Auf dünnem Weiß – ein Haiku und Haiga

19. Februar 2026 - von Christof Herrmann - 9 Kommentare

Im Januar beobachtete ich am Wöhrder See in Nürnberg einen jungen Schwan, der ein wenig verloren, aber hochkonzentriert über das dünne Eis watschelte. Schließlich fand er den Weg zurück ins Wasser. Diese stille Szene war so rührend, dass sie nach einem Haiku verlangte. Ich wählte diesmal eine moderne Variante mit verkürzter Silbenlänge, weil sie den Moment unmittelbarer und konzentrierter wirken lässt. Zusammen mit dem Foto entsteht daraus ein Haiga. Auf meinem Blog veröffentliche ich immer wieder Kurzlyrik.

Ein junger Schwan steht auf einer weitgehend vereisten Wasserfläche, im Hintergrund winterliche Bäume und Schilfinseln.

Kopf gesenkt

Schatten löst sich –

offenes Wasser



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9 Kommentare für “Auf dünnem Weiß – ein Haiku und Haiga”

  1. Hallo Christof,
    danke für dieses wunderschöne Bild und die klaren Worte, wie ein Mantra.
    Ich sehe den Schwan im nächsten Bild im Wasser, seinem Element, königlich.
    Liebe Grüsse
    Monika

    1. Hallo liebe Monika,

      wie schön, dass Du den Schwan gedanklich weiter in sein Element zurückbegleitest.

      Deine Rückmeldung freut mich besonders, weil Lyrik – sowohl auf meinem Blog als auch in der Literaturszene – nicht so viel Beachtung findet. Gerade Haiku und Haiga haben mit ihrer Verdichtung eine eigene Kraft: wenige Worte, viel Raum.

      Einfach bewusste Grüße

      Christof

  2. Lieber Christof,
    einfach schön!
    Dass Du in Deiner Antwort auf Monikas Kommentar schreibst, dass Lyrik hier und in der Literaturszene nicht so viel Beachtung findet, macht mich ein wenig traurig. Aber Du hast recht. Und nichtsdestotrotz: ich LIEBE Lyrik! Wenn man schon als junges Mädchen freiwillig „Die Kraniche des Ibykus“ auswendig lernt und der Mutter ein Buch mit Gedichten von Annette von Droste-Hülshoff schenkt…
    Herzlichst, Andrea

    1. Einfach danke, liebe Andrea!

      Ich glaube, ich muss Schillers Gedicht demnächst lesen, wo Du es sogar freiwillig auswendig gelernt hast (und vielleicht noch aufsagen kannst?). Und eben bin ich auf ein Zitat von Marcel Reich-Ranicki gestoßen: „Und immer noch halte ich für die schönste deutsche Ballade jene, die vom Ibykus, dem Götterfreund, erzählt.“

  3. Lieber Christof,
    sehr tiefgründig, deine Lyrik – da passt jedes Wort, finde ich.
    Schreib bitte weiter, unabhängig von Beachtung. Was in erster Linie zählt, ist, was das Schreiben dir persönlich bedeutet und was es dir gibt…
    Alles Liebe, Claudia

    1. Ich freue mich sehr über Deine lieben und wertschätzenden Worte!

      Eigentlich bin ich eher ein gemäßigter Minimalist. Bei diesem Gedicht habe ich aber radikal gekürzt. Es war ursprünglich deutlich länger – mehrere Zeilen, kein Haiku. Nach und nach habe ich es entschlackt. Erstaunlicherweise sagt es in dieser kurzen Form mehr aus als in der längeren Version – vielleicht weil das Haiku mehr offenlässt und Raum für eigene Deutungen gibt.

      Du hast recht: Lyrik zu schreiben funktioniert am besten, wenn man es in erster Linie für sich selbst tut. Veröffentlichen müsste ich die Haiku dann eigentlich nicht. Ich mache es trotzdem – manche erreiche ich ja doch. Und vielleicht fühlt sich die eine oder der andere ermutigt, selbst mehr Lyrik zu lesen oder zu schreiben.

      Alles Gute und viele liebe Grüße

      Christof

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