Nichts Neues – Schätze das, was ist

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Dieser Artikel ist bereits der fünfte Gastbeitrag von Johanna Katzera (geborene Wagner) auf Einfach bewusst. Johanna hat drei Bücher geschrieben und bietet eine Seminar- und Wanderwoche auf Sylt mit dem Motto „Achtsamkeit und positive Lebensgestaltung“ an.

Es ist nichts Neues, wenn ich vorschlage, eine Zeit lang nichts Neues zu kaufen oder zu beginnen, sondern dem, was wir haben, einen neuen Wert beizumessen. Neu ist vielleicht, diese Idee im eigenen Leben umzusetzen.

Das Glück, das an Tausenden Bedingungen hängt

Die größten Ablenkungen sind meist nur einen Griff weit entfernt in der Hosen- oder Handtasche – oder noch näher: Sie sitzen als Gedanken in unserem Kopf. Reißen uns fort in unser Gestern oder Morgen; verzaubern uns mit falschen Notwendigkeiten, versprechen uns also das große Glück, wenn wir endlich dieses oder jenes erreicht, gekauft oder bewältigt haben.

Das Glück ist an Bedingungen geknüpft, an noch mehr, an den Urlaub, an das „Ach wenn doch nur noch diese eine Sache anders wäre …“ Und in all dem Pläneschmieden und Luftschlösserbauen übersehen wir unseren aktuellen Standort: Unser Schloss, in das uns unser Lebensplan längst geführt hat. In dem wir uns eingerichtet haben, in dem wir mit lieben Menschen zusammenleben und das Leben genießen könn(t)en.

Ein Gefühl von Mangel (mitten im Überfluss)

Doch durch den ewigen Blick aus unseren Fenstern auf die andere Straßenseite, verlieren wir uns selbst aus den Augen. Dann ist klar, dass wir immer mehr wollen und auch brauchen, weil wir gar nicht sehen können, was schon vorhanden ist.

Umgeben von Werbung und Einblicken auf persönliche Bühnen anderer, die immer nur die beste Performance zeigen, erscheint der Mangel manchmal größer als die Fülle. Oder zumindest die Fülle der anderen viel voller als die eigene. Dabei suggeriert das virtuelle Schaufenstergucken eine Unzulänglichkeit, die gar nicht existiert – sondern dadurch erst entsteht.

Wer seine Aufmerksamkeit ständig nach außen richtet (und so funktioniert unsere „normale“ Welt) und immer mehr will (auch so funktioniert sie), versetzt sich selbst in ein Gefühl von Mangel. Das macht unzufrieden.

Wir haben mehr als genug

Wir versinken im Zuviel. Und genau das ist das Problem. Unsere Anschaffungen, Ideen und Möglichkeiten verlangen von morgens bis abends nach unserer Aufmerksamkeit und Energie. Wir docken überall mal kurz an, aber gelangen nicht ans Ziel. Und obwohl oder wahrscheinlich weil wir manchmal all das, was wir haben, nicht genießen können, schaffen wir uns Neues an. Weil der schnelle Kauf oft einfacher ist als in der überfüllten Schublade fündig zu werden.

Mit unserem kleinen Tor zur Welt in der Hand sitzen wir auf der Couch und haben das Gefühl, dass alles möglich sei – hätte unser Tag nur so viele Stunden wie wir Ideen. Und während unser Blick und Kopf sich in der Welt hinter dem Display verliert, übersehen wir unsere eigenen vier Wände und den Reichtum des Menschen, der sein Smartphone in den Händen hält.

Ein anderer Blickwinkel

Es liegt an unserer Haltung, wie reich wir uns schätzen. Ob wir erkennen, was wir haben. Ob wir nutzen, was wir besitzen. Und ob wir verstehen, wie viele Schritte wir schon gegangen sind, damit wir jetzt und hier im Hier und Jetzt stehen – es ist unsere ganz persönliche Lebensgeschichte, die sich zum Glück mit keiner anderen vergleichen lässt.

Das, was ist, ist oft viel besser als wir glauben – im Nachhinein erst recht.

Wer seinen Blick nicht von Zeit zu Zeit auf sich selbst lenkt, sich selbst von innen heraus betrachtet und aus dem Innen in die Welt blickt, der wird immer mehr von außen benötigen, und sich innerlich doch nicht erfüllt fühlen. Weil das, was wir erhaschen wollen, nicht in uns hineinpasst. Weil sich das, was wir suchen, nicht im Außen versteckt. Es muss aus uns erwachsen.

Wir sollten wertschätzen, was wir haben

Genießen im Innen und im Außen. Unsere Fülle wieder wahrnehmen, die Ideen verwirklichen, die Hobbys ausführen, die Gegenstände bewegen, Bewegung in unser Leben bringen, indem wir den Radius vielleicht erst mal wieder kleiner ziehen und genau dadurch vergrößern, weil endlich wieder Raum für uns bleibt. Für unser authentisches echtes Ich. Es ist egal, welche Show die anderen aufführen, wo sie stehen, wohin sie gehen und was die Schaufenster anbieten – in unseren eigenen vier Wänden und in der Hülle unseres Körpers haben wir alles, was wir brauchen.

Wir müssen uns dessen nur wieder bewusst werden.

Das Konzept des Vertiefens

Nichts Neues beginnen, nichts Neues anschaffen – so lautet die Idee des Konzepts des Vertiefens. Der Rest passiert von selbst. Wir richten den Blick auf das Bestehende und messen dem einen neuen Wert bei. Mit diesem Blickwinkel hieven wir uns vom Mangel in die Fülle. Wir verzichten gewissermaßen auf die kleinen Dosen Dopamin, die unser Gehirn ausschüttet, wenn etwas Neues in der Tasche landet, und tauschen es gegen Zufriedenheit und Selbstgenügsamkeit ein.

Wir beenden Prozesse. Wir setzen den Punkt am Ende des Satzes. Wir lesen das Kapitel bis zum Ende. Wir schlagen das gelesene Buch zu. Und wir freuen uns darüber. Über die Pause. Wir sinnen darüber nach und lassen Raum zum Sein. Wir stopfen endlich die Löcher, aber nicht jede Lücke mit gedankenloser Aktivität oder einem automatischen Griff zum Smartphone. Vielleicht müssen wir die Stille zunächst aushalten, um den Zauber ihres Klangs zu erkennen.

Hier ein paar Ideen, wie du das Konzept des Vertiefens in deinem Leben umsetzen kannst:

  • Lies die ungelesenen Bücher aus deinem Regal, ehe du dich im Buchgeschäft verzaubern lässt und dich für die Urlaube der nächsten Jahre eindeckst.
  • Lies ein gutes Buch ein zweites Mal.
  • Verwandle die gesammelten Rezepte in Gerichte.
  • Leere die angefangenen Kosmetikprodukte und Parfümfläschchen.
  • Verbrauche den Vorrat deiner Küchenschränke.
  • Nutze das Küchenzubehör, das nur jedes zweite Jahr die Schublade verlässt.
  • Erwecke vergessene Kleidungsstücke zum Leben.
  • Bring entwickelte Fotos an den Wänden an.
  • Versende die gesammelten Postkarten.
  • Mach Urlaub zu Hause und gönn dir etwas Außergewöhnliches.
  • Verbessere deine Fähigkeiten und vertiefe deine Interessen, anstatt neue zu beginnen: Praktiziere regelmäßig Yoga, nimm die Gitarre öfter zur Hand und Spanisch häufiger in den Mund.
  • Feiere deine persönlichen Erfolge und gönn dir Entspannung, ehe du dich auf den Weg zum nächsten Ziel machst.

Nichts Neues zu kaufen oder zu beginnen, macht zufrieden und lebendig

Erweck die Dinge zum Leben – erweck dein Leben zum Leben. Vieles ist nur eingestaubt, festgewachsen oder eingefahren. Ein anderer Blickwinkel ändert nicht die Umstände, aber vermag manchmal alles andere zu verändern. Wir haben so viel mehr, als wir meinen, und vor allem: Wir brauchen so viel weniger als wir denken. Alles, was wir in dieser Zeit nicht benutzen, dürfen wir guten Gewissens aus unserem Leben entlassen und uns über den gewonnenen Raum oder die freie Zeit freuen.

Eine Zeit lang nichts Neues zu kaufen oder zu beginnen und sich am Vorhandenen zu erfreuen, macht zufrieden und lebendig. Probiere es aus. Für eine Woche, einen Monat, ein Quartal, ein ganzes Jahr … Richte das äußere Suchen wieder nach innen. Tauche ein, anstatt an einer unruhigen Oberfläche zu schwimmen.

Viel Spaß beim Vertiefen – und erzähl uns, wie es läuft oder, wenn du weitere Ideen gesammelt oder schon Erfahrungen gemacht hast.

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{ 34 Kommentare }

  • Philipp Gerber 22. Februar 2020

    Vielen Dank!

    Antworten
  • Martina 22. Februar 2020

    Vielen Dank auch von mir! Es tut gut meine ungeordneten Gedanken und Taten, die mich
    (fast immer) an der Umsetzung hinderten, nun hier fein aufgelistet schwarz auf weiß zu lesen. DANKEDANKEDANKE – jetzt wird es vllt leichter mit der Umsetzung.

    Antworten
    • Johanna 23. Februar 2020

      Liebe Martina,
      sehr gern.
      Der Schlüssel zur Umsetzung ist eigentlich ganz einfach: Einfach anfangen.

      Viel Spaß beim ersten Schritt und den vielen, die diesem ganz automatisch folgen werden.

      Viele Grüße
      Johanna

      Antworten
  • Cordula 22. Februar 2020

    Danke. Es ist genau diese Fülle, mit der ich mich zurzeit überfordere: Auf dem Tisch vor mir liegt ein Roman, dazu das Hörbuch mir 9 CD’s, ein Buch über Ikigai, eins über Rom, dazu zwei neue wunderbare Bildbände zu Massagetechniken und mein Smartphone. Oben habe ich noch Zeichenblock und Stifte. Morgen gehe ich tanzen und ins Kino, in der Woche singe ich in zwei Chören. Vier Tage in der Woche fahre ich zu meinem Job. Vertiefen würde mir schwer fallen, aber ich habe eine große Sehnsucht danach.

    Antworten
    • Johanna 23. Februar 2020

      Liebe Cordula,

      dann versuche dir in dieser Fülle einen Fokus zu setzen und diesen zu halten. Eins nach dem anderen. Aber vor allem: Nicht noch mehr …

      Liebe Grüße,
      Johanna

      Antworten
  • Thomas 23. Februar 2020

    Wie wahr, wie weise. Danke für die Rückführung auf die eigentlichen Dinge des Lebens!

    Antworten
    • Johanna 23. Februar 2020

      Hallo Thomas,

      ich glaube, man kann nicht oft genug daran erinnert werden, was die wirklich wichtigen Dinge im Leben sind. Es bleibt immer etwas anderes hängen …

      Liebe Grüße
      Johanna

      Antworten
  • Olaf Hapke 23. Februar 2020

    Faszinierender Artikel mit soviel Gedankenansätzen, dass ich das Thema des Vertiefens hier gleich anwenden musste: ich hab ihn zweimal gelesen! Und wahrscheinlich werde ich ihn mir ausdrucken und in den Timer legen, um aus der oft selbstgemachten Hektik des Alltags zurückzufinden zu mir!

    Antworten
    • Johanna 23. Februar 2020

      Hallo Olaf,

      oh wie schön.
      Und was für eine gute Idee.
      Und Recht hast du: Die Hektik des Alltags ist oft selbstgemacht. Das Schöne daran ist, dass wir sie auch selbst wieder stoppen können – auch wenn wir dies manchmal nicht glauben wollen …
      Liebe Grüße
      Johanna

      Antworten
  • Ilse 23. Februar 2020

    Sehr schöner Ansatz, danke für diesen Text, bin sehr berührt, ich muss ihn dann nochmals lesen. Vielen Dank dafür 🙏🎈
    Alles Liebe Ilse

    Antworten
    • Johanna 23. Februar 2020

      Vielen Dank für deine schöne Rückmeldung, liebe Ilse.

      Antworten
  • Rosa 23. Februar 2020

    Ja das ist es genau. 2020 (wie bereits 2019 hat auch ziemlich gut geklappt) hab ich mir vorgenommen kein Konsum und werde ich nur das kaufen was wirklich nötig ist. Kein Krimskrams nichts. Ein paar wenige Kleidungsstücke müssen sein und Schuhe. Berufsmässig hatte ich bisher eh keine Gelegenheit groß etwas auszugeben da zuviel Arbeit (das ist der nächste Punkt in meinem Leben) außer für Essen. Jetzt diese eine Woche zu Hause war gigantisch. Ich hab einfach nichts gemacht. Hab viel geschlafen und die Gedanken laufen lassen und sortiert.
    Deine Liste und den Artikel werde ich für mich übernehmen, nochmals lesen und in eine TODO Liste umwandeln für die Pinnwand. Simple und einfach.
    Herzlichen Dank dafür.
    LG
    Rosa
    PS: Zwangspause am Handy – 3 x falsche Pin eingegeben, Puk nicht gefunden. Ruhe. Aus, schlechtes Gewissen was wenn Freundin Sorgen hat, was wenn xy was möchte, der Mann, der Sohn, …. Hey früher ging es doch auch bin ja noch von früher also Telefon mit Wählscheibe

    Antworten
    • Johanna 23. Februar 2020

      Das liest sich sehr gut, liebe Rosa.
      Und diese „Zwangspause“ sollten wir uns alle öfter schenken.
      Es ist auch heute noch möglich. Schon ver-rückt, dass wir „alle“ meinen, es ginge nicht mehr …

      Ein gutes und minimalistisches Jahr wünsche ich dir.
      Johanna

      Antworten
  • Ansgar 23. Februar 2020

    Danke für diesen Artikel, Johanna.
    Sich vertiefen, dem Vorhandenen Wertschätzung und Zeit entgegenbringen – jaaaa. Gute Ideen zur Umsetzung, Küchenvorräte aufbrauchen, ungelesene Bücher lesen (oder sich von ihnen trennen), alte Fähigkeiten wieder in den Alltag integrieren bevor man neue lernt.
    Und trotzdem dabei offen sein für das, was mit mir geschieht. Neugierig werden und „altgierig“ bleiben.
    Danke nochmals 😊

    Ansgar

    Antworten
    • Johanna 24. Februar 2020

      „Altgierig“ – was für ein schönes Wortspiel. Vielen Dank dafür, Ansgar.

      Liebe Grüße,
      Johanna

      Antworten
  • Gunda 23. Februar 2020

    Ich kann mich den Kommentaren nur anschließen und bedanke mich herzlich für den Text!

    Antworten
  • Marianne 23. Februar 2020

    Sehr guter Artikel, genau auf den Punkt gebracht! Ich habe ihn mir ausgedruckt, denn er enthält so viele wertvolle Gedankenansätze. Nach 45 Arbeitsjahren genieße ich nun die Zeit fern ab der Hektik. Ich nenne das meine neu gewonnene Lebensqualität. Nach Jahren des Überflusses räume ich radikal aus und spüre dabei eine große innere Zufriedenheit. Ich wertschätze die Gegenstände die bleiben dürfen und erfreue mich an ihnen. Das „Konzept des Vertiefens“ ist der Weg zu einem besseren Leben.
    Danke liebe Johanna für diesen schönen Beitrag.

    Antworten
    • Johanna 24. Februar 2020

      Vielen Dank für deine Rückmeldung, liebe Marianne.
      Das liest sich sehr klar, entschleunigt und zufrieden.
      Viel Freude im „besseren Leben“,
      Johanna

      Antworten
  • Kerstin D. 23. Februar 2020

    Herzlichen Dank für den inspirierenden Artikel. Damit habe ich „zufällig“ mein diesjähriges persönliches Fastenmotto gefunden.

    Antworten
  • Horst Volkhammer 23. Februar 2020

    Alles schon mal irgendwo gelesen/gehört, ausgenommen die Schmäh über die Urlaubsreisen. Da würde mich mal die Reaktion der Minimalisten interessieren. Auf einem inzwischen geschlossenen Forum bin ich vor Jahren mit der dort geäußerten Meinung Urlaub sei Streß usw. gnadenlos durchgefallen. Die menschenunüblichste Fortbewegungsart Fliegen dabei noch nicht einmal erwähnt.
    Kann wohl die euphorischen Zustimmungen verstehen, stelle mir dann aber diese Leute im besten Alter nach längerem Aufenthalt allein mit sich (das bleibt nicht aus) irgendwo auf dieser Welt vor. Minimalismus braucht zu so einem Zündinitial wie diesem Beitrag vor allem die innere Einstellung und die muß durch, auch unerfreuliche Erkenntnisse, als Verneinung des Lebens (im philosophischen Sinne) akzeptiert werden, wenn’s nicht bloß eine Liaison werden soll. Aber dann hat man all die beschriebenen (Glücks) erfahrungen, solange man Abstand halten kann; allerdings, so meine Erfahrung, wird diese Distanz unabwendbar immer größer, man sollte sich mit der Problematik Einsamkeit anfreunden.

    Antworten
    • Johanna 24. Februar 2020

      Hallo Horst,
      vielen Dank für deine Gedanken.
      Das stimmt: Die innere Haltung ist der Schlüssel und den passenden für sich zu finden, gar nicht so leicht. Ist der richtige erst einmal gefunden, läuft es wie von selbst.
      Weitere Gedanken dazu findest du in einem anderen Gastbeitrag von mir:
      https://www.einfachbewusst.de/2018/09/minimalismus-im-kopf/

      Hier kann ich dir nicht ganz folgen. Was meinst du damit?
      „Die innere Einstellung (…) muß durch, auch unerfreuliche Erkenntnisse, als Verneinung des Lebens (im philosophischen Sinne) akzeptiert werden, wenn’s nicht bloß eine Liaison werden soll.

      Viele Grüße
      Johanna

      Antworten
      • Horst Volkhammer 24. Februar 2020

        Der ernsthaft, also dauerhaft, Interessierte sollte sich darüber im klaren sein, daß das kein Spaziergang ist, sondern Entsagung (Verneinung des Lebens) auf ganzer Linie bedeutet. Das ertragen wenige für den Rest ihres Lebens.
        Über die reuigen Rückkehrer in’s gutbürgerliche Leben freut sich dann die Wirtschaft, muß doch alles Losgelassene wieder ersetzt werden. Über solcher Art Doppelbelastung ist die Umwelt hoch erfreut, deshalb mein Versuch anzuregen, vorher intensiv darüber nach zu denken; halb schwanger geht nicht.

        Antworten
  • Michael 24. Februar 2020

    Ich bin begeistert über die Klarheit der Gedanken. Haltung entscheidet. Wie möchte ich leben. Ich allein, ganz persönlich. Nicht Marketingopfer sein. Nein, ein selbstbestimmter authentischer Mensch. Für sich allein, nicht für andere. Das verschafft den Sinn den wir alle in unserem Leben suchen und oft vermissen. Wie immer im Leben ist das Einfache das Beste. Alles Gute und eigene stille selbstbewusste Lebensfreude. Michael

    Antworten
    • Johanna 24. Februar 2020

      Wie schön, Michael.
      Von innen nach außen leben – das ist auch mein Motto.
      Authentisch sein zählt ja auch zu den einfachen Dinge, die das Beste sind.

      Liebe Grüße,
      Johanna

      Antworten
  • Laura 28. Februar 2020

    Liebe Johanna, liebe Begeisterte,
    ich freue mich für euch, dass die netten und sehr gut gemeinten – und richtigen! – Worte euch gefallen und inspiriert haben.
    Für meinen Teil kann ich da zwar grundsätzlich Wahrheiten drin erkennen, die allerdings nicht universell sind…
    Ich selbst habe alles, im Überfluss, sollte man meinen. Ja, das Materielle habe ich, eine schöne Wohnung und eine todsichere Arbeitsstelle. Ich bin dabei, einen Teil meines Krempels auszumisten, ein weiterer Teil hat es nach einer einjährigen Weltreise mit nur einem 20kg-Koffer plus 30-Liter-Rucksack ohnehin nicht mehr in meine neue Wohnung geschafft. Nichts neues zu kaufen (außer die für mein Hobby benötigte Ausrüstung) mache ich schon sehr lange, da ich finde, dass Eigentum verpflichtet. Jedes Teil braucht seinen Platz und irgendwann die Säuberung. Aber das Ausmisten ist unendlich schwer, wenn man so gar kein Ziel hat. Wenn man zwar Kinder hat, die aber glücklich und erfolgreich „aus dem Haus“ sind. Wenn man keinen Partner hat, keine Eltern (ich bin 52 Jahre alt) und auch das Ausmisten der nicht guttuenden Bekanntschaften erfolgreich war, man aber deshalb sehr, sehr einsam ist. Woran dann festhalten? Nicht auf der Suche sein nach Gesprächen, menschlichen Wesen, Gesichtern, Nähe, Berühung, Verständnis, Austausch, Wärme? Wenn der Körper immer mehr „Baustellen“ aufweist, die alle für sich genommen eigentlich für ein ganzes Menschenleben reichen? Wenn der Urlaub Zuhause dich wahnsinnig macht, weil schöne Eindrücke und Begegnunen fehlen, die Selbstgespräche nicht mehr ausreichen und dich fast wahnsinnig machen? Wenn du doch vor die Tür gehst und auf Paare, Familien, Gruppen triffst, die dich in die Gesellschaft bzw. Gemeinschaft zurückwünschen lassen? Wenn es so gar kein Ziel gibt, für das man einerseits etwas tun kann, andererseits entspannt in die Zukunft schauen kann?
    Meine Erfahrung ist leider, dass das Ausmisten und Loslassen (wenn es denn glückt, was nicht immer der Fall ist) nicht alleine zu dem gewünschten Erfolg führt. Da gehört noch eine Menge von etwas Anderem hinzu – was zum Glück ja bei den Meisten vorhanden zu sein scheint.

    Antworten
    • Marcel 13. März 2020

      Hallo Zusammen,

      Liebe Johanna,

      Wieder einmal ein sehr schöner Text von Dir, vielen Dank dafür.
      Ich finde, dass dieser momentan besonders gut in die Zeit passt und durch seine leichte Zugänglichkeit hoffentlich vielen Menschen helfen kann.

      Liebe Laura,

      Vielen Dank, dass Du uns deine Gedanken mitgeteilt hast.
      Ich habe ein wenig darüber nachgedacht.

      Ich würde sagen, die Allermeisten in dieser Gesellschaft sind an einem Punkt, an dem es hilfreich ist, sich zu reduzieren – auf das eigentlich Wesentliche, und dieses zu vertiefen, ganz wie Johanna es vorschlägt.

      Nun gibt es einige Individuen, die vielleicht schon eine längere Zeit der Reduktion und Vertiefung hinter sich haben. Dazu gehörst Du vermutlich, ich würde mich auch dazu zählen.
      Nach einer solchen Zeit der inneren Einkehr – man ist sich Vielem bewusst geworden – kommt man vielleicht irgendwann an den Punkt, an dem sich das Leben auch wieder nach außen entfalten will. Diesmal von innen heraus..
      Das Leben ringt wieder nach Gestaltung und man kann ihm eine Form, eine neue Ausrichtung geben. Vielleicht ist es dann an der Zeit, ein neues (Herzens-)Projekt zu beginnen, seinen Standort zu wechseln oder was auch immer gerade ansteht und den inneren Verhältnissen entspricht.

      Ein paar Gedanken zum Wochenende..

      Viele Grüße,
      Marcel

      Antworten
  • Johanna 28. Februar 2020

    Liebe Laura,

    deine Worte lesen sich, als hättest du bereits eine lange Zeit des Ausmistens und Vertiefens – und auch eine schwere Zeit – hinter dir.

    Ich wünsche dir, dass du dein Leben nun wieder mit Freude und Zielen füllst und zurück in deine Balance findest.

    Alles Liebe,
    Johanna

    Antworten
  • Dolores 29. Februar 2020

    Liebe Johanna,
    das war ein wunderbar inspirierender und gefüllter Artikel. Ich selbst bin gerade auch am Ausmisten und Minimalisieren. Mein Mann und ich wollen ab April in unser Wohnmobil ziehen, damit wir unser Haus renovieren und vermieten können. Wir wollen aus dem tod-sicheren Job raus und mehr von unseren Begabungen ins Leben bringen. Mehr Bewegung, mehr Lebenslust an dem, was wir haben. Dein Artikel hat es so getroffen…und Lauras Kommentar stimmt mich nachdenklich…ja, für mich sind Beziehungen das wichtigste. Die Beziehung zu meiner Familie, zu mir und die Beziehung zu Gott. Wir Menschen sind auf Beziehung ausgelegt und dafür geschaffen. Das ist auch das, was ich noch mehr in meinem Leben pflegen will. Gemeinschaft pflege ich viel lieber als Gegenstände. Und doch braucht es einen gewissen Rahmen. Ich bin gespannt, wie es in meinem neuen kleinen Lebensraum Wohnmobil wird…Ich stelle es mir so vor, dass ich einfach viel weniger Platz habe, noch genauer schaue, was will ich und was brauche ich wirklich für mein Leben.
    Vielen Dank für Deinen Artikel! Er macht mir Lust auf das was kommt :-)

    Herzlichst
    Dolores

    Antworten
    • Johanna 2. März 2020

      Liebe Dolores,
      das hört sich sehr befreit und befreiend an.
      Eine schöne Erkenntnis, die Beziehungen lieber zu pflegen als den Besitz.
      Ich wünsche euch einen glücklichen und minimalistischen Start im Wohnwagen – mit ganz viel Raum für das, was wirklich wichtig ist :).

      Johanna

      Antworten
  • Renate Reiter 9. März 2020

    Hallo Johanna,
    Diesen Lebensstil Pflege ich seit langem.
    Bin immer auf Unverständnis gestoßen.
    Ich brauche einfach nicht so viel um zufrieden zu sein.
    ( habe dadurch immer Geld übrig, was ich aber teilweise auch spende)
    Da ich sparsam bin, werde ich Dein Buch nicht kaufen, sondern schauen ob ich es preiswert bei Ebay bestellen kann ( lach)
    Mit schmunzeln im Gesicht, grüßt Dich herzlich Renate

    Antworten
    • Johanna 11. März 2020

      Liebe Renate,
      wie schön, dass du erkannt hast, dass es zur Zufriedenheit nicht viel bedarf :).

      Ich wünsche dir viel Freude und viele Impulse beim Lesen von „Verlauf dich nicht“.

      Herzliche Grüße
      Johanna

      Antworten
  • Anna 17. März 2020

    Prima Artikel. Vertiefen statt neue Anreize zu suchen macht Sinn. Wenn ich auf meine Reihe an Kochbüchern gucke, und überlege wie viele Rezepte ich denn tatsächlich daraus gemacht habe wird mir das schön sichtbar für mich. Hat auch damit zu tun in etwas wirklich gut zu werden / gut zu machen anstatt auf der Oberfläche durch die Welt zu browsen.

    Antworten
    • Andrea 14. April 2020

      …das mit den Büchern kenne ich. Mich juckt es auch immer, wenn ich wieder ein schönes Yoga-Buch sehe. Steht bloß das Gleiche drin, wie in den Büchern, die ich schon habe… Ein Kriterium bei Sachbüchern für mich mittlerweile: die dürfen nicht zu dick sein. Je umfangreicher, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, dass ich mich da wirklich durchwühle. ;-)

      Antworten

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