Warum Du nicht alles (sofort) wissen musst

31. Oktober 2026 - von Christof Herrmann - 1 Kommentar
Mehrere Wasservögel fliegen über einer ruhigen Wasserfläche, andere sitzen auf einem Baumstamm. Im Hintergrund ist ein bewaldetes Ufer zu sehen.

„Vielleicht hängt die Wahrheit von einem Spaziergang um einen See ab.“ (Wallace Stevens, US-amerikanischer Lyriker, 1879–1955)

Wie hieß noch mal der Schauspieler? Ob diese Pizzeria wohl gut ist? Was ist eigentlich ein Schwarzes Loch? Sind das Gänse oder Enten?

Früher blieben solche Fragen oft erst einmal unbeantwortet. Manche klärten sich später durch Nachschlagen, Nachfragen oder Nachdenken. Viele wurden aber einfach wieder vergessen. Man musste nicht alles sofort wissen, damit der Tag weitergehen konnte.

Heute sind Antworten meist nur wenige Sekunden entfernt. Ein Griff zum Smartphone, ein Blick auf den Laptop oder das Tablet – und schon liefern Google, Wikipedia oder ChatGPT die passende Information. Das ist praktisch und hilfreich.

Gleichzeitig verändert die ständige Verfügbarkeit von Informationen unseren Umgang mit Nichtwissen. Wir haben weniger Geduld mit offenen Fragen, weil die Antworten so nah sind. Wissenslücken wollen gefüllt werden.

Dabei kann einiges verloren gehen. Der Nachschau-Reflex nimmt uns die Gelegenheit, noch zu rätseln, zu diskutieren oder uns zu erinnern. Außerdem unterbrechen wir dafür manchmal ein Gespräch, einen Moment in der Natur oder einen stillen Gedanken. Und nicht selten wird aus einer kurzen Suche eine längere digitale Spur.

Natürlich ist es ein Geschenk, dass wir vieles so schnell nachsehen können, etwa beim Arbeiten, Lernen, Kochen oder unterwegs. Digitaler Minimalismus bedeutet nicht, auf Wissen zu verzichten, sondern selbst zu entscheiden: Muss ich das wissen? Brauche ich die Antwort sofort? Oder darf die Frage noch eine Weile offenbleiben?

Vieles erledigt sich von selbst. Wirklich Wichtiges taucht wieder auf – so war es früher und so ist es heute.

Hinweis: Dieser Artikel ist ein leicht angepasster Auszug aus meinem neuen Ratgeber „Die 1-Minuten-Strategie Minimalismus“. Das Buch erscheint am 19. März 2027 bei Gräfe und Unzer (GU) und kann bereits im Buchhandel vorbestellt werden, zum Beispiel bei Autorenwelt (versandkostenfrei in Deutschland).

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1 Kommentar für “Warum Du nicht alles (sofort) wissen musst”

  1. Hallo Christof,

    ja, es stimmt, man muss nicht immer alles sofort wissen. Trotzdem wundere ich mich etwas, da ich vor ca einem Jahr (ich weiß es nicht mehr genau!) las, dass du bei Treffen mit Freunden oder Bekannten auch gerne das Smartphone dabei hast, um etwas zu zeigen, wenn es thematisch passt und etwas nachzuschlagen. Dabei ist natürlich auch die Gefahr, dass man nicht mehr beim Gespräch und dem Gegenüber bleibt. Das wäre natürlich schade, wenn man sich auch noch selten sieht. Liebe Grüße Katja

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