Du bezahlst Gegenstände nicht nur mit Geld, sondern vor allem mit Lebenszeit

Du bezahlst Gegenstände nicht nur mit Geld, sondern vor allem mit Lebenszeit. (Foto: Alexas_Fotos von Pixabay)

Time is money – Money is time – Stuff is time

Mehr Geld, mehr Kram, mehr Termine im Kalender, mehr Hamster im Rad. Unsere ach so moderne Welt ist auf Steigerung ausgelegt. Nur freie Zeit und Freizeit gibt es kaum mehr.

Wir übersehen oft, dass wir jeden Gegenstand nicht nur mit Geld, sondern vor allem mit wertvoller Lebenszeit bezahlen (seit Du diesen Artikel liest, ist eine halbe Minute vergangen). „Time is money.“ Aber auch: „Money is time.“ Und eben: „Stuff is time.“

Ist Dir ein 65-Zoll-4K-Fernseher einen Monat Arbeit wert?

Sofern Du nicht geerbt oder eine Bank ausgeraubt hast (und dabei nicht erwischt wurdest), bezahlst Du jeden neuen Gegenstand mit dem Geld, das Du verdient hast.

Um den wahre Wert einer Ware zu erkennen, empfehle ich, vor jedem Kauf auszurechnen, wie lange Du dafür zu arbeiten hast. Für die Berechnung musst Du Dein Nettogehalt pro Stunde, Tag, Monat und Jahr kennen. Wenn Du Dir die Beträge nicht merken kannst, schreibe sie auf ein Zettelchen und stecke diesen in Deinen Geldbeutel.

Angenommen Du beziehst das durchschnittliche Monatsnettogehalt in Deutschland 2018 in Höhe von 1.945 Euro, arbeitest 18 Tage im Monat und hast eine 40-Stunden-Woche. Dann verdienst Du pro Stunde 13,51 Euro und pro Jahr 23.340 Euro. Für einen 3 Euro teuren Cappuccino müsstest Du also 13 Minuten arbeiten, für eine 60 Euro teure Levi’s 501 4,5 Stunden, für einen 2.000 Euro teuren 65-Zoll-4K-Fernseher einen Monat, für einen 25.000 Euro teuren VW Golf 13 Monate und für ein 300.000 Euro teures Einfamilienhaus 13 Jahre.

Dieses Vorgehen reduziert Spontan- und Fehlkäufe auf ein Minimum. Du wirst Dir solche Frage stellen: Ist mir der 65-Zoll-4K-Fernseher wirklich so viel Arbeits- und Lebenszeit wert? Bereichert und verbessert er mein Leben? Kann ich ihn secondhand erstehen? Tut es das alte Gerät nicht noch genauso? Wollte ich nicht eigentlich mal einen Monat ohne Fernseher leben?

Auch die versteckten Folgekosten rauben Lebenszeit

In Deine Entscheidung für oder gegen einen Kauf, solltest Du miteinbeziehen, dass der Gegenstand wahrscheinlich Folgekosten verursachen wird. Diese kannst Du Dir wieder als Stunden auf der Arbeit – oder wenn Du auf den Gegenstand „verzichtest“ – als freie Lebenszeit vorstellen.

Jedes noch so kleine elektrische Gerät verbraucht Strom. Ein Auto muss versichert, versteuert, betankt oder aufgeladen, geparkt, verschönert, gewaschen, gewartet und repariert werden. Selbst Gegenstände wie eine Levi’s 501 ziehen Kosten nach sich, weil die meisten von uns Gebirge an Kram besitzen, die in Kisten, Regalen, Kommoden, Schränken, Wohnungen, Häusern, Kellern, Garagen und Selfstorages aufbewahrt werden müssen.

Jeder Gegenstand buhlt um Deine Aufmerksamkeit

Hinzukommt, dass jeder neuen Gegenstand per se Zeit frisst, denn er will verwendet, aufbewahrt, archiviert, gewartet, gepflegt, entstaubt, upgedated oder was auch immer werden. Mit Wertschätzung ist das kaum noch möglich, wenn schon so viele andere Gegenstände um Aufmerksamkeit buhlen.

Wachstumskritiker Niko Paech sagt: „Wir sind doch längst überfordert und erschöpft. Eine Studie hat ergeben, dass ein Bundesbürger durchschnittlich 10.000 Dinge besitzt. Dienstleistungen kommen noch hinzu. Wie sollen wir das verarbeiten, wenn einerseits jedes Ding seine Zeit verlangt, der Tag aber andererseits nur 24 Stunden hat?“

Der Ausweg aus dem Kram-Arbeit-Zeit-Dilemma: Lebe einfach einfach

Stell Dir vor, wie günstig Du wohnen würdest und wie viel Lebenszeit Du zur Verfügung hättest, wenn Dein gesamter Besitz in einen Rucksack und eine Tasche passen würde. Manche digitale Nomaden und „extreme“ Minimalisten leben so. Ich will damit nicht sagen, dass Du dem nacheifern musst. Ich lebe auch nicht so. Aber ich möchte veranschaulichen, dass Kram viel Zeit bindet.

(D)eine Ausweg aus dem Kram-Arbeit-Zeit-Dilemma liegt nahe: Lebe einfach einfach. Finde das für Dich passende Maß. Kaufe nur Gegenstände, die Du Dir leisten kannst und willst. Reduziere Deinen Besitz, bis Du nur noch Gegenstände hast, die Dein Leben erleichtern oder bereichern.

Wenn Dir dann danach ist, kannst Du Deine Arbeitszeit reduzieren, ein Sabbatical einlegen, eine Selbstständigkeit riskieren oder früher in Rente gehen. „Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet“, lautet eines der fünf Dinge, die Sterbende am meisten bereuen.

Auch wenn Du Dein Arbeitspensum beibehältst, wird sich vieles zum Guten wenden – weil Du nun den wahren Wert der Gegenstände kennst, weniger konsumierst und mehr Lebenszeit mit Deinen Leidenschaften und Lieben verbringst.

Um keine Artikel zu verpassen, kannst Du Dich hier mit mir verbinden: Newsletter, RSS-Feed, Facebook, Twitter

{ 36 Kommentare }

  • Steffen 20. Mai 2019

    Hallo Christoph,
    da hast du wieder einen sehr feinen, weil thematisch wichtigen, auf den Punkt gebrachten und schön geschriebenen Artikel verfasst.
    Den Vorschlag mit dem Zettelchen im Geldbeutel finde ich besonders gut. Werde ich machen. Bisher kannte ich noch nicht mal meinen Stundenlohn. Es hat mich etwas geschockt wie lange ich für manchen Konsum-Quatsch auf „rumhocken“ muss.
    Grundsätzlich bin ich schon auf dem richtigen Weg. Ich habe meinen Konsum reduziert, auch durch die vielen Tips auf deiner Seite hier. Danke dafür!
    Viele Grüße aus dem Norden
    Steff

    Antworten
    • Christof Herrmann 20. Mai 2019

      Hallo Steffen,

      freut mich, dass Du schon paar meiner Tipps umgesetzt hast. Kannst ja mal berichten, wie das mit dem Zettelchen bzw. mit der Berechnung geklappt hat.

      Viele Grüße aus dem Süden

      ChristoF

      Antworten
  • Dario schrittWeise 20. Mai 2019

    Hallo Christof, ein schöner Beitrag. Ich bin in erster Linie ein Bücher- und Filmsammler. In meiner persönlichen Bibliothek stecken auch viele Arbeitsstunden 😉 📖📕📀 Ich werde wieder öfters in die Stadtbibliothek gehen und Bücher/Filme spenden. Liebe Grüße, Dario 🙂

    Antworten
    • Christof Herrmann 20. Mai 2019

      Danke, Dario. Da freut sich die Stadtbibliothek und wird Deine Sammlung etwas übersichtlicher :-)

      Antworten
  • Ute Stumpf 21. Mai 2019

    Der Wert einer Sache ist die Menge Leben, die ich früher oder später dafür geben muss. Keine Ahnung von wem dieser Satz ist, aber er ist sehr alt. Und bitte: „Sache“ auf vielen Ebenen denken… Tätigkeit, Angewohnheit, Ritual, aber eben auch gegenständliches. Genauso kann das „ich“ auch für „wir“ stehen… damit relativiert sich richtig viel.

    Antworten
    • Christof Herrmann 21. Mai 2019

      Ich habe mich auf Gegenstände beschränkt, damit der Artikel nicht zu aufgebläht wird. Aber auch bei Dienstleistungen, Urlaube, Besuche, Termine und Tätigkeiten ganz allgemein macht es Sinn, sich zu überlegen, ob man die Zeit und das Geld inkl. all der Folgen wirklich dafür aufwenden möchte. Ich kenne Leute, die praktisch jedes Wochenende unterwegs sind. Teilweise sitzen sie länger im Auto/Zug/Bus/Flugzeug als der Aufenthalt am Ziel dauert. Da frage ich mich schon, ob sie wissen, was sie sich da antun, zumal sie oft am Montag gestresster sind als am Freitag.

      Antworten
  • Jana 21. Mai 2019

    Hallo Christof!
    Wieder mal ein sehr interessanter Beitrag, der es auf den Punkt bringt. Wer denkt schon ständig daran, den Kaufpreis in Arbeitsstunden umzurechnen. Wichtig wäre es aber. Stattdessen erwische ich mich oft dabei, wie ich den Preis von Euro in DM umrechne um dann festzustellen, dass ich mir für diesen hohen DM-Preis das Ding damals nie gekauft hätte. Das hat mich schon von vielen Kaufentscheidungen abgehalten ;-). Ich glaube das wird bestimmt noch krasser ausfallen, wenn man den Euro in Arbeitsstunden umrechnet. Man müsste aber vom Nettogehalt noch die laufenden Kosten wie Lebensmittel, Miete, Strom, Versicherungen etc. abziehen und erst das was am Ende übrig bleibt, für den freien Konsum rechnen. Bei den meisten ist das so wenig, dass man nicht einen Monat für einen Fernseher, sondern 5 Monate dafür arbeiten müssten. Bevor man shoppt, müssen ja erstmal die wichtigsten Lebenshaltungskosten gedeckt sein. Das vergessen viele und wundern sich dann wieso sie schon wieder im Dispo gelandet sind.
    Ich lasse zum Beispiel Versicherungen einmal pro Jahr abbuchen (ist billiger), lege dafür aber jeden Monat 1/12tel des Betrages zurück. Wenn dann mit einmal abgebucht wird, habe ich den Betrag problemlos zusammen und brauche nicht wegen der hohen Summe erschrecken. Genauso machen wir das mit Ausgaben für Urlaube, Auto, und Extras wie Waschmaschine, TV etc….erst ansparen und dann ausgeben wenn genug Geld zusammen ist. Da kriegt man ein gutes Gefühl dafür, wie lange es dauert bis man sich ein Auto, Urlaub etc. leisten kann. Und überlegt sich dreimal ob diese Ausgabe denn sein muss oder ob das Geld nicht besser weiter gespart wird ;-)
    LG Jana

    Antworten
    • Christof Herrmann 21. Mai 2019

      Hallo Jana,

      vielen Dank für Deine hilfreichen Ergänzungen und Gedanken. Den Vorschlag (für die Älteren unter uns), etwas in DM-Preise umzurechnen, finde ich gut. Für einen Kaffee zahlt man an manchen Orten schon vier Euro und mehr. Kein Mensch hätte früher 8 DM dafür ausgegeben.

      EBG

      Christof

      Antworten
      • Cara 6. Juli 2019

        Für mich sollte jeder der heute noch in DM umrechnet auch so fair sein und für die damaligen Preise für jedes Jahr ca 2% Inflation draufrechnen. Ein Kaffee für damals 2,50DM würde auch in DM heute mehr kosten! Nichtsdestotrotz, ja, manche Sachen sind wirklich unverhältnismässig teurer geworden. (Ausser Elektroartikel, wenn ich mir überlege, wieviel Lebenszeit einfach nur als Beispiel damals mein Taschenrechner gekostet hat und wie diese Dinger dann oft ‚Werbegeschenke‘ wurden und heute im Smartphone bereits enthalten sind,….) Man sollte den Wert einer Sache kennen, wenn man sie sich zulegt und aber auch den Bedarf, ob man sie wirklich braucht. Und man sollte immer in der Lage sein, sich an den Wert einer Sache im Laufe des Gebrauchs zu erinnern.
        Ein Artikel, der zum Nachdenken anregt, und zur Diskussion!
        Danke dafür!
        Cara

        Antworten
  • Angelika 21. Mai 2019

    Danke, Christof, für diesen Artikel. Gerade beim Thema Fernseher bin ich sehr empfindlich. Es gab Zeiten in meinem Leben, in denen ich viel zu viel Zeit vor dem Fernseher verbracht habe. Seit fast zwei Jahren habe ich keinen mehr. Habe ihn einfach beim Auszug aus dem Haus stehen lassen und vermisse nichts, denn Wichtiges kann ich mir auf dem Laptop anschauen. Bei einem Freund sehe ich gerade den umgekehrten Weg. Nach der Trennung von seiner Lebensgefährten entschied er sich (auch gezwungenermaßen) für einen einfachen Lebensstil. Seine berufliche Laufbahn ging bergab und er konnte erst einmal ergründen, was er wirklich möchte. Seit einigen Jahren lebt er in einer neuen Beziehung, anfangs auch ziemlich bescheiden. Doch dann ging es beruflich steil bergauf und er begann, wieder Dinge zu horten. Unter anderem musste ein riesiger Fernseher her. Was auf der Strecke blieb, waren ein Teil der Freunde, keine Zeit mehr. Einen Vorteil hat dies für mich: Ich überlege gründlicher, worauf ich mich einlasse, wofür ich meine Zeit nutze. Denn die kommt nie wieder. Einen schönen Tag wünsche ich allen, die dies lesen.

    Antworten
    • Christof Herrmann 21. Mai 2019

      Ich halte den Fernseher für einen der schlimmsten Zeitkiller. Der TV-Konsum der Deutschen lag 2018 im Durchschnitt bei 217 Minuten pro Tag. Das sind über 3,5 Stunden!

      Wünsche Dir auch einen schönen Tag!

      Christof

      Antworten
  • Phil 21. Mai 2019

    Dieser Artikel ist für viele sicherlich ein Augenöffner. Auch der Kommentar von Jana gefällt mir sehr gut.

    Wir denken häufig gar nicht daran, wie lange wir arbeiten müssen, bis wir Miete, Hobbys, Lebensmittel und den Unterhalt für unseren Krimskrams abbezahlt haben. Teilweise landen wir erst mit den letzten Arbeitstagen des Monats im Plus, während wir die ersten Wochen für unseren Vermieter und unser Gerümpel arbeiten.
    Auch die Zeit fürs Pendeln wird häufig vergessen. Wer 8 Stunden pro Tag arbeitet und 2 pendelt, sollte seinen Tageslohn durch 10 statt durch 8 teilen, um seinen Stundenlohn zu errechnen. Und natürlich die durch das Pendeln entstehenden Kosten von seinen Einnahmen abziehen.

    Antworten
    • Christof Herrmann 21. Mai 2019

      Absolut, angenommen man pendelt täglich eine Stunde weniger (30 Minuten morgens, 30 Minuten abends), weil man z. B. den Arbeitsplatz wechselt oder näher an die Arbeit zieht, dann sind das pro Jahr 220 Stunden, also über 9 volle Tage bzw. 28 Arbeitstage. In einem Berufsleben kommen rund 400 volle Tage bzw. 3200 Arbeitstage zusammen. Was bin ich froh, dass ich nur 10 Meter zu meinem Arbeitsplatz habe :-)

      Antworten
  • JayPee 22. Mai 2019

    Hallo,
    auf meinem Weg zu einem einfacheren Leben ist ein weiterer Zeitfresser für mich eine gute Motivation: Die Zeit, die man benötigt um den ganzen angehäuften Krempel wieder loszuwerden! Das Aufräumen, Entrümpeln, die Entscheidung was weg kann, verkaufen, verschicken, als Spende abliefern oder schlimmstenfalls entsorgen kostet auch wieder Zeit und Nerven.
    Grüße
    JayPee

    Antworten
    • Christof Herrmann 22. Mai 2019

      Hallo JayPee,

      fürs Entrümpeln braucht man fraglos Zeit. Du meinst aber nicht, dass man erst gar nicht damit anfangen soll, sondern dass man nach dem Entrümpeln nicht wieder zurümpeln soll, um später nicht abermals mühsam entrümpeln zu müssen, oder?

      Grüße

      Christof

      Antworten
      • JayPee 23. Mai 2019

        Hallo Christof,

        genau das meine ich. Ich habe immer noch zu viel Krempel, und der Aufwand und die Zeit den wieder loszuwerden bringt mich zwar weiter, aber würde meine Zeit trotzdem lieber für etwas anderes einsetzen. Das habe ich im Hinterkopf, wenn ich mir etwas Neues kaufe. Brauche ich das wirklich und/oder wird es mir Freude machen? Denn wenn nicht, ist das wieder ein Teil, dass ich in ein paar Monaten/Jahren mit zusätzlichem Aufwand wieder loswerden will/muss.

        Dieser Überlegung ist schon der eine oder andere Kauf zum Opfer gefallen, und im Nachhinein war das gut so.

        Grüße
        JayPee

        Antworten
        • Christof Herrmann 23. Mai 2019

          Interessanter Aspekt. Wenn der Aufwand auszumisten größer ist als der Nutzen, ist vielleicht wirklich zu überlegen, ob man es bleiben lässt. Wenn man mit etwas System ausmistet, lohnt sich das meiner Meinung nach aber auf lange Sicht immer. Es ist ja nicht nur der Zeitfaktor zu betrachten. Mit weniger Ballast zu leben, hat weitere Vorteile. Ich verweise an dieser Stelle gerne noch mal an meinen Blogartikel 8 Probleme, die ein einfaches Leben lösen kann.

          Grüße

          Christof

          Antworten
  • Manfred Zorn 23. Mai 2019

    Hallo Christof,
    Du bringst das Leben wieder auf den Punkt.
    💕 lichen Dank für diene super Anregungen.
    Sie verhelfen mir immer wieder zu einer Bewusstseinsveränderung bzw. Bewusstseinserweiterung.

    Antworten
    • Christof Herrmann 23. Mai 2019

      Hallo Manfred,

      freut mich, dass Du mein Geschreibsel wertvoll findest.

      Frage mich, wie Du diese Herzchen in den Kommentar reingebracht hast. Mein System scheint da leider minimalistisch zu sein ;-)

      Viele Grüße

      Christof

      Antworten
  • Ursula 24. Mai 2019

    Toller Artikel und Anregungen. Bin soweit durch mit dem Aussortieren, leichter werden. Allerdings hat es da noch die eine oder andere Baustelle fehlt mir aber die Motivation gerade. Und ja ich bin beim Einkaufen und dann denke ich ach und dafür muss ich jetzt
    xxx Stunden arbeiten da blieb und bleibt schon einiges auf dem Band etc. liegen. Ein paar Schuhe 119 Euro sind ja doch 235 DM für dieses Geld hätt ich mir früher nie Schuhe gekauft….aber gute Qualität ist nicht drunter zu bekommen. Ergo. Gibt es eben nur 1 oder 2 Paar Schuhe und nicht wie früher die roten, die schwarzen Lack, die mit Absatz, die ohne Absatz, die mit Glitzer, die mit Riemen, und und und…. es geht auch so und nicht schlecht.

    Mein Sorgenkind ist der Dispo. Da tut sich seit einem halben Jahr gar nix er will nicht weiter runter. Ich schaffe es zwar dass es so bleibt aber ich denke jetzt müsste es dann einen „Rucker“ machen, da einige Kosten, Schulden zwischenzeitlich weggefallen sind, Abos ausgelaufen sind und die Hausrate niedriger wird ab nächsten Monat.

    Bin nur gerade am überlegen. Zack so schnell wie möglich auf null oder doppelt arbeiten – sparen und Dispo tilgen…. bisher hab ich beides gemacht. Guten Notgroschen hab ich inzwischen.

    Ausgaben sind minimiert, Haushaltsbuch wird geführt. Nachhaltigkeit zieht immer mehr ein. Vielleicht bin ich zu ungeduldig.

    Rückblickend gilt: Selber Schuld aber… es kam immer wieder was doofes dazwischen – höhere Arztkosten, Autounfall, div. Reparaturen im Haus, Therapien die keiner zahlen wollte etc. eben und immer gerade dann wenn es dann mal gerade so gut lief und alles im Reinen war, einfach zu viel Mist gekauft wurde schon benutzt und gebraucht aber wirklich nötig war das auch nocht.

    Strich drunter. Es wird. Und es brauchte eben doch seine Zeit bis alles greifte und wirkte. Ende 2013 hab ich angefangen, zögerlich, zaghaft immer mehr und dann auch mal Tabularasa.

    LG
    Ursula und Danke für die inspierenden Posts

    Antworten
    • Christof Herrmann 25. Mai 2019

      Vielen Dank für Dein Lob und Deinen ausführlichen Kommentar.

      Es gibt einen Trick, mit dem man nie wieder in den Dispo kommt: Man hat keinen bzw. lässt ihn von der Bank löschen. Ich habe das so bei meinem letzten Bankwechsel vor rund 10 Jahren so einrichten lassen. So komme ich nie in die Verlegenheit hohen Dispozinsen zahlen zu müssen. Es hilft mir, unter meinen Verhältnissen zu leben. Nur einmal in den zehn Jahren konnte ein Dauerauftrag nicht ausgeführt werden, weil ich nicht ausreichend Guthaben auf dem Girokonto hatte. Habe aber nicht mal eine Mahnung bekommen und habe die Überweisung dann paar Tage späte getätigt.

      Viele Grüße

      Christof

      Antworten
      • Ursula 26. Mai 2019

        Danke – ja das mach ich bereits sobald der Dispo wieder ein stückweit unten ist reduziere ich den – geht ganz praktisch da ich es online machen kann. Und hab ich eh vor, sobald der weg ist wird es keinen mehr geben.

        LG
        Ursula

        Antworten
  • Janina 27. Mai 2019

    Super Artikel! Kann dem nur zustimmen. Als ich meine Wohnung ausgemistet habe und dann auch darauf geachtet habe, den übrig gebliebenen Dingen einen Platz zu geben, der es einfach macht zu putzen, habe ich bestimmt die Hälfte an Putzzeit eingespart. Wertvolle Zeit, die ich jetzt in meine Ziele, Entspannung oder meine Lieblingsmenschen stecken kann.
    Finde es immer wieder schön, daran erinnert zu werden, wie viel einfacher mein Leben dadurch geworden ist. Vielen Dank dafür!
    Alles Liebe
    Janina

    Antworten
  • Tanja Heller 29. Mai 2019

    Ich hatte noch nie einen Dispo. Noch nie was mit Karte gezahlt. Noch nie einen Kredit. Noch nie Schulden. Dein – für mich – bester Artikel, lieber Christof.

    Ich hab gerade vom Wandern geträumt. Es war schrecklich :))

    Antworten
    • Christof Herrmann 29. Mai 2019

      Du machst alles richtig – außer dass Du Deine Wanderphobie immer noch nicht besiegt hast ;-)

      Antworten
  • Thomas 29. Mai 2019

    Dein Artikel hat gleich wieder den nächsten Energieschub geliefert, überflüssigem Zeug den Kampf anzusagen und es langsam aber sicher ziehen zu lassen, Stück für Stück, immer mehr.

    Und, nicht nur einmal sondern mehrfach vorher zu überlegen: Brauch ich das? Will ich das? Oder ist es nur eine vorrübergehende Flause im Kopf? Meist entpuppt es sich dann als letzteres und etwas nicht gekauft zu haben macht mich hinterher glücklicher weil ich dem Wunsch widerstehen konnte.

    Gruß
    Thomas

    Antworten
    • Christof Herrmann 30. Mai 2019

      Ich habe sogar festgestellt, dass die Kaufflausen oft verflogen sind, wenn ich eine Nacht drüber schlafe. Dann habe ich Zeit und Geld, die anderen Flausen umzusetzen. Sachen machen, anstelle Sachen kaufen.

      Gruß

      Christof

      Antworten
  • Kristin 30. Mai 2019

    Hej Christoph,
    ausrechnen wie lang ich für etwas arbeiten müsste…kommt mir bekannt vor. :)
    Wunderbar ist der Moment, in dem man erkennt, dass man eigentlich alles was man braucht (und leider noch viel mehr) besitzt, und eigentlich gar nichts mehr kaufen braucht.
    Liebe Grüße, Kristin

    Antworten
    • Christof Herrmann 31. Mai 2019

      Hey ho Kristin,

      noch wunderbarer wird es, wenn Du das „noch viel mehr“ loslässt :-)

      Viele Grüße

      ChristoF

      Antworten
  • Charlotte 3. Juni 2019

    Vielen herzlichen Dank für diesen Artikel – und auch deine HP insgesamt –
    Immer wieder wenn ich versucht bin, in die alte Schiene „ich kaufe also bin ich“ zu rutschen, schaue ich bei dir vorbei und im Regelfall ist der Kaufanfall dann vorbei, bin ich wieder in der richtigen Spur. Was sich auch bewährt hat: Sachen zurückhängen lassen (bzw.nicht mit dem gefüllten Warenkorb und noch mal eine Nacht drüber schlafen. Meist habe ich es am nächsten Tag schon vergessen.
    Es ist mir aufgefallen, dass ich immer dann kaufen will, wenn irgendetwas nicht so richtig rund läuft. Stichwort: Ersatzbefriedigung

    Antworten
    • Christof Herrmann 4. Juni 2019

      Vielen Dank für Dein Lob!

      Zu erkennen, warum man gerade etwas kauft, ist die halbe Miete. Oft brauchen wir das Objekt unserer Begierde ja gar nicht, sondern etwas anders wie Entschleunigung, Ruhe, Sinn, Aufmerksamkeit oder Liebe.

      Antworten
  • Daniel Frerix 7. Juni 2019

    Hey Christoph!
    Dieser tolle Artikel zum Thema „Minimalismus und (Lebens-)Zeit“ trifft auf genau meine Art und Weise zu denken. Trotzdem „investiere“ ich gern in sehr hochwertige Gegenstände, von denen ich glaube, dass sie einen langfristigen Werterhalt mit sich bringen könnten. Manchmal macht eine LEVIS 501 für mich sogar Sinn. Vor allem bei Möbeln fällt mir dies sehr auf. Hier investiere ich lieber 1x im Leben in ein (am besten gebrauchtes) Designerstück / Handarbeit, als 10x in die Billigware aus dem Möbelhaus.
    Liebe minimalistische Grüsse
    Daniel

    Antworten
    • Christof Herrmann 7. Juni 2019

      Hallo Daniel,

      klar, hin und wieder (ge)braucht man etwas und gibt es keine Alternativen zum Neukauf. Eine im fernen Asien unter kritischen Bedingungen hergestellte Levis 501 muss es nicht sein. Die letzte Jeans, die ich gekauft habe, war eine Fairjeans.

      Einfach bewusste Grüße

      ChristoF

      Antworten
  • Ralf 13. Juni 2019

    Hi Christoph,
    das alles stimmt natürlich – nur – was ist „Lebenszeit“ eigentlich? Ist das unbedingt streng getrennt von: Arbeitszeit?
    Mein Beispiel:
    Ich lebte die letzten Jahre auf dem Land (bin aber eigentlich ein „Großstadtkind“).
    Wegen der ganzen Pendelei zum Arbeitsplatz habe ich meine Arbeitszeit reduziert (6h/Tag).
    Nun bin ich wieder direkt ins Stadtzentrum gezogen (Nürnberg Lorenz).
    Und nun?
    Erst mal cool – so viel Freizeit – und, es wird ja Sommer :)
    Nur – realistisch gesehen: Ich arbeite derzeit (freiwillig – könnte die Zeiten auch anders legen) von 6:00-12:00.
    Da bleibt ganz viel Lebenszeit :)
    Zu viel?
    Man kann sich natürlich mit sich beschäftigen – gesunde Ernährung, Vitamix, Smoothies machen… tue ich auch, aber… also, LEBEN ist anders – sorry.

    Um mal das Extrem zu wählen: Wieder Vollzeit arbeiten (hätte immer noch genug Freizeit) – und 400 PS auf BMW Basis verbrettern – hätte schon auch was.
    Klar – ich kenne das – und: Es hat auch nur zum Achterbahnfeeling beigetragen – schnell langweilig.

    Aber der simple Rat: „Mehr Zeit mit Freunden verbringen“ greift zu kurz.
    Es ist verdammt viel Zeit, die ich habe.
    Diese Zeit haben Freunde oft nicht (keine Lust, Beruf – einfach KINDER).

    So – und nun – wohin führt *mich* der Minimalismus, was ist das Ziel – und: WOZU?

    Antworten
    • Christof Herrmann 14. Juni 2019

      Hallo Ralf,

      Lebenszeit ist für mich Qualitätszeit, also die Zeit, die mir im Leben noch bleibt und die ich mit Tätigkeiten füllen kann, die mich erfüllen. Auch meine Arbeit als Autor ist für mich oft Qualitätszeit, weil ich meist gerne schreibe und blogge. Trotzdem macht diese Kram-Arbeit-Zeit-Rechnung Sinn, weil das zum einen unnötige Käufe vermeidet und das zum anderen den Fokus auf die Arbeit hinterfragt. Der ist bei vielen sehr ausgeprägt, was sich negativ auf fast alle Lebensbereiche auswirkt, z. B. auf das Stresslevel, die Gesundheit, die Wohnsituation.

      Was Du aus Deinem Minimalismus, der vielen freien Zeit und Deinem Leben machst, kannst nur Du herausfinden. Vielleicht wird es dazu mal einen Blogartikel geben. Unter dem Stichwort Ikigai gabs im Blogartikel 12 Ideen, wie Du im neuen Jahr einfacher und bewusster leben kannst zumindest paar Gedanken dazu.

      Übrigens zählt für mich zu einem guten Leben sehr wohl ein gutes Buch zu lesen oder mir etwas gesundes leckeres Essen zu kochen, aber auch mich durch die Natur zu bewegen und natürlich Freunde, Familie, Menschen, mit denen ich kommuniziere, Zeit verbringe oder die ich unterstütze.

      Viele Grüße

      ChristoF

      Antworten

Hinterlasse einen Kommentar (Infos zur Kommentarfunktion und der Speicherung der Daten findest Du in meiner Datenschutzerklärung)