Leidenschaften: Warum Du sie pflegen solltest und wie Dir Minimalismus dabei hilft

6. Juni 2021 - von Christof Herrmann - 18 Kommentare
Leidenschaften: Warum Du sie pflegen solltest und wie Dir Minimalismus dabei hilft (Foto: Christof Herrmann, 2020)

„Ein Mensch ohne Leidenschaft ist ein Steinbild ohne Leben.“ (Augustinus von Hippo)

Kenne Deine Leidenschaften

Leidenschaften sind das Salz in der Lebenssuppe.

Notiere doch mal Deine Leidenschaften und Passionen auf einem Blatt Papier. Hobbys, Menschen, zum Beispiel Deine Kinder, ehrenamtliches Engagement, aber auch Dein Job und Gegenstände wie Dein Auto – alles ist erlaubt.

Fällt es Dir schwer, die Liste zu erstellen, können Dir die folgenden Fragen weiterhelfen: Was oder wer macht Dich glücklich? Worüber redest Du gerne? Bei welcher Tätigkeit vergisst Du alles um Dich herum? Was hast Du schon als Kind geliebt?

Meine Leidenschaften sind Wandern, Lesen und Schreiben, Freunde treffen und meine Vandergruppe, Musik hören, Vinyl sammeln und ausstellen sowie Kochen und Essen.

Mit Leidenschaft Großes vollbringen

Leidenschaften sind wichtig für eine glückliche Existenz. Sie geben Deinem Leben Sinn und bereichern Dich. Wenn Du etwas mit Leidenschaft tust, wirst Du darin viel schneller und leichter besser, als wenn Du etwas tust, weil Du es tun sollst oder musst. Wirklich Großes wirst Du eh nur bei Deinen Leidenschaften erreichen. Dann bleibst Du auch dabei und beißt Dich durch, wenn Du es nur mit Leiden zum nächsten Schritt oder ans Ziel schafft.

Je besser Du weißt, mit wem und was Du Deine Lebenszeit verbringen willst, desto einfacher kannst Du Dich für oder gegen etwas entscheiden. Eine Absage ist dann nicht unangenehm, sondern eine bewusste Zusage für etwas anderes. Wer das erkennt und umsetzt, wird dafür sorgen, dass die eigenen Leidenschaften nicht in den Ablenkungen und Verpflichtungen des Alltags untergehen.

Das Leben wäre fahl, wenn es nur aus Leidenschaften bestehen würde. Ständig nach dem nächsten Kick und dem kurzfristigen Glücksgefühl zu gieren, ist oft Ausdruck innerer Leere. Das hat dann nichts mit glücklich machender Leidenschaft zu tun, sondern ist ungesunde Sucht.

Minimalismus bedeutet, nicht auf allen Hochzeiten zu tanzen

Die minimalistische Lebensweise hilft Dir dabei, Deine Leidenschaften zu pflegen.

Beim Minimalismus geht es darum, den Ballast ausfindig zu machen und diesen dann zu reduzieren. Dazu zählen materieller Überfluss, ständige Ablenkungen, vermeintliche Verpflichtungen und ungesunde Beziehungen.

Du tanzt also bewusst nicht mehr auf allen Hochzeiten. Dadurch gewinnst Du wertvolle Lebenszeit für die Dinge, die Dir wichtig sind. Plötzlich kannst Du öfter Deinen Leidenschaften nachgehen und Träume verwirklichen.

5 Wege, wie Du Zeit für Deine Leidenschaften gewinnst

Du findest auf der Minimalismus-Themenseite sowie in meinem Ratgeber „Das Minimalismus-Projekt“ zahlreiche Tipps, wie Du einfach einfacher leben kannst und dadurch mehr Zeit und Muse für Deine Leidenschaften gewinnst. Es folgen fünf Ideen zum Einstieg.

  1. Identifiziere Deine digitalen Zeitfresser – und eliminiere sie. E-Mails, Internet, Messenger, Apps, SMS, Alexa, Netflix, Fernsehen, Radio, Telefon – irgendwas bimmelt, brummt oder buhlt immer. Manches davon ist nützlich oder unterhaltsam. Das wirkliche Leben findet aber offline statt. Wenn Dir das bewusst ist und Du Dein digitales Nutzungsverhalten kennst, wirst Du motiviert sein, Dich öfter zu entkoppeln. Du wirst nichts verpassen. Im Gegenteil, Du wirst Dich im Singletasking dem zuwenden, was Dir wirklich wichtig ist.
  2. Trage Termine für Deine Leidenschaften in den Kalender ein. Diesen Kniff empfehle ich, wenn Du mit Job, Familie, Haushalt & Co. sehr ausgelastet bist. Plane kleine Auszeiten ein, die Dir guttun, etwa eine halbe Stunde Meditation oder einen Abend im Kino. Sorge dafür, dass Du und Dein Umfeld sich daran halten und nicht wieder etwas dazwischen kommt.
  3. Lerne, Nein zu sagen. Menschen, die wenig Zeit für sich selbst haben, neigen dazu, schwer Nein sagen zu können. Sie wollen in der Freizeit nichts verpassen. Auf der Arbeit halsen sie sich mehr auf, als sie müssten und ihnen guttut. Den Mut aufzubringen, Nein zu sagen, wirst Du als äußerst befreiend empfinden. Energie, Freude und Zeit kehren zurück.
  4. Wohne kleiner. Das eigene Zuhause ist bei uns meist der größte Zeit- und Geldfresser. Es muss gemietet, geplant, gebaut, bezahlt, gefüllt, aufgeräumt, geputzt, instandgehalten usw. werden. Wer sich dafür verschuldet, begibt sich auf Jahre in finanzielle und zeitliche Abhängigkeit. Gegen all das ist nichts einzuwenden – solange die Wohnung oder das Haus Deine Leidenschaft ist. Sind Dir andere Dinge wichtiger, solltest Du in Betracht ziehen, auf kleinerer Wohnfläche zu leben.
  5. Mache Deine Berufung zum Beruf. Der chinesische Philosoph Konfuzius empfahl schon vor 2500 Jahren: „Wähle einen Beruf, den du liebst, und du brauchst keinen Tag in deinem Leben mehr zu arbeiten.“ Ich unterstreiche das. Seit ich mich vor gut acht Jahren selbstständig gemacht habe, verdiene ich mit meinen Leidenschaften Schreiben und Wandern meine Vollkornbrötchen. Auch wenn Du nicht gleich in Deinen Traumjob wechseln kannst, gibt es vielleicht Wege, Deine Interessen und Stärken mehr einzusetzen. Vereinbare einen Termin mit Deinem Vorgesetzten oder der Personalabteilung.

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18 Kommentare für “Leidenschaften: Warum Du sie pflegen solltest und wie Dir Minimalismus dabei hilft”

  1. „Dann bleibst Du auch dabei und beißt Dich durch, wenn Du es nur mit Leiden zum nächsten Schritt oder ans Ziel schaffst.“

    Das ist doch endlich mal eine Begründung für das Wort Leidenschaft, mit der ich was anfangen kann. :-) Bisher beäugte ich es eher misstrauisch und verwende es ungern. Aus meiner Sicht wird Leiden als Notwendigkeit für Entwicklung sehr überschätzt.
    Aber dieser Satz gefällt mir, der passt! Danke dafür.

    Mit glücklich berührten Grüßen,
    Amrita

  2. Ein inspirierender Text. Da will ich mich gleich meinen Leidenschaften widmen. Die kommen nämlich tatsächlich viel zu kurz. Der Alltag, die Ablenkungen…

  3. Lieber Christof,
    Dein Artikel hat mich sehr zum Nachdenken gebracht, denn ich bin immer wieder versucht, zu viele „Leidenschaften“ anzuhäufen, weil es doch so viele tolle Dinge gibt, die ich machen möchte! Tatsächlich habe ich dann aber für die einzelnen Dinge viel zu wenig Zeit – einfach, weil es zu viele sind! Ich werde mich da also mal minimalistisch ans Aussortieren begeben und gucken, was WIRKLICH meine Leidenschaften sind – und dazu muss ich meine Sorge, was zu verpassen auch über Bord schmeißen!
    Nachdenkliche Grüße,
    Andrea

    1. Weniger ist oft mehr – wohl auch bei den Leidenschaften. Ich habe mich früher mit viel mehr Dingen und Menschen beschäftigt. Tut gut, sich auf weniger konzentrieren zu wollen und können.

      Viele liebe Grüße

      Christof

    2. Hallo Andrea,

      klingt, als gehörst du zu den Scanner-Persönlichkeiten. Das sind Menschen, die zu viele Leidenschaften haben, die mitunter auch wechseln; die das Gefühl haben, etwas zu verpassen, wenn sie sich für eine Sache entscheiden; die zu wenig Zeit haben, um allen Interessen gerecht zu werden … Mir geht es da ganz ähnlich. Die Beschäftigung mit diesem Thema hat mir jedoch geholfen, besser damit umzugehen und meine Leidenschaften zu managen. Vielleicht hilft auch dir das weiter. 😊

      @Christof: Ein gelungener Beitrag! Es ist wirklich ein Privileg, seine Leidenschaften zum Beruf zu machen. Umso wichtiger finde ich es, seinen Interessen in der Freizeit genügend Aufmerksamkeit zu schenken, falls man die Möglichkeit, damit Geld zu verdienen, nicht (oder noch nicht) hat. In jedem Fall sehe ich es als große Erfüllung an, wenn man sich Zeit für das nimmt, was man liebt. Und der Minimalismus hilft mir dabei, diese Zeit zu finden.

      Liebe Grüße

      Annabel

  4. „Eine Absage ist nicht unangenehm, sondern eine bewusste Zusage für etwas anderes.“

    Diesen Satz habe ich mir aus deinem Text herausnotiert und vor mir an die Pinnwand geheftet. Denn: Wie viele Termine und Aufgaben übernehme ich nur, weil ich das Gefühl habe, es gehöre sich eben so und nicht etwa, weil ich wirklich Lust dazu habe? Künftig werde ich meinen Fokus darauf richten, welchen Freiraum eine freundliche Absage schafft.
    Vielen Dank für Deinen Text, Christof!

    1. Fühle mich geehrt, an Deiner Pinnwand zu hängen :-)

      Ich denke, man muss seine ganz persönliche Balance finden. Sich nur für andere aufzuopfern ist ungesund, nur an sich zu denken und sein Ding durchzuziehen aber auch. Wichtig ist, dass man bewusste Entscheidungen trifft. Dann ist es erfüllend, für andere etwas zu tun, jemanden einen Gefallen zu tun. Und dann hat man auch kein schlechtes Gewissen, wenn man sich Zeit für sich und seinen Leidenschaft nimmt.

      Viele Grüße

      Christof

  5. Lieber Christof,

    vor allem Punkt eins empfinde ich als große Herausforderung. In Zeiten, in denen die Medien allgegenwärtig sind, bedarf es großer Achtsamkeit, um zu bemerken, wem oder was wir unsere wertvolle Aufmerksamkeit schenken.
    Zum Glück kann man jeden Tag üben : ).

    Liebe Grüße
    Johanna

    1. „Zum Glück kann man jeden Tag üben :-)“ – das hast Du schön gesagt.

      Ich wollte gestern Abend vor dem Schlafen ein, zwei Stunden lesen. Dann habe ich aufs Handy geschaut, um noch schnell eine Nachricht zu beantworten. So kam es, dass ich eineinhalb Stunde auf den Bildschirm gestarrt habt und dann zu müde zum Lesen war. Heute Abend mach ich es besser! Wahrscheinlich. Vielleicht. ;-)

      Liebe Grüße

      Christof

  6. Lieber Christof,
    Dein Text ist voll aus meinem Herzen gesprochen. Ich bin seit 2 Jahren auf einem guten Weg. 2019 gab es einen Umzug aus einer 140 m2 Wohnung in jetzt 35 m2, meinen MansCave. An meiner Eingangstür hängt ein Bild von Patterson und Findus beim Pfannenkuchen backen. Das Schwierigste war die Auflösung der Werkstatt und welche Bücher mitdürfen.
    Mir geht es besser, allerdings sitzt noch ein dunkler Punkt knapp unterhalb des Herzens in der Brust. Ich befinde mich mittendrin, aus den vielen mich interessierenden Themen und Vorgängen in unserer so spannenden Welt die herauszufinden, die ich „als meine Leidenschaften“ benennen darf. Das ist noch schwieriger als die Auswahl der Bücher beim Umzug.
    Immerhin habe ich jetzt mit meinen 73 Jahren schon mal einen Arbeitstitel: „vom alten weißen Mann zum weisen alten Mann“. Und meinen Weg habe ich auch ausgewählt und 2019 begonnen: zu Fuß von München Richtung Südosten. Im Zillertal bin ich letztes Jahr schon angekommen. Dieses Jahr gehts weiter auf dem Josefsweg.
    Ganz herzliches Dankeschön Dir, fürs vormachen und anstiften, Josef

    1. Es würde mich freuen, wenn mein Artikelchen Dir ein wenig helfen würde „Deine Leidenschaften“ benennen zu können.

      Welche Ziel im Südosten hast Du denn angepeilt und warum gehst Du in Teilstücken? Wäre es nicht spannend, den Weg am Stück zu gehen? Danach kennst Du Deine Leidenschaft, was wichtig im und in Deinem Leben ist.

      Viele liebe Grüße

      Christof

  7. Lieber Christof, ein weiterer gelungener Artikel in deinem inspirierenden Blog, den ich seit einiger Zeit interessiert lese 😊 Passend zum Thema habe ich gestern mit einer Freundin eine große Wanderung unternommen und damit gleich 2 Dinge getan, die ich liebe: gute Gespräche führen und Bewegung an der frischen Luft. Das ist pure Lebensqualität und sollte einen regelmäßigen Platz im Kalender haben. Ich denke aber, dass man diese Momente nochmal mehr zu schätzen weiß, wenn es auch Zeiten gibt, die eher pflichtbestimmt sind. Aber natürlich sollte das Ziel sein, den persönlichen Leidenschaften den größtmöglichen Raum zu geben :)
    Fröhliche Grüße
    Caro

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