Nachhaltiges Reisen: Dresden und Forchheim mit Fränkische Schweiz

Es muss nicht immer New York oder Sydney sein. Auch Städtereisen in heimischen Gefilden lohnen sich und schonen zudem durch die kurze Anreise die Umwelt.  Im letzten Teil der „Nachhaltiges Reisen“-Artikelserie stellt Stefanie Eisenreich Sachsens Landeshauptstadt Dresden vor und verrate ich selbst ein paar Tipps für Forchheim und die Fränkische Schweiz. Herzlichen Dank an die sieben Blogger und Autoren, die sich in den letzten Woche viel Mühe gemacht haben, uns ihre Städte schmackhaft zu machen:

  1. Kempten im Allgäu und Bielefeld
  2. Lübeck und Aachen mit Eifel
  3. Wien und Darmstadt
  4. Dresden und Forchheim mit Fränkische Schweiz

Dresden, Sachsen – von Stefanie Eisenreich

Die Region um Dresden galt vor garnicht allzu langer Zeit zum „Tal der Ahnungslosen“ zugehörig, von dem viele glaubten, die Menschen lebten irgendwie hinter dem Mond. Die Zeiten, in denen es so manche Information schwer hatte, bis nach Dresden vorzudringen, sind glücklicherweise längst vorbei. Nicht nur auf kulturellem Gebiet, sondern auch in Bezug auf Nachhaltigkeit hat Dresden einiges zu bieten.

Auch bekannt als Elbflorenz, ist Dresden mit seinen knapp 530.000 Einwohnern eine der grünsten Städte Europas. Mit der Dresdner Heide, dem größten geschlossenen Waldgebiet der Stadt, Parkanlagen wie der Große Garten sowie den sanften Weinhängen entlang der Elbe kommt man auf gut 62 % Wald- und Grünflächen. Während des Zweiten Weltkriegs beinah komplett zerstört, kann Dresden mittlerweile auf beiden Seiten der Elbe mit wunderschönen Bauwerken und einer interessanten Geschichte aufwarten.

Dresden: Blick auf die Hofkirche und das Residenzschloss (Foto: Doris Neubauer, www.littlemissitchyfeet.com)Über Nacht
Das erste sächsische Biohotel Hotel Helvetia liegt im Herzen der Sächsischen Schweiz, direkt an der Elbe, und bietet Besuchern wunderschöne Ausblicke auf die Felsformationen des Elbsandsteingebirges. Von Ökozimmern über die Bio-Küche hin zu Naturheilangeboten, Massagen und Aktivausflügen wird nichts ausgelassen, um das Öko- und Urlauberherz höher schlagen zu lassen. Einziger Nachteil: Das Hotel befindet sich in Bad Schandau, das zwar bequem per Bahn zu erreichen ist, aber dennoch ca. 45 km von Dresden entfernt ist.

All jenen, die es vorziehen direkt in Dresden zu nächtigen, kann eines der Hostels in der bunten Neustadt ans Herz gelegt werden. Lollis Homestay beherbergt junge Besucher aus aller Welt, verleiht kostenfrei Fahrräder und trägt damit, wenn es auch kein Bio-Hostel ist, zu einer nachhaltigen Mobilität bei. Das Ambiente ist herzlich und heißt nicht nur Backpacker, sondern auch Familien willkommen. Zudem befindet man sich direkt im Nacht- und Ausgehviertel der Stadt, wo sich die meisten Bars und Restaurants tummeln.

Anschauen
Anzuschauen gibt es viel, da vor allem August der Starke zu seiner Zeit in Dresden zahlreiche Bauwerke wie den Zwinger oder auch seine Sommerresidenz errichten ließ. In der Altstadt bündeln sich Bauten wie die Semperoper oder die 2005 als Zeichen des Friedens rekonstruierte Frauenkirche. Auch Museenliebhabern wird einiges geboten, von der Gemäldegalerie der Alten Meister bis zum sogenannten Grünen Gewölbe.

Auf der anderen Seite der Elbe kommt man recht schnell in die Neustadt, dem jungen Viertel Dresdens. Hier lohnt sich ein Blick in die Kunsthofpassage, wo Häuserfassaden kreativ verziert wurden und niedliche Restaurants in Gassen zum Verweilen einladen.

Essen & Trinken
Gerade in Dresdens bunter Neustadt gibt es zahlreiche Möglichkeiten, vegetarische Gaumenfreuden zu genießen. In der Louisenstraße 58 beispielsweise befindet sich der Lotus-Bio-Imbiss, dem ausschließlich biozertifizierte Speisen auf den Teller kommen. Dies ist auch im Café Saite der Fall, einem kleinen Lokal im nah gelegenen Hechtviertel. Wer es konsequent vegan hält, dem sei dort der Falsche Hase empfohlen.

In der Frühlings- und Sommerzeit gibt es für alle Selbstversorger zahlreiche Märkte, die Obst, Gemüse, Käse, Milch etc. aus der Region verkaufen. Beliebt ist der sogenannte Umundu-BioFair-Wochenmarkt, der jeden Freitag von 14-19 Uhr an der Scheune in der Alaunstraße 36-40 seine Toren öffnet.

Wer sich darüber hinaus für Themen rund um Nachhaltigkeit interessiert, sollte einen Stadtrundgang mit KonsumGlobal mitmachen oder im Herbst zum Umundu-Festival für nachhaltigen Konsum nach Dresden kommen.

Nightlife
Dresden ist relativ klein und was das Nachtleben angeht nicht mit Berlin zu vergleichen. Dennoch hat es einige kleine, schöne Bars und Kneipen zu bieten. Clubs wie die Groovestation oder die Scheune veranstalten nicht selten Konzerte und interessante Poetry Slams. Auch zu empfehlen: das AZ Conni mit gesellschaftskritischen Veranstaltungen und veganer Küche für jedermann.

Im Sommer besucht man die Filmnächte an der Elbe – Konzerte und Filme gibt es hier für sechs Wochen vor der wunderbaren Kulisse der Altstadt direkt am Fluss.

Aktiv im Grünen
Im Grünen ist man in Dresden schnell. Zu empfehlen ist aber besonders das nahe gelegene Elbsandsteingebirge, auch als die Sächsische Schweiz bekannt, vermutlich aufgrund der faszinierenden Felsformationen. Mit der Bahn ist es bequem in einer halben Stunde zu erreichen, für die Sportlichen unter uns bietet sich aber auch ein Ausflug mit dem Rad entlang der Elbe an. Dafür sollte man drei bis vier Stunden für Hin-und Rückweg einplanen.

Im Sommer gehen vor allem junge Leute gerne „boven“ – ein Wort, das es nur im Raum Dresden gibt und das Übernachten in den zahlreichen Höhlen des Elbsandsteingebirges meint. Dies ist allerdings nicht in allen Höhlen erlaubt und die Strafen sind hoch, weshalb man sich vorher unbedingt informieren sollte. Wander- wie auch Kletterfreunde kommen in dieser Gegend auf jeden Fall auf ihre Kosten.

Buchtipp
„Der Turm“ von Uwe Tellkamp spielt in den letzten Jahren der DDR bis zum Mauerfall in Dresden und scheidet die Geister. Die einen verschlingen das Buch, die anderen sind über die ersten Seiten nicht hinaus gekommen. Zu empfehlen ist es aber dennoch, vor allem denen, die sich für die Geschichte Dresdens interessieren.

Und nun: Viel Spaß im schönen Elbflorenz!

Forchheim mit Fränkischer Schweiz, Franken, Bayern – von Christof Herrmann, www.einfachbewusst.de

Forchheim hat 30.000 Einwohner, gehört zum Regierungsbezirk Oberfranken und liegt an der Wiesent und am Main-Donau-Kanal. Aufgrund der Nähe zu Bamberg und Nürnberg wird sie von Touristen oft übersehen. Zu Unrecht meiner Meinung nach! Die alte Königstadt besitzt eine schmucke Altstadt mit reichlich mittelalterlicher Bausubstanz und ist das Eingangstor zur reizvollen Fränkischen Schweiz.

Nachhaltiges Reisen: Forchheim mit Fränkische Schweiz - Foto: auf dem Rodenstein (Christof Herrmann, 2010)Über Nacht
Empfehlenswert ist das Gästehaus an der Kaiserpfalz, das in einem über 400 Jahre alten, renovierten Haus mit modernem Anbau untergebracht ist. Doppelzimmer gibt es bereits ab 39 EUR, ein Appartement mit Kleinküche für 2 Personen ab 49 EUR.

Wer lieber auf dem Land nächtigt, kann dies ruhig und komfortabel im Gästehaus des Brauereigasthofs Pfister in Weigelshofen tun. Der Ort liegt etwa 10 km außerhalb von Forchheim und ist mit dem Anrufsammeltaxi ab Forchheim bzw. dem Bus ab Eggolsheim zu erreichen. Eine Übernachtung mit Frühstücksbuffet kostet 27 bis 35 EUR pro Person. Die Wanderung „Zu urtümlichen Bierkellern an der Langen Meile“ aus meinem Buch Biergartenwanderungen Fränkische Schweiz geht durch Weigelshofen und beschreibt auch den Brauereigasthof Pfister.

Anschauen
Forchheims Altstadt kann problemlos zu Fuß erkundet werden. Am besten holt man sich in der Tourist-Information in der Kaiserpfalz den kostenlosen Führer, der eine Übersichtskarte enthält und die Sehenswürdigkeiten beschreibt. Alle, die etwas mehr Zeit haben, sollten sich auch die Kaiserpfalz anschauen. In der im 14. Jahrhundert errichteten Stadtburg des Bamberger Bischofs befindet sich heute das Stadtmuseum und das Archäologiemuseum Oberfranken.

Essen & Trinken
In den beiden Bioläden ebl-naturkost und denn’s Biomarkt gibt es leckere Bio-Gerichte, die meisten davon vegetarisch oder gar vegan.

Bei gutem Wetter geht der Forchheimer „auf die Keller“ am östlichen Stadtrand. Dort sitzt man unter schattigen Bäumen, während das Bier direkt aus den Felsenkellern ausgeschenkt wird. Die Mitnahme von Speisen ist erlaubt und vor allem Vegetariern und Veganern anzuraten. Jedes Jahr um den 26. Juli, dem Feiertag der Heiligen Anna, findet auf dem Kellerberg das Forchheimer Annafest statt, das um die 500.000 Besucher anlockt.

Kultur
Wer sich für Kirchenmusik und geistliche Musik interessiert, etwa von Johann Sebastian Bach oder Gioachino Rossini, sollte eines der hervorragenden Konzerte der Evang.-Luth. Kirchengemeinde St. Johannis besuchen.

Nightlife
In Forchheims Altstadt gibt es mehrere urige Kneipen, in denen man bei einer Halben (zur Auswahl stehen Biere der vier ortsansässigen Brauereien sowie der zahlreichen Kleinbrauereien aus der Fränkischen Schweiz) zusammensitzt und schnell mit den Einheimischen ins Gespräch kommt. Empfehlenswert sind zum Beispiel Zur Funzl (Bamberger Str. 8), Lohmühle (Lohmühlgässchen 2) und Zur Tenne (Sattlertorstraße 20).

Aktiv
Joggingschuhe und Laufklamotten nicht vergessen! Die Region kann nämlich auch in schnellem Tempo erlebt werden. Das Projekt Lauferlebnis Fränkische Schweiz soll den Landkreis Forchheim zur Gesundheitsregion machen. 36 Laufstrecken mit einer Gesamtlänge von 376 km stehen zur Verfügung. Die Rundkurse sind vorbildlich beschildert und unterschiedlich anspruchsvoll, so dass sowohl Anfänger als auch Fortgeschrittene trainieren können.

Ins Grüne
Zum Hineinschnuppern in die Fränkische Schweiz eignet sich eine dreistündige Wanderung aufs Walberla, dem Hausberg von Forchheim. Die Tour ist zur Obstbaumblüte ab Mitte April besonders schön und im unten aufgeführten Buch genau beschrieben. Der Ausgangspunkt Wiesenthau kann von Forchheim in wenigen Minuten mit dem Zug (Bahnstrecke Forchheim – Ebermannstadt) erreicht werden. Von dort steigt man auf die Ehrenbürg mit ihren beiden Gipfeln Walberla und Rodenstein auf und genießt einen herrlichen Blick auf Forchheim, den Steigerwald und die Fränkische Schweiz. Im Anschluss geht es bis Leutenbach bergab. Hier sollte man eines der vorzüglichen Biere des Brauereigasthofs Drummer nicht verpassen. Der Rückweg erfolgt über Kirchehrenbach auf überwiegend flachem Weg um den Rodenstein und das Walberla herum.

Buchtipp
Biergartenwanderungen Fränkische Schweiz von Christof Herrmann und Helmut Herrmann, Heinrichs-Verlag, 2. Auflage 2013, 10,00 EUR, „Der Heinrichs-Verlag Bamberg hat […] zwei neue Wanderführer herausgebracht, die nach meiner Meinung absolute Spitze sind.“ (Die Fränkische Alb, Zeitschrift des Fränkischen Albvereins)

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{ 5 Kommentare }

  • Lucia 7. Mai 2013

    HalloLeute,

    wo die Fränkische Schweiz liegt, wusste ich bisher nicht. Wieder was gelernt. Dass sie zudem so attraktiv ist, wusste ich auch nicht. Danke für die Infos. Sollte ich mal hin.

    In Dresden war ich schon mal. Ich fand die Stadt recht aufregend, wenn auch nicht so schön. Viele Baustellen und Chaos. Ist aber paar Jahre her.

    Liebe Grüße, Eure Lucia

    Antworten
  • Christof Herrmann 8. Mai 2013

    Hallo Lucia,

    ich war noch nicht in Dresden, aber nach allem was ich gehört habe und was Stefanie schreibt, hat sich die Stadt in den letzten Jahren gemausert!

    Die Fränkische Schweiz ist immer ein Besuch wert, wenn man Natur und Mittelgebirge mag. Auch Biertrinker komme auf ihre Kosten, schließlich haben wir hier die höchste Brauereidichte der Welt! Nur zum Ausgehen wird man wohl bis Bamberg, Erlangen oder Nürnberg fahren müssen …

    Viele Grüße aus der Fränkischen,

    Christof

    Antworten
  • Lina Luna 9. Mai 2013

    Hey, danke für’s Einbauen des Kommentar-Plugins! :) Dann werde ich jetzt bestimmt öfter mal was schreiben. Gleich mal gucken, ob’s funktioniert…

    Antworten
  • Christof Herrmann 9. Mai 2013

    Gern geschehen, Lina Luna! Ich hoffe das Plugin funktioniert und freue mich auf Deine Kommentare :-)

    Antworten
  • Steff 13. Mai 2013

    Hi Lucia, hi alle :)

    Wo warst du denn in Dresden? Baustellen gibt’s natürlich immer noch, aber Dresden ist trotzdem schön! Recht klein für eine Großstadt, aber fein und wie gesagt, mit viel Grün – vielleicht muss man wie überall die guten Ecken kennen! Aber is natürlich auch immer Ansichtssache!

    Lg aus Dresden und danke für’s Lesen :)
    Steff

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