlich loswerden möchte, kann man sie weggeben.

Ja, warum nicht? Diesen Weg finde ich vor allem dann okay, wenn das Geschenk schon vor einiger Zeit gemacht wurde. Und mal ehrlich, wie oft fragt der Schenkende nach, was mit seinem Geschenk geschehen ist?

Natürlich muss und sollte man das Geschenk nicht wegschmeißen. Man kann es in die Mathom-Box legen, weiterverschenken, verkaufen oder an Menschen spenden, die es wirklich gebrauchen können.

Und was ist mit persönlichen Geschenken?

Schwierig finde ich in dem Zusammenhang, wenn es Geschenke mit persönlichem Wert sind. Zum Beispiel etwas Selbstgemachtes oder ein Erbstück.

Wir sollten uns trotzdem fragen, ob uns das Geschenk Freude bereitet. Lautet die Antwort Nein, ist es Zeit, eine Entscheidung zu treffen. Soll es weggegeben oder behalten werden? Trifft man diese Entscheidung nicht, kann es sein, dass man das Geschenk und das schlechte Gewissen unbewusst mit sich herumträgt. Das raubt irgendwann Energie.

Für mich geht es bei dieser Frage, was man mit ungewollten Geschenken macht, auch nicht unbedingt darum, sie loszuwerden. Es geht darum, sie ehrlich anzusehen und zu entscheiden, was man damit macht. Und sei es, dass das ungewollte Geschenk einen Platz im Keller bekommt. Das schlechte Gewissen soll beruhigt werden. Und dass entsteht ja dadurch, dass man das Geschenk behält, obwohl man es nicht möchte. Wenn man sich bewusst entscheidet, es doch zu behalten, hat dieses schlechte Gewissen keine Grundlage mehr.

Das schlechte Gewissen erst gar nicht zulassen

Es ist also am besten, dem schlechten Gewissen seine Existenzgrundlage zu nehmen. Sei es durch das Verhindern von ungewollten Geschenken oder durch die Erkenntnis, dass die Geste des Schenkens von dem Geschenk selbst getrennt betrachtet werden kann. Was wir nicht brauchen, darf gehen.

Bei uns hat es der Spiralschneider doch noch seinen Platz in der Küche bekommen. Ich haben nämlich einen weiteren Weg gefunden, mit ungewollten Geschenken umzugehen: Ihnen einen Chance zu geben bzw. sie auszuprobieren. Zucchininudeln sind wirklich sehr lecker.

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Black Friday – mit diesen 6 "Shopping"-Tipps sparst Du hunderte Euro (Foto: Karolina Grabowska von Pexels)

„Alles hastet einem Ziel entgegen, alles trottet dem Reichtum nach.“

Honoré de Balzac, französischer Schriftsteller, 1799 – 1850

Da sind sie also wieder, der Traum aller Schnäppchenjäger und die Speerspitze der Wegwerfgesellschaft: Black Friday, Black Friday Weekend, Black Friday Week, Black November und Black December (die gibts wirklich).

Und fast alle machen mit. Der klassische Einzelhandel, die Webshops, die Medien und wir Konsumenten und Konsumentinnen ja auch.

Da möchte ich auch einen Beitrag leisten. Hier kommen meine „Shopping“-Tipps. Der Clou: Du sparst damit nicht nur Geld, sondern auch Zeit und Nerven. Das Geniale: Die Tipps können im Black November und Black December sowie all year long umgesetzt werden.

1. „Shoppen“ im eigenen Fundus

Es ist doch schon alles da. Man muss es nur wiederentdecken und wertschätzen. Suche in Deinem Kleiderschrank nach vergessenen Klamotten, die Lieblingsteile werden könnten. Höre mal wieder Deine alten Platten und CDs. Lese einen der Romane im Bücherregal, den Du noch nicht kennst. Hole mal wieder die Brettspiele hervor. Koche aus den Vorräten ein leckeres Gericht. Dem Thema habe ich in meinem Minimalimus-Ratgeber ein ganzes Kapitel gewidmet („Bediene Dich aus Deinem Fundus“).

2. „Shoppen“ in Bücherei & Co.

Du kannst meinen Ratgeber und viele andere Bücher kostenlos oder gegen eine geringe Gebühr in Deiner Bücherei ausleihen. Ist ein Titel nicht vorrätig, ist es meist möglich, diesen vorzuschlagen oder über die Fernleihe zu beziehen. Büchereien haben oft auch Comics, Spiele, DVDs, Blu-rays, CDs, Schallplatten, E-Books und andere Medien im Sortiment. Zum kostenlosen Shoppen bieten sich zudem öffentliche Bücherschränke, Umsonstläden, Giveboxes, Zu-verschenken-Anzeigen sowie Zu-verschenken-Kisten am Straßenrand an. Bei diesen Initiativen kannst Du meist auch Gegenstände losbekommen.

3. „Shoppen“ im Freundes- und Familienkreis

Nachdem bei uns fast alle fast schon alles oder viel zu viel besitzen, ist die Chance recht groß, dass jemand in Deinem Freundes- und Familienkreis etwas abgeben möchte, das Du (ge)brauchen kannst. Entweder leihst Du den Gegenstand, nimmst ihn geschenkt oder Du gibst etwas im Tausch. Das kann alles sein. Büchern und Zeitschriften, Küchenutensilien und Gartengeräte, Klamotten, Deko und Lebensmittel. Für solche Fälle führst Du am besten eine Mathom-Box ein und animierst Dein Umfeld, auch eine aufzustellen. Ich habe außerdem mit Freunden und Bekannten eine Threema-Gruppe gegründet, in der jeder Gegenstände zum Verschenken posten kann.

4. „Shoppen“ in der Natur

Einen See umrunden und vielleicht hineinhüpfen, waldbaden oder den Wald durchqueren, einen Berg erklimmen und die Aussicht genießen, an einem windgeschützten Platz rasten und sich an der Ruhe erfreuen. Wenn Du Dich darauf einlässt, tut das Draußensein Deinem Körper, Deiner Seele und Deinem Geist unendlich gut. Und die Natur schickt Dir garantiert keine Rechnung.

5. „Shoppen“ in Gedanken

Aus der Hirnforschung wissen wir, dass unser Gehirn nicht zwischen Vorstellung und Realität unterscheiden kann. Wenn Du Dir also etwas bildlich vorstellst, ist das für Dein Gehirn genau dasselbe wie die Realität. Entsprechend ist dann seine Reaktion darauf. Wenn Du also in Erinnerungen schwelgst oder Dir etwas Schönes vorstellst, was Du noch erleben möchtest, produziert Dein Körper stimmungsaufheiternde Hormone wie Seratonin oder Oxytocin. Du kannst das Kopfkino verstärken, indem Du ein passendes Ambiente erschaffst. Drehe die Heizung auf, schaue Dir die Fotos vom Italienurlaub an und trinke dabei ein Glas Chianti. Dieses „Shoppen“ in Gedanken ist kostenlos – aber nie umsonst.

6. „Shoppen“ mit der eigenen Kreativität

Bevor Du das nächste mal die Kreditkarte zückst oder auf den Kaufen-Button klickst, halte inne und frage Dich, ob Du den Gegenstand oder die Dienstleistung wirklich benötigst. Oft verschwindet der Kaufimpuls, wenn Du ein paar Nächte drüber schläfst. Ist er doch noch da und kommst Du mit den ersten drei „Shopping“-Tipps oben nicht weiter, dann appelliere an Deine eigene Kreativität. Finde Wege, wie Du Dir Deine Wünsche günstiger, nachhaltiger und befriedigender erfüllst. Einen Tisch kann man kaufen oder selber bauen. Fit wird man an teuren Geräten oder beim Gehen und durch Übungen mit dem eigenen Körpergewicht. Socken werden im Nu an die Haustüre geliefert oder zu Weihnachten von Mama. Musik kann man streamen oder machen. Geschenkpapier gibts im Supermarkt oder aus alten Zeitschriften. Urlaub geht in der Ferne oder auf Balkonien

Hast Du weitere Ideen, wie und wo man „shoppen“ kann?

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Einfach mal nichts planen

Einfach mal nichts planen - Foto: Christof Herrmann, 2017

„Ein voller Terminkalender ist noch lange kein erfülltes Leben.“ (Kurt Tucholsky)

Vorbemerkung: Dieser Artikel ist ein Auszug (ein komplettes Kapitel) aus meinem Ratgeber „Das Minimalismus-Projekt – 52 praktische Ideen für weniger Haben und mehr Sein“, der als Buch und E-Book bei Gräfe und Unzer (GU) erschienen ist.

„Nichts“, antwortete eine Freundin, die ich vor einiger Zeit fragte, was sie denn am Sonntag geplant hätte. Ich erfuhr weiter, dass sie sich hin und wieder einen Tag gönnt, an dem sie bewusst keine Termine setzt und sich nicht verabredet, ja noch nicht mal alleine etwas vorhat.

Verpflichtungen den Rücken kehren

Was zunächst nicht spektakulär klingt, offenbart sich bei näherer Betrachtung beinahe als subversiv. Denn wer kann und will schon sein durchgetaktetes Berufs-, Privat- und Familienleben entschleunigen und sich von der Betriebsamkeit und Selbstoptimierung unserer Leistungsgesellschaft lösen? Kleine Kinder schaffen das, die Müßiggänger, manche Rentner und unsere Haustiere.

Ich musste dieses „Nichtsplanen“ natürlich selbst ausprobieren, habe mir ganze Tage frei gehalten – und kann es Dir nur empfehlen. Plane einfach mal nichts. Kehre allen Verpflichtungen den Rücken zu. Lebe wie früher in den großen Ferien in den Tag hinein. Du wirst dadurch wieder durchatmen können, den Kopf freibekommen, Stress abbauen und Kraft tanken. Und es wird Deine Spontaneität und Kreativität fördern.

Habe keine Angst, etwas zu verpassen oder als unproduktiv zu gelten. Du bist kein Roboter. Du nimmst Dir frei, auch von Dir selbst, weil das essenziell für Dein geistiges und körperliches Wohlbefinden ist.

Ist es Dir nicht möglich, die planlose Zeit spontan zu nehmen, dann planst Du sie – paradoxerweise – ein. Blockiere sie in Deinem Kalender. Starte mit einem Nachmittag oder einem Sonntag. Fortgeschrittene nehmen sich vor, ein Wochenende oder eine Urlaubswoche lang nichts vorzuhaben.

Lass Dich treiben

Nichts zu planen, bedeutet selbstverständlich nicht, nichts zu tun. Du entscheidest spontan, wonach Dir gerade ist, und lässt Dich überraschen, wohin es Dich treibt. Vielleicht gehst Du zunächst spazieren und trinkst ein Radler in dem Biergarten, den Du schon ewig besuchen wolltest. Wieder zu Hause legst Du ein Nickerchen ein. Danach ist Dir nach Gesellschaft, und Du schaust unangekündigt bei Freunden vorbei …

Du kannst die Zeit auch mit Deiner Familie verbringen. Fragt Euch einfach: „Was wollen wir jetzt gemeinsam unternehmen?“ Vielleicht geht Ihr zunächst zum Spielen in den Park und kocht danach zusammen etwas.

Und wie war es?

Nach dem Ende Deiner Auszeit kannst Du sie kurz analysieren.
• Was hast Du alles unternommen?
• Wie hat sich das angefühlt?
• Gehst Du nach der Auszeit mit neuer Energie an die Dinge heran, die Du erledigen musst?

Fällt das Resümee positiv aus, kannst Du es Dir zur Gewohnheit machen, Dich einmal im Monat oder sogar einmal die Woche von allen und allem auszuklinken.

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