Gelesen im Februar: Johanna Wagner, Ein ganzes Leben, Jakobswege …

5. März 2016 - von Christof Herrmann - 18 Kommentare

Gelesen im Februar: Johanna Wagner, Ein ganzes Leben, Jakobswege durch Deutschland und die Schweiz …

Johanna Wagner hat mir bereits im Dezember letzten Jahres einen Auszug aus ihrem Buch „Zwischen den Zeilen reisen“ für meinen Blog zur Verfügung gestellt. Nun habe ich die komplette Reiseerzählung gelesen. Sie hat mich so begeistert, dass ich sie zu meinem Buch des Monats küre.

Fach- und Sachliteratur

  1. Jakobswege durch Deutschland und die Schweiz von Martin Schulte-Kellinghaus & Annette Mahro (Erscheinungsjahr: 2010, meine Bewertung: 4 von 5 Sternen)
    Dieser Bildband stellt in zahlreichen Farbfotos historisch wichtige Pilgerorte vor und beschreibt die Geschichte des Pilgerns auf dem Jakobsweg. Darüber hinaus führt er den Leser von Nürnberg bis an den Bodensee und weiter über Kloster Einsiedeln bis nach Genf. Das wäre genau meine Route, falls ich diesen Sommer nach Santiago de Compostela gehe.

Belletristik

  1. Zwischen den Zeilen reisen von Johanna Wagner (2015, 4,5 Sterne)
    Wie schon in ihrem Debüt Schlaflos in der Regenzeit erzählt Johanna Wagner in „Zwischen den Zeilen reisen“ von den Erlebnissen ihres Südamerikaaufenthaltes von Dezember 2009 bis Juni 2010. Damals arbeitete sie in einer Therapieeinrichtung für Kinder mit Behinderungen in einem Armenviertel von Lima und reiste durch Peru, Ecuador und Bolivien. Johanna Wagner trieb es da hin, wo andere sich nicht blicken lassen, sie schaute da genau hin, wo andere lieber wegschauen, sie bohrte da nach, wo andere es nicht so genau wissen wollen, und sie zog daraus Schlüsse für ihr und unser Leben im Wohlstandswesten. „Unser Leben soll beweglich, flexibel und schnelllebig sein. Wir sind überall und nirgendwo und am meisten in unserem Hamsterrad unterwegs. Haben wir das Bleiben verlernt? Wenn der Mensch ständig ausgerissen und anderswo wieder eingepflanzt wird, hat er keine tiefen Wurzeln mehr. Das erschwert, dass etwas wachsen, Blüte tragen und Früchte werfen kann“, heißt es an einer Stelle. So ist dieses Buch keine Reiseerzählung wie viele andere, sondern ein echter Geheimtipp für alle an Lateinamerika und am Leben Interessierte.
  2. Ein ganzes Leben von Robert Seethaler (2014, 4,5 Sterne)
    Der österreichische Autor Robert Seethaler hat sich der Einfachheit verschrieben. Feinfühlig und in klaren Worten beschreibt er das Leben und Lieben einfacher Menschen. In Der Trafikant von 2012 stehen der junge Franz Huchel und dessen Freundschaft zu Sigmund Freud im Mittelpunkt. Seethalers aktueller Roman „Ein ganzes Leben“ handelt vom Außenseiter Andreas Egger, der in einer abgeschiedenen Ecke der Alpen als Holzfäller, Seilbahnbauer und Bergführer seine Brötchen verdient. Ein bemerkenswertes Buch, das ganz nebenbei ein kritisches Auge auf die Erschließung der Alpen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert wirft.

Comics

  1. Der Traum von Olympia – Die Geschichte von Samia Yusuf Omar von Reinhard Kleist (2015, 4,5 Sterne)
    Mit der mehrfach prämierten Graphic Novel Der Boxer hat Reinhard Kleist bewiesen, dass die Umsetzung brisanter Themen seine Stärke ist. Dies zeigt sich auch in seinem neusten Werk „Der Traum von Olympia“. Darin erzählt Kleist die wahre Geschichte der somalischen Sprinterin Samia Yusuf Omar, die sich entschließt nach Europa zu fliehen, um 2012 bei den Olympischen Spielen in London teilnehmen zu können. Ihre Odyssee endet tragisch.
  2. 100 Meisterwerke der Weltliteratur als Comic (2009, 3 Sterne)
    Literaturklassiker wie „Buddenbrooks“, „Der dritte Mann“ oder „Madame Bovary“ von unterschiedlichen Zeichnern auf je einer Seite darzustellen, ist eigentlich eine gute Idee. Das Dargestellte richtig zu deuten, gelingt aber leider meist nur, wenn man die Buchvorlage kennt.

Und nun Du. Kennst Du schon eines der beiden Bücher von Johanna Wagner? Welchen Lesestoff empfiehlst Du mir, meinen Leserinnen und Lesern?

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18 Kommentare für “Gelesen im Februar: Johanna Wagner, Ein ganzes Leben, Jakobswege …”

  1. Sehr zu empfehlen: „Quantenphilosophie und Interwelt“ von Ulrich Warnke. Eine wirklich gute Darstellung der Essenz des menschlichen Wesens mit allen Fragen zur Erschaffung der Materie. Es werden viele physikalische Hintergründe erläutert, was das Lesen stellenweise nicht ganz einfach macht dennoch: Prädikat wertvoll!

  2. Danke für die kundigen Besprechungen. Der Text von Johanna Wagner ist auch gut. Werde mir ihr neues Buch holen. Liebe Grüße Eure Lucia

  3. Ich habe es diesen Monat nur zu einem Buch geschafft.
    Dreimal anziehen, weg damit von Heike Holdinghausen. Ein sehr interessantes Buch, welches zum nachdenken anregt.
    Gruß Silke

  4. Hallo,
    ich empfehle „Das geheime Leben der Bäume“; der Autor ist Förster und beschreibt wie Bäume miteinander kommunizieren – über das waldwideweb, nämlich Pilzsporen im Waldboden – und wie sie füreinander, Alte und Kranke sorgen und sogar ihre Kinder stillen.
    Dann als zweites Buch „Als Deutschland noch nicht Deutschland war“ – eine Zeitreise in die Goethezeit.

    VG Marion

  5. Hallo Christof!

    Hast Du vor den Jakobsweg zu gehen? Ich gerade am Recherchieren über die verschiedenen Routen. Im Sommer werde ich ein Monat frei haben und überlege, was ich mit der Zeit machen werde.

    lg
    Maria

    1. Hallo Maria,

      ja, gut möglich, dass ich mich heuer auf den (Jakobs-)Weg mache. Wenn dann von der Haustüre aus. Wären knapp 3.000 km ab Nürnberg.

      Du wohnst doch in der Steiermark, oder? Dann schau Dir doch den Jakobswege-Vortrag von meinen Freunden Verena und Andreas an. Die zeigen ihre Bilder und Filme noch bis Anfang April in verschiedenen Orten der Steiermark.

      Viele Grüße

      Christof

      1. Hallo Christof!

        Oh wie schade, sie waren am 24.2. in meinem Heimatort :-(

        Alle restlichen Termine sind ordentlich weit weg. Schade, dass ich das verpasst habe!

        Aber danke für den Tipp, da werde ich mich noch ein bisschen umschauen.

        lg
        Maria

  6. Die Bücher von Johanna Wagner sind wirklich toll geschrieben, lese gerade „Zwischen den Zeilen“. Sie hat einen bemerkenswerten Schreibstil, bildhaft und neugierig machend! Kann ich uneingeschränkt empfehlen!

  7. Ich möchte an dieser Stelle kein konkretes Buch empfehlen, sondern den Blog Kaffeehaussitzer von Uwe Kalkowski.

    Hier habe ich in den vergangenen Monate viel interessanten Lesestoff gefunden:
    Der Grund / Anne von Canal
    Sophia, der Tod und ich / Thees Uhlmann
    Winters Knochen / Daniell Zoodrell
    Wassermusik / T.C. Boyle
    Außerdem macht Uwe schöne Fotos mit den er seine Beiträge optisch sehr ansprechend aufwertet!

    VG
    Frank

    1. Vielen Dank für den Linktipp.

      Thees Uhlmann kenne ich von seiner Band Tomte. Wäre kürzlich fast auf eine Lesung von ihm gegangen, nachdem ich eine positive Rezension seines Roman gelesen habe. Fand den eintritt dann aber überteuert.

      VG

      Christof

  8. Gelesen im April :) Laufen. Essen. Schlafen. Eine Frau, drei Trails und 12.700 Kilometer Wildnis. Von Christine Thürmer
    Sehr interessant. Sie berichtet über ihre Wanderungen auf den drei grossen Trails in den USA und wie sie von der Managerin zur Vollzeit-Outdoorerin geworden ist. Auf ihrem Blog gibts auch etliche gute Beiträge zum Thema (Ultraleicht-)Wandern.

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