Ab morgen: Zu Fuß, minimalistisch, nachhaltig und vegan über die Alpen

9. August 2014 - von Christof Herrmann - 39 Kommentare

Julische Alpen in Sicht. (Foto: Stephanie Spörl, 2013)

„Auf die Berge will ich steigen.“ (Heinrich Heine, deutscher Dichter, 1797 – 1856)

Von Salzburg nach Triest auf optimierter Route

Ich bin aufgeregt wie ein Kind vor der Bescherung. Morgen in aller Frühe geht es mit dem Zug nach Salzburg. Dort beginnt meine Wanderung über die Alpen nach Tolmin in Slowenien und weiter nach Triest an der italienischen Adria. Stephi und ich haben uns die Route letztes Jahr ausgedacht und sie dann in 23 anstrengenden Etappen gemeistert. Für 2014 habe ich die Route optimiert.

Eine Alpenüberquerung etabliert sich

Leider kann Stephi diesmal nicht mitkommen. Ganz ohne Begleitung werde ich trotzdem nicht über die Berge steigen. Rund 25 Wanderer sind heuer auf der Alpenüberquerung Salzburg-Triest unterwegs. Einige wollen sogar den kompletten Weg gehen. Allein am morgigen Sonntag starten neun Abenteuerer. Als unverbindlichen Treffpunkt haben wir den Kurpark im Salzburger Zentrum ausgemacht. Ansonsten sieht man sich wohl auf dem Weg oder in der Unterkunft, hängen doch als Erkennungszeichen rote Bändchen an unseren Rucksäcken (Rot ist die Farbe, die in den Flaggen der vier Länder Österreich, Deutschland, Italien und Slowenien vorkommt).

Es haben bereits mehrere angekündigt, 2015 die neue Route zu gehen. Ich freue mich über das Interesse und erhoffe mir reichlich Feedback, schließlich möchte ich 2016 einen Wanderführer über die Alpenüberquerung Salzburg-Triest veröffentlichen.

Alpenüberquerer auf dem Traumpfad München-Venedig. (Foto: Christof Herrmann, 2012)

Wenig Gepäck und wenige Aufgaben

Ich werde die nächsten vier Wochen sehr minimalistisch leben. Dazu gehört, dass ich mich auf wenige Aufgaben konzentriere. Tagsüber werde ich wandern. Abends werden ich mir Notizen zur Route machen und einen Erlebnisbericht veröffentlichen. Nachts werde ich regenerieren.

Auch mein Gepäck ist auf das Nötigste reduziert. Alles, was ich brauche, passt in einen 32-Liter-Rucksack. Würde ich nicht vegan über die Alpen laufen, käme ich mit einem kleineren Rucksack aus, da ich weniger Proviant benötigen würde.

Vegan über die Alpen

Ich ernähre mich seit Anfang des Jahres vor allem aus ethischen Gründen rein pflanzlich. Die Alpenüberquerungen 2012 und 2013 habe ich als Vegetarier absolviert. Vor ein paar Wochen bin ich als Veganer im Mittelgebirge auf dem Fränkischen Gebirgsweg unterwegs gewesen.

Nun möchte ich zum ersten Mal vegan über die Alpen kommen. Ich gehe davon aus, dass auf manchen Berghütten nur Gerichte mit tierischen Produkten auf der Karte stehen. Ist in der Küche viel los, wird man keine Extrawurst für mich braten. Um mich jederzeit selbst versorgen zu können, werde ich ausreichend Proviant einpacken. Ich leiste mir sogar den Luxus, Olivenöl und einen 6-fach Gewürzstreuer mitzunehmen, damit das Tomatenbrot nicht zu fad schmeckt. Für die ersten Tage sind Energieriegel und Hummus griffbereit, die ich vorhin selbst gemacht habe.

Sorgen bereiten mir die Wegabschnitten, in denen ich tagelang an keinem Supermarkt vorbeikomme und die Kommunikation schwierig ist. Einen Sprachführer für Slowenien habe ich auf dem Handy, einen für Italien in der Seitentasche meines Rucksacks. Nur das Wort vegan ist darin nicht zu finden.

Grandioser Blick vom Kärlingerhaus im Steinernen Meer. (Foto: Christof Herrmann, 2013)

Hin zu Fuß, zurück mit dem Zug

Ich versuche meinen ökologischen Fußabdruck möglichst klein zu halten. Seit Anfang des Jahres konnte ich diesen weiter verringern, indem ich auf eine vegane Ernährung umgestellt habe, mein Auto verkauft habe und mit Stephi zusammengezogen bin.

Auch die Alpenüberquerung soll nachhaltig ausfallen. Ich reise mit der Bahn an, laufe ab Salzburg jeden Meter und fahre von Triest mit der Bahn oder dem Bus zurück in die Heimat. Geschlafen wird in einfachen Berghütten und Pensionen im Tal. Auf der Toni-Lenz-Hütte am ersten Abend wäscht man sich am Brunnen. Wer braucht schon Duschen?

Allabendliche Tagesberichte

Wie schon auf meinen letzten Touren werde ich auch diesmal über die kleinen Abenteuer, die netten Begegnungen und die unvermeidlichen Schwierigkeiten berichten. Jeden Abend schreibe ich auf meinem Smartphone einen Text, den ich auf meiner Facebook-Seite veröffentliche. Um diesen zu lesen, brauchst Du keinen Facebook-Account. Falls ich einmal keinen Empfang habe, reiche ich den Bericht am nächsten Tag nach. Ich würde mich freuen, wenn Du „mitwanderst“.

Hier geht es zu den allabendlichen Tagesberichten!

Der Golf von Triest ist das Ziel der Alpenüberquerung Salzburg-Triest. (Foto: Stephanie Spörl, 2013)

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39 Kommentare für “Ab morgen: Zu Fuß, minimalistisch, nachhaltig und vegan über die Alpen”

  1. Ach, ich kann deine Aufregung gut nachvollziehen. Da warten jede Menge Herausforderungen auf dich, aber eben auch bereichernde Erfahrungen. Schön, dass du uns virtuell teilhaben lässt.
    Viel Spaß und Erfolg wünsche ich dir!
    Liebe Grüße
    Christiane
    P.S.: In ein paar Tagen brechen auch wir auf – per Fahrrad und in ein vergleichsweise kleines Abenteuer, aber die Aufregung nimmt auch hier zu. :)

  2. Endlich geht es los. Freue mich schon lange auf Deine Berichte uns werde wieder jeden Abend mitlesen!
    Vegan in den Alpen stelle ich mir sehr schwierig vor.
    Gruß
    Vanessa

  3. Hallo Christof,

    Ich wünsche Dir und allen Mitwanderern einen gute Start in die Tour morgen. Sagt Christian und Mareike auf der Toni-Lenz-Hütte einen lieben Gruß von uns Vorausgeher !

    Mäcki

  4. hallo Christof,
    ich drück dir noch mal ganz schnell die Daumen für gutes Wetter, Viel Spaß und gutes Wandern, ich freue mich schon auf deine Berichte
    liebe Grüße
    Anne

  5. Hallo Christof,
    wenn ich das so lese will ich gleich mit wandern :-) Ich wünsche dir alles Gute und viele bereichernde Erfahrungen! Und ich bin schon sehr gespannt auf deine Tagesberichte.
    Liebe Grüße,
    Harald

  6. Lieber Christoph,
    Alles Gute für deine Tour!! Auch wenn ich mir Alpenüberquerung ohne Kaiserschmarrn etc. schwierig vorstelle…;-) Wann planst Du, in Triest zu sein? Wir sind Anfang September in Grado und werden vielleicht auch einen Abstecher nach Triest machen.
    Liebe Grüße,
    Steffi

  7. Vegan unterwegs ist besser als auf jede andere Art – auch nicht wirklich mehr Gepäck. Ich lebe seit einem Jahr vegan und muss seitdem viel weniger trinken – auf meinen langen Fahrradtouren auch ein Vorteil. Seitdem bin ich auch flotter unterwegs als früher und wurde etwas leichter. Mit 63 Jahren war das im Nachhinein nur ein sehr kleiner Schritt.
    Dir viel Glück und anregende Erfahrungen auf deinem neuen Abenteuer!

    Reinhard

    1. Super, dass Du den Schritt gewagt hast und auch positive Erfahrungen gesammelt hast.

      Ich habe schon mehr Proviant dabei als letztes Jahr als Vegetarier. Ich weiß ja nie, ob ich etwas Pflanzliches auf den Hütten bekomme, es sei denn ich rufe an.

      Viele Grüße aus dem Zug nach Salzburg

      Christof

  8. Hallo zusammen,
    wenn ihr auf der Wasseralm übernachtet, nehmt zum Frühstück ein Müsli, das ist der Hammer. Viel Spaß und gute Beine.
    Gruß
    Peter

    1. Hallo Peter,

      danke für den Tipp. Werde ich probieren, falls man es ohne Milch bekommt. Gut möglich, dass ich auf der Wasseralm eine Zwischenübernachtung einlege. Wetter soll ja nicht so toll werden.

      Viele Grüße

      Christof

      PS: Hat Dein Sohn noch Knieschmerzen?

  9. Lieber Christof,

    Es freut mich sehr, dass Du den Schritt wagst und zum ersten Mal als Veganer so eine lange Tour machst. Ich bin sehr gespannt, was Du darüber erzählen wist! Ich glaube, zumindest an vegetarischen Gerichten hat sich auf den Hütten bestimmt ein Fortschritt eingestellt und wenn frisch gekocht wird, kann man für Dich auch mal Käse & Co weglassen. Ich drücke Dir jedenfalls ganz fest die Daumen! Für Slowenien schicke ich Dir nachher mal ne e-Mail, ich hoffe, dass Dir das weiterhelfen wird und die Mail Dich auch erreicht ;)

    Liebe Grüße,

    Linda

    1. Hi Linda,

      kann E-Mails lesen. Bin gespannt, was Du mir schickst. Antworte unterwegs nur kaum.

      Ich war im Frühjahr vier Wochen im deutschen Mittelgebirge unterwegs. Das ging als Veganer ganz gut. In den Bergen muss ich halt viel Energie tanken, um die wochenlangen Strapazen zu schaffen.

      Viele Grüße

      Christof

  10. Lieber Christof,

    jetzt muss ich mal schreiben, Deinen Newsletter habe ich schon
    länger.

    Ich bewundere Dich für Deinen Mut und Deine konsequente Art Dein Leben zu führen,
    einfach klasse.

    Wenn ich mal aus meiner Komfortzone herausfalle, dann werde ich Dich zu meiner Orientierung nehmen;-))

    Viel Freude auf Deiner Tour, ich bin sehr auf Deine Berichte gespannt.

    Grüsse aus dem Schwarzwald
    Lutz

  11. Ich wünsche dir viel Spaß auf deiner Wanderung und das du deine „wenigen Aufgaben“ alle erledigen kannst und zufrieden bist! Ich bin auch manchmal in den Bergen unterwegs, vegan natürlich. Daher weiß ich auch, wie schwierig das auf Hütten gelegentlich sein kann. Wenn man sich einiges einpacken und mitnehmen kann ist das kein Problem. Aber bei einer so langen Wanderung mit eingeschränktem Gepäck, da bin ich schon gespannt auf deine Berichte :)

    Und als langjähriger Homeveganer kann ich dir noch einen guten Tipp geben. Wenn du den Rest des Jahres vegan lebst, erreichst du viel für Tiere, die Umwelt und dich. Wenn es dann mal unterwegs, abseits der Zivilisation und unter schwierigen Bedingungen nicht ganz so klappt, ist das nicht schlimm!!! Wenn du Abends wegen der Essensfrage gestresst bist und am nächsten Tag nicht laufen kannst, weil du vielleicht seit Tagen zu wenig Kalorien zu dir nimmst, dann wird das zu einem noch viel größeren Problem. Also kratze auch mal den Käse irgendwo runter, selbst wenn es nicht 100%ig geht und isst auch mal die Eiernudeln mit. Das ist nur meine persönliche Meinung und das muss letztendlich jeder für sich selbst entscheiden.

  12. Hi Christof,
    „la cucina vegan“ ist auch in Italien inzwischen ein Trend, ich glaube, Du wirst auch hier gut vegan ueber die Alpen kommen!
    Viel Spass bei der Tour und ich freue mich auf die Berichte :)

    ps als Update fuer Dein Woerterbuch:
    „sono vegano“ – ich bin Veganer oder, falls das nicht hilft: „Avete qualcosa senza uova e latticini?“ – Habt Ihr was ohne Eier und Milchprodukte?

  13. Hallo Christof,

    schön, dass du uns auch in diesem Jahr an deinem Abenteuer teil haben lässt! Mit Spannung habe ich bereits den ersten Bericht gelesen. Viel Erfolg bei deiner diesjährigen Überquerung und vor allem viel SPAß dabei ;-9

    beste Grüsse Torsten

  14. Hallo Christoph, viel Spaß und wenig Belastung. Wird bestimmt eine erlebnisreiche Tour. Durch Deine Erzählungen war ich jetzt zum ersten Mal mehrere Tage im Hochgebirge. Werde am 26.06.15 München – Venedig in Angriff nehmen. Kannst Du Bücher empfehlen? Dir viel Erfolg und komme gesund zurueck. Gruss Peter

  15. @Matthias @Oni
    Danke für Eure Kommentare!

    @Peter
    Wünsche Dir viel Vorfreude! Für München-Venedig kann ich Dir den Rother Wanderführer sowie zur Einstimmung „Mit zwei Elefanten über die Alpen“ von Gerhard von Kapff empfehlen. Was ich auf dem Weg nach Venedig erlebt habe, steht in meinem kostenlosen E-Book.

    Bin seit gestern zurück von der Alpenüberquerung Salzburg-Triest :-) Die allabendlichen Berichte kann man hier nachlesen.

  16. Lieber Christof,

    auf der Suche nach Informationen zu einer veganen Alpenüberquerung bin ich auf deinen Blog gestoßen.
    Ich möchte im Sommer den E5 wandern.
    – Kannst du mir sagen ob ich eine Chance auf veganes Essen auf einer der Hütten habe?
    – Gibt es auf den Hütten alternativ die Möglichkeit selbst etwas zu kochen?

    Viele Grüße
    Juliane

    Ps: Ich finde deinen Blog richtig gut! Er liest sich wie eine Zusammenfassung meiner Hauptinteressensgebiete :).

    1. Hallo Juliane,

      klasse, dass ich genau über Deine Hauptinteressensgebiete blogge ;-)

      Ich bin den E5 noch nicht gelaufen. Kann Dir also nicht sagen, was es dort auf den Hütten zu essen gibt.

      Vermutlich wird dort die Situation ähnlich sein wie auf der Alpenüberquerung Salzburg-Triest. Manchmal gab es etwas Veganes auf der Karte, manchmal konnte ich mir Beilagen zusammenstellen, manchmal hatte der Koch Zeit und Lust, mir eine „Extrawurst“ zu kochen, manchmal bekam ich aber auch nichts. Ich hatte also zur Sicherheit immer etwas im Rucksack, meist zwei oder drei Essen, in den Julischen Alpen (wo es fast eine Woche keinen Supermarkt gibt; auf den anderen Abschnitten kommt man alle paar Tage an Geschäften vorbei) sogar mehr. Da man auf den Hütten i. d. R. nicht kochen kann und ich keinen Kocher dabei hatte (lediglich eine Tupperdose, Messer, Löffel, Gabel, Becher und paar Gummis und Klips zum Verschließen von Verpackungen), gab es oft Kaltes. Couscoussalat (Couscous gart auch mit kaltem Wasser), Brotsalat, Oliven, belegte Vollkornbrote, Nüsse, Haferflocken, Trockenobst, frisches Obst, Rohkostgemüse usw. In den abendlichen Berichten meiner letztjährigen Tour auf Facebook habe ich beschrieben, was ich den Tag über gegessen habe.

      Wahrscheinlich werde ich in den nächsten Woche noch einen Blogartikel zum Thema „Als Veganer über die Alpen“ schreiben.

      Hoffe das hat ein wenig geholfen. Viel Spaß auf dem E5!

      Einfach bewusste Grüße

      Christof

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