Selbstoptimierung – Wahn oder Glücksbote?

26. Februar 2022 - von Christof Herrmann - 35 Kommentare
Selbstoptimierung - Wahn oder Glücksbote? (Foto: Oksana Taran von unsplash)

Gilmore Girls oder Guiltmore Girls

„Manchmal wünsche ich mir Zeiten zurück, in denen wir nicht alle so auf Selbstoptimierung gedrillt waren und ich mich deutlich weniger guilty gefühlt habe, wenn ich vollkommen sinnfreien Beschäftigungen nachgegangen bin oder einfach gar nichts gemacht habe“, schrieb mir eine Freundin vor ein paar Wochen, nachdem sie die erste Staffel der Fernsehserie „Gilmore Girls“ aus den 2000er-Jahren gesehen hat.

Ich antwortete: „Schau doch noch die restlichen sechs Guiltmore-Girls-Staffeln!“

Angeregt durch diese Konversation habe ich mir Gedanken über den Sinn und Unsinn der allgegenwärtigen Selbstoptimierung gemacht.

Besser werden zu wollen, liegt in unserer Natur

Unter Selbstoptimierung versteht man den kontinuierlichen Prozess zur freiwilligen Verbesserung der persönlichen Eigenschaften und Fähigkeiten. Es geht also darum, das Beste aus sich zu machen.

Dagegen ist zunächst nichts einzuwenden. Wer möchte nicht erfolgreicher, produktiver, schlauer, achtsamer, fitter, gesünder, attraktiver und begehrenswerter werden?

Es liegt in unserer Natur, wachsen zu wollen. Von Geburt an lernen wir täglich dazu. Und der Mensch im Allgemeinen hat schon immer versucht, seine Lebenssituation zu verbessern.

Wenn das Optimieren zum Wahn wird

In unserer hypervernetzten, sogenannten modernen Welt werden wir ständig mit dem Selbstbild und den Ansprüchen von uns und anderen konfrontiert. Das birgt die Gefahr, dass wir die Selbstoptimierung übertreiben oder sie gar zur Sucht oder zum Wahn wird.

Dann bestimmen Ziele, Zwänge und Zertifikate unseren Alltag. Dann setzen wir uns zu sehr unter Druck, besser zu sein als andere und als man selbst noch vor kurzer Zeit war. Dann investieren wir mehr und mehr in Ernährungsberater, Fitnessuhren, Schönheitsoperationen oder Online-Kurse. Dann bleiben Gesundheit, Glücksgefühle und Geld auf der Strecke – also das, wonach wir eigentlich streben.

Das richtige Maß finden

Um herauszufinden, ob Du es mit der Selbstoptimierung übertreibst, bereits das richtige Maß gefunden hast oder noch Verbesserungspotenzial hast, solltest Du sie analysieren. Stelle Dir einfach bewusst die folgenden Fragen:

  • Warum versuche ich, in diesem Bereich mich und mein Leben zu optimieren? Möchte ich das überhaupt oder denke ich, es wollen zu müssen? Es ist wichtig, selbstbestimmt zu bleiben und nicht Dinge zu verändern versuchen, hinter denen Du im Grunde Deines Herzens nicht stehst.
  • Brauche ich dabei immer ein Ziel oder einen Wettbewerb? Beim Wandern geht es um die Bewegung und das Naturerlebnis und selten um Rekorde oder die Zertifizierung zum Wanderführer. Auch beim Meditieren möchte man nichts erreichen – außer die Dinge so zu sehen und nehmen, wie sie sind.
  • Bin ich überfordert? Überforderung und Perfektionismus können die Belastbarkeit einschränken, zu Stress, Unzufriedenheit und im äußersten Fall zum psychischen Trauma führen. Eine dauerhafte Unterforderung wirkt sich ebenfalls oft negativ auf Dein Heil aus.
  • Habe ich ausreichend Ausgleich zu all der Selbstoptimierung? Du wirst nie perfekt sein und das ist okay so. Für Dein geistiges, seelisches und körperliches Wohlbefinden sind auch Müßiggang und Genuss essenziell.

Guilty pleasures im Zeitalter der Selbstoptimierung

Passend dosiert kann die Selbstoptimierung dazu beitragen, erfolgreicher, gesünder und zufriedener zu leben.

Für meinen Geschmack hat sie aber heutzutage einen zu hohen Stellenwert. Teilweise nimmt sie groteske Formen an, etwa bei der Effizienzsteigerung. Schnelllesetechniken sind bereits seit Jahrzehnten bekannt. Nun hat sich ein kostenpflichtiger Dienst etabliert, mit dem man sich die (vermeintlichen) Kernaussagen eines Sachbuchs in rund 15 Minuten einverleibt. Dem nicht genug ist es möglich, den Aufwand zu halbieren, indem man sich die Audiodatei in doppelter Geschwindigkeit anhört.

Zum Glück sind wir so frei, selbst zu entscheiden, wie wir unser Leben gestalten, was wir unter Balance verstehen, wie viel Selbstoptimierung und wie viele Guilty pleasures (also Vergnügen, für die man sich ein wenig geniert) wir zulassen.

Da wären wir wieder bei der eingangs erwähnten Freundin. Die hat sich in den letzten Wochen dann doch ihrem Guilty pleasure hingegeben und alle 153 Episoden der sieben Staffeln der „Gillmore Girls“ bingewatcht. Well done!

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35 Kommentare für “Selbstoptimierung – Wahn oder Glücksbote?”

  1. Oh, da sprichst du mir echt aus der Seele. Durch übersteigerte Selbstoptimierung ist man ständig am rotieren und kommt nicht zur Ruhe. Wenn mich ein Sachbuch interessiert, möchte ich bitteschön selbst herausfinden, was denn genau die wichtigsten Inhalte für mich sind und mir dies nicht von jemand anderen im 15-Minuten-Snack erzählen lassen. Wir sind doch keine Hamster im Selbstoptimierungs-Laufrad.

  2. Danke – wieder mal voll ins Zentrum getroffen.
    Ich bin froh, dass ich der Selbstoptimierung abgesagt habe – war mir zu stressig.
    Ein Hoch auf ausgewogenen Müßiggang und die Fähigkeit des Maßhaltens!
    Danke für deinen wohltuenden Artikel, lieber Christof!

    Mit glücklich berührten Grüßen,
    Amrita

    1. Danke – wieder mal voll der nette Kommentar von Dir.

      Kommt der Artikel so stark gegen die Selbstoptimierung rüber? Ich plädiere für die passende Balance, die für jeden etwas anders ausfallen dürfte.

      Einfach bewusste Grüße

      Christof

      1. Weg vom Glücksdiktat der Lifestyle-Berater, Mode-Influenzer, Gesundheitsgurus,  Selbstentwicklungscoaches, Fitness-prediger, Glaubenslügner…..
        zu eigenständigem, selbstbewusstem Denken und Handeln in Liebe und Besinnung auf die Endlichkeit des Lebens! Endlich frei!!
        Danke für den Artikel Christof!!

        1. Ich möchte die von Dir genannten sicher nicht verteufeln, zumal ein Teil meiner Blogartikel vielleicht auch in die Richtung geht ;-)

          Für richtig und wichtig halte ich eine regelmäßige Selbstreflexion der Selbstoptimierung. Will und/oder muss ich mich und/oder mein Leben in diesem Bereich wirklich verbessern?

          Viele Grüße

          Christof

        2. Hallo Christof,
          ein wirklich sehr toller Artikel, den du da geschrieben hast.
          Trifft bei mir leider auch voll ins Schwarze. Aber es wird besser. Vielleicht auch eine Frage des Alters…man wird ja gelassener.
          Liebe Grüße Stephi

  3. Wieder ein interessanter und hilfreicher Artikel von Dir! Für mich kommt gut rüber, dass Selbstoptimierung und Auszeiten in Balance sein sollten.

    Leo

  4. Lieber Christof,
    ja, das mit der Balance ist so eine Sache…
    Ich persönlich habe seit meiner Jugend das Problem, genau diese nicht zu finden, sondern immer zwischen Selbstoptimierungswahn und Alles-von-mir-stoßen zu pendeln.
    Ich finde ein Thema, vertiefe mich völlig darin, mache mir einen Plan, was und wie ich das für mich umsetzen will, beginne damit, überfordere mich völlig und schmeiße dann alles von mir um mich in meine „sichere Höhle“, sprich meine Couchecke beim tausendsten Mal „Modern Family“ gucken, zu verziehen.
    Bis mein Hirn anfängt sich zu langweilen und die nächste Idee zur Selbstoptimierung anschleppt.
    Ich glaube, der Schlüssel liegt im „guilty“, sich also eben nicht mehr tief drinnen dafür zu schämen, was einem eigentlich Freude macht, sondern dazu zu stehen und es, neben anderen Alltagsaktivitäten, einfach im normalen Alltag zu integrieren, in kleinen Happen. Dann langweilt sich das Gehirn vielleicht auch nicht so schnell und man verfällt nicht wieder in Extreme.

    Aber sicher bin ich mir da noch nicht. Ich hoffe jedoch sehr, die Lösung für den angenehmen Mittelweg noch zu finden.
    Grüße aus Kiel,
    die sonst so stille Mitleserin
    Anne

    1. Schön, dass Du Dich mal zu Wort meldest – gerne öfter!

      Hast Du es schon mal mit einem Selbstoptimierungswahn-Alles-von-mir-stoßen-Tagebuch probiert? Also während beider Phasen alles aufschreiben, was Du diesbezüglich machst, wie es sich anfühlt usw.

      Ich wünsche Dir, dass Du Deine Balance findest.

      Viele liebe Grüße aus Nürnberg

      Christof

      1. Hallo Christof,
        nein, in meiner Vorstellung fehlt mir für sowas wie Tagebuchschreiben immer die Zeit.
        Dass ich eine Form des inneren Ausgleichs für mich finden sollte, um zu einer gewissen Balance zu kommen, erscheint mir aber sinnvoll. Auch von meinem rastlosen Hirn abgesehen ist der Alltag mit zwei kleinen Kindern eine gewaltige Herausforderung, die mit mehr innerer Ruhe sicher einfacher zu bewältigen wäre.
        Ob es Tagebuchschreiben, meditieren oder etwas anderes wird, das muss ich für mich noch herausfinden. Danke für den Gedankenanstoß! (nebst all den anderen auf deinem tollen Blog!)

        Anne

      2. Liebe Anne,
        Du schreibst von mir, oder? Mir geht es ganz genauso: Anfang 40, 3 Kinder – da fehlt mir die Zeit, der Nerv und vor allem die Kraft/ Energie, Ideen, die mein Hirn mir als super verkaufen will, konsequent zu Ende umzusetzen. ABER: nach inzwischen 12 Jahren in Eltern-/ und Teilzeit ist mein Hirn definitiv gelangweilt und oft unterfordert und springt gerne auf eben so tolle, neue Ideen auf. Mit Feuereifer wird dann ggf. ein Buch gekauft, angefangen zu lesen – manchmal auch bis zum Ende – ein Plan gemacht, angefangen….und dann super frustriert und kaputt abends auf der Couch gelümmelt. Abends vorm Einschlafen: „Morgen aber, da geht’s richtig los. Kann doch nicht sein, dass ich das nicht hin kriege.“ Tja, dann kommt der Morgen, die Kinder nörgeln, der Computer will bei der Arbeit nicht so wie ich will, das Mittagessen muss rechtzeitig fertig sein, weil der Mann nur eine Stunde Mittagspause hat, Küche aufräumen, „Kinder, wie schaut’s mit den Hausaufgaben aus? Stehen Tests an? Könntest Du mal bitte Dein Zimmer so aufräumen, dass ich wenigstens zum Fenster komme? Doch, jetzt!“. Die Wäscheberge machen sich auch nicht alleine….oh Mist, liegt da viel Staub. Das ist ja bäääh….Plötzlich ist Abend und nach dem Täglich-grüßt-das-Murmeltier-mehrfach Abendessen-Küche-Kinder-Programm, ist frau froh, wenn sie es schafft, die 20 Uhr Nachrichten rechtzeitig auf „Pause“ zu drücken, damit sie dann so gegen 20.30 Uhr fix und fertig dem Ruf des Sofas nachgeben kann…..“Nur schnell die Nachrichten schauen“, dann mache ich noch was für die aktuelle Idee….uff, jetzt auch nicht mehr…ich bin zu müde, und es soll mich ja nicht stressen…Tja, und dann liegt man wieder abends im Bett und das gleiche beginnt von vorne.
        Ich halte nichts von dieser Über-Selbstoptimierung. Und das ist auch ok…doch bei ein paar Sachen, denke ich, sie könnten mir tatsächlich zu mehr Lebensqualität verhelfen, wenn ich sie denn mal auf die Reihe kriegen würde geschweige denn als Routinen etabliert.
        Na ja, ich versuche auch einen Mittelweg zu finden und eben wegen meiner aktuellen Lebensumstände die Messlatte nicht allzu hoch zu hängen. Auch wenn mein Hirn so gerne möchte…. :-)

        1. Liebe Monika,
          außer dass du mir einen Blick 10 Jahre in die Zukunft bescherst, ist das wirklich exakt mein Dilemma. Ich bin Anfang 30 und meine zwei Kinder in Krippe und Kita, aber ansonsten nimmt sich das nicht viel. Eigentlich wollte ich jetzt, wo der Kleine in der Krippe ist, auch wieder arbeiten, aber schon nach zwei Wochen musste ich die Notbremse ziehen und erstmal auf unbestimmte Zeit zurück in Elternzeit. Ansonsten ist der Alltag für mich einfach nicht zu schaffen. Früher, bevor ich Kinder hatte und als der Haushalt noch weniger Pflege benötigte, hatte ich auch noch die Zeit, sowohl meine geliebte Couch zu bewohnen als auch meinen Ideen nachzugehen. Ich war mehrere Jahre bei Greenpeace aktiv, bin Mitbegründerin einer großes Initiative aus der Zeit des großen Flüchtlingsstroms 2015, habe historisches Bogenschießen gemacht und Yoga ausprobiert. Und nebenher sicher schon 20mal meine Ernährung auf die ein oder andere Weise „dauerhaft“ umgestellt…
          Diese selbstbestimmte Zeit war toll, allerdings auch mindestens genauso stressig wie jetzt das Leben als Mutter und Hausfrau.
          Und irgendwann finden wir die Balance zwischen allem, ja? 😉

  5. Guten Abend,

    dass mit der App, die ein Sachbuch auf 15 min runter bricht, konnte ich fast nicht glauben. (Habs gegooglet). Eine Zeit lang lief auch ich Gefahr, in meinem Beruf zu viele Weiterbildungen zu machen. Halbwegs rechtezitg fiel mir auf, dass diese Zertifikats-Hascherei nichts bringt. Nun hab ich (m)ein Gefühl für meine Stärken – Schwächen wusste ich schon vorher – weiß, was Sinn macht für mich und was eher nicht.

    Die Versuchung ist manchmal groß, sich zu viel „rein ziehen“ zu wollen. Vor allem, wemm man vielseitig interessiert ist. (Poltik, Umwelt, Gesellschaft, Biographien & Schicksale…)

    Angesichts der aktuellen Lage überkommt mich einmal mehr der Eindruck, dass wir uns in unserem Wohlstand alle zu bequem eingerichtet haben (der eine mehr, die andere weniger), wir viel zu viel mit Luxusproblemen beschäftigt sind. U.a. mit der Selbstoptimierung. Und dann ist auf einmal alles so unwichtig…

    Liebe Grüße an alle!

    1. Ich bin immer sehr erstaunt und durchaus auch beeindruckt, woher „diese Menschen im Internet, auf Instagram etc“ die Zeit und diese unglaubliche Energie nehmen, an ihrer Selbstoptimierung zu arbeiten. Das muss doch unglaublich anstrengend und zeitintensiv sein. Gerade im Fitnessbereich. Aber ist das automatisch Selbstoptimierung? Da hängt zumindest theoretisch wahnsinnig viel mit dran von Ernährung über achtsamen Umgang mit dem Körper bis zu bewussten Pausenzeiten und Regeneration. Ist Selbstoptimierung etwas, dass in erster Linie jeder für sich selbst erkennen muss?
      Von dieser Serviceleistung, die Buchinhalte in kurzer Zeit zusammenfasst, habe ich auch schon gehört: keine Ahnung, ob es Menschen gibt, die hier einen echten Bedarf haben. Für mich persönlich unvorstellbar.
      Es ist einfach eine generelle Herausforderung sich in diesen Zeiten, bei unendlich vielen Möglichkeiten, aber auch Anforderungen und Erwartungen, und sich in der „Rush hours des Lebens“ befindend von diesem Wahn alles mitzumachen, überall dabei zu sein und das Beste zu geben, abzugrenzen. Letztlich kann das aber nur jeder für sich selbst entscheiden.
      VG Anni

      1. Also ich kenne Menschen persönlich, die diesen Service nutzen und begeistert davon sind.

        Und ja, nach meinem Empfinden, kann man nur selbst herausfinden, was für einen Selbstoptimierung genau bedeutet und wie viel man davon umsetzen mag.

        EBG

        Christof

    2. Hallo Andrea,
      ob du es glaubst oder nicht, ich bin auf die erwähnte App tatsächlich sogar über den YouTube-Blog einer Minimalistin gestoßen, die die App häufiger erwähnt und empfiehlt. Für mich persönlich passt das nur schwer zu meinem eigenen Verständnis von Minimalismus, aber jedem seine Auffassung…
      „Und dann ist auf einmal alles so unwichtig“
      … Mit deinem letzten Absatz triffst du exakt meine Gedanken der letzten Tage. Mir scheint, als klammerten sich aber gerade jetzt viele Leute an ihre alltäglichen „Luxusprobleme“, weil unsere Welt so aus den Fugen gerät… Den Versuch, über den normalen Alltag eine gewisse Stabilität und Sicherheit aufrechtzuerhalten, kann ich schon verstehen. Nur denke ich persönlich, dass es uns mehr nützt, den Problemen ins Auge zu sehen und zu überlegen, was wir konkret tun können, statt so lange die Augen zu verschließen, bis es zu spät ist um zu reagieren..
      LG

  6. Danke, Christof, für diesen Beitrag. Auch ich bin schon allzuoft in die Falle gegangen, mich bis zur Perfektion zu optimieren. Bis ich den einen und anderen Ratgeber fand, als Buch oder im Internet. Und auch da war ich überfordert zu erkennen, welcher ist der richtige. Bis ich dann gelernt habe, dass ich mich so anerkenne, wie ich bin. Dabei haben mir u.a. meine Kinder geholfen. Ich war nie die perfekte Mutter, die perfekte Köchin etc., bin nun mal mehr geistig unterwegs. Aber ich habe ihnen etwas mitgegeben für ihr Leben. Sie müssen ja ebenfalls selbst erkennen, was für sie wichtig ist. Und ich bemerke, dass ich ihnen etwas mitgegeben habe, daran, dass wir uns vor allem auf geistiger Ebene treffen, wenn wir uns sehen. Sie wissen, welche Themen für mich interessant sind, welche Bücher mich ansprechen (so sehen meist unsere gegenseitigen Weihnachtsgeschenke aus) und entsprechend verlaufen unsere Gespräche, wenn wir uns mal sehen. Selten, aber inhaltsreich und wertvoll. Auf alle Fälle will ich noch mehr Deine Minimalismustipps in meinen Alltag integrieren.
    Alles Gute für Dich und die hier aufgeführten Kommentator*innen
    Angelika

    1. Vielen Dank für Deinen Kommentar. Da hast Du Deinen Kindern etwas sehr Wertvolles mit auf ihren Lebensweg gegeben! Ich denke, für junge Menschen ist es heute (mit den hohen Anforderungen und unendlichen Möglichkeiten) nicht einfach, zu erkennen, was einem wichtig ist und was man eben nicht können/machen/wissen muss/mag.

      Viele Grüße

      Christof

  7. Hallo Christof,

    jetzt habe ich mich doch tatsächlich eine ganze Weile mit der Frage beschäftigt, ob es statt „bingewatcht“ nicht „gebingewatcht“ oder „bingegewatcht“ heißen müsste. Und dann war ich auch gleich beim Staubsaugen: „staubgesaugt“ oder „gestaubsaugt“? Ist das jetzt Optimierung, weil perfektionistisch, oder Müßiggang, weil ich Freude an der Beschäftigung mit einer doch eigentlich unwichtigen Frage habe? ;-)

    Liebe Grüße
    Sabine

    1. Hallo Sabine,

      habe ich es denn nun korrekt verwendet?

      Ich kannte das Wort nicht, habe es erst durch die besagte Freundin kennengelernt. Mag solche eingedeutschten Begriffe eigentlich nicht, aber im Bezug auf diese US-TV-Serie fand ich es passen.

      Alles Gute, viele Grüße

      Christof

    2. Schöner Beitrag, wie immer, Christof!
      Eine Möglichkeit, es mit der Selbstoptimierung nicht zu übertreiben, ist, sich durch sein Umfeld (Menschen, die es gut mit einem meinen) immer wieder eine Rückmeldung zu holen. Z.b. Denkst du ich übertreibe, wenn ich jährlich eine Fortbildung oder Weiterbildung mache?
      Bin gespannt, wann sich die Masse wieder mehr den Werten widmet, die der gesunden Entwicklung der Seele helfen.

  8. ich zitiere mal „bestimmen Ziele, Zwänge und Zertifikate unseren Alltag“ – das geht doch schon los bei der Geburt – wehe das Kind kann mit 9 Monaten nicht laufen, haut im Kindergarten, hat Probleme in der Schule – die Eltern sind es, da kommt man ins Strudeln, im Job muss man alles geben, als Mutter und Frau auch – wird erwartet, auch Männer sind nicht außen vor, die Vater, Ernährer, Job, Haus, Auto, Boot – nicht zu vergessen all die anderen Eigenschaften wo man haben sollte, die ganzen Erwartungen die existieren.
    Man ist doch das ganze leben fixiert auf sich irgendwie zu optimieren damit man in das Bild der anderen passt. Den eigen Weg zu finden ist schwer.

    – ist wahr – bin 60 Jahre mein Zeitfenster ist nicht mehr allzulange – zuviel Arbeit für zu wenig bezahlte Zeit, ständig neues, ständig mehr und komplexer die Arbeitsvorgänge zu spät angefangen vorzusorgen für einen früheren Ausstieg. Gefangen im System. Rückblilckend war das nie mein Ding. Zu feige um einfach auszusteigen weil ja wie soll das mit weniger Geld gehen, wie soll das alles bezahlt werden, das erwachsene Kind etwas besonders hat es da draußen schwer braucht uns noch und das kostet auch Geld ist noch nicht soweit fürs fliegen lassen.
    Diese Zwänge fordern mich heraus, mich selbst zu opitimieren, es zu schaffen, es zu können, zu funktionieren.
    Weil das ja verlangt wird von den anderen, dem Chef, der Mutter, etc. man wird erzogen es tun zu müssen obwohl man es eigentlich gar nicht möchte.
    Dieses Erreichen von etwas unter Druck und zu hohen Erwartungen – man ist zwar stolz darauf es geschafft zu haben, aber die Bedingungen tun einem nicht gut auf die Dauer und machen krank und müde

    1. Hallo Rosa,

      das klingt sehr negativ. Sicher gibt es auch positive Aspekte in Deinem Leben. Die zu erkennen und sich an die festzuhalten, hilft nicht nur mir, den Alltag besser zu bewältigen. Hilfreich kann eine Art Dankbarkeitstagebuch (schriftlich oder gedanklich geführt) sein, wie ich es unter 7. im Blogartikel 12 Ideen, wie Du im neuen Jahr einfacher und bewusster leben kannst beschrieben habe.

      Alles Gute, viele Grüße

      Christof

  9. Nachdem hier einige oben über Apps schreiben die Bücher in 15 Minuten zusammenfassen und dass sie das nicht kennen – nur vom Hörensagen. Kurzum: Ich habe genau so eine APP (Blin***) seit zwei Monaten. Selbstoptimierung? Keine Ahnung – ich will nicht viel Geld für ein Bücher ausgeben und dann nach viel Zeit herausfinden, dass es überteuert war für den Inhalt und nur altes neu verpackt…. ich nutze die gewonnene (!!! ja, Optimierung) Zeit und gehe einen Cafe trinken mit Zimtschnecke oder in die Berge :)

    1. Ich habe die App natürlich getestet (sie heißt Blinkist), um mir eine Meinung bilden zu können. Die Geschäftsidee ist genial. Ich denke aber, dass man nicht wirklich etwas mitnimmt, was über eine erweiterte Inhaltsangabe hinausgeht. Vielleicht kann man mitreden. Aber der Lerneffekt war bei mir gleich null. Oft sind die für einen relevanten Inhalte eines Ratgebers ja auch nicht die offensichtlichen.

  10. Hey Christof,

    der Wahn vom selbstoptimierten ICH wird sich meiner Meinung nach, wohl noch verstärken. Coaches sprießen zur Zeit, aus der Erde als ob kein Kraut dagegen gewachsen sei. Ich wünsche jedem, dass er glücklich mit seinem Business wird. Ich darf bald auch 15 Jahre Menschen begleiten. Aber mein Kontext ist, sie in die Eigenverantwortung zu bringen und unabhängig zu machen. Das ist nich immer einfach, aber ein Weg der sich immer lohnt zu gehen.

    Persönlichkeitsentwicklung hat für mich auch kaum etwas mit Heilung zu tun. Das ICH zu optimieren, heißt nur von einen Zustand in einen anderen zu wechseln. Dabei wird die eigentliche Ursache nicht sichtbar und kann nicht losgelassen werden. So funktioniert Heilung nicht. So entsteht auche keine Veränderung in der Tiefe.

    Masken aufsetzen mag zwar kurzfristig glücklich machen, aber nur kurz….
    LG Christian

    1. Hallo Christian,

      besten Dank für Deine Sicht auf das Thema Selbstoptimierung.

      Letztendlich kann man den passenden Lebensweg nur selbst finden und muss man mutig sein, ihn dann auch zu gehen. Fast jede(r) wird sich dafür Anregung und Unterstützung holen, meist in Ratgebern, Blogartikeln, Dokus oder bei Freunden und Bekannten, zuweilen auch bei Coaches oder Therapeuten.

      EBG

      Christof

      1. Hey Christof,

        ja jeder sollte seinen passenden Lebensweg finden. Wenn man seiner inneren Freude folgt, ist man ja schon Quasi auf seinem Weg. ;-) Sich inspiration zu holen ist auch völlig okay. Ich durfte/musste selbst vieles probieren. Habe viel Lehrgeld bezahlt und war am Ende nicht schlauer. Habe dann den Weg nach innen gefunden und dort die Antworten auf meine Fragen.

        Du hast es ja bereits toll formuliert, dass man das richtige Maß finden sollte. Ansonsten tauschen wir ja nur ein Hamsterrad gegen anderes Hamsterrad aus.

        In diesem Sinne, sei sanft zu DIr.
        Christian

  11. Lieber Christof,

    ein tolles Wortspiel ;-) und vor allem mal wieder ein sehr wertvoller Artikel mit wichtigen Gedankenanstößen. Höher, schneller, weiter ist nun mal eben nicht immer unbedingt besser für die eigene Zufriedenheit. Ich musste beim Lesen deines Artikels an einen Ausschnitt aus dem Buch Momo denken:

    »Niemand schien zu merken, dass er, indem er Zeit sparte, in Wirklichkeit etwas ganz anderes sparte. Keiner wollte wahrhaben, dass sein Leben immer ärmer, immer gleichförmiger und immer kälter wurde. […] Aber Zeit ist Leben. Und das Leben wohnt im Herzen. Und je mehr die Menschen daran sparten, desto weniger hatten sie.«

    In diesem Ausschnitt geht es zwar um Zeit, aber ich finde, es lässt sich genauso gut auf den Selbstoptimierungswahn übertragen. Verbesserung in kleinen Schritten bei Punkten, die einem persönlich wirklich wichtig sind, ist eine wundervolle Sache. Jedoch hat übertriebene Selbstoptimierung sicherlich nichts mit einem optimalen Leben zu tun. Es ist wichtig, nicht zu vergessen: Nicht alles muss einen Sinn haben, manches darf auch einfach nur Spaß machen.

    Viele liebe Grüße,
    Aljona

    1. Danke, liebe Aljona, für Dein Lob und das passende Zitat aus dem Buch „Momo“.

      Du schreibst zudem, dass nicht alles einen Sinn haben muss und manches auch einfach nur Spaß machen darf. Genau betrachtet hat das „Sinnlose“ dann schon einen Sinn, nämlich uns zu erfreuen, für geistiges, seelisches und körperliches Wohlbefinden zu sorgen …

      Einfach bewusste Grüße

      Christof

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