Veganer Nizza-Salat

Veganer Nizza-Salat (Foto: Christof Herrmann, 2017)

Vegan, vollwertig, nachhaltig – Zeit: 30 Min. – Schwierigkeit: leicht

Im Paris des ausgehenden 19. Jahrhunderts hatte man solche Sehnsucht nach dem Sommer an der Mittelmeerküste, dass jemand auf die Idee kam, den Geschmack des Südens auf die Teller der Hauptstadt zu bringen. Der Salade niçoise wurde erfunden. Heute ist der Nizza-Salat der wohl bekannteste Salat der provenzalischen Küche.

In meiner Familie heißt er Seiser-Alm-Salat, seit wir ihn vor 35 Jahren bei einer Familienfeier auf der Seiser Alm zubereitet haben (zu der Zeit trat auch Reinhold Messner in mein Leben). Die Sardellen wurden schon damals in Südtirol aus dem Rezept gestrichen, weil wir Kinder sie nicht mochten.

Seit ein paar Jahren mag ich auch keinen Thunfisch und keine Eier mehr. Stattdessen sorgen nun ein paar Kapern und hauchdünne Zwiebelringe für Pepp. Den veganen Nizza-Salat bereite ich nur in den Monaten August bis Oktober zu. Dann gibt es die drei Hauptzutaten Kartoffeln, grüne Bohnen und Tomaten aus der Region und Saison. Das schmeckt man und ist zudem nachhaltig.

Heuer verwende ich sogar eine Zutat aus persönlichem Direktimport. Als ich im Juli nach dem Ende meiner Fernwanderung auf der Parenzana an den Golf von Triest zurückkehrte, kaufte ich eine größere Menge in Meersalz eingelegte Kapern. Die sind den in Essiglake eingelegten Kapern geschmacklich überlegen und bringen eine Extraportion „Sommer an der Mittelmeerküste“ auf den Teller.

Für 4 Portionen:
6 große Kartoffeln, festkochend
350 g grüne Bohnen
6 reife Tomaten
½ Gemüsezwiebel
2 EL Kapern
1-2 Handvoll schwarze Oliven
2 EL Weißweinessig oder weißer Balsamico-Essig
6 EL Olivenöl
Salz
Pfeffer
1 Handvoll Basilikumblätter

  1. Die Kartoffeln in Salzwasser kochen, schälen und in dicke Scheiben schneiden.
  2. Die Bohnen in Salzwasser bissfest kochen und mit kaltem Wasser abschrecken. Die Enden abschneiden (die feinen Spitzen lass ich dran).
  3. Die Tomaten waschen, entstielen und vierteln oder achteln.
  4. Die Gemüsezwiebel schälen und in feine Ringe schneiden.
  5. Die Kapern mit Wasser abspülen.
  6. Ggf. die Oliven entkernen.
  7. Die Kartoffelscheiben, grünen Bohnen, Tomatenstücke, Zwiebelringe, Kapern und Oliven auf vier Tellern anrichten.
  8. Für das Dressing Essig mit Salz und Pfeffer verrühren, bis sich das Salz aufgelöst hat. Dann nach und nach das Olivenöl zugeben und zu einer Emulsion verschlagen.
  9. Das Dressing über den Salat geben.
  10. Die Basilikumblätter waschen und entweder im Ganzen oder in Streifen hinzugeben.

Tipps:

  • Der vegane Nizza-Salat schmeckt sowohl mit noch warmen Kartoffeln als auch kalt aus dem Kühlschrank.
  • Variieren ist wie immer erlaubt. Ich füge z. B. manchmal noch Artischockenherzen und angeröstete Kerne oder Nüsse hinzu.

Bon appétit!

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Wie das Pareto-Prinzip hilft, minimalistischer zu leben

„Done is better than perfect.“ (Sheryl Sandberg)

Wie viel ist zu viel?

Was ist mir wichtig? Bereichert mich etwas noch oder belastet es mich schon? Wie viel ist zu viel? Genügt es, eine Aufgabe zu erledigen, oder muss sie perfekt erledigt werden? Mit solchen Fragen setzt sich wohl jeder auseinander, der einfacher leben möchte.

Das Pareto-Prinzip kann helfen, Antworten auf diese Fragen zu finden und Minimalismus auf der Arbeit wie auch in der Freizeit umzusetzen.

Als Pareto-Prinzip wird das Phänomen beschrieben, dass 80 % der Ergebnisse mit 20 % des Gesamtaufwandes erreicht werden. Es ist deswegen auch als 80-zu-20-Regel bekannt.

Ein Erbsenzähler namens Vilfredo Pareto

Der italienische Ökonom und Soziologe Vilfredo Pareto (1848 – 1923) beobachtete Ende des 19. Jahrhunderts, dass in seinem Garten 80 % der Erbsenernte von 20 % der Pflanzen stammten. Dadurch aufmerksam geworden, untersuchte er die Verteilung des Bodenbesitzes in Italien und fand heraus, dass 20 % der Bevölkerung 80 % des Bodens besaßen.

Im 20. Jahrhundert zeigte sich, dass das Pareto-Prinzip in vielen Bereichen der Wirtschaft und des Alltags gilt. Ein paar Beispiele: 20 % der Weltbevölkerung besitzt 80 % des gesamten Vermögens. 20 % der Mitarbeiter schließen 80 % der Verkäufe eines Unternehmens ab. 80 % des Umsatzes werden mit 20 % der Produkte erzielt. 20 % der Kunden sorgen für 80 % des Umsatzes. 80 % der Anrufe führt man mit 20 % seiner gespeicherten Kontakte. 80 % der Anwender einer Software benutzen nur 20 % der Funktionen. Natürlich sind diese Zahlen nur Richtwerte und nicht in Stein gemeißelt. Die Verteilung des Weltvermögens etwa wird immer ungleicher.

Das Pareto-Prinzip in der Praxis

Die Idee hinter dem Pareto-Prinzip ist so genial wie nützlich: Lass dass Unwichtige weg und konzentriere Dich auf das, was den meisten Nutzen verspricht. Dann kannst Du 80 % der Ergebnisse in 20 % der Zeit erreichen. Wenn keine perfekte Lösung erforderlich ist, kannst Du getrost darauf verzichten, die verbleibenden 20 % der Ergebnisse zu erzielen, denn sie benötigen mit 80 % die meiste Arbeit.

Es hat sich in der Praxis bewährt, alle Aufgaben aufzulisten und nach Priorität zu sortieren. Dabei bekommen i. d. R. die Aufgaben eine höhere Priorität, die einen schnellen und hohen Ertrag versprechen. Die Tätigkeiten, die nicht effizient sind oder überhaupt nicht zum Erfolg beitragen, werden reduziert oder eliminiert.

Alles giert nach unserer Aufmerksamkeit

Das durchziehen, ist nicht einfach. Jeder und alles giert rund um die Uhr nach unserer Aufmerksamkeit. Ich empfehle Dir, Limits zu setzen und Regeln aufzustellen, die Dich unterstützen, das Unwichtige zu vermeiden. Führe Dir die Limits und Regeln so lange vor Augen, bis sie in Fleisch und Blut übergegangen sind. Welche für Dich relevant sind, musst Du selbst herausfinden. Meine lauten derzeit: 1. Ein Ziel pro Tag. 2. Drei To-dos pro Tag. 3. Kein Multitasking, während ich mit einem To-Do beschäftigt bin. 4. Die minimalistische E-Mail-Routine einhalten. 5. Täglich mindestens 10.000 Schritte machen.

Paretos Weg zu gehen, bedeutet auch, Mut zur Lücke zu haben und sich zu trauen, den Stift fallen zu lassen, wen eigentlich nichts mehr zu tun ist. Wir werden von klein an auf Arbeit, Geschäftigkeit und Perfektionismus getrimmt. Neben einem hohen Selbstanspruch haben viele Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes. Die Sorge ist oft unbegründet. Man wird nicht dafür bezahlt, alle E-Mails zu beantworten oder eine ausgefeilte Dokumentation zu erstellen, die sowieso niemand liest, sondern für das zuverlässige Erledigen der Hauptaufgaben oder den erfolgreichen Abschluss eines Projekts.

Ausmisten mit dem Pareto-Prinzip

Das Pareto-Prinzip ist nicht nur für das Projekt- und Zeitmanagement hilfreich, sondern kann auch im privaten Umfeld angewendet werden. Führe Dir vor Augen, dass Du mindestens 80 % der Zeit nur eine Auswahl von maximal 20 % der Sachen im Kleiderschrank trägst. Das gleiche Verhältnis ist auch beim restlichen Hausrat zu beobachten. Das bedeutet, dass Du mit nur einem Fünftel Deines Besitzes zurechtkommen würdest, ohne etwas wirklich zu vermissen. Wenn Du herausfindest, welche Gegenstände zu welcher Kategorie gehören, fällt es Dir leichter, Dich von dem Ballast zu trennen, der nur Platz, Lebenszeit und Freiheit raubt.

Stell Dir dabei die folgenden Fragen: Habe ich den Gegenstand in den letzten 12 Monaten verwendet? Vereinfacht er mein Leben? Ist er multifunktional? Ist er intakt oder kann er einfach repariert werden? Besitze ich nicht schon Duplikate und Reserven davon? Hat er einen besonderen Erinnerungswert für mich? Ändert sich mein Leben, wenn ich ihn nicht mehr besitze? Kurzum, leistet der Gegenstand einen positiven Beitrag zu meinem Leben?

Fazit

In vielen Situationen kann das Pareto-Prinzip Dir helfen, Dich auf die Dinge zu konzentrieren, die Dir wichtig sind. Du wirst Aufgaben fokussierter und schneller erledigen. Du wirst mehr Zeit und weniger Stress haben. Und Du wirst wie von Zauberhand minimalistischer und nachhaltiger leben – weil Du erkennst, was zu Deinem Erfolg und Glück nötig ist und wie viel Du doch weglassen kannst.

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Meine Empfehlungen: Hyggelig leben, Minimalismus-Podcast, veganer Ökostrom, Jakobsweg-Bestseller …

Liebe Leserin, lieber Leser,

nachdem mein erster Empfehlungen-Artikel Ende März positiv aufgenommen wurde, ist es an der Zeit, einen weiteren zu veröffentlichen. Hier kommt mein Potpourri an Webseiten, Texten und Produkten, die in meinen Blogartikeln und im Newsletter keinen Platz fanden, ich aber für interessant halte:

Katrin und Daniel schreiben auf ihrem Blog beVegt vor allem über das Laufen und die vegane Ernährung. In ihrem aktuellen Podcast – es ist bereits der 77. – dreht sich hingegen alles um das Thema Minimalismus. Prädikat hörens- und nachahmenswert.

Die Nachhaltigkeitsbank Triodos erstellt jeden Monat aus einer Auswahl von über 1500 Influencern ein Ranking mit den 100 Personen, die die Nachhaltigkeit in den Sozialen Medien besonders vorantreiben. Zu meiner Überraschung und Freude bin ich seit einiger Zeit auf der Liste vertreten – aktuell auf Platz 31.

Zu einem nachhaltigen Leben zählt für mich, wenig Energie zu verbrauchen sowie echten Ökostrom zu nutzen. Nun bin ich auf einen interessanten Anbieter gestoßen. vegawatt liefert Energie, die nicht nur unter nachhaltigen, sondern auch veganen Aspekten erzeugt wurde. vegawatt bezieht Strom zu 100 % aus europäischen Photovoltaik-Anlagen. Vogelschlag und Fischverluste – die bei Wind- und Wasserkraft zum traurigen Alltag gehören – können so vermieden werden. Das vegawatt Gas wird zu 100 % aus Bio-Zuckerrübenschnitzel erzeugt.

Wenn Du einen Eindruck gewinnen möchtest, was Dich auf der Alpenüberquerung Salzburg – Triest erwartet, kannst Du meine Bildergalerie auf dem re:BLOG anschauen. Für jede der 28 Etappen gibt es ein Bild.

Ein paar mehr Etappen – nämlich rund 120 – haben Alex von BergReif und seine Freundin geplant. Die beiden überqueren gerade die Alpen von Wien nach Nizza, also nicht wie gewöhnlich in Nord-Süd-Richtung, sondern in Ost-West-Richtung.

Ich werde im September noch mal für zehn Tage wegfahren. Diesmal plane ich aber keine Fernwanderung, sondern möchte ich ein Ferienhäuschen mieten, von dem aus ich Tageswanderungen und Ausflüge machen kann. Mich reizt zum Beispiel ein hyggeliges Häuschen in Dänemark. Bei dansk.de stehen über 12.000 zur Auswahl und legt man Wert auf Nachhaltigkeit. Sogar an Veganer wird gedacht.

Hyggelig? Richtig, hyggelig ist ein im Dänischen häufig verwendetes Adjektiv, das „gemütlich“ und „angenehm“ bedeutet. Es beschreibt aber auch ein Lebensgefühl, das die Dänen zu einem der glücklichsten Nationen der Welt macht. Hygge ist Minimalismus und Achtsamkeit auf nordische Art. Hygge ist warmes Licht, gemütliches Beisammensein unter Freunden, schwarzer Tee mit Zucker und vieles mehr. Meik Wiking leitet das Kopenhagener Institut für Glücksforschung und hat den wissenschaftlich fundierten, aber populär aufbereiteten Ratgeber „Hygge – ein Lebensgefühl, das einfach glücklich macht“ geschrieben.

Ich habe mich dazu durchgerungen – auch weil viele meiner Blogleserinnen und Blogleser mich darum gebeten haben – mein E-Book „Einfach bewusst auf dem Jakobsweg – 2904 km, 108 Tage, 4 Länder“ auf Amazon anzubieten. Bis Anfang September kostet das E-Book dort nur 4,99 EUR. Es steht derzeit auf Platz 1 der Kategorie „Wandern & Radwandern“ und wurde sehr positiv rezensiert. Otto G. schreibt: „Nach Coelho und Kerkeling der erste Autor der mich wirklich motiviert hat!“

Zum Abschluss lege ich Dir den US-amerikanischen Singer-Songwriters John Tillman alias Father John Misty ans Herz. Der deutsche Rolling Stone nannte ihn die „Hipsterversion von Elton John“. Der Song „Things It Would Have Been Helpful To Know Before The Revolution“ stammt aus dem diesjährigen Album „Pure Comedy“, einem ambitionierten Soundtrack zum Weltuntergang in 13 Kapiteln, musikalisch zwischen Piano Rock, Chamber Pop und Indie Folk angesiedelt.

Vielen Dank für Deine Aufmerksamkeit!

Einfach bewusste Grüße

Christof

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Die 5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen – und warum Minimalisten diese Fehler nicht machen

„Wer will, soll glücklich sein, denn morgen ist uns nichts gewiss.“ (Lorenzo de‘ Medici)

Die Australierin Bronnie Ware arbeitete jahrelang als Palliativpflegerin. Sie begleitete todkranke Menschen in den letzten Wochen ihres Lebens. Immer wenn Ware die Patientinnen und Patienten fragte, was sie in ihrem Leben bereuten oder lieber anders gemacht hätten, kamen meist die gleichen Themen zur Sprache.

Die Erkenntnisse hielt Bronnie Ware zunächst auf ihrem Blog und 2012 in dem Sachbuch „The top five regrets of the dying“ fest. Das Buch wurde ein internationaler Bestseller. Die deutsche Übersetzung erschien unter dem Titel „5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen“.

Ich kenne das Buch nicht. Eine Aufzählung der fünf Dinge habe ich aber des Öfteren gelesen, zuletzt in dem Ratgeber „The One Thing“. Dabei kam mir jedesmal in den Sinn, dass eine minimalistische Lebensweise dazu beitragen kann, diese Fehler zu vermeiden.

1. „Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mir selbst treu zu bleiben, statt so zu leben, wie andere es von mir erwarteten.“

Nichts bereuten die Sterbenden häufiger und mehr, als dass sie nicht das Leben geführt haben, das sie eigentlich hätten führen wollen. Die meisten konnte nicht mal die Hälfte ihrer Träume verwirklichen.

Wer die Freiheit liebt und seinen eigenen Weg gehen möchte, sollte sich von äußeren Besitztümern unabhängig machen. Diesen Rat gibt auch der Benediktinerpater Anselm Grün: „Nur wer sein Herz an nichts Geschaffenes hängt, wer loslassen kann, wo andere hängen, der ist wirklich frei.“ Ich kann davon ein Loblied singen. Ohne die minimalistische Lebensweise hätte ich nie anderthalb Jahre um die Welt radeln können, wäre ich nicht 2900 km auf dem Jakobsweg gepilgert und gäbe es die Alpenüberquerung Salzburg – Triest nicht. Wahrscheinlich hätte ich auch nicht den Mut und die Möglichkeit gefunden, mich als Autor selbstständig zu machen.

2. „Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet.“

Das kam ausnahmslos von jedem Mann, den Bronnie Ware pflegte. Auch einige Frauen äußerten dieses Bedauern. Die Angst, nicht genug Geld zu verdienen, oder der Druck, Karriere machen zu müssen, sind in unserer kapitalistischen Welt so weit verbreitet wie nie zuvor.

Minimalisten legen weniger wert auf Besitz und Statussymbole. Meist kennen sie keine Geldsorgen. Es fällt ihnen leicht, aus dem Hamsterrad auszusteigen. Denn wer wenig ausgibt bzw. viel spart, hält ein paar Trümpfe in der Hand. Er kann die Arbeitszeit verkürzen (eine viertel Stunde pro Tag entspricht bereits acht freie Arbeitstage pro Jahr), ein Sabbatical beantragen, einen Arbeitgeberwechsel riskieren oder früher in Rente gehen.

3. „Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen.“

In den Gesprächen erfuhr Ware, dass viele Menschen jahrzehntelang ihre Gefühle aus Angst oder um des lieben Friedens willen unterdrückten. Sie trugen immer mehr Verbitterung und Groll mit sich herum, bis sie krank wurden.

Minimalisten sind entschlossen, sich vom Ballast zu trennen – nicht nur von materiellen Dingen, sondern auch von negativen Gedanken und zwischenmenschlichen Spannungen. Das gelingt ihnen, indem sie ihren Gefühlen Ausdruck verleihen. Selbst wenn zunächst ablehnende Reaktionen kommen, kann man durch Ehrlichkeit und Offenheit am Ende nur gewinnen. Eine Beziehung erreicht entweder ein neues gesünderes Level oder verliert an Bedeutung.

4. „Ich wünschte, ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden gehalten.“

Viele der Patientinnen und Patienten bereuten, das sie ihren Freunden zu wenig Zeit und Aufmerksamkeit geschenkt haben. Job und Karriere, Haus und Kram, Geschäftigkeit und Geschwätzigkeit waren oft wichtiger.

„Die Menschen, die einen großen Wert auf Gärten, Gebäude, Kleider, Schmuck oder irgendein Besitztum legen, sind weniger gesellig und gefällig; sie verlieren die Menschen aus den Augen, welche zu erfreuen und zu versammeln nur sehr wenigen glückt“, warnte uns schon Goethe. Damals besaß ein Deutscher aber im Schnitt keine 200 Gegenstände. Heute sind es laut Statistischem Bundesamt 10.000. Was für eine Bürde. All diese Gegenstände müssen recherchiert, ausgewählt, gekauft, heimgebracht, benutzt oder geduldet, organisiert, gepflegt, repariert, entsorgt und wieder ersetzt werden. Nicht wir besitzen den Kram, sondern der Kram besitzt uns.

Ein minimalistisches Leben hilft, Kopf und Wohnung frei zu bekommen. Wer den Kram weglässt, gewinnt viel Zeit. Plötzlich kann man seinen Passionen nachgehen, sich um die Familie kümmern und eben Freundschaften pflegen.

5. „Ich wünschte, ich hätte mir mehr Freude gegönnt.“

Nach Bronnie Wares Erfahrung erkennen viele Menschen erst am Sterbebett, dass jeder selbst entscheidet, glücklich oder unzufrieden zu sein. Man kann neugierig und mit einem Lächeln durchs Leben schreiten oder man kann an alten Mustern festhalten und an allem etwas auszusetzen haben.

Minimalisten entscheiden sch fürs Lächeln. Adieu Ballast, willkommen Freiheit, Freude, Lebenslust. Der tibetische Meditationsmeister Sogyal Rinpoche beschrieb dieses Lebensgefühl so: „Der Schlüssel zu einer glücklichen Ausgewogenheit im modernen Leben ist Einfachheit.“

Mein Fazit

Das Leben ist kurz. Finde heraus, was (für Dich) wichtig ist im Leben. Dann kannst Du Dich Tag für Tag darauf konzentrieren. Und am Ende Deiner Tage wirst Du nichts bereuen.

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32 Dinge, die ich beim Fernwandern gelernt habe

32 Dinge, die ich beim Fernwandern gelernt habe

„Viel wandern macht bewandert.“ (Otto Kimmig, deutscher Philologe, 1858 – 1913)

9 Fernwanderungen zwischen 1 und 15 Wochen

Ich habe mir vor ein paar Tagen die Mühe gemacht, alle Fernwanderungen zu notieren, die ich unternommen habe, seit mich vor gut fünf Jahren diese Leidenschaft gepackt hat. Es sind über 50 Wochen zusammengekommen. Neun der Touren hatten eine Länge von mindestens einer Woche:

In den letzten fünf Jahren habe ich also reichlich Fernwander-Erfahrung gesammelt.

Heute blicke ich auf diese Touren zurück, indem ich deren Essenz und meine Erkenntnisse daraus präsentiere.

32 (meistenteils) ernstgemeinte Erkenntnisse, die ich beim Fernwandern gewonnen habe

  1. Das Gehen ist die ursprünglichste und natürlichste Fortbewegungsart des Homo sapiens. Rennen, Radeln, Zugfahren, Autofahren und Fliegen sind gescheiterte Versuche, etwas Perfektes zu verbessern. Wandern ist Gehen in der Landschaft zum Zwecke der Erholung. Fernwandern ist mehrtägiges Wandern, wobei man i. d. R. sein Gepäck selbst trägt und am Abend nicht da übernachtet, wo man am Morgen aufgebrochen ist.
  2. Es gibt unglaublich viele Fernwanderwege weltweit. Auf den meisten trifft man keine anderen Fernwanderer, obwohl sie (die Fernwanderwege, aber auch die Fernwanderer) es verdient hätten.
  3. Die meisten Fernwanderer tummeln sich auf einigen wenigen Routen, die nicht die schönsten sein müssen.
  4. Die entspannteste Art eine Fernwanderung zu starten, ist vor der eigenen Haustüre den ersten Schritt zu machen.
  5. Das schwierigste an einer Fernwanderung ist überhaupt loszukommen, weil man vermeintliche Sicherheiten zurücklassen und sich dem Unbekannten stellen muss. Da hilft mir mein Lebensmotto: „Mach’s einfach! Im doppelten Sinne.“
  6. Unterwegs wendet sich fast immer alles zum Guten.
  7. Zwei sind auf den ersten Etappen fast immer dabei: CashewDattel und KokosNuss, meine selbstgemachten Energieriegel.
  8. Das Gehen mit Rucksack tut anfangs weh. Recht bald gewöhnen sich Körper und Geist an das tägliche Pensum. Nach zwei Wochen bin ich in der Regel so fit, dass ich richtig lange Etappen machen kann. Meinen Rekord habe ich mit 53 Kilometern im letzten Jahr auf dem Jakobsweg in Frankreich aufgestellt. Auf der Alpenüberquerung Salzburg – Triest kamen mehrmals über 30 Kilometer und zwischen 3000 und 4000 Höhenmeter an einem Tag zusammen (An- und Abstieg zusammengezählt).
  9. Eine Fernwanderung im Hochgebirge sollte nicht ohne Vorbereitung gestartet werden.
  10. Auf langen Touren können Trekkingstöcke über Gelingen oder Scheitern entscheiden.
  11. Es lohnt sich, etwas mehr Geld für hochwertige Ausrüstung auszugeben. Auf der anderen Seite ist teure Ausrüstung nicht immer die beste.
  12. Das Fernwandern zählt zu den Freizeit- und Urlaubsaktivitäten, die für die Umwelt am verträglichsten sind. Wer mit dem Flugzeug an- und abreist, kehrt die Ökobilanz ins Negative um.
  13. Die Alpen werden gerne als majestätisch bezeichnet. Zurecht! Sie müssen sich vor keinem Hochgebirge der Welt verstecken.
  14. Der Mensch macht bei seiner systematischen Zerstörung der Erde auch vor den Alpen nicht halt. Es war ernüchternd an Orte zurückzukehren, an denen ich in den 1980er Jahren mit meinen Eltern und Geschwistern Urlaub gemacht habe.
  15. Der Jakobsweg ist nicht das, was die meisten Bücher und Filme und die, die schon dort waren, versprechen. Der Weg ist landschaftlich selten reizvoll. In Deutschland und der Schweiz trifft man kaum Pilger, in Frankreich fast nur Franzosen. Auf dem Camino Frances in Spanien ist plötzlich die halbe Welt unterwegs. Echte Pilger? Fehlanzeige. Warum ich auf der vermutlich längsten Wanderung meines Lebens trotzdem Spaß hatte, steht in „Einfach bewusst auf dem Jakobsweg – 2904 km, 108 Tage, 4 Länder“.
  16. Mit der Alpenüberquerung Salzburg – Triest habe ich vermutlich etwas für die Nachwelt geschaffen.
  17. Das Reisen per pedes ist günstig. Im Schnitt gebe ich nicht mal 50 Euro pro Tag für Übernachtung und Verpflegung aus. Wer seltener Essen geht und öfter in Schlafsälen (oder gar im Zelt) nächtigt als ich, kommt mit weniger aus. Eine dreiwöchige Fernwanderung in Europa ist inkl. An- und Abreise mit Bus oder Bahn für unter 1000 Euro möglich. Das zahlt manch einer alleine für die Flüge ans Ende der Welt.
  18. Zeit in der Natur zu verbringen, macht genügsam. Der US-amerikanische Philosoph und Schriftsteller Ralph Waldo Emerson brachte das im 19. Jahrhundert so zum Ausdruck: „Abends ging ich hinaus in die Dunkelheit, da sah ich einen schimmernden Stern und hörte einen Frosch quaken. Die Natur schien zu sagen: Nun? Ist das nicht genug?“
  19. Eine Fernwanderung ist die perfekte Möglichkeit, die Vorteile des einfachen Lebens kennenzulernen. Alles, was man benötigt, trägt man auf dem Rücken (mir reicht mittlerweile ein 32-Liter-Rucksack – Tendenz sinkend). Alles, was man Tag für Tag erledigen muss, ist, ein paar Kilometer voranzukommen, sich und seine Ausrüstung in Schuss zu halten sowie zu regenerieren.
  20. Entscheidet man sich für ein einfaches Leben, kann man es auf einer Fernwanderung zelebrieren: Weniger statt mehr, langsam statt schnell, leise statt laut, Single-Tasking statt Multitasking, Wanderweg statt Autobahn, Land statt Stadt, Slow Food statt Fast Food, Verwirklichung statt Bespaßung. Wie zukunftsfähig das ist, zeigt die zunehmende Zahl an Menschen, die an Konzentrationsschwierigkeiten, Schlaflosigkeit, Chronischem Erschöpfungssyndrom, Burnout oder Depressionen leiden.
  21. Ein paar Stunden oder gar Tage offline zu sein, überlebt man unbeschadet. Es ist gar ein Segen, mal nicht rund um die Uhr von Facebook, WhatsApp, E-Mails, Weltnachrichten & Co. bombardiert zu werden.
  22. Oft höre oder lese ich von Veganern, die auf Reisen plötzlich wieder Vegetarier sind, weil es zu schwierig sei, etwas rein Pflanzliches zu bekommen. Ich habe andere Erfahrungen gemacht. Selbst auf den Berghütten gibt es immer öfter Veganes wie Gemüsesuppe oder Nudeln mit Tomatensauce, kann man sich ein paar Beilagen wie Salat, Gemüse und Pommes zusammenstellen oder ist das Küchenpersonal so flexibel, dass es eine Extravurst für den hungrigen Pflanzenfresser zubereitet. Für den Fall, dass ich doch nichts bekomme, habe ich etwas im Rucksack. Mit etwas Erfahrung und Kreativität kann man mit wenigen Zutaten etwas Schmackhaftes zubereiten. Um zum Beispiel Brotsalat, Kartoffelbrei aus der Tüte oder Couscous zu machen, braucht man noch nicht mal heißes Wasser.
  23. Ich bin gerne alleine unterwegs. Noch lieber habe ich liebe Begleitung. In Albert Schweitzers Worten: „Glück ist das einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt.“
  24. Ist man mit mehreren unterwegs, bestimmt der Langsamste das Tempo und der Ängstlichste die Route.
  25. Morgens ohne Reservierung für die nächste Nacht aufzubrechen, bereitet mir keine Sorgen mehr, sondern ist Ausdruck von Freiheit und Flexibilität.
  26. Bruce Chatwin hatte recht: „Der Vorgang des Wanderns trägt zu einem Gefühl psychischen und geistigen Wohlbefindens bei.“
  27. Fernwandern macht selbstbewusst – im doppelten Sinne des Wortes.
  28. Vielleicht ist das der Grund, warum Fernwandern sexy macht. Auf langen Touren habe ich schon mehrmals eindeutig zweideutige Angebote bekommen.
  29. Beim Wandern ist man der Fauna, Flora, den Landschaften und dem Wetter so nah wie nur möglich – zuweilen gar zu nah.
  30. Wandern ist mobile Meditation. Ich empfinde dies besonders im anspruchsvollen Gelände, etwa wenn ich einen Berg erklimme und mich dabei auf meine Schritte und Atmung konzentriere. Stehe ich schließlich auf dem Gipfel, ist mein Kopf frei und mein Herz offen. Ein derartiges Glücksgefühl bekommt man unten im Tal respektive im Alltag nicht so schnell.
  31. Der Einstieg in die wunderbare Welt des Fernwanderns gelingt am besten an einem verlängerten Wochenende in der Heimat. In Nordbayern kann ich einen Abschnitt auf dem Fränkischen Gebirgsweg, dem Steigerwald Panoramaweg, dem Jurasteig oder dem Goldsteig empfehlen. Ansonsten hilft die Liste von Wanderwegen auf Wikipedia sowie das Portal Wanderbares Deutschland weiter.
  32. Nach der Fernwanderung ist vor der Fernwanderung.

Das waren die wichtigsten Dinge, die ich beim Fernwandern gelernt habe.

Und nun Du! Welche Erkenntnisse hast Du dabei gewonnen?

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