Geld oder Zeit – Wer ist reich?

Wer ist reich? - Foto: Der Autor dieses Gastbeitrags mit seinem Sohn an den Alpillen bei Saint-Rémy-de-Provence.

Dieser Artikel ist ein Gastbeitrag von Gilbert Dietrich. Er gibt das Online-Magazin Geist und Gegenwart heraus. Dort geht es um angewandte Philosophie, die eine ganz praktische Interpretations- und Lebenshilfe bietet, ohne sich den typischen Selbsthilfe-Mantras oder gar der Esoterik hinzugeben.

Wie die Reduktion auf das Wesentliche reich machen kann

Reich und glücklich sein, vielleicht auch noch schön … das sind die höchsten Standards in so vielen Gesellschaften. Philosophisch gehören diese Eigenschaften in die Kategorien von Ästhetik und Ethik des Lebens. Was „schön sein“ bedeutet, ist jeweils sehr von den gesellschaftlichen Übereinkünften, von Überlieferungen, Moden und Trends abhängig. „Glücklich sein“ ist so individuell, dass eine einheitliche psychologische und philosophische Praxis dazu nicht möglich ist. Umstände, die den einen Menschen glücklich machen, können einen anderen unglücklich machen oder keinen Einfluss auf dessen Glückserleben haben.

„Reich sein“ aber, scheint uns eine objektive Kategorie zu sein, man kann das an Zahlen ablesen: Was auch immer das Zahlungsmittel in einer Gesellschaft ist, man ist reich, wenn man viel davon hat. Egal ob es Gold ist, ob es Muscheln sind oder Gewürze – wenn es als Zahlungsmittel taugt, weil alle sich über die Stabilität des Werts dieses Mittels einig sind, dann ist derjenige reich, der viel davon hat. Bei uns sind diese Mittel lange schon im Geld abstrahiert. Geld ist in dieser Hinsicht nahezu magisch, denn wir können mit Geld alle anderen Mittel und noch vieles mehr erwerben. Kein Wunder also, dass bei uns derjenige als reich gilt, der viel Geld hat.

Von Besitz zu Zugang

Unsere Gesellschaft ändert sich jedoch ständig. Richtig reich sind im oben genannten Sinne heute nur sehr wenige Menschen. Seit spätestens 2016 besitzt das reichste Prozent der Weltbevölkerung mehr als die restlichen 99 Prozent zusammen. Auf der anderen Seite sehen wir einen Trend, der davon weg geht, Dinge zu besitzen und dahin geht, Zugang zu den Dingen zu erlangen. Ein Beispiel: Wer will heute in der Großstadt noch unbedingt ein Auto besitzen, das täglich rund 23 Stunden auf knapper Fläche rumsteht und dafür auch noch ständig Kosten verursacht? Der Zugang zu einem Auto ist in Städten mit Carsharing so leicht und günstig zu haben, dass der Besitz eines Autos für viele keine attraktive Option mehr ist. Wir sehen dasselbe bei Musik und Filmen, wo vielen der Zugang über das Streaming ausreicht, weil sie keine CDs oder DVDs mehr als Staubfänger im Regal benötigen.

Vom Haben zum Erleben

Im Zuge dieser Sharing-Kultur sehen wir tendenziell auch eine Höherbewertung von Erlebnissen gegenüber dem Besitz. Während früher ein Auto ein Statussymbol war, ist es heute ein Marathon oder eine Besteigung eines hohen Bergs. Und wenn wir nochmal an die Musik denken, fällt auf, dass der Besuch von Konzerten prestigeträchtiger geworden ist, als der Besitz einer CD.

Aber lassen wir uns nicht beirren. Auch in so einer Welt des Zugangs und des Erlebnisses hilft es natürlich, reich an Geld zu sein. Denn nur wer Geld zahlen kann, bekommt auch den Zugang zu Infrastruktur und Medien und den Mount Everest kann eh nur besteigen, wer sonst auch einen best ausgestatteten Mittelklassewagen aus der linken Hosentasche bezahlen könnte. Aber da befinden wir uns eben in den Regionen des Luxus. Wer den nicht unbedingt benötigt, weil es auch der Hausberg tut und nicht der Himalaya sein muss, kann in einer Welt des Teilens und Erlebens mit relativ wenig Geld auskommen.

Der andere Reichtum

Das alles gibt uns die Möglichkeit, Reichtum für uns einmal anders zu definieren. Dazu müssen wir uns von dem lösen, was es in der Gesellschaft so als Übereinkunft zum Reichsein gibt. Drehen wir stattdessen die Perspektive einmal um und fragen uns, was es für uns ganz persönlich bedeuten könnte, reich zu sein. Wenn wir uns nicht an anderen Menschen messen würden, uns nicht ewig vergleichen würden, sondern nur auf unsere Bedürfnisse schauen würden – was wäre Reichtum dann für uns? Ich habe für mich eine Reichtums-Philosophie adoptiert, die auf diesem Gedanken basiert:

„Reich ist, wer viel von dem hat, was ihm wichtig ist.“

Mit diesem Satz bin ich zu einer bescheideneren Definition von Reichtum gekommen, die es mir ermöglicht, zufrieden mit dem zu sein, was ich habe und die mir aufzeigt, worauf ich mich konzentrieren sollte, um meinen Reichtum zu mehren. Hier ein Beispiel: Mir ist derzeit sehr wichtig, dass ich viel Zeit mit meinem kleinen Sohn verbringen kann. Gleichzeitig brauche ich weiterhin meinen Sport und meine Zeit zum Lesen und Schreiben. Außerdem ist mir die Bewegung in der Natur wichtig. Ich bin noch nicht so reich, wie ich gern wäre, denn ich habe nicht genug von dem, was ich gerade beschrieben habe. Die Konsequenz daraus ist aber gerade das Gegenteil vom gesellschaftlich normierten Reichtumsstreben. Um in meinem Sinne reicher zu werden, muss ich auf Geld verzichten, anstatt mehr Geld zu erlangen. Das heißt also, ich arbeite weniger oder auch mal ein paar Monate gar nicht und verzichte auf Geld, um mehr Zeit zu gewinnen. Denn Zeit ist mir im Moment das wertvollste Gut.

Um fair zu bleiben, will ich sagen, dass man sich auch das leisten können muss. Vielleicht hat nicht jeder im Augenblick die Möglichkeit, weniger zu arbeiten, weshalb ich ein Freund der Idee eines Bedingungslosen Grundeinkommens bin. Es sind aber auch individuelle und langfristige Entscheidungen, die man treffen kann, wie zum Beispiel ganz bewusst kein Haus auf Kredit zu bauen oder zu kaufen. Kredite gehören zu den Knebelinstrumenten unseres Kapitalismus und zwingen uns zur Arbeit.

Am Ende ist es so, dass man sich selbst die Mühe machen muss zu verstehen, was einen ganz persönlich reich machen würde. Was ist mir wichtig? Wovon will ich mehr? Was brauche ich, um glücklich zu sein? Wer eine Antwort auf diese Fragen findet, weiß damit auch, worauf er oder sie sich konzentrieren sollte. Die Reduktion auf das, was einem wichtig ist, macht am Ende reich.

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SONNENTOR-Gründer Johannes Gutmann

Bereits 2010 war SONNENTOR mit einem Marktanteil von rund 50 % österreichischer Marktführer im Bereich des Biofachhandels mit Kräutern, Tee und Gewürzen und stand in Deutschland an dritter Stelle. Nicht mal Johannes Gutmann selbst hätte 1988 gedacht, dass aus seiner belächelten Ein-Mann-Firma ein Unternehmen mit heute über 320 Mitarbeitern und 900 Produkten werden würde. Doch um Wachstum ging es dem Mann mit der roten Brille und der uralten Lederhose nie. Im Interview erzählt er, dass es ihm vielmehr um die Heilkraft der Tees und Gewürze, um die Biobauern, um seine Heimat, dem Waldviertel in Niederösterreich, um Nachhaltigkeit und um das Etablieren einer Gemeinwohl-Ökonomie ging und geht.

Christof Herrmann: Im nächsten Jahr wird Sonnentor 30 Jahre alt. Wie fing denn 1988 alles an?

Johannes Gutmann: Ich bin im Waldviertel in Niederösterreich auf einem kleine Bauernhof aufgewachsen und liebe meine Heimat. Doch ich war von März bis Juli 1988 ohne Job und wusste nicht, wie es nun weiter gehen sollte. Den Hof meiner Eltern wollte ich nicht übernehmen und in die Stadt hat es mich auch nicht gezogen. So musste eine zündende Idee her. Ich sah die Chancen unserer Region, die sie dank der Kraft der Natur, der Ruhe und der Menschen hatte. Doch die Bauern am Land hatten einen beschränkten Absatz, obwohl sie so viel zu bieten haben. Tja und ich, ich hatte keine Arbeit, konnte aber ganz gut verkaufen und so packte ich es an. Am Anfang waren es drei Bio-Bauern, die mir vertrauten und deren Schätze ich auf den Bauernmärkten präsentierte. Dann nahm die Geschichte ihren Lauf …

Christof Herrmann: Dass Du einmal über 300 Mitarbeiter beschäftigen würdest, war zu Beginn kaum absehbar.

Johannes Gutmann: Meine Idee, vom Verkauf von Bio-Kräutern leben zu wollen, wurde am Anfang belächelt. Viele hielten mich für einen „Spinner“, als ich als Einmann-Unternehmen mit meinen Kräutern von Bauernmarkt zu Bauernmarkt zog. Ich lies mich aber nicht beirren. Mich freuten die interessierten Fragen und Nachkäufe der ersten Kunden, die bald Fans wurden und mich aufgrund meiner alten Lederhose wieder erkannten. Viele können das nicht glauben aber die Vision, so groß zu werden, gab es nie! Es waren vielmehr viele kleine Schritte. Manchmal auch einer zurück und dann wieder zwei vorwärts. Ich wollte zwar schon immer, dass die ganze Region von meiner Idee profitiert. Dass daraus rund 320 Arbeitsplätze und noch mehr werden, in einer strukturschwachen Region wie dem Waldviertel, und über 200 Bio-Bauern zur SONNENTOR-Familie gehören – damit konnte nun wirklich niemand rechnen. Mein Ziel, von meiner Arbeit leben zu können, habe ich im ersten Jahr erreicht. Ich wollte leben und leben lassen, Wertschöpfung mit Wertschätzung verbinden, Freude und Gleichgewicht in meinem Leben und das steht von Anfang an in unserem Leitbild.

Christof Herrmann: In ersten Jahren standst Du mit Deinen Kräutern auf den Märkten des Waldviertels und warst nah dran an den Kunden. Wie macht Ihr heutzutage die Ernährungstrends ausfindig und wie könnt Ihr so schnell mit einem neuen Produkt reagieren? Ich denke da z. B. an die Kurkuma-Tees und die Wieder gut!-Gewürze.

Johannes Gutmann: Ich war fünf Jahre auf Märkten unterwegs. Dadurch hatte ich natürlich einen engen Austausch mit den Menschen. Sie erzählten mir von ihren Wünschen – was ihnen gut tut und was weniger. Da habe ich viel gelernt. Dieses Wissen konnte ich direkt in die Produktentwicklung einfließen lassen. Ich glaube, das Geheimnis unserer Tees und Gewürze ist, dass wir diese Nähe zu den Kunden nie verloren haben! Ob in den SONNENTOR-Geschäften, am Telefon, auf Messen oder in den sozialen Medien, wir haben immer ein offenes Ohr. Neue Ideen sind stets gefragt. So ist mittlerweile eine ganze Reihe unserer Produkte von unseren Kunden und Franchise-Partnern inspiriert. Dass wir den „Grünen Kaffee“ in unser Sortiment aufnehmen, war etwa die Idee unseres Vertriebspartners aus Italien und siehe da, ein absolutes Trendgetränk war geboren! Viele unserer Tees und Gewürz-Mischungen sind aber Gemeinschaftsprodukte. Irgendjemand hat eine Idee oder ein altes Rezept und dann beginnen wir in Sprögnitz zu mischen und zu probieren. So war es auch bei der neuen Wieder gut!-Gewürzlinie. Die Rezepturen sind inspiriert vom Kräuterwissen aus längst vergangen Tagen. Wir haben dieses bewahrt und in neue spannende Mischungen verpackt. So ist es uns gelungen, fünf Helferlein zu kreieren, die mit ihrer wohltuenden Wirkung dabei unterstützen, die Herausforderungen des Alltags zu meistern.

Die Kurkuma-Tees von SONNENTOR

Christof Herrmann: Der Geschmack eines jeden Menschen ändert sich im Laufe des Lebens. Wie hat sich denn Deiner und der der Sonnentor-Kunden in den letzten 30 Jahren geändert?

Johannes Gutmann: Zugegeben, mein Geschmack hat sich wenig gewandelt. Ich bin zwar immer offen für neue Rezepte und Geschmacksnoten, doch meine Leibspeis‘ ist bis heute gebratene Steinpilze. Am liebsten einfach auf ein Stück frisches Brot vom Bio-Bäcker, darüber ein Hauch von unserem 12-Kräutersalz – mhhmmmm. Da wächst die Freude auf meinem Gaumen. Bei unseren Kunden merkt man klar, dass der Trend dahin geht, wieder vieles selbst zu machen. So stellen wir laufend neue Ideen auf unsere Homepage, die zeigen, was man mit unseren Schätzen alles zaubern kann. Vor Weihnachten war etwa der Orangen-Kardamon Sirup der Renner.

Christof Herrmann: Was hat es mit dem Namen Sonnentor und dem Logo auf sich?

Johannes Gutmann: Ich war auf der Suche nach einem passenden Symbol für meine Firma und so kam ich auf das Sonnentor. Die Waldviertler Bauern waren lange Leibeigene gewesen. Wer den Schritt in die Freiheit schaffte, brachte eine Sonne mit 24 Strahlen – ein Strahl für jede Stunde des Tages – an seinem Tor an. So lange die Sonne schien, würden dieser Hof und die Freiheit des Bauern bestehen. Johannes, sagte ich mir, nütze die Kraft und die Geschichte der Sonne und packe es an!

Christof Herrmann: Sonnentor handelt gemeinwohl-ökonomisch. In dieser ethischen Alternative zum gegenwärtigen profitgetriebenen Wirtchaftssystem steht das Wohl von Mensch und Umwelt im Mittelpunkt.

Johannes Gutmann: Weltweite Finanz- und Wirtschaftskrisen, Überstunden und Burnout von Millionen Mitarbeitern – es läuft zweifellos etwas falsch in vielen Unternehmen. Merkwürdig nur, dass scheinbar alles beim Alten bleibt. Nach wie vor zählt in vielen Unternehmen allein der Profit. Doch das kann es nicht sein! Wir brauchen endlich Unternehmen, die erfolgreich sind, weil sie sich für die Belange der Natur sowie der Menschen – der Mitarbeiter, der Verbraucher und der breiten Öffentlichkeit – verantwortlich zeigen. Wir müssen statt egoistischem Wettbewerb ein besseres Miteinander fördern, von dem alle profitieren. Wir müssen in Zukunft Fairness, Transparenz und Nachhaltigkeit statt Konkurrenz belohnen. SONNENTOR ist aus diesem Grund seit 2011 Pionierunternehmen der Gemeinwohl-Ökonomie. Für mich ist die Gemeinwohl-Ökonomie ein Herzenswunsch, den ich durch diese Gemeinschaft künftig weiter wachsen sehe und dank der klar definierten Kriterien noch transparenter weiter tragen kann.

Christof Herrmann: In einem endlichen System mit endlichen Ressourcen kann es kein unendliches Wachstum geben. Ich bin davon überzeugt, dass eine Wachstumsrücknahme kommen wird – freiwillig oder gezwungenermaßen.

Johannes Gutmann: Richtig. Es war nie mein Ziel, unendlich zu wachsen! Der SONNENTOR-Familie soll es gut gehen und sie soll stabil bleiben, das hat oberste Priorität. Wir sind von Anfang an konstant gewachsen. Aber jetzt geht es darum, gesund zu bleiben und weiterhin erfolgreich zu wirtschaften.

Christof Herrmann: 2000 Gemeinwohl-Unternehmen sind ein positives Signal, aber bis jetzt nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Warum tut sich die Postwachstumsökonomie so schwer?

Johannes Gutmann: In unserer Gesellschaft ist das Individuum leider meist von Egoismus getrieben und hat Angst davor, benachteiligt zu werden. Jeder will für sich das Maximum herausholen und dabei ist egal wer oder was dafür draufzahlt. Dieses Denken gilt es, aus den Köpfen zu verbannen. Man muss die Menschen wach rütteln und dazu bewegen, ihre ich-zentrierte Perspektive zu verlassen. Nur dann können sie erkennen, wenn es der Gemeinschaft gut geht, fehlt es auch ihnen an nichts.

Christof Herrmann: Du brennst noch immer für die Bio-Sache und Dein Unternehmen. Was ist Dein Geheimnis?

Johannes Gutmann: Mein Geheimnis ist, dass ich nicht alles selber mache. Ich habe mich weitestgehend aus dem operativen Tagesgeschäft zurückgezogen. Ich vertraue meinem Team, dass jeder einzelne von ihnen sein Bestes gibt. Ich muss nicht jede Entscheidung selber treffen und alles ständig hinterfragen. So bleibt mir mehr Zeit, mich weiter für die „Bio-Sache“ zu engagieren und meine Erfahrungen, beispielsweise bei Vorträgen, mit anderen zu teilen.

Christof Herrmann: Jeder Unternehmer und jedes Unternehmen braucht eine Vision. Wenn ich mir die Grundprinzipien und den Verhaltenskodex von Sonnentor anschaue, habe ich den Eindruck, dass da schon viele Visionen verwirklicht wurden. Sonnentor wird von 200 Biobauern beliefert, handelt gemeinwohl-ökonomisch und wirtschaftet klimaneutral; die Produkte werden von Hand verpackt; das komplette Sortiment ist palmölfrei; es werden kompostierbare Folien anstelle von Plastik verwendet … Welche Visionen möchtest Du noch verwirklichen?

Johannes Gutmann: Ich habe ständig neue Visionen und ich glaube die gehen mir auch so schnell nicht aus. Im vergangen Sommer haben wir etwa den SONNENTOR-Frei-Hof eröffnet. Das war ein großer Meilenstein für uns. Der Bauernhof wird biologisch bewirtschaftet und unter der Prämisse eines natürlichen Kreislaufs unter permakulturellen Grundsätzen mit verschiedensten Kräutern, Blumen, Obst- und Gemüsesorten kultiviert. Unser Permakultur-Garten soll die Gäste inspirieren, es uns nachzumachen, Kreisläufe zu schließen und den eigenen Garten zu revolutionieren. Von der aufwändigen Planung, über die richtige Pflanzung bis hin zur lohnenden Ernte – bei uns können die Besucherinnen und Besucher am Entstehungsprozess teilhaben. Dieses Projekt spiegelt auch einen großen Wunsch von mir wider. Ich möchte damit altes Wissen erhalten, teilen und vermehren. Zehn oder zwölf Milliarden Menschen können durch kleinstrukturierte vielfältige Landwirtschaft ernährt werden. Die Agrarindustrie auf den Monokulturwüsten mit Gentechnik und Chemie führt dagegen in die Sackgasse der Welternährung.

Bei SONNENTOR wird per Hand verpackt.

Christof Herrmann: Stimmt es, dass Du seit 30 Jahren die gleiche Lederhose trägst und noch immer mit dem Fahrrad zur Arbeit fährst?

Johannes Gutmann: Ja, die Lederhose ist noch immer die gleiche. Die hat einst meinem Vater gehört. Er hatte keine Verwendung mehr dafür, darum schenkte er mir „das alte Trumm“. Mittlerweile trage ich sie aber nur noch zu besonderen Anlässen in der Öffentlichkeit. Privat tut es auch eine bequeme Bio-Jeans. Mit dem Fahrrad zur Arbeit – ja das mache ich schon oft -, im Moment ist es bei uns im Waldviertel aber sehr kalt und tief verschneit. Da gehe ich dann doch lieber zu Fuß. Auch privat verbringe ich gerne Zeit in der Natur und das am liebsten mit meiner Frau und meinen drei kleinen Kindern. Vater sein, ist das größte Abenteuer in meinem Leben. Die Momente mit meiner Familie sind mir das Wertvollste. Besitz und Geld sind nicht der Reichtum nachdem ich strebe. Das ist passiert, deshalb kann ich mich auch leicht davon trennen.

Christof Herrmann: Apropos Lederhose. Im Webshop kann man die Suche nach veganen Produkten einschränken. Wäre es möglich, dies auch auf den Verpackungen anzugeben. Das würde der zunehmenden Zahl an Pflanzenfressern in Deutschland und Österreich die Auswahl im Bio-Laden vereinfachen.

Johannes Gutmann: Bei jenen Produkten, wo es Sinn macht, wie zum Beispiel bei Suppen, tun wir das ja bereits. Aber bei Produkten wo es ganz logisch ist, dass sie vegan sind – wie etwa bei Tees oder den Gewürzmischungen – machen wir das bewusst nicht. Das würde nur zu einem Friedhof an Hinweisen auf den Verpackungen führen.

Christof Herrmann: Du bist Autor des Buchs „Auf der Sonnenseite“. Wovon handelt es?

Johannes Gutmann: Es dreht sich in diesem Buch um das wertvolle Wissen um Kräuter und Gewürze, das ich mit den Lesern teilen möchte. Aber man erfährt auch mehr über meine Anfänge und die Geschichten, die sich um meine Person ranken. So wird zum Beispiel das Geheimnis gelüftet, wie die rote Brille auf meine Nase kam. Natürlich dürfen in diesem, über 200 Seiten langen Einblick in die Welt der Kräuter und Gewürze ein paar wirklich köstliche Rezepte nicht fehlen.

Christof Herrmann: Lass mich raten, Du bist passionierter Teetrinker?

Johannes Gutmann: Ich war schon immer ein Kräuterteefan. Besonders liebe ich unseren Gute Laune Tee – da wächst die Freude in jeder Tasse!

Christof Herrmann: Nach meiner Erfahrung lesen die meisten Teeliebhaber gerne. Welches Buch empfiehlst Du zum Abschluss mir und den Besucherinnen und Besuchern von Einfach bewusst?

Johannes Gutmann: Wirklich empfehlen kann ich das Buch „Eine Prise Kreativität“ von Sanja Lončar, Marija Kočevar und Sabina Topolavec. Auf spannende Art und Weise wird enthüllt, wie man aus Gewürzen tausendmal mehr herausholen kann, als bislang angenommen. Die Leser lernen die Wirkung der Gewürze zu steuern und gewinnen damit wertvolle Helfer bei der Behandlung vieler Beschwerden.

Christof Herrmann: Vielen Dank für das Interview, Hannes.

Allein in Österreich bauen über 200 Bio-Bauern für SONNENTOR an.

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"Faszination Alpenüberquerung - Die 6 schönsten Routen": Kostenloser PDF-Download des 19-seitigen Artikels im Bergsteiger 2/2017 (inkl. Salzburg - Triest)

Viele Menschen, die die Berge lieben, träumen davon, einmal im Leben über die Alpen zu wandern. Ich konnte mir diesen Traum bereits vier Mal erfüllen.

Die Autorin Nina Hölmer hat sich auf Spuren- und Motivsuche begeben. Sie stellt in der Ausgabe 2/2017 des Magazins Bergsteiger die sechs schönsten Transalps vor.

Ich freue mich und fühle mich geehrt, dass meine Alpenüberquerung Salzburg – Triest als „Die Ungewöhnliche“ dabei ist und hoch gelobt wird: „Die Strecke stellt eine echte Alternative für Langstreckenwanderer zur berühmten München-Venedig-Tour dar. Doch auch hier gilt: Vier Wochen Zeit benötigt, wer den Weg in einem Rutsch wandern möchte. Als Belohnung gibt’s dafür das Gefühl größtmöglicher Freiheit in einer Natur, die auf diesem Weg viele Gesichter zeigt.“

Die zweite Alpenüberquerung in dem 19 Seiten langen Text ist der Traumpfad München – Venedig („Der Klassiker“).

Desweiteren werden vier Touren beschrieben, auf denen die Alpen nicht komplett überquert werden: Oberstdorf – Meran („Die Beliebteste“), Tegernsee – Sterzing („Die Einfache“), Berchtesgaden – Lienz („Die Kompakte“) und der Alpe-Adria-Trail („Die Lange“).

Die Herausgeber des Bergsteigers stellen nun mir und meinen Lesern den kompletten Artikel kostenlos zur Verfügung. Das Dokument ist 13 MB groß und kann direkt im Browser gelesen werden. Klicke mit der linken Maustaste auf das Bild oben oder auf den folgenden Link:

Kostenloses PDF: „Faszination Alpenüberquerung – Die 6 schönsten Routen“

Du kannst das PDF auch herunterladen und im Adobe Reader lesen. Dazu mit der rechten Maustaste auf das Bild oder den Link klicken und dann die Option „Ziel/Link speichern unter“ wählen. Selbstverständlich darf der Artikel auch weitergegeben werden.

Alle Beiträge und Informationen zu meiner Traumroute über die Alpen findest Du auf der Themenseite Salzburg-Triest.

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Gebratener Reis mit Tofu und Gemüse

Gebratener Reis mit Tofu und Gemüse (Foto: Christof Herrmann, 2017)Vegan, One-Pot-Gericht – Zeit: 25 Min. – Schwierigkeit: leicht

Heute verrate ich Dir ein Rezept für ein Gericht, das ich seit fast zehn Jahren zubereite.

Auf meiner Radweltreise 2006/2007 bin ich die letzten Monate durch Südostasien und die chinesische Provinz Yunnan gefahren. Eines meiner Lieblingsgerichte in den Garküchen am Straßenrand war Gebratener Reis. Oft war die Kochstelle offen, so dass ich bei der Zubereitung zuschauen konnte.

Zurück in Deutschland habe ich den Gebratenen Reis in mein Kochrepertoire aufgenommen. Mein Grundrezept hat sich über die Jahre etwas verändert. Anstelle der in Asien oft hinzugefügten Omelett-Streifen verwende ich entweder Tofu oder zusätzliches Gemüse wie Champignons.

Gebratener Reis ist schnell auf dem Tisch, kann mit vielen Gemüsesorten, frischen Kräutern wie auch Toppings variiert werden und schmeckt einfach vorzüglich.

Für 2 Portionen:

  • 100 g Spitzkohl oder andere Kohlsorte wie Chinakohl und Brokkoli
  • 1-2 Karotten
  • 2 Frühlingszwiebeln
  • 1-2 Knoblauchzehen
  • 1 cm Ingwer
  • 1 kleine rote Chilischote
  • 150 g Tofu
  • 2 EL Sesamöl oder anderes hoch erhitzbares Pflanzenöl wie Erdnussöl
  • 400 g gekochter Reis vom Vortrag (das sind etwa 150 g roher Reis, z. B. Basmati oder Naturreis)
  • 2 EL Sojasoße

Gebratener Reis mit Tofu und Gemüse - Foto: Offene Garküche in China (Christof Herrmann, 2007)

  1. Die äußeren Blätter und den Strunk des Spitzkohls entfernen. In feine Scheiben schneiden und in kaltem Wasser waschen.
  2. Karotten waschen, ggf. schälen und in Würfel oder Stifte schneiden.
  3. Frühlingszwiebeln waschen und in Ringe schneiden
  4. Knoblauchzehen und den Ingwer schälen und fein hacken.
  5. Die Chilischote waschen und in feine Ringe oder Stücke schneiden.
  6. Den Tofu würfeln.
  7. Öl im Wok oder einer großen Pfanne auf höchster Stufe erhitzen.
  8. Spitzkohl und Karotten darin 3 bis 4 Minuten unter Rühren anbraten.
  9. Frühlingszwiebeln, Knoblauch, Ingwer, Chilischote und Tofu dazugeben und 3 bis 4 Minuten unter Rühren mitbraten.
  10. Den Reis hinzufügen und weitere 2 bis 3 Minuten unter Rühren garen.
  11. Mit Sojasoße abschmecken.

Qǐng xiǎngyòng! Guten Appetit!

Tipp: Die Garzeiten variieren je nach Pfanne, Herd und Zutaten. In den Garküchen Asiens wird im Wok auf einer Gasflamme gekocht und ist der Gebratene Reis ruckzuck fertig.

Gebratene Nudeln als Variante: Für Gebratene Nudeln verwendest Du statt Reis einfach asiatische Nudeln aus Weizen- oder Reismehl, die vorab nach Packungsanweisung gegart werden.

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4 Jahre Einfach bewusst: 14 Blogger verraten, wie sie einfach und bewusst leben

Mein Blog Einfach bewusst feiert heute seinen vierten Geburtstag. In den letzten vier Jahren habe ich zahlreiche Artikel über Minimalismus und Nachhaltigkeit geschrieben, den beiden Säulen eines einfach bewussten Lebens.

Zum Anlass des Geburtstags habe ich ein paar meiner Lieblingsblogger gefragt, was sie unter dem einfach bewussten Leben verstehen bzw. wie sie es umsetzen. Es sind ganz unterschiedliche Gedanken und Anregungen zusammengekommen. Ich bedanke mich bei allen fürs Mitmachen.

Gilbert von Geist und Gegenwart

„Reich ist, wer viel von dem hat, was ihm wichtig ist. Ich weiß nicht, wann und wo ich das aufgeschnappt habe, aber dieser Satz begleitet mich nun schon länger, denn er trifft nach meinem Verständnis den Nagel auf den Kopf. Dabei dreht es sich nicht nur um Materielles, sondern um alles, was einem wichtig sein kann: viele Freunde, viel Zeit, viele Bücher, viel Platz, viel Natur, viel Bewegung und ja, auch viel Geld, wem das wichtig ist. Ich will das gar nicht werten, aber ich will damit sagen, dass man verstehen muss, was einem wichtig ist. Ansonsten kann man kein Leben in Zufriedenheit führen. Diese Erkenntnis ermöglicht es mir, mich zu konzentrieren und Abstand zu nehmen von einem Verlangen, immer gleich alles zu haben oder zu verwirklichen. Die Reduktion auf das, was einem wichtig ist, macht einem am Ende reich.“

Gilbert Dietrich gibt das Online-Magazin Geist und Gegenwart heraus. Dort geht es um angewandte Philosophie, die eine ganz praktische Interpretations- und Lebenshilfe bietet, ohne sich den typischen Selbsthilfe-Mantras oder gar der Esoterik hinzugeben.

Johanna von Marieposamedien

„Minimalismus heißt für mich, mein hochkomplexes, durchgetaktetes Leben zu vereinfachen, die unendlichen Möglichkeiten willentlich zu begrenzen und eine Zeit lang nur für die Unerreichbarkeit erreichbar zu sein. Das gelingt mir, indem ich erst gar nicht viel konsumiere und regelmäßig ausmiste, das Handy ausschalte und auch mal Nein sage. Man denkt immer, das geht nicht. Aber es geht! Man muss es nur tun. Sich raus aus dem Strom bewegen und ans Ufer setzen. Schau doch mal von dort aus zu, wie alle um ihr Leben schwimmen, obwohl das ruhige Ufer so unglaublich nahe ist. Minimalismus ist das nackte Leben, ein Geschenk an uns. Wir überlegen viel zu viel, wie wir das Leben schmücken und füllen sollen, anstatt einfach zu genießen, dass es ist. Und dass wir sind. Wir sind! Meistens ziemlich gesund, meistens ziemlich in Frieden. Und dass wir eigentlich alles mitbekommen haben, was wir im Leben so brauchen. Und sowieso nichts anderes mitnehmen können, als unsere Erfahrungen und die Liebe, die wir gegeben haben und bekommen durften. All das Gerümpel bleibt eines Tages hier. Also können wir schon jetzt reduzieren, uns auf das Wesentliche konzentrieren und unsere Leben aufräumen. Die Wohnungen, die Schränke, die Köpfe und die Gedanken. Und vielleicht noch den Kalender, damit mal wieder Zeit bleibt – für uns, oder den Nächsten oder zum Nichtstun.“

Johanna Wagners Leidenschaften sind die ganzheitliche Gesundheit, die Fotografie und das Schreiben. Sie ist fasziniert von fremden Kulturen, fernen Ländern und anderen Sprachen. Doch mittlerweile geht es ihr weniger ums Reisen, sondern ums Ankommen. Und darum, das eigene Leben im hochkomplexen, überschleunigten, stets erreichbaren Deutschland einfach zu halten. Auf Einfach bewusst hat Johanna Auszüge aus ihren Büchern Zwischen den Zeilen reisen und Schlaflos in der Regenzeit als Gastbeiträge veröffentlicht.

Daniel von beVegt

„Seit einigen Jahren halten Katrin und ich uns an ein Motto, das unser Leben einfacher und bewusster gemacht hat. Das Motto lautet: Kreativität statt Konsum. Es bedeutet, dass wir möglichst viel Zeit damit verbringen wollen, kreativ zu sein und etwas zu erschaffen – sei es ein Text, ein Video oder ein Podcast für unseren Blog, oder auch einfach ein schönes Erlebnis wie eine Wanderung hier bei uns im Taunus. Wenn wir diese Dinge tun, sind wir meistens glücklicher und zufriedener, als wenn wir nur passiv konsumieren, was andere erschaffen haben. Das Motto Kreativität statt Konsum macht unser Leben einfacher, weil es uns vor Augen führt, was wichtig und was weniger wichtig ist. Und es macht unser Leben bewusster, weil Kreativität im Gegensatz zu Konsum immer unsere ganze Aufmerksamkeit erfordert.“

Daniel und Katrin zeigen auf beVegt, wie eine stressfreie vegane Ernährung funktioniert und wie man mit dem richtigen Training fit und gesund durchs Leben läuft. Auf Einfach bewusst hat Daniel den Gastbeitrag Warum vegane Ernährung nicht kompliziert ist veröffentlicht.

Florian von Nachhaltig sein

„Weniger ist mehr. Ich kann diesen Satz nicht mehr hören! Von was weniger und was ist dann mehr? Für mich sind die besten Dinge im Leben nicht Dinge, die wir kaufen können. Und genau von diesen besten Dingen will ich mehr, um (mehr) glücklich zu sein: Mehr Zeit mit Familie und Freunden verbringen, mehr Tiere in der Natur beobachten, mehr Sport machen, mehr Bücher lesen und mehr schöne Tage erleben. Für die Umwelt ist weniger zu wenig, um (mehr) nachhaltig zu sein. Der Umwelt ist anstatt ‚weniger‘ viel lieber ‚besser nichts‘. Und wenn nichts mal nicht geht, dann sollten wir uns diese Frage stellen: Wenn alle so leben würden wie ich, wäre die Welt dann nachhaltig?“

Florian Schreckenbach ist Co-Gründer von nachhaltig-sein.info. Flo & Co. wollen nicht nach Gründen suchen, etwas nicht zu machen, sondern es einfach tun. Sie wollen zeigen, dass Nachhaltigkeit umsetzbar ist. Sie glauben, dass bewusster Konsum und eine angemessene Lebensweise etwas bewirken kann und darüberhinaus glücklich macht. Das Online-Magazin ist auch Basis für das Buch Dein Weg zur Nachhaltigkeit – 350 praktische Tipps für den Alltag.

Christin von Simple Winke

„Minimalismus umfasst für mich nicht nur die Einstellung zu materiellem Besitz, sondern vielmehr das Ankommen in kleinen Momenten des Glücks und des bewussten Daseins. Als die wahren Größen des Lebens wirken sie viel umfassender und tiefer als die großen Events im Leben. Diese unscheinbar wirkenden Augenblicke schreien nicht nach Aufmerksamkeit, weshalb ich mit allen Sinnen nach ihnen suche. Wenn ich offen für sie bin, gibt es für jeden Sinn eine unendliche Liste von wundervollen Momenten der Freude in meinem Alltag. Natürlich ist es ein besonderes Fest, wenn mehrere oder alle Sinne angesprochen werden. Aber auch wenn nur ein Sinn mit mir spricht und ich ihm zuhöre, kann ich etwas Wertvolles in meinem Alltag entdecken. Bewusstes Hören ist zunehmend schwierig geworden. Radio, Musik, Fernseher, Verkehrs, Geräusche der Stadt und ihrer Bewohnern … Und wenn es doch mal leiser um uns herum wird, ist es uns häufig ein Bedürfnis geworden, die Stille zu füllen. Vielleicht auch deshalb, weil gerade unsere Gedanken sehr laut in uns sein können und es nicht immer angenehm ist, sie zu hören. Dabei kann komplette Stille wie ein Geschenk sein. Vielleicht warst Du schon in einer einsamen Gegend, in einer Wüste oder abseits von Tourismus in den Bergen und weißt, was ich meine. Richtige Stille kannst Du hören. Sie ist so umfassend und tief wirkend, dass sie sich tatsächlich wie ein Geräusch in uns ausbreitet und uns ganz erfüllt. Das ist ein Genuss und ein Streicheln der Seele. Nun haben wir selten die Möglichkeit in einer Wüste zu stehen. Aber es ist durchaus möglich, loszulassen und anstrengende Gedanken loszulassen – nämlich immer, wenn wir bewusst hören. Auch wenn das Gehörte nur Straßenlärm ist, denn wenn Du Dich diesem ganz bewusst hingibst, die betreffenden Geräusche zuordnest oder Dir eine Erklärung für das Geräusch ausdenkst, gibt Dir das ein Stück Entspannung und Leben im Jetzt. Wer genau hinhört, tut nichts anderes nebenbei. Eine kleine Oase der Entspannung, die überall möglich ist und Dir erlaubt Deinem Gedankenkarussell zu entfliehen. Selbst die hartnäckigsten Gedanken kommen nicht durch, wenn Du Deine Konzentration immer wieder auf das Hören Deiner Umgebung lenkst. Diese Momente gehören ganz Dir, funktionieren immer und ganz ohne Meditationskissen, Yogamatte oder App. Und vielleicht nimmst Du dabei nicht nur kleine, selten wahrgenommene Schönheiten in der Welt um Dich herum wahr, sondern auch in Dir.“

Christin Marit steht auf alles was das Leben unkomplizierter, glücklicher und gesünder macht. Dabei möchte sie sich nicht verbiegen oder Dinge aufgeben, die sie liebt. Persönliches Wachstum und die Balance von Geben und Nehmen sind ihr wichtig. Ihre Fähigkeiten und Talente nutzt sie, um Lösungen für ihre Kunden zu finden, Ideen mit ihren Lesern zu teilen, ihr nahestehende Menschen zu unterstützen und auch einfach um ihren kreativen Leidenschaften nachzugehen. Besonders zufrieden ist sie, wenn sie das alles draußen tun kann.

Ilona von Für eine bessere Welt

„Eigentlich würde man auf Anhieb denken, dass Dankbarkeit die Folge von Glück ist: Je mehr man hat und erreicht, desto glücklicher ist man. Und je glücklicher man ist, desto dankbarer fühlt man sich. Doch das ist nicht der Fall. Dankbarkeit entsteht unabhängig von der Menge an Erfolg oder materiellem Wohlstand. Dankbarkeit kann man üben – und damit seine Zufriedenheit steigern, sein Glück mehren und sich unabhängiger von materiellem Wohlstand machen. Dankbarkeit fördert auch Deine Großzügigkeit und damit Deine sozialen Beziehungen zu anderen Menschen – einem der wichtigsten Bausteine für ein glückliches Leben. Wie du Dankbarkeit genau üben kannst, dazu haben wir ein paar Ideen für Übungen, Experimente und Aktionen auf der Website unserer Initiative Und jetzt retten WIR die Welt! zusammengestellt.“

Ilona Koglin und Marek Rohde berichten auf Für eine bessere Welt, wie wir unseren Planeten lebenswerter machen können. In Beiträgen, Workshops und Konferenzen decken Ilona und Marek Handlungsspielräume auf, ermutigen durch Vorbilder sowie Vorreiter, und unterstützen konkret bei der Umsetzung von Projekten. Auf Einfach bewusst hat Ilona den Gastbeitrag Mut für eine bessere Welt veröffentlicht.

Angelika von Freiraumfrau

„Lebenskunst ist die Kunst des richtigen Weglassens. Dieses Zitat stammt von Coco Chanel. Ich mag diesen Satz, weil ich ihn auf alles anwenden kann. Auf Rezepte genauso wie auf Innenarchitektur, auf Zeichnungen wie auf materiellen Besitz. Was brauche ich wirklich, um in meinem Leben glücklich zu sein. Seit ich mit meinem Freiraumbus unterwegs bin, merke ich, mit wie wenig Dingen ich auskomme. Ich reduziere Rezepte auf schlichten Geschmack mit wenigen Zutaten, weil ich keine Lust auf unnötige Spülberge habe. Habe nur noch Kleidungsstücke, die ich wirklich mag und trage. Umgebe mich mit Dingen, die ich brauche und schaue mir auch Beziehungen konsequenter an. All das und noch vieles mehr hat deutlich mehr Freiraum in mein Leben gebracht.“

Angelika Bungert-Stüttgen ist die Freiraumfrau. Sie bringt die Herzensthemen ihrer Kunden zeichnerisch auf den Punkt. Seit fast 3 Jahren erkundet sie ihren eigenen Freiraum per Wohnmobil. Und sie hat einen Kochblog, bei dem sie ihre Leidenschaften Zeichnen und Kochen verbindet.

Nicole von Familie ordentlich

„Weniger ist mehr. Diese schlichte Erkenntnis hat mein Leben und das meiner gesamten Familie definitiv einfacher gemacht. Der Familienalltag ist schon trubelig genug. Da brauche ich nicht noch haufenweise Zeugs um mich herum. Ob wir uns Minimalisten nennen können? Ich würde sagen, wir streben einen minimalistischen Lebensstil an und befinden uns auf einem guten Weg. Minimalismus ist ein Lebensstil, der Menschen hilft, sich zu fragen, welche Dinge in ihrem Leben wertvoll sind. Indem wir das Gerümpel von unserem Lebensweg räumen, können wir Platz schaffen für die wichtigen Bereiche in unserem Leben: Gesundheit, Beziehungen, persönliches Wachstum und Mitwirkung in der Gesellschaft. Es gibt nicht den einen Minimalismus für alle. Was für den einen wichtig ist, ist für den nächsten überflüssig. Ein Single kann mit Sicherheit anders minimalistisch leben als wir, eine bald fünfköpfige Familie. Jeder muss seinen eigenen Weg finden. Es geht nicht darum, mit so gut wie gar nichts zu leben. Es geht auch nicht um die Anzahl der Gegenstände, die man besitzt. Für uns als Familie geht es darum herauszufinden, was wichtig und was notwendig ist, warum wir Dinge besitzen und Dinge tun. Es ist für uns ein Streben nach Klarheit und bringt uns als Familie viele Vorteile: mehr Platz, mehr Geld, mehr Ordnung, mehr Zeit, mehr Gelassenheit, mehr Zufriedenheit.“

Nicole Weiß lebt mit ihrer Familie in der Nähe des Bodensees. Auf Familie ordentlich unterstützt sie Eltern, ihren Alltag zu organisieren und zu vereinfachen, um mehr Zeit zu gewinnen für das, was wirklich zählt – ihre Familie.

Kristin von Eat Train Love

„Eine der besten Methoden, um ein glückliches und bewusstes Leben zu gestalten, ist für mich das tägliche Morgenritual. Meine beiden Lebensregeln ‚Du bist, was du isst‘ und ‚Du wirst, was du von dir denkst‘ sorgen für den besten Start in den Tag, den ich mir vorstellen kann. Ich stehe rund 40 Minuten eher auf als früher und richte mich mit meinen Gedanken, Gefühlen und kleinen Handlungen auf einen wundervollen Tag ein. Ich meditiere, praktiziere Yoga, schreibe mein Dankbarkeitstagebuch und gönne mir mein Grüntee-Ritual. Dies tue ich nun bereits zwei Jahre lang und in der Zeit hat sich so viel in meinem Leben zum Positiven verändert. Wer sich auf Gutes ausrichtet, zieht letztendlich auch Gutes in sein Leben. Nicht mehr und nicht weniger besagt das Gesetz der Resonanz und dies nutze ich ganz gezielt für mein Leben.“

Kristin Woltmann-Pahl schreibt auf Eat Train Love über ihren Weg zu einem gesunden Lebensstil für Körper, Geist und Seele.

Alex von BergReif

„Minimalismus habe ich durch das Wandern erfahren. Speziell durch das Fernwandern. Denn wenn man mehrere Wochen nur mit einem Rucksack auf dem Rücken unterwegs ist, ist das bewusste Reduzieren des eigenen Gepäcks essentiell. Nur so ist es möglich, viele Stunden unbeschwert die Natur und seine Umwelt zu genießen. Jedes Mal aufs Neue bin ich erstaunt, mit wie wenig Dingen ich wochenlang vollkommen zufrieden durch die Alpen wandern kann. Ohne jegliches Gefühl von Mangel. Meine glücklichsten Momente habe ich somit losgelöst von den materiellen Besitztümern verbracht. Nur mit dem Nötigsten ausgerüstet, gewannen Natur, Berge und zwischenmenschliche Beziehungen stark an Bedeutung. Gleichzeitig verloren Fernseher, Auto, überquellende Schränke und materielle Statussymbole ihre Wichtigkeit. Mein Glück ist von diesen Dingen nicht mehr abhängig.“

Alex Düren bloggt auf BergReif über das Wandern und Trekking mit ultraleichter und minimalistischer Ausrüstung. Eine Alpenüberquerung und viele Fernwanderungen später, sind Entschleunigung und Minimalismus auch in sein alltägliches Leben übergegangen. Da ihn die Ruhe und Erhabenheit der Bergwelt nicht mehr loslässt, hat er 2017 eine Durchquerung der Alpen von Ost nach West geplant.

Oliver von Simply feel it

„Wie man bewusster leben kann? Sei bereit, alles in Dir zu fühlen, was aufsteigt und sich zeigen möchte. Bleib ganz und gar im Feuer stehen, auch wenn es noch so schmerzvoll ist. Erst dann ändert und löst es sich in Dir – und lösen sich oftmals auch verfahrene Situationen und zwischenmenschliche Probleme in Deinem Leben.“

Oliver Domröse ist Blogger, Autor und Querdenker. Nach einer beruflichen Auszeit weiß er heute, wie er leben möchte: Frei und selbstbestimmt. Oliver schreibt auf seinem Blog über Hochsensibilität, Beziehungen, Mann-Sein, Minimalismus und Persönlichkeitsentwicklung. In seinem Buch Der sanfte Krieger interpretiert er die Themen Hochsensibilität und Mann-Sein für unsere heutige Zeit.

Maria von Widerstand ist zweckmäßig

„Alles, was wir brauchen, gibt es schon auf dieser Welt. Dieser Satz, den ich vor vier Jahren aufgeschnappt habe, hat mein ganzes Leben auf den Kopf gestellt. Seitdem habe ich aufgehört im konventionellen Sinn zu konsumieren. Ich nutze das, was ich bereits besitze und was andere Menschen nicht mehr haben wollen oder gar für den Müll bestimmt ist. Gemeinsam mit anderen habe ich einen Kostnixladen gegründet, in dem auch andere Menschen die Möglichkeit haben, Dinge, die sie nicht mehr brauchen, zu verschenken und das zu finden, was sie suchen. Da ich durch diese Veränderungen nicht mehr so viel Geld benötige, konnte ich meine Arbeitszeit auf 15 Stunden pro Woche reduzieren und haben nun viel mehr Zeit für das, was mir wirklich wichtig ist in meinem Leben.“

Maria bloggt über Müllvermeidung, Plastikreduktion, DIY, Minimalismus und Achtsamkeit. Sie ist Mitbegründerin eines Kostnixladens in Österreich.

Gabi von Achtsame Lebenskunst

„Es war 2010. Ich bewegte mich seit Jahren im Dauerstress, befand mich meistens im Multitaskingmodus und war auf dem besten Weg, soziale Arbeit nur noch im Akkord zu erledigen. Dies selbstverständlich mit smarten Zielen, durchgetaktet, qualitätsgemanagt, aber eigentlich ging es ja nur um Geldkürzungen im Sozialbereich. Damit ich mit all diesen Belastungen klar kam, versuchte ich mir in der Freizeit etwas Gutes zutun. Die langen Fahrzeiten überbrückte ich in der Bahn mit digitalen Ablenkungsgeräten. In der Freizeit wollte ich viel Musik genießen und ein bisschen Musik machen, überlegte mir ob ich dies und das dafür kaufe – aber all dies Ablenken, Erleben und unbedingt-Spaß-haben-wollen wurde nur noch mühseliger. Und dann waren sie da, diese 10 Minuten Einfachheit. Nach einer kurzen Einführung in die Atemmeditation ging es darum, 10 Minuten nichts anderes tun, als den eigenen Atem beobachten. Ein Abenteuer der Fülle, die im vermeintlichen Nichts lag: Nichts gab es in diesen 10 Minuten zu planen, keine Ziele zu erreichen, keine Telefonate zu führen, keine Krisen zu bewältigen, keine verspäteten Züge, kein Lärm, nicht einmal Erfolge mussten verbucht werden. 10 Minuten einfach nur dasitzen und atmen. Ich spürte trotz der anfänglichen inneren Anspannung, die Entlastung und Befreiung, die in diesen 10 Minuten des Nichts lagen. Es ist nicht bei diesen 10 Minuten geblieben. Es sind im Laufe der Zeit viele Minuten, Stunden und Tage geworden. Achtsamkeit und Meditation gehören heute zu meinem Lebensalltag. Sie helfen mir zu erkennen, was ich wirklich brauche.“

Gabi Raeggel bloggt über Achtsamkeit und Minimalismus als Lebenskunst. Weniger Ballast und Belastung haben in ihrem Leben zu mehr Lebensqualität geführt.

Petra von Minimalismus21

„Es gibt viele Wege und Zugänge zu einem minimalistischen und entrümpelten Leben. Doch jede Reise beginnt irgendwann mit einem ersten Schritt. Meistens muss man sich zunächst einmal von alten Wertvorstellungen und Verhaltensmustern freimachen. Aber auch von der Erwartungshaltung seiner Umwelt. Denn jeder ist selbst sein eigener Maßstab und kann frei entscheiden, wie wenig ihm genug ist. Minimalismus soll kein Wettbewerb sein, in welchem wir uns um das Richtiger, Weniger oder Nachhaltiger batteln. Man sollte versuchen, aus allen Schichten das herauszuschälen und freizulegen, was das eigene Leben bereichert, was wertvoll ist und was es nicht beschwert. Praktisch bedeutet das: Ausmisten und Loslassen muss man üben. Es ist eine (neue) Verhaltensweise, die sich durch stetige Wiederholung(en) trainieren lässt.“

Petra und Michael geben auf ihrem Blog Tipps rund ums Reduzieren und gehen der Frage nach, warum, wann und wie wir konsumieren.

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