Gelesen im August und September: Quintessenzen, Robert Musil, Regionalwert AG …

Da ich im August viel zum Gehen, aber kaum zum Lesen gekommen bin, gibt es heute eine Doppelausgabe in der Gelesen-Rubrik.

Mein Buch des Monats ist “Quintessenzen – Überlebenskunst für Anfänger” von Sven Böttcher. Darauf aufmerksam gemacht hat mich übrigens Einfach-bewusst-Leserin Elvira in einem Kommentar Anfang des Jahres.

Fach- und Sachliteratur

  1. Quintessenzen – Überlebenskunst für Anfänger von Sven Böttcher (Erscheinungsjahr: 2013, meine Bewertung: 5 von 5 Sternen)
    Der Autor Sven Böttcher erkrankte 2006 an Multipler Sklerose. Die Ärzte prophezeiten ihm, er werde einen weiteren Schub wahrscheinlich nicht überleben. Daraufhin nutzte er die ihm verbleibende Zeit, für seine drei Töchter “alles Hilfreiche für den Überlebensweg” aufzuschreiben, was er ihnen vielleicht nicht mehr selbst sagen können wird. Diese Quintessenzen liegen nun als Buch vor. Die üblichen Ratschläge à la “Sei dir selbst treu” oder “Höre auf deine innere Stimme” fehlen auf den 160 Seiten fast ganz. Stattdessen gibt es tiefgründige und gleichsam klare Betrachtungen über den Kosmos, das Glück, das Ego, die Liebe, die Lebensziele, die Ernährung, die Gesundheit und den Tod. Dass Sven Böttcher dabei trotz des “Totalverlustes an Perspektiven und sämtlichem materiellen Gedöns” seine positive Sicht auf das Leben und seinen Humor nicht verloren hat, macht “Quintessenzen” zu einem Volltreffer.
  2. Regionalwert AG von Christian Hiß (2014, 4 Sternen)
    Der Gärtnermeister und Landwirt Christian Hiß gründete 2006 die Regionalwert AG, eine Bürgeraktiengesellschaft, bei der die Aktionäre in Biohöfe, Bio-Läden, zwei Caterer, eine Gärtnerei, ein Weingut und einen Naturkost-Großhändler in der Region Freiburg investieren. Das u. a. mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnete Zukunftsmodell findet immer mehr Nachahmer in anderen Städten und Regionen. So ist das Buch “Regionalwert AG” ein praktischer Ratgeber zur Gründung, Beteiligung und Umsetzung ähnlicher Projekte.

Belletristik

  1. Die Verwirrungen des Zöglings Törleß von Robert Musil (1906, 4 Sterne)
    Musils erster Roman ist eine scharfsinnige Pubertätsstudie, in der ein Außenseiter Opfer sadistischer Quälereien seiner Mitschüler wird. Oft wird “Die Verwirrungen des Zöglings Törleß” als Bild der Diktatur und der Manipulation des einzelnen durch den Staat gedeutet.
  2. Genagelt von Leonhard F. Seidl (2014, 3 Sterne)
    In diesem Regionalkrimi geht der Vegetarier, Privatdetektiv und Hauptverdächtige Freddie Deichsler im oberbayerischen Isental auf Mörderjagd. Für meinen Geschmack zu derb und langatmig.

Comics

  1. 5 Songs von Gipi (2007, 4,5 Sterne)
    Der italienische Autor und Zeichner Gipi erzählt in seinem Coming-of-Age-Comic “5 Songs” die Geschichte von vier Jugendlichen, die glauben im verdreckten Übungsraum ihrer Indierock-Band vor ihren Problemen im Alltag fliehen zu können.
  2. Metro – Kairo Underground von Magdy El-Shafee (2012, 3,5 Sterne)
    Diese Graphic Novel wurde nach ihrer Veröffentlichung im Jahr 2008 in Ägypten verboten. Sie portraitiert die Metropole Kairo, in der sozialer Ungleichheit, willkürliche Staatsgewalt, Korruption und Frust das Leben der Menschen bestimmen, was schließlich zum Arabischen Frühling Anfang 2011 führte.

Und was liest Du gerade? Welches Buch kannst Du mir und meinen Lesern empfehlen?

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Starthilfe für ein minimalistisches Leben

Starthilfe für ein minimalistisches Leben (Foto: Afschin Kamrani)
Dieser Artikel ist ein Gastbeitrag von Afschin Kamrani. Er bloggt auf afschin.com über minimalistisches Leben.

Überall wird über Minimalismus gesprochen. Manchmal frage ich mich, ob das eine Modeerscheinung ist und sich bald wieder auflöst.

Die Krisen, Kriege und Unzufriedenheit auf der Welt machen uns nachdenklich. Ist das ständige Streben nach mehr Wachstum und höheren Zielen der Sinn unseres Lebens? Ich spüre bei mir und den Menschen um mich herum einen Sinneswandel.

Die Qual der Wahl

Du kannst dir heute vieles mit Geld kaufen. Doch macht dich das zu einem glücklicheren Menschen? Oder wirst du zum Sklaven deines Besitztums?

Die große Auswahl, die uns die Werbung so schmackhaft machen will, entpuppt sich immer mehr als eine Qual. Und das mit negativen Folgen: Wir werden gleichgültig und verlieren den Fokus auf das Wesentliche. Bei einer Auswahl von drei Obstsorten läuft dir das Wasser im Mund zusammen. Bei 20 Sorten denkst du “Egal, Hauptsache Obst” und nimmst irgendeine davon.

Entdeckungsreise Minimalismus

Vielleicht fragst du jetzt: “Ist ein minimalistisches Leben die ultimative Lösung für all unsere Probleme?” Nein, sicher nicht. Auch ein minimalistisches Leben kann dich unglücklich machen, wenn du nicht Deinen Sinn darin findest. Die Welt braucht keine unglücklichen Minimalisten.

Minimalismus ist ein individueller Prozess, eine Entdeckungsreise. Es ist wichtig, dass du dafür deinen eigenen Ansatz findest. Sonst besteht die Gefahr, dass du mitten in deinem Prozess damit aufhörst.

6 Fragen, die dir helfen, deinen Minimalismus zu finden

Gehe die Sache richtig an. Ein minimalistisches Leben sollte gut geplant und überlegt sein sein. Für mich war sehr wichtig herauszufinden, warum ich diesen Weg überhaupt gehen möchte.

Dein Warum ist der Grundstein für ein neues, freies Leben. Je genauer du das Warum definieren kannst, umso erfolgreicher wirst du damit sein.

Ich verrate dir die sechs Fragen, die mir geholfen haben, meinen Minimalismus zu finden. Lass dich davon inspirieren und passe sie an deine eigene Lebenssituation an.

1. Warum willst du minimalistisch leben?

Nimm dir ein paar Tage Zeit und mache dir Gedanken darüber, warum du minimalistisch leben willst. Schreibe deine Beweggründe auf. Fühle in dich hinein, ob sie zu dir passen. Wäge jeden Ansatz mit deinem Herzen ab. Dein Gefühl wird dir den Weg zeigen.

2. Was, wenn sich der inneren Schweinehund meldet?

Wenn du mit deinem minimalistischen Leben beginnst, verlässt du die kuschelige Komfortzone. Dann meldet sich sehr schnell dein innerer Schweinehund. Er wird versuchen dich von deinem “sinnlosen” Weg abzubringen und dich wieder auf den “richtigen” Weg zu lotsen: Ins Hamsterrad, in die Konsumfalle und in alte Muster.

Es hilft ungemein, wenn du auf einem Zettel eine kleine Selbstverpflichtung (unter)schreibst. Ein paar Zeilen genügen. Minimalismus fängt schon hier an. Die Selbstverpflichtung soll nicht streng formuliert werden. Sie dient einfach zur Erinnerung für schlechte Tage.

3. Worauf kannst du verzichten?

Jetzt geht es ans Eingemachte. Erstelle eine Liste von den überflüssigen Dingen, und damit meine ich nicht nur materielle Dinge. Beginne mit dem wirklich Überflüssigen. Die Ich-kann-verzichten-Liste könnte zum Beispiel so ausschauen:

  • jammern, meckern und lästern
  • Ärger von gestern und Sorgen von morgen
  • Fernsehen
  • ständig aufs Smartphone schauen
  • Fitnessstudio (stattdessen wandern gehen)
  • seit einem Jahr nicht mehr getragene Kleidung
  • überflüssige Möbel und Haushaltsgeräte

4. Was kannst du alles selbst herstellen?

DIY (Do it yourself) ist in aller Munde. Selbst etwas herzustellen macht glücklich. Die Zeit, die du dafür benötigst, nährt deine Seele und entspannt dich.

Vieles lässt sich mit wenig Aufwand selbst machen, z. B. Marmelade. Selbstgemacht schmeckt sie lecker und ist frei von Schadstoffen. Es gibt tolle Blogs und Internetseiten, auf denen Menschen über ihre DIY-Erfahrungen schreiben und Anleitungen veröffentlichen. Christofs vegane Rezepte sind ein Beispiel dafür.

Ich möchte demnächst meinen Kaffee in einer Gußeisenpfanne selbst rösten und werde darüber auf meinem Blog berichten.

5. Was machst du nicht gerne?

Erstelle eine Liste mit Verpflichtungen und Aufgaben, die du eigentlich aus deinem neuen minimalistischen Leben verbannen möchtest.

Suche dann nach kreativen Lösungen, wie du die unerwünschten Verpflichtungen und Aufgaben vermeiden oder ändern kannst. Lerne auch liebevoll Nein zu sagen.

Bei vielen Menschen steht der Job auf dieser Liste. Vielleicht ist es bei dir auch so. Es macht aber meist keinen Sinn, von jetzt auf nachher die Arbeit zu kündigen.

6. Was machst du gerne?

Erstelle eine Liste mit allem, was du gerne machst. Auf diese Liste gehören alle Aktivitäten, die deine Seele nähren und dich beflügeln, aber auch deine Talente, Träume und Leidenschaften.

Finde Möglichkeiten diese Dinge öfter zu tun. Wenn du z. B. gerne wanderst, schaue, wie und wo du dafür Zeit gewinnen kannst.

Mach es einfach und mach es jetzt

Du kannst diese sechs Fragen auf ein oder zwei DIN-A4-Seiten beantworten. Mach also keine Doktorarbeit daraus.

Danach geht es nämlich an die Umsetzung. Fang einfach an. Der erste Schritt ist deine Herzensentscheidung. Zu wissen, warum du das tust, ist der halbe Weg. Bleibe dabei. Dann entwickelt sich eine Dynamik, die dich trägt.

Ich wünsche dir viel Freude und neue Erkenntnisse auf dem Weg in dein minimalistisches Leben!

Afschin

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Couscoussalat in drei Varianten (auch für unterwegs)

Taboulé: Libanesischer Salat aus Couscous oder Bulgur.Vegan, perfekt auch für die Outdoor-Küche – Zeit: 20 Min. – Schwierigkeit: leicht

Es ist bald 20 Jahre her, dass ich in einem kleinen Restaurant in Marokko zum ersten Mal Couscoussalat gegessen habe. Seitdem ist er in meinem Rezepte-Repertoire. Ich mag an dem Gericht, dass es so unkompliziert zuzubereiten ist und fast beliebig variiert werden kann.

Couscous stammt aus der nordafrikanischen Küche und wird aus Hartweizengrieß, zuweilen auch aus Gerste oder Hirse hergestellt. Bei uns wird er als vorgegartes und getrocknetes Instantprodukt verkauft und muss nur noch in heißem Wasser quellen. Das macht ihn für die Outdoor-Küche interessant. Auf meiner Radweltreise 2006 bis 2007 habe ich Couscous unzählige Male auf dem Benzinkocher zubereitet – als Beilage, als Süßspeise oder eben als Salat.

Auf meiner diesjährigen Alpenüberquerung hatte ich zwar keinen Kocher, aber eine Tupperdose, einen Teller, ein Schweizer Taschenmesser, Löffel und Gabel, Gewürze und Olivenöl dabei. Nachdem ich herausgefunden hatte, dass Couscous auch mit kaltem Wasser quillt, gab es fast einmal am Tag Couscoussalat und zwar in immer neuen Variationen. Meist mischte ich die Zutaten bereits am Morgen in der Tupperdose. Diese musste ich dann zum Picknick nur noch öffnen. Mit viel Disziplin gelange es mir, das köstliche Gericht nicht zu gierig herunterzuschlingen.

Irgendwann hatten meine Mitwanderer genug von Salami, Brot und Schokolade bzw. von meinen “Hmm”s, “Ahh”s und “Yummy”s. Sie besorgten sich Tupperware, Löffel, Couscous und weitere Zutaten und begannen ebenfalls mit dem Experimentieren.

Im Folgenden findest Du drei Rezepte für Couscoussalat. Taboulé ist ein libanesischer Salat aus Couscous oder Bulgur und reichlich Petersilie, den ich oft zuhause mache. Die anderen beiden Varianten gab es diesen Sommer auf meinem Weg über die Alpen ans Mittelmeer. Die Mengenangaben reichen als Vorspeise oder Beilage für vier Personen, als Hauptgericht für zwei Personen oder für einen extrem hungrigen Alpenüberquerer.

Taboulé:
250 g Couscous
250 ml Wasser
4 Tomaten
2 Frühlingszwiebeln
1 kleine Salatgurke oder 2 Minigurken
1 Bund glatte Petersilie
1 Handvoll Minzblätter
3 EL Olivenöl
3 EL Zitronensaft
Salz
Pfeffer

  1. Couscous ins Wasser geben und quellen lassen. Mit heißem Wasser ist das Getreide in etwa 10 Minuten gar, mit kaltem Wasser dauert es gut doppelt so lange.
  2. Tomaten waschen, entstielen und würfeln.
  3. Frühlingszwiebeln waschen und in Ringe schneiden.
  4. Die Gurke waschen und würfeln.
  5. Petersilie und Minze waschen, die Blätter von den Stielen zupfen und fein hacken.
  6. Den Couscous mit den Tomaten, den Frühlingszwiebeln, der Gurke und den Kräutern mischen.
  7. Für das Dressing Olivenöl, Zitronensaft, Salz und Pfeffer mischen.
  8. Das Dressing über das Taboulé geben und gut durchrühren.

Couscoussalat mit Currypulver, Maronen und Räuchertofu:
250 g Couscous
350 ml Wasser
1 Handvoll Maronen (geschält und gegart)
200 g Räuchertofu
3 EL Tomatenmark
Currypulver
Salz

  1. Couscous ins Wasser geben und quellen lassen. Mit heißem Wasser ist das Getreide in etwa 10 Minuten gar, mit kaltem Wasser dauert es gut doppelt so lange.
  2. Die Maronen, den gewürfelten Räuchertofu und das Tomatenmark zum Couscous geben und mischen.
  3. Mit Currypulver und Salz würzen.

Couscoussalat mit Currypulver, Maronen und Räuchertofu.
Couscoussalat mit Paprika, Oliven und getrockneten Tomaten:
250 g Couscous
350 ml Wasser
1 Paprika
1 Handvoll Oliven
1 Handvoll getrocknete Tomaten
1 Handvoll Haselnüsse
2 EL Olivenöl
Kräuter der Provence
Salz
Pfeffer

  1. Couscous ins Wasser geben und quellen lassen. Mit heißem Wasser ist das Getreide in etwa 10 Minuten gar, mit kaltem Wasser dauert es gut doppelt so lange.
  2. Die Paprika waschen, entkernen und würfeln.
  3. Die Oliven und die getrockneten Tomaten in Scheiben schneiden.
  4. Paprika, Oliven, getrocknete Tomaten, Haselnüsse und Olivenöl zum Couscous geben und vermischen.
  5. Mit Kräuter der Provence, Salz und Pfeffer würzen.

Couscoussalat mit Paprika, Oliven und getrockneten Tomaten.
Tipp:
– Wieviel Wasser man zum Couscous hinzufügen sollte, ist abhängig von den weiteren Zutaten. Tomaten und Gurken enthalten viel Wasser, so dass das Getreide noch “nachquillt”.
– Bereitet man den Couscoussalat zuhause zu, lässt man ihn am besten abgedeckt im Kühlschrank eine Stunde ziehen.

Sakha!

Hast Du eine Idee, welche Zutaten man noch für einen veganen Couscoussalat kombinieren könnte? Dann hinterlasse doch Deine Variante in den Kommentaren.

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Salzburg-Triest 2014 - Foto: Nanni, Johann, Ritschi, Bettina, Mario und die Hohen Tauern.

Mission erfüllt: Minimalistisch, nachhaltig und vegan über die Alpen

Seit drei Tagen bin ich zurück in Franken. Mit Stolz und Freude kann ich verkünden, dass ich mein Vorhaben, minimalistisch, nachhaltig und vegan über die Alpen zu wandern, in die Tat umgesetzt habe. Ich war mit wenig Gepäck unterwegs, bin jeden Meter gelaufen, habe in Berghütten und einfachen Pensionen geschlafen und habe ausschließlich Pflanzen gegessen.

Dass es nicht so schwierig ist, sich auf einer Fernwanderung im Gebirge vegan zu ernähren, habe ich in meinen Tagesberichten beschrieben. Sie wurden jeweils 1.000 bis 1.500 Mal gelesen und sind im Facebook-Album Alpenüberquerung Salzburg-Triest 2014 gesammelt. Manche Leser haben sich gewundert, dass es mittags oft Couscoussalat gab. Das ist schnell erklärt. Das Getreide quillt auch mit kaltem Wasser (ich nehme auf meinen Touren keinen Kocher mit), der Salat kann in immer neuen Varianten zubereitet werden und schmeckt einfach lecker. Ich werde den Couscoussalat wohl in meine Rezepte aufnehmen müssen. Zum Thema “Vegane Ernährung in den Alpen” wird es ebenfalls einen extra Blogartikel geben.

Salzburg-Triest 2014 - Foto: Zum Picknick gab es oft Couscoussalat, da man ihn in den unterschiedlichsten Varianten zubereiten kann und das Couscous auch mit kaltem Wasser quillt.

Die Statistiken

Wie schon nach der letztjährigen Alpenüberquerung mit Stephi und meiner Tour im Frühjahr auf dem Fränkischen Gebirgsweg werfe ich mit Zahlen um mich. Sie sind gerade für jene interessant, die die Route nachgehen möchten. Im Schnitt müssen täglich 19 Kilometer, 930 Höhenmeter im Aufstieg und 950 Höhenmeter im Abstieg bewältigt werden und zwar vier Wochen lang, auf oft schwierigen Wegen und beladen mit einem hoffentlich nicht zu schweren Rucksack.

1 Blase
4 Länder
16 Mitwanderer
19 Kilometer pro Etappe
27 Etappen
28 Tage
33 Kilometer auf der längsten Etappe
35 Liter Rucksackvolumen
506 Kilometer
932 Höhenmeter im Aufstieg pro Etappe
948 Höhenmeter im Abstieg pro Etappe
1.001 schöne Momente und Begegnungen
1.817 Fotos
1.990 Höhenmeter im Aufstieg auf der bergigsten Etappe
25.166 Höhenmeter im Aufstieg
25.588 Höhenmeter im Abstieg
920.000 Schritte

Alpenüberquerung Salzburg-Triest 2014 - Foto: Das Sieben-Seen-Tal in den Julischen Alpen begeistert mit seiner alpinen Tier- und Pflanzenwelt.

Die Etappen

Im Folgenden führe ich die Etappen meiner Alpenüberquerung Salzburg-Triest 2014 auf. Sie unterscheiden sich doch ziemlich von der letztjährigen Route. Die neuen Abschnitte in den Berchtesgadener Alpen, in den Hohen Tauern und in den Julischen Alpen haben mich begeistert. Zwar ist hier und da noch eine Überarbeitung nötig, aber ich denke, dass die Route zu 95 % steht.

Berchtesgadener Alpen (Österreich & Deutschland)
1 Salzburg (424 m) – Toni-Lenz-Hütte (1450 m), 18 km, ↑ 1300 m, ↓ 270 m
2 Toni-Lenz-Hütte (1450 m) – Berchtesgaden (610 m), 17 km, ↑ 710 m, ↓ 1650 m
3 Berchtesgaden (610 m) – Gotzenalm (1685 m), 19 km, ↑ 1400 m, ↓ 325 m
4 Gotzenalm (1685 m) – Kärlingerhaus (1638 m), 21 km, ↑ 1150 m, ↓ 1197 m
5 Kärlingerhaus (1638 m) – Maria Alm (802 m), 17 km, ↑ 620 m, ↓ 1456 m

Salzburger Schieferalpen (Österreich)
6 Maria Alm (802 m) – Rieser Aste (1420 m), 17 km, ↑ 1250 m, ↓ 632 m
7 Rieser Aste (1420 m) – Bucheben (1100 m), 28 km, ↑ 600 m, ↓ 920 m

Goldberggruppe (Hohe Tauern, Österreich)
8 Bucheben (1100 m) – Duisburger Hütte (2572 m), 19 km, ↑ 1990 m, ↓ 518 m
9 Duisburger Hütte (2572 m) – Fraganter Schutzhaus (1810 m), 13 km, ↑ 600 m, ↓ 1362 m
10 Fraganter Schutzhaus (1810 m) – Rangersdorf (860 m), 23 km, ↑ 1050 m, ↓ 2000 m

Kreuzeckgruppe (Hohe Tauern, Österreich)
11 Rangersdorf (860 m) – Hugo-Gerbers-Hütte (2347 m), 13 km, ↑ 1757 m, ↓ 270 m
12 Hugo-Gerbers-Hütte (2347 m) – Feldnerhütte (2182 m), 11 km, ↑ 800 m, ↓ 965 m
13 Feldnerhütte (2182 m) – Weißbriach (822 m), 33 km, ↑ 1100 m, ↓ 2460 m

Gailtaler Alpen (Österreich)
14 Weißbriach (822 m) – Hermagor (603 m), 13 km, ↑ 50 m, ↓ 269 m

Karnischer Hauptkamm (Österreich & Italien)
15 Hermagor (603 m) – Feistritzer Alm (1722 m), 20 km, ↑ 1700 m, ↓ 581 m
16 Feistritzer Alm (1722 m) – Rifugio Zacchi (1380 m), 25 km, ↑ 950 m, ↓ 1292 m

Julische Alpen (Slowenien)
17 Rifugio Zacchi (1380 m)- Dom v Tamarju (1108 m), 11 km, ↑ 900 m, ↓ 1172 m
18 Dom v Tamarju (1108 m) – Poštarski dom (1688 m), 7 km, ↑ 930 m, ↓ 350 m
19 Poštarski dom (1688 m) – Pogačnikov dom (2050 m), 11 km, ↑ 1050 m, ↓ 688 m
20 Pogačnikov dom (2050 m) – Triglavskih jezerih (1685 m), 22 km, ↑ 1500 m, ↓ 1865 m
21 Triglavskih jezerih (1685 m) – Tolmin (225 m), 32 km, ↑ 1000 m, ↓ 2460 m

Friaul-Julisch Venetien (Italien)
22 Tolmin (225 m) – Tribil di Sopra (624 m), 20 km, ↑ 1100 m, ↓ 701 m
23 Ruhetag in Tribil di Sopra
24 Tribil di Sopra (624 m) – Castelmonte (618 m), 15 km, ↑ 520 m, ↓ 526 m
25 Castelmonte (618 m) – Cormòns (56 m), 24 km, ↑ 250 m, ↓ 812 m
26 Cormòns (56 m) – Doberdò del Lago (134 m), 20 km, ↑ 250 m, ↓ 172 m
27 Doberdò del Lago (134 m) – Aurisina (153 m), 22 km, ↑ 419 m, ↓ 400 m
28 Aurisina (153 m) – Triest (2 m), 15 km, ↑ 220 m, ↓ 371 m

Salzburg-Triest 2014 - Foto: Marcus, Andrea, Johann und Nanni am Treffpunkt der Alpenüberquerer im Mirabellgarten in Salzburg.

Wer ist 2015 dabei?

Prinzipiell war ich als Solowanderer unterwegs. Da aber diesen Sommer bereits 30 andere meiner Route gefolgt sind, hatte ich auf den meisten Etappen Begleitung. Rund die Hälfte der Zeit bin ich mit Marcus, Sebastian (die beiden sind meines Wissens die ersten, die die Alpenüberquerung Salzburg-Triest komplett und ohne Hilfe von öffentlichen Verkehrsmitteln absolviert haben) und Peter gewandert. Mehrere Tage haben sich uns Bettina, Mario und Ritschi sowie Nanni und Johann angeschlossen. Einmal waren wir sogar eine Gruppe von neun Personen.

Ich gehe davon aus, dass ich vom Verlag einen Zusage für den Wanderführer bekomme. Dann würde ich nächstes Jahr ein weiteres Mal in Salzburg starten und das Buch 2016 auf den Markt bringen.

So oder so kann jeder, der es sich zutraut, den Weg 2015 in Angriff nehmen. Erste Anlaufstelle ist die Themenseite der Alpenüberquerung Salzburg-Triest. Die genaue Route sowie alle wichtigen Informationen jeder Etappe habe ich in einem PDF zusammengestellt, das ich allen Interessierten gerne schicke. Hinterlasse dafür einfach einen Kommentar oder schreibe mir eine E-Mail.

Auch für alle, die keinen Wanderpartner haben und nicht alleine starten möchten, habe ich gute Nachrichten. An jedem Sonntag im Juli und August 2015 ist um 10 Uhr im Mirabellgarten in Salzburg Treff- und Startpunkt der Alpenüberquerer. Dabei spielt es keine Rolle, ob Du nur die erste Etappe gehst oder bis ans Mittelmeer möchtest. Natürlich sollte jeder selbstständig sein und eigenes Kartenmaterial haben. Schließlich ist es nicht sicher, ob sich Wandergruppen auf Dauer bilden. Nähere Infos dazu gibt es in den nächsten Monaten. Schau einfach ab und zu auf Einfach bewusst vorbei oder trage Dich in meinen Newsletter ein, um nichts zu verpassen.

Das obige Foto zeigt übrigens Marcus, Andrea, Johann und Nanni beim diesjährigen Start im Mirabellgarten. Die roten Bänder an unseren Rucksäcken sind das Erkennungszeichen der Alpenüberquerer. Rot ist die gemeinsame Farbe der Flaggen von Österreich, Deutschland, Slowenien und Italien. Vielleicht ziert solch ein Band demnächst auch Deinen Rucksack …

Salzburg-Triest 2014 - Foto: Die Fernwanderung endet auf der eindrucksvollen Piazza dell'Unità, die jeden Abend festlich beleuchtet wird.

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Julische Alpen in Sicht. (Foto: Stephanie Spörl, 2013)

“Auf die Berge will ich steigen.” (Heinrich Heine, deutscher Dichter, 1797 – 1856)

Von Salzburg nach Triest auf optimierter Route

Ich bin aufgeregt wie ein Kind vor der Bescherung. Morgen in aller Frühe geht es mit dem Zug nach Salzburg. Dort beginnt meine Wanderung über die Alpen nach Tolmin in Slowenien und weiter nach Triest an der italienischen Adria. Stephi und ich haben uns die Route letztes Jahr ausgedacht und sie dann in 23 anstrengenden Etappen gemeistert. Für 2014 habe ich die Route optimiert.

Eine Alpenüberquerung etabliert sich

Leider kann Stephi diesmal nicht mitkommen. Ganz ohne Begleitung werde ich trotzdem nicht über die Berge steigen. Rund 25 Wanderer sind heuer auf der Alpenüberquerung Salzburg-Triest unterwegs. Einige wollen sogar den kompletten Weg gehen. Allein am morgigen Sonntag starten neun Abenteuerer. Als unverbindlichen Treffpunkt haben wir den Mirabellgarten im Salzburger Zentrum ausgemacht. Ansonsten sieht man sich wohl auf dem Weg oder in der Unterkunft, hängen doch als Erkennungszeichen rote Bändchen an unseren Rucksäcken (Rot ist die Farbe, die in den Flaggen der vier Länder Österreich, Deutschland, Italien und Slowenien vorkommt).

Es haben bereits mehrere angekündigt, 2015 die neue Route zu gehen. Ich freue mich über das Interesse und erhoffe mir reichlich Feedback, schließlich möchte ich 2016 einen Wanderführer über die Alpenüberquerung Salzburg-Triest veröffentlichen.

Alpenüberquerer auf dem Traumpfad München-Venedig. (Foto: Christof Herrmann, 2012)

Wenig Gepäck und wenige Aufgaben

Ich werde die nächsten vier Wochen sehr minimalistisch leben. Dazu gehört, dass ich mich auf wenige Aufgaben konzentriere. Tagsüber werde ich wandern. Abends werden ich mir Notizen zur Route machen und einen Erlebnisbericht veröffentlichen. Nachts werde ich regenerieren.

Auch mein Gepäck ist auf das Nötigste reduziert. Alles, was ich brauche, passt in einen 32-Liter-Rucksack. Würde ich nicht vegan über die Alpen laufen, käme ich mit einem kleineren Rucksack aus, da ich weniger Proviant benötigen würde.

Vegan über die Alpen

Ich ernähre mich seit Anfang des Jahres vor allem aus ethischen Gründen rein pflanzlich. Die Alpenüberquerungen 2012 und 2013 habe ich als Vegetarier absolviert. Vor ein paar Wochen bin ich als Veganer im Mittelgebirge auf dem Fränkischen Gebirgsweg unterwegs gewesen.

Nun möchte ich zum ersten Mal vegan über die Alpen kommen. Ich gehe davon aus, dass auf manchen Berghütten nur Gerichte mit tierischen Produkten auf der Karte stehen. Ist in der Küche viel los, wird man keine Extrawurst für mich braten. Um mich jederzeit selbst versorgen zu können, werde ich ausreichend Proviant einpacken. Ich leiste mir sogar den Luxus, Olivenöl und einen 6-fach Gewürzstreuer mitzunehmen, damit das Tomatenbrot nicht zu fad schmeckt. Für die ersten Tage sind Energieriegel und Hummus griffbereit, die ich vorhin selbst gemacht habe.

Sorgen bereiten mir die Wegabschnitten, in denen ich tagelang an keinem Supermarkt vorbeikomme und die Kommunikation schwierig ist. Einen Sprachführer für Slowenien habe ich auf dem Handy, einen für Italien in der Seitentasche meines Rucksacks. Nur das Wort vegan ist darin nicht zu finden.

Grandioser Blick vom Kärlingerhaus im Steinernen Meer. (Foto: Christof Herrmann, 2013)

Hin zu Fuß, zurück mit dem Zug

Ich versuche meinen ökologischen Fußabdruck möglichst klein zu halten. Seit Anfang des Jahres konnte ich diesen weiter verringern, indem ich auf eine vegane Ernährung umgestellt habe, mein Auto verkauft habe und mit Stephi zusammengezogen bin.

Auch die Alpenüberquerung soll nachhaltig ausfallen. Ich reise mit der Bahn an, laufe ab Salzburg jeden Meter und fahre von Triest mit der Bahn oder dem Bus zurück in die Heimat. Geschlafen wird in einfachen Berghütten und Pensionen im Tal. Auf der Toni-Lenz-Hütte am ersten Abend wäscht man sich am Brunnen. Wer braucht schon Duschen?

Allabendliche Tagesberichte

Wie schon auf meinen letzten Touren werde ich auch diesmal über die kleinen Abenteuer, die netten Begegnungen und die unvermeidlichen Schwierigkeiten berichten. Jeden Abend schreibe ich auf meinem Smartphone einen Text, den ich auf meiner Facebook-Seite veröffentliche. Um diesen zu lesen, brauchst Du keinen Facebook-Account. Falls ich einmal keinen Empfang habe, reiche ich den Bericht am nächsten Tag nach. Ich würde mich freuen, wenn Du “mitwanderst”.

Hier geht es zu den allabendlichen Tagesberichten!

Der Golf von Triest ist das Ziel der Alpenüberquerung Salzburg-Triest. (Foto: Stephanie Spörl, 2013)

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