"Steilküste" – ein Gedicht von Matthias Kröner (Foto: JJ Sky’s the Limit von StockSnap)

Dieses Gedicht ist ein Gastbeitrag von Matthias Kröner. Der mehrfach ausgezeichnete Lyriker und Autor veröffentlicht seit dem 1. Februar 100 Tage lang je ein Gedicht. Es geht dem gebürtigen Franken darum, „mit Menschen in Kontakt zu kommen, trotz Social Distancing und komplett virenfrei – mit Worten, mit Gedichten.“ Du kannst die Lyrische Post in einem täglichen Newsletter oder auf dem Blog Fairgefischt lesen und anschließend auf Facebook über die Gedichte diskutieren.

Steilküste

Da ist ein Haus
an der Steilküste, die jedes Jahr
Meter um Meter einbüßt,
je nachdem,
wie stark die Stürme sind, die Einschläge der Blitze, der Wind,
der die Wipfel zeichnet, das Wüten
der Welt.

Verunfallte Bäume klammern sich an den Hang.

Wäre ich Besitzer dieses Hauses,
würde ich vielerlei denken. Ich machte mir Sorgen, klar.
Wird die Terrasse
he-
runter-
bre-
chen,
während ich Kaffee trinke auf ihr
und den riesigen Schiffen zusehe, die den Horizont
entlangschreiten,
gemächlich, ruhig, ohne Aufregung.
Die Zuckerdose würde zerschellen und ich,
einige Vögel würden aufflattern
und die Fischer unter mir
in ihren langen Stiefeln zusammenzucken … –
Die Risse des Hauses fielen mir auf.
Ich würde mich ärgern, ich hätte das Haus verkaufen können.
Vor Jahren.
So ist es Schrott.

Trotzdem würde ich manche Nächte noch darin schlafen, allein,
wenn mein Leben, wie es manchmal ist,
durcheinanderkommt,
und ich nicht zurückfinde, zu dem, was mich ausmacht.
Das Haus hilft mir dabei. Die Makler,
die ich doch manchmal anriefe,
würden mich auslachen und längst nicht mehr herkommen
und heimlich über mich tuscheln und mich selbstbewusst
auf die schwarze Liste setzen,
die Liste unverkäuflicher Häuser.

Ich hätte Streit gehabt, wegen dem Haus,
mit meiner Frau, mit der Bank, mit den Kindern,
die die Bäume lieben
und dort Verstecken spielen: „Die Wurzeln halten doch!
Lass uns klettern, bitte!“

Doch ich würde auch stark gewinnen, durch dieses Haus,
jedes Mal, wenn ich es sehe,
ich würde die Abbruchkante verfolgen, den Fraß der Gezeiten,
ich würde wachsamer werden, hier an diesem Ort,
wachsamer als sonst,
und ich wäre dankbar,
weil ich durch dich, Haus an der Steilküste,
das Leben, den Tod, das Land und den Wind verstehen könnte,
auf eine Art, wie sie anderen nicht vergönnt ist.

Ein Wissen, das ich mitnehme, das in mir wohnt,
wenn die Terrasse herunter-
stürzt
und die Fenster
aus ihren Angeln hebt
und die Wände, schief wie die Bäume
am Abhang kleben,
und ich mich umsehen müsste, nach einem Kleinlaster,
um abzutransportieren,

was mir bleibt.

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Ende August letzten Jahres bin ich vom Nürnberger Szeneviertel Gostenhof in die Marienvorstadt umgezogen. In dem westlich der Altstadt gelegenen Stadtteil überlebt man nur, wenn man ihn regelmäßig verlässt. Hier gibt es kein Lebensmittelgeschäft, wenig Gastronomie und kaum Kultur.

Dennoch habe ich den Umzug nicht bereut. Es ist nämlich nur ein Katzensprung ins Grüne – bzw. aktuell ins Weiße. Wenn ich aus meiner Haustüre trete und das leichte Gefälle hinabschreite, stehe ich nach zwei Minuten auf der Wöhrder Wiese und an der Pegnitz. Nach links, also flussabwärts oder in westliche Richtung, gelangt man in zehn Minuten in die sehenswerte Altstadt. Nach rechts, also flussaufwärts oder in östliche Richtung, sind es nur zwei Minuten zum Wöhrder See.

Die Wöhrder Wiese, der Wöhrder See und die weitläufigen Pegnitzauen sind die grüne Lunge von Nürnberg, Naherholungsgebiet der Bewohner(innen) sowie Habitat für zahlreiche Pflanzen, Wasservögel und andere Tiere.

Seit ein paar Tagen trägt dieses Areal ein weißes Kleid. Ich habe Dir auf meinen Streifzügen ein paar Fotoimpressionen von dem Wintermärchen mitgebracht.

Die Sonne löst den Frühnebel über dem Wöhrder See langsam auf. (Foto: Christof Herrmann, 2021)
Die Sonne löst den Frühnebel über dem Wöhrder See langsam auf.
Höckerschwäne, Kanadagänse und Blässhühner im Wasser und auf dem Eis – rechts die Energie- und Umweltstation. (Foto: Christof Herrmann, 2021)
Höckerschwäne, Kanadagänse und Blässhühner im Wasser und auf dem Eis – rechts die Energie- und Umweltstation.
Idyllischer Seitenarm der Pegnitz. (Foto: Christof Herrmann, 2021)
Idyllischer Seitenarm der Pegnitz.
Die Wöhrder Wiese – ausnahmsweise weiß statt grün. (Foto: Christof Herrmann, 2021)
Die Wöhrder Wiese – ausnahmsweise weiß statt grün.
Der Bootsverleih wird wohl nicht so schnell öffnen. (Foto: Christof Herrmann, 2021)
Der Bootsverleih wird wohl nicht so schnell öffnen.
Der Boulevardsteg am Nordufer des Wöhrder Sees lädt zum Flanieren ein. (Foto: Christof Herrmann, 2021)
Der Boulevardsteg am Nordufer des Wöhrder Sees lädt zum Flanieren ein.
Am Glubb kommt man in Nürnberg kaum vorbei. (Foto: Christof Herrmann)
Am Glubb kommt man in Nürnberg kaum vorbei.
Eine Ansicht wie von anno dazumal. (Foto: Christof Herrmann, 2021)
Eine Ansicht wie von anno dazumal.
Warum frieren Enten nicht? (Foto: Christof Herrmann, 2021)
Warum frieren Enten nicht?
Schneemobil. (Foto: Christof Herrmann, 2021)
Schneemobil.
Ganz schön aufgeladen. (Foto: Christof Herrmann, 2021)
Ganz schön aufgeladen.
Der Tag neigt sich dem Ende zu … (Foto: Christof Herrmann, 2021)
Der Tag neigt sich dem Ende zu …
… Nürnberg freut sich auf die Ruh. (Foto: Christof Herrmann, 2021)
… Nürnberg freut sich auf die Ruh.

 

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Warum ich regelmäßig faste – und was am Fasten minimalistisch ist (Foto: Christof Herrmann, 2021)

„Jeder kann zaubern, jeder kann seine Ziele erreichen, wenn er denken kann, wenn er warten kann, wenn er fasten kann.“ (Hermann Hesse)

Eine Woche ohne feste Nahrung

Ich habe fast sieben Tage nichts gegessen. Ich faste gerade.

Sobald dieser Blogartikel online ist, werde ich das Fasten mit einem reifen Apfel brechen. Mittags gibt es drei Pellkartoffeln mit etwas Möhrengemüse, abends Tomatensuppe mit Knäckebrot, Sojajoghurt und Leinsamen. Du kannst Dir vorstellen – vor allem wenn Du selbst schon gefastet hast –, welch Geschmacks- und Geruchsexplosionen diese kleinen Mahlzeiten mir bereiten werden.

Zum ersten Mal habe ich vor 25 Jahren als Student gefastet. Dazu inspiriert hat mich meine Mutter, die bereits in den 1980er-Jahren das Fasten für sich entdeckt hat.

Fasten reinigt Körper, Geist und Seele

Zur Gewohnheit habe ich es mir aber erst in den letzten Jahren gemacht. Ich faste etwa zweimal im Jahr für fünf bis sieben Tage, um Körper, Geist und Seele zu reinigen und meinem Leben einen positiven Impuls zu geben.

Ich halte mich an das Buch „Wie neugeboren durch Fasten“ von Dr. Hellmut Lützner, der sich an die Methode von Otto Buchinger orientiert.

Dabei nimmt man mit stillem Mineralwasser, Kräutertees, selbst gemachten Gemüsebrühen und verdünnten Fruchtsäften eine geringe Menge an Energie, Vitaminen und Mineralstoffen auf. Feste Nahrung und Genussmittel wie Kaffee, schwarzer Tee, alkoholische und zuckerhaltige Getränke sind tabu.

Wichtig ist eine gründliche Darmentleerung. Ich vertraue zum Fastenbeginn auf die Einnahme von in Wasser aufgelöstem Glaubersalz und ab dem zweiten Tag auf täglich einen Einlauf. Das sorgt nicht nur für die Entgiftung des Darms, sondern ist auch das Signal für den Körper, von der üblichen Ernährung von außen auf die Ernährung von innen umzuschalten. Beim Fasten kommt die Energie nämlich überwiegend aus den körpereigenen Depots.

Ich fühle mich blendend, bin voll leistungsfähig

An den ersten beiden Fastentagen, wenn mein Körper noch auf die innere Ernährung umstellt, verspüre ich hin und wieder Hunger. Ein Glas Mineralwasser vertreibt ihn schnell wieder. Manchmal fühle ich mich auch etwas schwach oder habe leichte Kopfschmerzen. Dann lege ich mich kurz hin oder gehe an die frische Luft.

Spätestens ab dem zweiten Tag fühle ich mich blendend. „Wie neugeboren“ trifft es gut. Das Hungergefühl taucht nicht mehr auf, die Pfunde purzeln, die Entgiftung ist im vollen Gange, die Stimmung euphorisch. Dabei ist mein Geist klar und mein Körper leistungsfähig. Muss sich der Organismus nicht mit der Verdauung beschäftigen, steht dem Gehirn mehr Energie fürs Denken zur Verfügung. Vorgestern sprudelten die Sätze für die erste Version dieses Blogartikels und einen anderen Text aus mir heraus. Und gestern habe ich morgens den See bei mir vor der Haustüre umrundet, war ich nachmittags mit einem Freund wandern und bin ich abends einkaufen gegangen. Fast 30 km und 40.000 Schritte kamen so zusammen.

Der Arzt Dr. Otto Karl Aly berichtete über einen Fastenmarsch von zwanzig Schweden. Die Männer wanderten von Göteborg nach Stockholm – 500 Kilometer in zehn Tagen. Jeder von ihnen brauchte pro Tag nicht mehr als etwas Fruchtsaft und drei Liter Wasser. Die Männer kamen jeweils fünf bis sieben Kilogramm leichter in Stockholm an, sahen prächtig aus, waren bester Laune und schienen keineswegs erschöpft zu sein. Im Gegenteil, sie hatte an Kraft und Ausdauer gewonnen.

Dem Verführerischen zu widerstehen, macht stark und unabhängig

Fasten dient nicht nur der Gesundheit. Es sorgt darüber hinaus für Wohlbefinden, Selbstbewusstsein und innere Freiheit. Es erfüllt mich mit Stolz, eine Woche ohne feste Nahrung und Genussmittel durchgehalten zu haben. So lange dem Verführerischen zu widerstehen, macht stark und unabhängig. Es ist ein erhabenes, lang anhaltendes Gefühl, wie ich es ähnlich nach vier schweißtreibenden Wochen auf der Alpenüberquerung Salzburg – Triest erleben durfte.

Fasten gilt auch als Jungbrunnen. Es entgiftet, pusht die Zellerneuerung und sorgt für straffes Bindegewebe. Das trägt sicher dazu bei, dass ich jünger ausschauen, als ich bin. Ich feiere nächstes Jahr meinen 50. Geburtstag – werde eher auf 40 geschätzt, fühle mich wie 30 und benehme mich zuweilen wie mit 20.

Fasten ist Minimalismus in Reinform

Für mich passt das Fasten wunderbar zur minimalistischen Lebensweise. Während der Fastenwoche verzichte ich einfach bewusst auf feste Nahrung. Ich konzentriere mich auf die Dinge, die mir am wichtigsten sind. Ausreichend Schlaf und Ruhe, wärmende Tees und Gemüsebrühen, Bewegung an der frischen Luft, Kontakt zu den mir liebsten Menschen sowie die dringendsten Aufgaben meiner Schreibtätigkeit. Shoppen, Völlerei, Multitasking, Hektik, Smartphone & Co. spielen kaum eine Rolle.

Diese Erfahrungen lehren mich, nach der Fastenwoche wieder maßvoller zu essen und mich von dem Überkonsum und der Geschäftigkeit unserer angeblich so modernen Gesellschaft fernzuhalten.

Eines gebe ich aber zu. Zum Ende der Fastenzeit fällt mir die kulinarische Keuschheit schwer. Ich bin kein Asket, sondern ein Genussmensch. Ich koche mit Leidenschaft, weiß gutes Essen zu schätzen und trinke gerne ein Glas Silvaner oder ein Kellerbier …

Hast Du schon gefastet? Ebenfalls nach Lützner/Buchinger oder nach einer anderen Methode? Welche Erfahrungen hast Du gemacht?

Warum ich regelmäßig faste – und was am Fasten minimalistisch ist (Foto; Pixabay via Pexels)

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8 Lektionen, die ich in 8 Jahren Bloggen gelernt habe - Foto: Christof Herrmann, 2021

Mein Blog Einfach bewusst ging am 19. Januar 2013, also heute vor acht Jahren, online.

Seitdem habe ich 366 Artikel veröffentlicht, habe ich einiges über mich und meinen Werdegang verraten und stehe ich im regen Austausch mit meiner Leserschaft. Ich durfte rund 7.500 Kommentare und 15.000 E-Mails lesen und beantworten.

Es steht außer Frage, dass Einfach bewusst mein Leben mitprägt. Den heutigen Bloggeburtstag nehme ich zum Anlass, zurückzublicken und zusammenzufassen.

Ich verrate Dir acht Lektionen, die ich in acht Jahren Bloggen gelernt habe.

1. Ohne Leidenschaft ist alles nichts

Würde ich nicht gerne schreiben und würde ich nicht für die minimalistische und nachhaltige Lebensweise, die köstliche Pflanzenkost und das Wandern brennen, wäre meinen Blog das gleiche Schicksal ereilt wie unzähligen anderen Seiten. Er wäre längst eingestellt worden.

Wenn Du ebenfalls schreibst, kann ich Dir nur empfehlen, über Dinge zu schreiben, die Deine Leidenschaft entfachen. Mehr noch: Wenn Du zufrieden leben möchtest, dann tue Dinge, für die Du brennst. Leidenschaft ist nicht alles. Aber ohne Leidenschaft ist alles nichts.

2. Geduld ist eine Tugend

Leidenschaft ist also wichtig, aber nicht alles. Um beim Bloggen – oder allgemein im Leben – erfolgreich zu sein, ist Geduld gefragt. Man schreibt erst mal für sich, für Mama und Papa, für Tante Traude und für eine Handvoll Freude. Es kann Woche oder Monate dauern, bis die Besucherzahlen merklich steigen.

Hält man solange durch, sorgt das für einen kräftigen Motivationsschub. Noch heute kann ich mich an das befreiende Gefühl erinnern, als ich mitbekam, dass meine Texte auch von fremden Personen gelesen werden und darüber hinaus gut ankommen. Ich war bereit für den nächsten Schritt. Ich sah mich als freien Autor, auch wenn ich mich lieber scherzhaft als „armen Poeten“ bezeichnete.

3. Mit Know-how und Unterstützung zur Meisterschaft

Wer geduldig seiner Leidenschaft nachgeht, wird darin besser. Zur Meisterschaft bringen es so nur geniale Autodidakten. Egal ob man Pilze sammelt, am Herzen operiert oder schreibt, es ist eine gute Idee, sich fortzubilden und Know-how aufzubauen. Um einen erfolgreichen Blog zu führen oder als Autor zu (über)leben, muss man sich mit Dingen beschäftigen, die über die Leidenschaft hinausgehen.

Ich habe mich mit Büchern, Workshops und Videovorträgen in die Themen WordPress, Suchmaschinenoptimierung, Newsletter- und Social-Media-Marketing, deutsche Sprache, Internetrecht, Datenschutz-Grundverordnung, VG Wort, VG Bild-Kunst, Buchhaltung und Steuer eingearbeitet. Man kann aber nicht alles können. Die Leidenschaft soll im Mittelpunkt stehen. Manchmal ist es also cleverer, sich unterstützen zu lassen. Ich habe mehrmals überlegt, ob ich meine Buchhaltung und Steuererklärung in professionelle Hände geben sollte. Und ich prüfe gerade, wie hoch mein Budget für den geplanten Relaunch von Einfach bewusst ist.

4. Lieber mit der Berufung als mit einem Beruf die Brötchen verdienen

Als ich vor rund neun Jahren Freunden und Familie erzählt habe, dass ich damit liebäugle, mich als Autor selbstständig zu machen, hielten das einige für keine gute Idee. Sinngemäß kamen immer wieder die gleichen Einwände: 1. „So einfach und so viel Geld wie in der IT wirst Du als Autor nie verdienen.“ 2. „Die Konkurrenz ist zu groß. Du wirst Taxi fahren müssen, um über die Runden zu kommen.“ 3. „Wenn Du Dein Hobby zum Beruf machst, wirst Du die Freude daran verlieren.“

Ich bin trotzdem meinem Herzen gefolgt, habe das Risiko auf mich genommen. Für mich war das der richtige Weg. Lediglich der erste Einwand hat sich (bis jetzt) bewahrheitet. Heute verdiene ich meine Brötchen mit meiner Berufung, auch wenn ich kleinere Brötchen backe als früher in meinem IT-Beruf. Ich brenne noch immer für meine Blogthemen, habe mehrere Projektideen im Kopf, schreibe für mein Leben gern und möchte meinen Schreibstil weiter verbessern. Das Thema Berufung liegt mir so sehr am Herzen, dass ich es in meinem Minimalismus-Ratgeber in den Kapiteln „Finde Deine Berufung und lebe sie“ und „Zehn Wege aus dem Hamsterrad“ aufgreife.

5. Worte können die Welt zum Positiven verändern

Ich lebe minimalistisch, nachhaltig und vegan und gehe viel zu Fuß, weil es mir Freude bereitet und ich mich dadurch auf die wichtigen Dinge im Leben konzentrieren kann. Es ist für mich kein Verzicht, sondern persönlicher Gewinn – und bringt zudem Vorteile für die Mitmenschen, unsere Umwelt und die Nutztiere.

Auf Einfach bewusst berichte ich über meine Erfahrungen und gebe ich Tipps für die Umsetzung. Der Grat zwischen inspirierender Botschaft und erhobenem Zeigefinger ist schmal. Ich treffe offensichtlich den richtigen Ton. In Kommentaren, E-Mails und Gesprächen erfahre ich oft, dass meinen Ideen Gehör geschenkt werden. Der Käseliebhaber lobt meinen veganen Mozzarella. Die Vielfliegerin berichtet euphorisch von ihrem Urlaub auf Balkonien. Der Couch- und Mouse-Potato wird erst zum Spaziergänger, dann zum Wanderer und schließlich zum Alpenüberquerer. Die Alles-Sammlerin findet ihr Glück im Ausmisten … Es stimmt mich froh, zu erkennen, dass der eigene Wandel und Worte die Welt zum Positiven verändern können.

6. (M)ein Newsletter ist Gold wert

Wenn ich gefragt werde, was beim Start eines Blogs zu beachten ist, nenne ich unter anderem den Aufbau eines Newsletters. Ich bin froh, dass ich von Anfang an darauf gesetzt habe. Geduld und Cleverness sind auch hier gefragt. Nach einem Monat Bloggen hatten sich 56 Personen eingetragen, nach einem Jahr 941, nach vier Jahren 9717. Heute sind es 15.482. Mittlerweile kommen nach Google die meisten Blogbesucher vom Newsletter, obwohl ich ihn nur einmal im Monat versende. Selbst meine Social-Media-Seiten auf Facebook, Instagram und Twitter zusammengenommen erzeugen deutlich weniger Seitenaufrufe.

Ich achte darauf, dass mein Newsletter einen Mehrwert bietet. Das heißt, ich teile darin nicht nur meine neuen Blogartikel, sondern zusätzlich Links zu themenrelevanten Seiten, etwa zu einem hilfreichen Artikel oder einer interessanten Doku. Und manchmal habe ich eine Überraschung parat. Im heutigen Newsletter verlose ich je drei Exemplare meiner acht Bücher und E-Books.

7. Kommentare sind ein essenzieller Bestandteil eines Blogs

Es gibt schon länger den Trend unter Bloggern, die Kommentarfunktion auszuschalten. Ich halte das für keine gute Idee, auch wenn ich sonst fürs Vereinfachen und Entschlacken bin. Kommentare sind für mich ein essenzieller Bestandteil eines Blogs. Ich kann mir Einfach bewusst ohne diese Funktion nicht vorstellen. Einzelkommentare und längere Diskussionen können meine Ausführungen bestätigen, neue Sichtweisen hinzufügen oder Ungereimtheiten aufdecken. Auch für relevante Fragen und deren Antworten ist Platz. All das lässt eine Community entstehen. Zu so einem Blog kehrt man gerne zurück. Man fühlt sich gehört und unterstützt. Manchmal wünsche ich mir aber noch mehr Interaktion. Nur jeder tausendste Seitenaufrufer hinterlässt einen Kommentar.

Wichtig ist mir auch der Austausch mit meinen Lesern und Leserinnen per E-Mails und – wenn es die Zeit erlaubt und sich die Gelegenheit ergibt – persönlich bei einem Treffen. Daraus sind im Laufe der Jahre auch echte Freundschaften entstanden.

8. Eins nach dem anderen

Vor ein paar Jahren fand ich beim Bloggen heraus, dass ich im Singletasking effizienter, in besserer Qualität und freudvoller arbeite als im Multitasking. Seitdem versuche ich so lange an einem Text fokussiert und ohne Ablenkung zu schreiben, bis meine Konzentration merklich nachlässt. Dann gönne ich mir eine Pause, ehe ich mit dem Schreiben fortfahre. Ist der Text fertig, erledige ich sequenziell die restlichen Aufgaben wie Telefonieren oder das Beantworten von E-Mails. Insgesamt bin ich im Singletaskng rund ein Viertel schneller. Das bedeutet, dass ich entweder früher Feierabend mache oder mehr in der gleichen Zeit schaffe.

Auch in vielen anderen Lebensbereichen folge ich dem Motto „Eins nach dem anderen“. Es gelingt mir nicht immer, aber immer öfter. In unserer schnelllebigen, von Ablenkungen geprägten, ach so modernen und hypervernetzten Welt ist es Herausforderung, Revolution und Luxus zugleich, eine Platte ohne Ablenkung vom ersten bis zum letzten Takt zu hören, nichts anderes als ein heißes Bad zu genießen oder einfach bewusst diesen Artikel zu lesen.

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Dinge weggeben, an denen Du emotional hängst

Dinge weggeben, an denen Du emotional hängst - Foto: S. Hermann & F. Richter von Pixabay

„Lerne loszulassen, das ist der Schlüssel zum Glück.“ (Siddharta Gautama Buddha)

Vorbemerkung: Dieser Artikel ist ein Auszug (ein komplettes Kapitel) aus meinem Ratgeber „Das Minimalismus-Projekt – 52 praktische Ideen für weniger Haben und mehr Sein“, der als Buch und E-Book bei Gräfe und Unzer (GU) erschienen ist.

Onkel Ottos Bierkrüge und der schiefe Plastikturm von Pisa

Du wirst wahrscheinlich beim Ausmisten auf Dinge stoßen, bei denen Dir das Loslassen besonders schwerfällt. Es sind Dinge, an denen Du emotional hängst, weil sie Dich an einen geliebten Menschen, an einen wichtigen Moment in Deinem Leben oder an ein schönes Erlebnis erinnern.

Diese Brücken zur Vergangenheit nehmen ganz unterschiedliche Gestalt an: das Porzellan von Tante Traute und die Bierkrügesammlung von Onkel Otto, Liebe in Briefen und Omas Leben in Fotoalben, das Video vom Abischerz und das Vordiplom vom Zweitstudium, Zeichnungen und Schulhefte der längst erwachsenen Kinder, Sand vom Karibikurlaub und der schiefe Plastikturm von Pisa …

Dein Leben findet im Hier und Jetzt statt

Auch wenn diese Dinge oft weder besonders schön noch nützlich sind, ist nichts dagegen einzuwenden, schöne Erinnerungen damit symbolisch wachhalten zu wollen. Und es tut Dir gut, sie – die Dinge ebenso wie die Erinnerungen – hin und wieder hervorzuholen.

Dummerweise sammeln sich im Laufe der Jahre immer mehr dieser Erinnerungsstücke an. Sie füllen Regale und Sideboards, Wände und Kühlschränke, Festplatten und Alben, Schubladen und Kisten. Sie fangen an, Staub zu fangen. Sie verlieren in der Masse ihren emotionalen Wert und können Dich von neuen Begegnungen und Erfahrungen abhalten. Dann ist es Zeit, loszulassen. Dein Leben findet im Hier und Jetzt statt.

Dinge gehen, Erinnerungen bleiben

Mach Dir bewusst, dass es darum geht, nur einen Teil der Dinge, an denen Du hängst, auszusortieren. Das nimmt den Druck raus.

Wie viele und welche Erinnerungsstücke Du loslassen möchtest, kannst einzig Du entscheiden. Manchen fällt es leichter, wenn sie den betreffenden Gegenstand fotografieren. Folge Deinem Bauchgefühl. Behalte, was spontan ein Lächeln auf Deine Lippen zaubert. Lächelst Du viel, kannst Du versuchen, nur die Stücke aufzuheben, die den geliebten Menschen oder das schöne Erlebnis am besten repräsentieren – an Onkel Otto erinnern fortan ein Foto und der prächtigste Bierkrug aus seiner Sammlung. Überlege Dir, ob die Dinge einen besonderen Platz in Deiner Wohnung bekommen oder ob Du sie lieber außer Sichtweite aufbewahrst und bei Bedarf hervorholst.

Habe keine Angst vor dem Loslassen. Auch wenn Du etwas weggibst, bleibt die Erinnerung an den Menschen oder das Erlebnis erhalten. Sie kommt auf wundersame Weise zum Vorschein – in Deinem Gedächtnis, in Deinem Wesen oder in Deinem Herzen.

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