Einfach mal nichts planen

21. November 2020 - von Christof Herrmann - 28 Kommentare
Einfach mal nichts planen - Foto: Christof Herrmann, 2017

„Ein voller Terminkalender ist noch lange kein erfülltes Leben.“ (Kurt Tucholsky)

Vorbemerkung: Dieser Artikel ist ein Auszug aus meinem Ratgeber „Das Minimalismus-Projekt – 52 praktische Ideen für weniger Haben und mehr Sein“, der als Buch und E-Book bei Gräfe und Unzer (GU) erschienen ist.

„Nichts“, antwortete eine Freundin, die ich vor einiger Zeit fragte, was sie denn am Sonntag geplant hätte. Ich erfuhr weiter, dass sie sich hin und wieder einen Tag gönnt, an dem sie bewusst keine Termine setzt und sich nicht verabredet, ja noch nicht mal alleine etwas vorhat.

Verpflichtungen den Rücken kehren

Was zunächst nicht spektakulär klingt, offenbart sich bei näherer Betrachtung beinahe als subversiv. Denn wer kann und will schon sein durchgetaktetes Berufs-, Privat- und Familienleben entschleunigen und sich von der Betriebsamkeit und Selbstoptimierung unserer Leistungsgesellschaft lösen? Kleine Kinder schaffen das, die Müßiggänger, manche Rentner und unsere Haustiere.

Ich musste dieses „Nichtsplanen“ natürlich selbst ausprobieren, habe mir ganze Tage frei gehalten – und kann es Dir nur empfehlen. Plane einfach mal nichts. Kehre allen Verpflichtungen den Rücken zu. Lebe wie früher in den großen Ferien in den Tag hinein. Du wirst dadurch wieder durchatmen können, den Kopf freibekommen, Stress abbauen und Kraft tanken. Und es wird Deine Spontaneität und Kreativität fördern.

Habe keine Angst, etwas zu verpassen oder als unproduktiv zu gelten. Du bist kein Roboter. Du nimmst Dir frei, auch von Dir selbst, weil das essenziell für Dein geistiges und körperliches Wohlbefinden ist.

Ist es Dir nicht möglich, die planlose Zeit spontan zu nehmen, dann planst Du sie – paradoxerweise – ein. Blockiere sie in Deinem Kalender. Starte mit einem Nachmittag oder einem Sonntag. Fortgeschrittene nehmen sich vor, ein Wochenende oder eine Urlaubswoche lang nichts vorzuhaben.

Lass Dich treiben

Nichts zu planen, bedeutet selbstverständlich nicht, nichts zu tun. Du entscheidest spontan, wonach Dir gerade ist, und lässt Dich überraschen, wohin es Dich treibt. Vielleicht gehst Du zunächst spazieren und trinkst ein Radler in dem Biergarten, den Du schon ewig besuchen wolltest. Wieder zu Hause legst Du ein Nickerchen ein. Danach ist Dir nach Gesellschaft, und Du schaust unangekündigt bei Freunden vorbei …

Du kannst die Zeit auch mit Deiner Familie verbringen. Fragt Euch einfach: „Was wollen wir jetzt gemeinsam unternehmen?“ Vielleicht geht Ihr zunächst zum Spielen in den Park und kocht danach zusammen etwas.

Und wie war es?

Nach dem Ende Deiner Auszeit kannst Du sie kurz analysieren.

  • Was hast Du alles unternommen?
  • Wie hat sich das angefühlt?
  • Gehst Du nach der Auszeit mit neuer Energie an die Dinge heran, die Du erledigen musst?

Fällt das Resümee positiv aus, kannst Du es Dir zur Gewohnheit machen, Dich einmal im Monat oder sogar einmal die Woche von allen und allem auszuklinken.

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28 Kommentare für “Einfach mal nichts planen”

  1. Hi Christof!
    Du hast voll recht mit dem Vorschlag. Ich habe gerade in meinen Kalender geschaut. Trotz Lockdown habe ich bis zum 3.12 jeden Tag mindestens einen Termin / eine Verabredung. Eigentlich ist mir das zu viel und stresst mich eher als dass ich mich auf die Verabredungen freue. Ich habe nun Samstag, 5.12 und Sonntag, 6.12 im Kalender mit „Nichts planen“ blockiert. Das fühlt sich gut an. Danke für die Idee.
    Marion

    1. Hi Marion,

      schön, dass Du die Idee gut findest und Dich jetzt schon auf die geplante planlose Zeit freust. Vielleicht magst uns danach berichten, ob Dir das Wochenende gut getan hat und was Du spontan unternommen hast.

      Viele Grüße

      Christof

  2. Hi Christof!
    Wie schön, Du bist zurück und wohlauf! Es freut mich, wieder einen Beitrag von Dir lesen zu dürfen. Den Verpflichtungen den Rücken kehren….das ist ein wunderbares Gefühl, ohne Druck von Außen den Tag verbringen zu können. Okay, ich bin jetzt in Renten Modus – smile. Deswegen genieße ich die Zeit besonders. Ich habe festgestellt, dass man viel bewusster lebt, Dinge (er)lebt. Heute habe ich Plätzchen gebacken, einen Brief an einen lieben Freund geschrieben, ihn gleich zum Postkasten gebracht und mal wieder entspannt Musik gehört. Ich bin zufrieden mit dem was heute war. Wann hat man sich das letzte Mal richtig Zeit genommen über bestimmte Situationen nachzudenken? Mit einem prall gefüllten Terminkalender ist man nicht automatisch produktiver. Irgend etwas bleibt immer auf der Strecke. Das Leben ist kostbar. Kein Tag kommt zurück. Dein Buch habe ich gekauft und es gefällt mir sehr. Ich nehme es immer mal wieder zur Hand und sinne nach…..Die Pandemie kann mir nichts. Es gibt noch genug zu erleben oder entdecken. Man muss nur die Augen offen halten.
    Übrigens gratuliere ich Dir noch herzlich zum neuen Häusschen. Klingt gut.
    Bleib gesund und so wie du bist – authentisch!

    Liebe Grüße
    von Marianne

    1. Hi Marianne,

      besten Dank für Deinen schönen Kommentar.

      RentnerInnen sind aber auch teilweise ziemlich busy und verplant – deswegen habe ich im Text „Kleine Kinder schaffen das, die Müßiggänger, manche Rentner und unsere Haustiere.“ geschrieben ;-)

      Viele Grüße aus Franken

      Christof

      1. Hej, Christof und hallo, Marianne –
        wusstet Ihr das nicht? Das Wort Rentner kommt von rennen:-))
        Ich habe auch gerade erst Deinen Ratgeber ausgelesen, lieber Christof und finde es absolut nachahmenswert, sich mal bewusst nix vorzunehmen. Einfach in den Tag hinein leben ist echt erstrebenswert. Oder wie es die von mir hochverehrte Frau Lindgren sagte: „Und dann muss man noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hin zu schauen.“ Wie wahr… Also plane ich jetzt auch mal einfach, nix zu planen. Ich bin sehr gespannt!
        Herzlichst, Andrea

        1. Hallo Andrea, hallo Christof,
          bin selbst Rentner (eigentlich Pengxssjonnär, wie man in OWL sagt), und finde, Renntner kommt von der Vergangenheitsform. Imperfekt: rannte; (Plusquam-)Perfekt: gerannt, wobei mir letzte Form näher liegt, da ich inzwischen alle Symptome des Rennens losgeworden bin. (Bis auf ein paar lästige Erinnerungen, aber die bekomme ich auch noch entsorgt.)

          Liebe Grüße

          Jörg

        2. Hallo noch einmal,

          da ich in meinem früheren Beruf ständig auf die Minute genau für andere auf der Matte zu stehen hatte, hat es sich bei mir ausgerannt. Als mein Vorgesetzter zu meinem Dienstende von mir wissen wollte, was ich mir für den Ruhestand an Aktivitäten vorgenommen hätte, sagte ich ihm: Ich miste aus und sehe danach weiter. Es wird bestimmt nichts sein, was die Welt interessiert, womit ich hausieren gehen müsste oder was ihr hören wollt.
          Seine Gesichtszüge entgleisten etwas, da sonst Kolleginnen und Kollegen in der gleichen Situation bei ihrem Abschiedsvortrag dick mit geplanten Aktivitäten auftrugen und ihr Hibbelmantra zelebrierten. (Das Wort stammt aus dem früheren Bestseller „Einen Scheiß muss ich“)
          Meinen vergangenen Beruf betrachte ich rückschauend als abgedrehtes Monopoly, dessen letzte Ereigniskarte lautet: „Herzlichen Glückwunsch zum Ruhestand. Jetzt beginnt für dich endlich die arschloch- und stressfreie Zeit. Scheide aus dem Spiel aus.“

          Beste Grüße

          Jörg

  3. Hallo Christoph,

    seit meiner Kindheit ist es mein größter Luxus und eine meiner schönsten Freuden, nichts vorzuhaben. Da ich für gleiches Recht für alle bin, würde es mir deshalb nie in den Sinn kommen, Freunde mit einem unangekündigten Besuch zu behelligen. Ich mag nämlich auch keine Besuchsüberfälle.
    Vermutlich ticken du und deine Freunde da anders 😃
    Schönen Sonntag noch und viele Grüße

    Alexandra

    1. Hallo Alexandra,

      das mit dem „unangekündigt bei Freunden vorbeischauen“ war nur ein Beispiel, was man spontan unternehmen könnte. Wenn man oder die Freunde das nicht mögen, sollte man es nicht tun ;-) Ich mag übrigens auch keine unangekündigte Besuche.

      Dir auch einen schönen Sonntag!

      ChristoF

      1. Hallo Alexandra, hallo Christof,

        mir wurde schon in meiner Schulzeit deutlich gemacht, was ich mit unangekündigtem Auftauchen bei meinen Freunden anrichten kann, und zwar ohne Belehrung, sondern nur durch genervte Blicke und muffelige Mienen.
        Heute haben wir e-Mail und WhatsApp, um virtuell kurz anzuklopfen und uns zu vergewissern, geht es gerade oder ist es doch ungelegen und später passend. Selbst in meiner Verwandtschaft halte ich es so und fahre damit gut. (Anders die Schwiegereltern meiner Tochter, die platzen bei ihr schon mal rein, während sie im Homeoffice gerade einen schwierigen und dazu eiligen Auftrag bearbeitet.)

        Beste Grüße

        Jörg

  4. Hallo Christof,

    das mit dem Nichts-Planen klingt interessant in der Theorie. Ich finde, es ist schwierig in der Theorie umzusetzen. Ich fürchte, dann kriege ich meinen Haushalt nicht hin.
    Theoretisch habe ich zwar Erwerbsminderungsrente auf Zeit, doch irgendwie ist doch viel zu erledigen wie einkaufen, mich um meine Katze kümmern (übermorgen muss ihr beim Tierarzt unter Vollnarkose Zahnstein entfernt werden, dann darf sie erst mal 2 Tage nicht raus) u. meine Arzttermine, Haushalt u. Finanzen etc….
    Außerdem wohnen mein Freund u. ich getrennt, er ist voll berufstätig von Mo-Sa, hat im Geflügelzuchtverein (ca. 10km entfernt) 50 Hühner u. 12 Enten mit Gartengrundstück, sägt Holz im Wald, mit dem er heizt, und kauft das Tierfutter ca. 30 km entfernt, weil es dort deutlich günstiger ist u. der Bauer nicht liefert.
    Ohne Absprache läuft da gar nichts, da wir keinen gegenseitigen Schlüssel haben u. sich bei ihm auch öfter mal was ändert.

    Haben Sie da eine Idee?
    (wir wohnen zufällig nur 100m entfernt)

    Weiterhin viel Erfolg mit Ihren Projekten.

    Vielen Dank im Voraus und viele Grüße
    Sonja

  5. @ alle

    Wie würden Sie an meiner/ unserer Stelle das Problem lösen?
    (Zusammenziehen will er vorerst nicht)

    Vielen Dank für Ihre Ideen und viele Grüße
    Sonja

  6. Nachtrag an @ alle

    PS: Außerdem habe ich leider nur eine Dusche, dafür hat mein Freund eine Badewanne,
    die ich gerne benutzen darf. Da ich keinen Schlüssel habe, muss ich mich allerdings mit ihm absprechen…

    Wenn Sie dafür eine Lösung haben, bitte gerne antworten :-)

    Gruß,
    Sonja

    PS: wohne zur Miete (genau wie mein Freund) u. mein Bad ist sehr klein; einfach Badewanne bei mir einbauen, fällt flach…

  7. Hallo Sonja,

    kann Dir da keine Tipps geben, kenne Deine Lebenssituation ja kaum. Wenn Dich die vielen Termine und Pflichten stressen, könntest Du aber versuchen, Dir zumindest einen Nachmittag freizuhalten, z. B. am Sonntag. Solche kleinen Freiräume bringen oft schon eine Entlastung. Man muss halt nur aufpassen, dass man dann die restliche Zeit nicht noch voller stopft.

    Alles Gute und liebe Grüße

    Christof

  8. Hallo Christof,

    habe gerade ein Wochenende mit ’nichts planen‘ hinter mir.
    Gestern spontan gekocht, heute Spaziergang zu zweit gemacht,
    ansonsten auf meiner Couch gesessen bei Kerzenschein und
    eine Mischung aus ‚vor-mich-hinschauen‘ und meditieren mit
    kurzen Snack-Pausen hinter mir bei absoluter Medien-Abstinenz.
    Ich merke gerade, mein Kopf ist deutlich freier als Freitag – fühlt
    sich sehr gut an. Danke für die Ermutigung!

    1. Hallo Susann,

      witzig, dass Du gerade an diesem Wochenende nicht geplant hast, und schön, dass es Dir gut getan hat. Mein gestriger Sonntag verlief ähnlich: Langer Spaziergang, paar spontane Telefonate, auf der Couch gelesen, aus den Resten gekocht und gemütlich gegessen,

      Viele Grüße

      Christof

  9. Hey Christof,
    zufälligerweise hatte ich gestern (Sonntag) tatsächlich einmal nichts geplant! Trotzdem habe ich einiges gemacht, völlig druckfrei und mit Spaß! Und das Beste: Der Tag kam mir im positiven Sinne ewig lang vor! Sonst rast die Zeit einfach nur so vorbei, aber gestern hatte ich das Gefühl, für alles unendlich viel Zeit zu haben! Eine tolle Erfahrung!

  10. Nichts planen – nicht einfacher als jetzt in diesen Zeiten. Eine wunderbare Zeit sich auf sich zu besinnen und mal nichts zu tun. Ja es ist ätzend. Mal ins Cafe gehen, sich spontan treffen, mal kurz wegfahren, der Jacobsweg, die Planung für den nächsten Urlaub etc. all das ist jetzt nicht so einfach und liegt brach. Viele müssen zwangspausieren im Job, haben Existenzsorgen, aber trotzdem eine gute Zeit sich zu besinnen, ob man auf dem richtigen Weg ist, ob er noch passt. n
    Ich hab gerade ein paar Tage Urlaub und genieße es. Aufstehen, duschen, kein Zwang jetzt irgendwas tun zu müssen, frühstücken, Brotteig kneten und während dessen an nichts denken nur an den Teig in den Händen und irgend wann gegen später leckeres frisches Brot genießen.
    Auch das ist für mich Nichtstun.
    LG
    Rosa

  11. Hallo Christof,

    solche freien Tage plane ich mir regelmäßig ein. Eine Zeit lang einmal in der Woche, mittlerweile nur noch einmal im Monat, weil es mir zu stressig ist, Woche für Woche alles drum herum zu planen. Dann wird es rasch dogmatisch und bereitet mehr Stress als Erholung.

    Außerdem empfehle ich, darüber hinaus gleich noch offline zu gehen. Das Internet hält nämlich auch ohne Pläne ganz gut auf Trab, wenn man es nicht achtsam nutzt.

    Lieber Gruß
    Philipp

    1. Hallo Philipp,

      ist es nicht verrückt, dass wir heutzutage das Nichtsplanen einplanen müssen, weil wir sonst nicht dazu kommen? Müssten wir uns solche Auszeiten – auch Offlinezeiten – nicht automatisch nehmen? Das täte Körper, Geist und Seele gut.

      Viele Grüße

      Christof

  12. „Gott gab uns die Zeit. Von Eile hat er nichts gesagt.“ (Afrikanisches Sprichwort)
    „… und Müssen, Jetzt, Sofort kamen in seinem Wortschatz auch nicht vor.“
    „…und ‚Mach hinne‘ ist kein Gebot aus der Bibel.“ (Meine Ergänzungen)

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