Desiderata – die Lebensregel von Max Ehrmann

Desiderata - die Lebensregel von Max Ehrmann (Foto: Christof Herrmann, 2017)

Desiderata, auch als Lebensregel von Baltimore bekannt, ist ein Gedicht des amerikanischen Rechtsanwalts Max Ehrmann aus dem Jahr 1927. Ich habe es bewusst zum ersten Mal auf Viktors Blog KunterRund wahrgenommen und lege es Dir ohne große Worte ans Herz lege.

Gehe ruhig und gelassen durch Lärm und Hast und sei des Friedens eingedenk, den die Stille bergen kann. Stehe, soweit ohne Selbstaufgabe möglich, in freundlicher Beziehung zu allen Menschen. Äußere deine Wahrheit ruhig und klar und höre anderen zu, auch den Geistlosen und Unwissenden; auch sie haben ihre Geschichte.

Meide laute und aggressive Menschen, sie sind eine Qual für den Geist. Wenn du dich mit anderen vergleichst, könntest du bitter werden und dir nichtig vorkommen; denn immer wird es jemanden geben, der größer ist oder geringer als du. Freue dich deiner Leistungen wie auch deiner Pläne.

Bleibe weiter an deinem eigenen Weiterkommen interessiert, wie bescheiden es auch immer sein mag. Es ist ein echter Besitz im wechselnden Glück der Zeit. In deinen geschäftlichen Angelegenheiten lass Vorsicht walten, denn die Welt ist voller Betrug. Aber dies soll Dich nicht blind machen gegen gleichermaßen vorhandene Rechtschaffenheit; viele Menschen ringen um hohe Ideale; und überall ist das Leben voller Heldentum.

Sei du selbst; vor allen Dingen heuchle keine Zuneigung. Noch sei zynisch, was die Liebe betrifft; denn auch im Angesicht aller Dürre und Enttäuschung ist sie doch immerwährend wie wachsendes Gras.

Ertrage freundlich und gelassen den Ratschluss der Jahre, gib die Dinge der Jugend mit Grazie auf. Stärke die Kraft des Geistes, damit sie dich im plötzlich hereinbrechenden Unglück schütze. Aber beunruhige dich nicht mit Einbildungen. Viele Befürchtungen sind Folge von Erschöpfung und Einsamkeit. Bei einem heilsamen Maß an Selbstdisziplin sei gut zu dir selbst.

Du bist ein Kind des Universums, nicht weniger als die Bäume und die Sterne. Du hast ein Recht, hier zu sein. Und ob es dir nun bewusst ist oder nicht: Es gibt keinen Zweifel, das Universum entfaltet sich wie vorgesehen.

Darum lebe in Frieden mit Gott, was für eine Vorstellung auch immer du von ihm hast und was immer dein Mühen und Sehnen ist. In der lärmenden Wirrnis des Lebens erhalte dir den Frieden mit deiner Seele.

Trotz all ihrem Schein, der Plackerei und zerbrochenen Träumen ist diese Welt doch wunderschön.

Sei achtsam. Strebe danach, glücklich zu sein.

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{ 15 Kommentare }

  • SandraM 2. Oktober 2020

    Danke, wirklich gut und schön. Habs ausgdruckt. :-)

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  • Susanna 2. Oktober 2020

    Ein wunderschöner, inspirierender Text. Wo finde ich die englische Originalversion? Die würde mich wirklich interessieren.

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    • Christof Herrmann 2. Oktober 2020

      Klicke mal auf den Link zu Viktors Blog oben, da findest Du auch das englische Original.

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  • Elli 2. Oktober 2020

    Wie schön, Christof. In der heutigen Zeit besonders wichtig. Danke!

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  • Marion 17. Oktober 2020

    Schon beim Lesen des Textes kehrt ein wenig Ruhe in mir ein.
    In dieser hektischen Zeit ein Labsal. Könnte ich es doch noch mehr verinnerlichen…
    Vielen Dank, Christof

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  • Sabine 18. Oktober 2020

    Sehr schön! Danke!
    Übrigens hat sich in der fünften Strophe ein Fehler eingeschlichen. Es muss heißen „Und beUNruhige dich nicht mit Einbildungen…“

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  • Lutz 18. Oktober 2020

    Der Artikel hat mich voll wach gerüttelt.Er ist trotz seines Alters immer noch aktuell.Ich fühle mich dazu inspiriert weiter an mir zu arbeiten.Es wurde mir auch bewusst,welche Dinge ich schon verwirklicht habe ohne dass ich es für mich bisher wahrgenommen habe.

    Vielen Dank für deine geleistete Arbeit

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    • Christof Herrmann 19. Oktober 2020

      Ich denke, man sollte sich öfter bewusst werden, was man schon erreicht hat, nicht immer nur nach vorne blicken und vor allem auch im Moment zu lesen!

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  • Helga Schönsteiner 19. Oktober 2020

    Hallo Christof,
    freu mich, dass Du „Desiderata“ auf Deinem Blog hast. Ich hab es Anfang der 80er von einer Arbeitskollegin bekommen. Seither begleitet es mich in meinem Leben, besonders auch in schwierigen Zeiten.
    Zwei „Fehler“ habe ich gesehen:
    Im vierten Absatz ist das Wort „falschem“ zu viel.
    Vor diesem Satz gehört auch noch eingefügt: „Aber dies soll Dich nicht blind machen gegen gleichermaßen vorhandene Rechtschaffenheit.“ vgl. auch Blog von Viktor Garder.
    Viele Grüße

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    • Christof Herrmann 20. Oktober 2020

      Hallo Helga,

      danke, habs angepasst.

      Es gibt diverse deutsche Übersetzungen des englischen Gedichts. Falls jemand eine gute passende hat, immer her damit.

      Viele Grüße

      Christof

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      • Helga Schönsteiner 22. Oktober 2020

        Hallo Christof,
        deine Übersetzung ist sehr gut. Sie entspricht fast wörtlich der „alten“ Übersetzung, die ich habe.
        Ich kenne auch einige modernere Übersetzungen, aber alle, die ich kenne haben mir nicht so gefallen.
        Viele Grüße
        Helga

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