Seit einer Woche ist mein E-Book „Einfach bewusst auf dem Jakobsweg“ erhältlich, in dem ich in Wort und Bild über meine minimalistische und nachhaltige Pilgerreise nach Santiago de Compostela und an den Atlantik berichte.

Zunächst bin ich von meiner Haustüre bis zum Bodensee und weiter durch die Schweiz gepilgert. Die Fotoimpressionen dieses ersten Abschnitts findest Du hier.

In Frankreich habe ich auf der Via Gebennensis und der Via Podiensis in 42 ½ Tagen 1139 km zurückgelegt.

Die Bildunterschriften sind kurze Auszüge aus dem E-Book.

„Am späten Nachmittag sind wir an der Gîte d’étape Chaumont. Sie liegt sehr schön im letzten Haus des gleichnamigen Bergdorfs. Gîtes d’étapes sind Wanderherbergen, meist preisgünstig, einfach und mit Schlafsaal. Heute sind wir zu fünft, allesamt aus Süddeutschland und auf dem Jakobsweg unterwegs. Annabelle und Andreas, Martina, Dominik und ich. Wir kaufen den Dorfladen leer und kochen Pasta mit scharfer Tomatensauce. Dazu gibts den Rest meines Couscoussalats vom Mittag, zwei Flaschen Weißwein und gute Stimmung. Es scheint so, als wäre ich nach fünf Wochen auf dem Jakobsweg angekommen.“ (36. Tag)

„Ich genieße die viele Natur, die Ruhe und Einsamkeit. Auf einem schattigen Steig geht es über teils ausgewaschene Kalkfelsen bergan. Mehrmals führen kurze Abstecher zur Abbruchkante, von der man hinab ins Rhonetal und auf die Hügellandschaft schaut.“ (39. Tag)

„Immer der Muschel nach.“ (41. Tag)

„Ein langer Tag geht zu Ende.“ (42. Tag)

„Kurz nach sieben bin ich on the road, so früh wie lange nicht mehr. Ich sollte das öfter machen. Die Temperatur ist angenehm, die Luft ist frisch, das Morgenlicht ist ideal zum Fotografieren.“ (45. Tag)

„Impression in Bourg-Argental.“ (45. Tag)

„Sieben Kilometer später bin ich bei Walter. Er kommt ursprünglich aus Italien und vermietet seit Kurzem an Pilger. Ich habe meinen Sonnenhut noch auf, da kommen schon die ersten Nachbarn vorbei, um mich zu begutachten und ein Glas Wein oder Bier zu trinken.“ (45. Tag)

„Ich wandere weiter durch die Auvergne. Die Landschaft wird von den Meygal-Bergen und den zahlreichen grün bewachsenen Vulkanhügeln geprägt. Immer wieder eröffnen sich weite Aussichten.“ (47. Tag)

„Le Puy-en-Velay ist eine quirlige Stadt, in der es einiges zu tun und sehen gibt. Ich fühle mich hier auf Anhieb wohl. Le Puy heißt übersetzt der Gipfel. In der Altstadt geht es tatsächlich in Gassen und auf Stufen viel bergan und bergab. Im Zentrum steht auf einem Hügel die beeindruckende Kathedrale Notre Dame. Die Kapelle Saint-Michel d’Aiguilhe und eine rote Marienstatue thronen auf zwei Basaltfelsen, was der Stadt eine besondere Silhouette verleiht.“ (48. Tag)

„Seit Le Puy-en-Velay sind die Hunde lieb und unterwürfig.“ (50. Tag)

„In der Margeride gibt es kein WLAN, aber Halme, durch die man mit der Hand fahren sollte.“ (51. Tag)

„Das Dorf Aubrac ist mit 1310 m der bisher höchste Punkt meines Jakobswegs.“ (53.Tag)

„Gleich hinter der Altstadt stehe ich plötzlich vor dem Lot. Ich überquere den Fluss auf der alten Pilgerbrücke. Der Blick zurück auf St-Come-d’Olt ist sehr malerisch.“ (53. Tag)

„Die Herberge der Abtei in Conques ist fast ausgebucht.“ (55. Tag)

„Vor Sonnenaufgang wache ich auf. Über dem Tal liegt etwas Nebel. Ich ziehe mir etwas über und schleiche mich nach draußen. So früh habe ich die Klosteranlage und die Gassen von Conques für mich allein. Nur einem der Mönche begegne ich bei meinem Rundgang. Er sperrt gerade die Kathedrale auf. Ich gehe mit hinein. Der riesige Bau ist noch recht dunkel. In einer Ecke brennen Kerzen. Diese Stunde vor dem Frühstück im Kraftort Conques werde ich nimmer vergessen.“ (56. Tag)

„Das Célé-Tal ist ein Naturparadies.“ (59. Tag)

„Im Dominikanerinnenkloster von Escayrac sind Gabriela, Michael und ich die einzigen Gäste. Jeder bekommt ein eigenes Zimmer. Die beiden Hospitaleras kochen ein Menü, für mich in der veganen Variante. Trotz der üblichen Diskussion („Pourquoi végétalien?“) wird es ein lustiger Abend. Die jüngere Hospitalera öffnet eine Flasche Rotwein und bittet uns, es nicht den Nonnen zu verraten. Die ältere Hospitalera kennt genau ein deutsches Wort und ruft es immer wieder laut aus: Kartoffel!“ (62. Tag)

„Zum Sonnenaufgang breche ich auf. Der Himmel färbt sich von schwarz zu blau-rot. Dann steigt die Sonne als greller Ball langsam am Horizont empor. Ein magischer Start in einen unvergesslichen Tag.“ (63. Tag)

„Fee macht mit ihrer herzlichen Art schnell neue Freunde.“ (63. Tag)

„In Auvillar werden wir euphorisch empfangen.“ (65. Tag)

„Die Gascogne ist ein intensiv landwirtschaftlich genutztes Hügelland. Angebaut werden vor allem Sonnenblumen, Getreide (von dem nur noch die Hirse steht) und Mais.“ (66. Tag)

„Heute gibt es Ratatouille mit Kräutern vom Jakobswegesrand.“ (66. Tag)

„Um halb acht, kurz nach dem Sonnenaufgang marschieren wir los. In diesen ersten Stunden ist die Lichtstimmung herrlich. Wir fotografieren uns die Finger wund.“ (67. Tag)

„Wir passieren die üblichen Verdächtigen (Sonnenblumen-, Mais- und Hirsefelder, Brombeeren) sowie – welch Wunder – ein paar Weinberge.“ (68. Tag)

„Ab sofort bin ich wieder allein unterwegs. Ich habe einen Kloß im Hals, als ich mich von Fee verabschiede. Längst verbindet uns mehr als Sympathie. Fee möchte es ein paar Tage ruhiger angehen lassen. Sie überlegt, mich noch einmal zu begleiten – dann aber ohne Gabriela und Andrea.“ (69.Tag)

„Mittags gibt es leckeres Resteessen.“ (70. Tag)

„In Arthez-de-Béarn scheint mal wieder der Hund begraben zu liegen. Fee liest etwas von einem Chambre d’hôtes mit einem Pool. Ich bin kein Unmensch und kann einer attraktiven Frau solch einen Wunsch nicht ausschlagen. Die recht luxuriöse Unterkunft befindet sich in einer Residenz aus dem 17. Jahrhundert und wird von Mike und Fritz – offensichtlich ein Paar – aus England geführt.“ (72. Tag)

„Ohne Worte.“ (73. Tag)

„Französische Pilger im Garten der Gîte Maison Bellevue.“ (74. Tag)

„Um 15 Uhr erreichen wir die Gîte Maison Bellevue. Die Zimmer, das Bad und die Küche sind recht einfach. Doch was braucht man als Pilger oder als Mensch allgemein, um zufrieden zu sein? Bei 11 Euro kann man sowieso nicht meckern. Wir dürfen uns sogar im Garten bedienen. Reif sind unter anderem Weintrauben, Pfirsiche und Tomaten. Der Clou ist der Fernblick auf das Umland und die Pyrenäen. Nun wird schnell gekocht, damit wir zum Abendessen und Sonnenuntergang zurück im Garten sind.“ (74. Tag)

„Trockene Weiden, kleine Wälder und Bauernhöfe bestimmen das Bild. Von den Anhöhen hat man weite Ausblicke auf die archaisch wirkende Landschaft und auf die näher rückenden Pyrenäen. Diese Etappe zählt für mich zu den schönsten auf meinem Jakobsweg in Frankreich.“ (75. Tag)

„Es müssen tausende sein. Die Pilger kommen aus aller Herren Länder, sprechen spanisch, französisch, englisch, deutsch, niederländisch, japanisch, koreanisch und andere Sprachen. Sie sitzen in den Cafés und Restaurants, schlendern durch die Gassen des hübschen Städtchens oder komplettieren ihre Ausrüstung in einem der Geschäfte. Alle wollen auf dem berühmten Camino Frances nach Santiago de Compostela oder einen Abschnitt davon machen.“ (77. Tag)

Neugierig auf die komplette Pilgerreise geworden? Dann erfährst Du hier alles über mein E-Book (inkl. einer 27-seitigen Vorschau).

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Mein E-Book "Einfach bewusst auf dem Jakobsweg - 2904 km, 108 Tage, 4 Länder" ist fertig

Es ist soweit! Nach mehreren Wochen Arbeit kann ich Dir mein erstes E-Book präsentieren.

„Einfach bewusst auf dem Jakobsweg“ erzählt in 108 Texten und 500 Fotos von meiner minimalistischen und nachhaltigen Pilgertour im letzten Sommer von meiner Haustüre in Nürnberg bis Santiago de Compostela und Finisterre. Das E-Book hat als PDF über 400 Seiten und wird zusätzlich in den Formaten EPUB, MOBI und AZW3 für alle handelsüblichen E-Reader ausgeliefert.

Alle Infos gibt es hier: „Einfach bewusst auf dem Jakobsweg“ (mit 27-seitiger Vorschau)

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In wenigen Tagen erscheint mein erstes E-Book „Einfach bewusst auf dem Jakobsweg“.

Zur Einstimmung gibt es heute ein paar Fotoimpressionen der ersten beiden Länder meiner Pilgerschaft im letzten Sommer. In Deutschland habe ich in 18 ½ Tagen 428 Kilometer zurückgelegt, in der Schweiz waren es 466 Kilometer in 16 ½ Tagen.

Die Bildunterschriften sind kurze Auszüge aus dem E-Book.

Mein Jakobsweg von Nürnberg nach Santiago de Compostela und Finisterre

„Etwas aufgeregt und ziemlich müde gehe ich die ersten anderthalb Kilometer durch meinen Kiez bis zur Jakobskirche. Dort bekommt mein Pilgerausweis den ersten von 111 Stempeln.“ (1.Tag, Deutschland)

„Zwischen Christgarten und Neresheim gehe ich lange durch Wald.“ (6. Tag, Deutschland)

„Der Jakobsweg oder besser gesagt Jakobspfad schlängelt sich sanft empor. Rechts davon eine große Blumenwiese, in der tausende Bienen und Hummeln um die Wette brummen und summen.“ (7. Tag, Deutschland)

„Zur Etappenhälfte hört es auf zu regnen. Prompt werden wir zum Kaffee eingeladen. Einfach so, weil wir Jakobspilger sind, von Karin und Karl, die eine kleine Pferderanch betreiben.“ (8. Tag, Deutschland)

„Als ich um 7:30 Uhr aufstehe, ist der Frühstückstisch bereits gedeckt. Es gibt Brot, Sojaquark, Hummus, einen Karottenaufstrich, Marmeladen, Kaffee mit Cashewmilch – alles von Sabine selbst gemacht. Ich starte die Etappe in frisch gewaschenen Klamotten und nette Begleitung gibt es oben drauf. Sabine muss sich freilich zügeln, nimmt sie doch regelmäßig an Ultraläufen von bis zu 320 km teil – und das als zweifache Mutter.“ (10. Tag, Deutschland)

„Nach dem Frühstück lerne ich die Hausleiterin Julia kennen. Sie ist begeistert von meinem 32 Liter kleinen und 8 kg leichten Rucksack und fotografiert mich mit meinem Gepäck vor der Herberge. Ich mache ebenfalls ein Bild von Margriet, Han und Julia. Als ich starte, habe ich das Gefühl, Freunde gewonnen zu haben.“ (11. Tag, Deutschland)

„Mittags mache ich an dem Flüsschen Riß Rast. Es gibt eine von mir spontan erfundene Pilgerpizza: Zwei Tage altes Fladenbrot in dünne Scheiben schneiden, mit Tomatenmark bestreichen, Kräuter der Provence, Salz, Olivenöl und Nüsse (oder anderes Topping wie Oliven oder Artischocken) drauf geben und 10 Minuten in der Sonne überbacken“ (11. Tag, Deutschland)

„Eine Zeitlang führt meine Route durch riesige Apfelplantagen. Ich hatte die naive Vorstellung, dass die berühmten Bodenseeäpfel auf Streuobstwiesen wachsen. Wandern macht bewandert.“ (14. Tag, Deutschland)

„Zuerst essen wir Eis und trinken Espresso, dann gehen wir hinab zum Bodensee. Während Olli eine Runde schwimmt, schaue ich in die sanften Wogen. Meine Sorgen von vorhin kommen mir plötzlich nichtig vor. Der See strahlt Ruhe aus. Er gibt mir meine mentale Kraft zurück. Ich werde morgen mit Zuversicht weiterpilgern.“ (16. Tag, Deutschland)

„Hildegard, die Herbergsmutter, auch Hospitalera genannt, ist freundlich erpicht, dass wir um 8 Uhr aus dem Haus sind. Zum Abschied stellen sich sieben Pilgerinnen und Pilger aus vier Nationen und Hildegard zu einem Erinnerungsfoto vor der Herberge auf. In dieser Konstellation kommen wir nicht mehr zusammen.“ (22. Tag, Schweiz)

„Ich folge von Einsiedeln nach Luzern dem Alpenpanorama-Weg. Der heutige Teil bis nach Zug hat sich gelohnt. Es ist zwar die bisher anstrengendste, aber auch die aussichtsreichste Etappe. Fast den ganzen Tag blicke ich auf schneebeckte Gipfelketten, zudem lange Zeit auf den Ägerisee und den Zugersee.“ (23. Tag, Schweiz)

„Vor acht bin ich unterwegs. Es ist noch angenehm frisch. Heute soll es heiß werden. Ich komme gut voran, passiere Cham und laufe am Zugersee entlang. Am gestrigen Sonntag waren viele Tageswanderer und Mountainbiker unterwegs, die Zeit und Muse für einen Plausch mit mir hatten. Heute sind – außer die Rentner mit Hund und die Badeurlauber – wieder alle kurz angebunden und gehetzt. Wann haben wir aufgehört, auch außerhalb von Ferien und Sonntagen einen Moment abschalten und genießen zu können? Ich bin gespannt, ob die Menschen in Südfrankreich und Spanien noch etwas entschleunigter leben.“ (24. Tag, Schweiz)

„Meine Gastgeberin erwartet mich schon. Ich fühle mich sofort wohl bei Silvia. Sie ernährt sich ebenfalls vegan und ist ein sehr spiritueller Mensch. Sie hat Schlimmes durchgemacht. Vor einem Jahr ist ihr Freund spurlos verschwunden. Die Polizei geht davon aus, dass er im See ertrunken ist. Silvia glaubt, dass er noch lebt. Sie ist dabei, neuen Lebensmut zu fassen. Mir erfüllt sie jeden Pilgerwunsch: Eine Dusche, Wäsche waschen, ein köstliches Abendessen auf dem Balkon mit Kichererbsencurry, gefüllten Blätterteigtaschen und Salat, einen Feierabendprosecco …“ (24. Tag, Schweiz)

„Familienoberhaupt Werner hat ein interessantes Hobby. Er sammelt alte Traktoren der längst verschwundenen Firma Köpfli. Stolz zeigt er mir seine Sammlung und fährt das Schmuckstück aus dem Jahr 1953 aus der Garage in den Hof.“ (25. Tag, Schweiz)

„Eine von Feldern geprägte Landschaft breitet sich vor mir aus.“ (28. Tag, Schweiz)

„Eine Frau in Hot Pants und Cowboystiefeln spricht mich an. Sie ist in meinem Alter, kommt ursprünglich aus Ampfing bei München, hat drei Kinder und – wie sie betont – einen Ex-Mann. Als die schöne Maid ankündigt, mich später zu einem Bier einladen zu wollen, wittere ich einen Flirt. Zwar tanzt sie ansehnlich direkt vor mir auf der Bühne, aber später wird mir irgendwann zu spät. Ich gehe zurück zum Gasthof. Im Bett höre ich noch lange die Countryband spielen und die schöne Maid und die anderen feiern.“ (28. Tag, Schweiz)

„Morgen wird sauber gepilgert.“ (30. Tag, Schweiz)

„Zum Sonnenuntergang sind Malwina und ich am See. Es ist der versöhnliche Abschluss eines langen und anstrengenden Tages mit zu wenig Natur und zu viel Stadt.“ (32. Tag, Schweiz)

„Ob dieses Feld wohl mehr Sonnenblumen hat als das Landhaus in Schweizer Franken kosten würde?“ (34. Tag, Schweiz)

Der zweite Teil – die Fotoimpressionen von Frankreich, ist auch schon online.

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Multitasking ade: Mehr Zeit und Gelassenheit

Multitasking ade: Mehr Zeit und Gelassenheit (Foto: Robson Hatsukami Morgan)

„Multitasking heißt, viele Dinge auf einmal zu vermasseln.“ (Erwin Koch)

Heute zeige ich Dir, wie Du es schaffst, Stress zu reduzieren, produktiver zu sein und mehr Zeit für die schönen Dinge im Leben zu haben.

Dafür musst Du Dir „nur“ zur Gewohnheit machen, Multitasking zu vermeiden!

Unter Multitasking versteht man das gleichzeitige Verrichten mehrerer Tätigkeiten.

Alles giert nach unserer Aufmerksamkeit

Wir Menschen sind in der Lage, zwei Aufgaben auf einmal zu erledigen – solange eine davon automatisch im Hintergrund abläuft: Atmen und schlafen, Kaugummi kauen und bügeln, gehen und reden, Popcorn essen und einen Film schauen …

Doch wir versuchen längst auf der Arbeit wie auch in der Freizeit zwei oder gar mehrere komplexe Aufgaben im Multitasking zu bewältigen.

Kein Wunder, alles und jeder giert nach unserer Aufmerksamkeit und zwar fast rund um die Uhr: Smartphones, Telefone, Computer, Fernseher, der Knopf im Ohr, Kollegen, Konferenzen, Meetings, Freunde, Verabredungen und nicht zu vergessen die 10.000 Gegenstände, die ein Bundesbürger im Schnitt besitzt. Wer etwa am Rechner arbeitet, wechselt 37 mal pro Stunde das Fenster und checkt E-Mails oder ein anderes Programm.

Dieser „way of life“ des „modernen Menschen“ ist nicht der einzige Grund, warum wir das tun und uns das antun. Wir glauben, dass wir mit Multitasking effektiver und effizienter leben. Und wir hoffen, dass wir damit die Angst, etwas zu verpassen, eindämmen können.

Multitasking ist ein „way of lie“

Genau betrachtet ist Multitasking nicht nur unser „way of life“, sondern auch ein „way of lie“. Multitasking ist weder effektiv noch effizient.

Was wir als Multitasking erleben, ist nur der Wechsel zwischen den verschiedenen Tätigkeiten. Unser Gehirn ist nicht darauf ausgelegt, sich gleichzeitig auf mehrere Dinge zu konzentrieren. Unsere Aufmerksamkeit wird dann geteilt oder auf eine der beiden Tätigkeiten verlagert.

Eine Studie des psychologischen Instituts der University of Utah in Salt Lake City hat gezeigt, dass das Unfallrisiko viermal so hoch ist, wenn man während des Autofahrens telefoniert. Die Reaktionsfähigkeit entspricht der eines Angetrunkenen mit 0,8 Promille Blutalkohol. Hätte am 9. Februar 2016 der Fahrdienstleiter im Bad Aiblinger Stellwerk nicht am Handy gespielt, wäre es nicht zu dem Eisenbahnunfall gekommen, bei dem zwölf Menschen starben und 85 zum Teil schwer verletzt wurden.

Je komplexer zwei Aufgaben sind, desto schwieriger ist es, zwischen diesen hin und her zu springen. Wir verlieren Zeit beim Wechseln zwischen den Aufgaben und weil wir uns jedes mal neu orientieren und reindenken müssen. Laut Studien sind das bei einfachen Aufgaben bis zu 25 % mehr Zeit und bei komplexen bis zu 100 % oder mehr. Darüber hinaus machen wir massenhaft Fehler, weil unser Gehirn der Doppelbelastung nicht gewachsen ist.

Ich habe z. B. herausgefunden, dass ich einen Blogartikel etwa in der Hälfte der Zeit fertig habe, wenn ich ihn nicht im Multitasking-Modus verfasse. Selbst wenn ich danach noch sequentiell E-Mails und WhatsApp-Nachrichten beantworte, Telefonate führe, meine Social-Media-Kanäle bediene und die Weltnachrichten lese, kann ich rund zwei Stunden früher Feierabend machen.

Was Du gewinnst, wenn Du Aufgaben nacheinander erledigst

Der deutsche Psychologe und Hirnforscher Ernst Pöppel hat folgende These aufgestellt: „Wenn jeder Mensch in Deutschland eine Stunde am Tag ohne Unterbrechung durcharbeiten würde, bekämen wir den größten Innovationsschub aller Zeiten.“

Das scheint nicht abwegig, wenn man betrachtet, welche Vorteile es hat, auf Multitasking zu verzichten:

  • Mehr Zeit, da die Aufgaben ein Viertel bis ein Drittel schneller erledigt werden.
  • Bessere Qualität und weniger Fehler.
  • Weniger unerledigte Aufgaben, denn je öfter man zwischen Aufgaben wechselt, desto wahrscheinlicher ist es, dass man welche nicht abschließt.
  • Mehr Gelassenheit und weniger Stress, was glücklicher machen und das Leben verlängern kann.
  • Bessere Beziehungen zu Kollegen, Freunden, Familie und Partnern, da man mit diesen achtsamer und mit voller Aufmerksamkeit umgeht.

6 Tipps, wie Du Dir das Multitasking abgewöhnst

Ich habe in den letzten Monaten viel recherchiert und ausprobiert, wie man das Verhaltensmuster Multitasking ablegen kann. Die folgenden Schritte und Tipps führen am schnellsten zum Ziel:

  1. Bau Dir einen Bunker. Halte Dich von Ablenkung jeglicher Art fern. Wenn Du ein eigenes Zimmer hast, schließe die Tür ab oder hänge einen „Bitte nicht stören“-Zettel an die Tür. Im Großraumbüro kann ein Sichtschutz für etwas Distanz sorgen.
  2. Hole Dir Unterstützung. Erkläre Deinen Kollegen, Deinen Freunden und Deiner Familie, warum Du nicht erreichbar bist und wann Du wieder auftauchst. Sie werden zunächst wahrscheinlich nicht begeistert sein. Sobald sie aber merken, dass Du bessere Ergebnisse erzielst, zufriedener bist und im Anschluss mehr Zeit für sie hast, kannst Du auf ihre Unterstützung zählen.
  3. Habe alles griffbereit, was Du benötigst, um die geplante Aufgabe zu erledigen. Tee, Zettel, Stift usw. So vermeidest Du, dass Du – abgesehen vom Gang zur Toilette – Deinen Bunker verlassen musst.
  4. Gehe mit allen Geräten offline, die Du nicht für die Erledigung der Aufgabe benötigst.
  5. Stell Dich auf Frust ein. Das schnelle Wechseln zwischen Aufgaben und Medien kann einen Dopaminausstoß bewirken, was uns einen Kick gibt und süchtig machen kann. Manch einer fühlt sich während des Entzugs gelangweilt oder frustriert.
  6. Zwinge Dich, nicht in das alte Multitasking-Muster zu verfallen. Nur durch ständige Wiederholung wird eine neue Verhaltensweise zur Gewohnheit. Das dauert mehrere Wochen. Der Studie von Phillippa Lally vom University College in London zufolge durchschnittlich 66 Tage.

Ich bin auf Deine Meinung zum Thema Multitasking gespannt. Dieses allgegenwärtige Verhalten so weit wie möglich zu vermeiden, halte ich für einen der einfachsten Wege, Zeit und Gelassenheit zu gewinnen. Dadurch können wir uns mehr den schönen Dingen des Lebens zuwenden – sei es unseren Lieben oder unseren Leidenschaften.

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Geld oder Zeit – Wer ist reich?

Wer ist reich? - Foto: Der Autor dieses Gastbeitrags mit seinem Sohn an den Alpillen bei Saint-Rémy-de-Provence.

Dieser Artikel ist ein Gastbeitrag von Gilbert Dietrich. Er gibt das Online-Magazin Geist und Gegenwart heraus. Dort geht es um angewandte Philosophie, die eine ganz praktische Interpretations- und Lebenshilfe bietet, ohne sich den typischen Selbsthilfe-Mantras oder gar der Esoterik hinzugeben.

Wie die Reduktion auf das Wesentliche reich machen kann

Reich und glücklich sein, vielleicht auch noch schön … das sind die höchsten Standards in so vielen Gesellschaften. Philosophisch gehören diese Eigenschaften in die Kategorien von Ästhetik und Ethik des Lebens. Was „schön sein“ bedeutet, ist jeweils sehr von den gesellschaftlichen Übereinkünften, von Überlieferungen, Moden und Trends abhängig. „Glücklich sein“ ist so individuell, dass eine einheitliche psychologische und philosophische Praxis dazu nicht möglich ist. Umstände, die den einen Menschen glücklich machen, können einen anderen unglücklich machen oder keinen Einfluss auf dessen Glückserleben haben.

„Reich sein“ aber, scheint uns eine objektive Kategorie zu sein, man kann das an Zahlen ablesen: Was auch immer das Zahlungsmittel in einer Gesellschaft ist, man ist reich, wenn man viel davon hat. Egal ob es Gold ist, ob es Muscheln sind oder Gewürze – wenn es als Zahlungsmittel taugt, weil alle sich über die Stabilität des Werts dieses Mittels einig sind, dann ist derjenige reich, der viel davon hat. Bei uns sind diese Mittel lange schon im Geld abstrahiert. Geld ist in dieser Hinsicht nahezu magisch, denn wir können mit Geld alle anderen Mittel und noch vieles mehr erwerben. Kein Wunder also, dass bei uns derjenige als reich gilt, der viel Geld hat.

Von Besitz zu Zugang

Unsere Gesellschaft ändert sich jedoch ständig. Richtig reich sind im oben genannten Sinne heute nur sehr wenige Menschen. Seit spätestens 2016 besitzt das reichste Prozent der Weltbevölkerung mehr als die restlichen 99 Prozent zusammen. Auf der anderen Seite sehen wir einen Trend, der davon weg geht, Dinge zu besitzen und dahin geht, Zugang zu den Dingen zu erlangen. Ein Beispiel: Wer will heute in der Großstadt noch unbedingt ein Auto besitzen, das täglich rund 23 Stunden auf knapper Fläche rumsteht und dafür auch noch ständig Kosten verursacht? Der Zugang zu einem Auto ist in Städten mit Carsharing so leicht und günstig zu haben, dass der Besitz eines Autos für viele keine attraktive Option mehr ist. Wir sehen dasselbe bei Musik und Filmen, wo vielen der Zugang über das Streaming ausreicht, weil sie keine CDs oder DVDs mehr als Staubfänger im Regal benötigen.

Vom Haben zum Erleben

Im Zuge dieser Sharing-Kultur sehen wir tendenziell auch eine Höherbewertung von Erlebnissen gegenüber dem Besitz. Während früher ein Auto ein Statussymbol war, ist es heute ein Marathon oder eine Besteigung eines hohen Bergs. Und wenn wir nochmal an die Musik denken, fällt auf, dass der Besuch von Konzerten prestigeträchtiger geworden ist, als der Besitz einer CD.

Aber lassen wir uns nicht beirren. Auch in so einer Welt des Zugangs und des Erlebnisses hilft es natürlich, reich an Geld zu sein. Denn nur wer Geld zahlen kann, bekommt auch den Zugang zu Infrastruktur und Medien und den Mount Everest kann eh nur besteigen, wer sonst auch einen best ausgestatteten Mittelklassewagen aus der linken Hosentasche bezahlen könnte. Aber da befinden wir uns eben in den Regionen des Luxus. Wer den nicht unbedingt benötigt, weil es auch der Hausberg tut und nicht der Himalaya sein muss, kann in einer Welt des Teilens und Erlebens mit relativ wenig Geld auskommen.

Der andere Reichtum

Das alles gibt uns die Möglichkeit, Reichtum für uns einmal anders zu definieren. Dazu müssen wir uns von dem lösen, was es in der Gesellschaft so als Übereinkunft zum Reichsein gibt. Drehen wir stattdessen die Perspektive einmal um und fragen uns, was es für uns ganz persönlich bedeuten könnte, reich zu sein. Wenn wir uns nicht an anderen Menschen messen würden, uns nicht ewig vergleichen würden, sondern nur auf unsere Bedürfnisse schauen würden – was wäre Reichtum dann für uns? Ich habe für mich eine Reichtums-Philosophie adoptiert, die auf diesem Gedanken basiert:

„Reich ist, wer viel von dem hat, was ihm wichtig ist.“

Mit diesem Satz bin ich zu einer bescheideneren Definition von Reichtum gekommen, die es mir ermöglicht, zufrieden mit dem zu sein, was ich habe und die mir aufzeigt, worauf ich mich konzentrieren sollte, um meinen Reichtum zu mehren. Hier ein Beispiel: Mir ist derzeit sehr wichtig, dass ich viel Zeit mit meinem kleinen Sohn verbringen kann. Gleichzeitig brauche ich weiterhin meinen Sport und meine Zeit zum Lesen und Schreiben. Außerdem ist mir die Bewegung in der Natur wichtig. Ich bin noch nicht so reich, wie ich gern wäre, denn ich habe nicht genug von dem, was ich gerade beschrieben habe. Die Konsequenz daraus ist aber gerade das Gegenteil vom gesellschaftlich normierten Reichtumsstreben. Um in meinem Sinne reicher zu werden, muss ich auf Geld verzichten, anstatt mehr Geld zu erlangen. Das heißt also, ich arbeite weniger oder auch mal ein paar Monate gar nicht und verzichte auf Geld, um mehr Zeit zu gewinnen. Denn Zeit ist mir im Moment das wertvollste Gut.

Um fair zu bleiben, will ich sagen, dass man sich auch das leisten können muss. Vielleicht hat nicht jeder im Augenblick die Möglichkeit, weniger zu arbeiten, weshalb ich ein Freund der Idee eines Bedingungslosen Grundeinkommens bin. Es sind aber auch individuelle und langfristige Entscheidungen, die man treffen kann, wie zum Beispiel ganz bewusst kein Haus auf Kredit zu bauen oder zu kaufen. Kredite gehören zu den Knebelinstrumenten unseres Kapitalismus und zwingen uns zur Arbeit.

Am Ende ist es so, dass man sich selbst die Mühe machen muss zu verstehen, was einen ganz persönlich reich machen würde. Was ist mir wichtig? Wovon will ich mehr? Was brauche ich, um glücklich zu sein? Wer eine Antwort auf diese Fragen findet, weiß damit auch, worauf er oder sie sich konzentrieren sollte. Die Reduktion auf das, was einem wichtig ist, macht am Ende reich.

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