
„Das Ziel des Lebens ist ein Leben im Einklang mit der Natur.“ (Zenon von Kition)
Vorbemerkung: Dieser Artikel ist ein Auszug aus meinem Ratgeber „Das Minimalismus-Projekt – 52 praktische Ideen für weniger Haben und mehr Sein“, der als Buch und E-Book bei Gräfe und Unzer (GU) erschienen ist.
Ich rede nicht lange um den heißen Brei herum: Wir sind dabei, unseren Planeten mit Produkten und Verpackungen aus Plastik und anderem Unrat komplett zuzumüllen. Unser Überkonsum, Verpackungsfetischismus und Wegwerfeifer führen zunehmend zu Problemen für die Umwelt und unsere Gesundheit.
Bei der Plastik- und Abfallvermeidung geht es nicht um Perfektion. Es ist schön, wenn ein paar Experten Zero Waste zelebrieren. Aber viel wichtiger ist, dass möglichst viele Menschen Less Waste umsetzen. Fang damit an. Sieh meine Tipps als Vorschläge. Werde selbst kreativ und finde Wege, wie Du in Deinem Alltag mit weniger Plastik und Abfall auskommst.
Grundlegendes
- Reduziere Deinen Konsum. Das nachhaltigste und verpackungsärmste Produkt ist immer das, das Du nicht kaufst. Weitere Alternativen zum Neukauf: Du kannst reparieren (lassen), selber machen, ausleihen, mieten, tauschen und secondhand kaufen.
- Wenn ein Neukauf nicht zu vermeiden ist, dann setze auf Qualität. Billigprodukte gehen meist schneller kaputt und sind schwerer zu reparieren.
- Lebe Deine Überzeugung und inspiriere damit andere.
- Sprich Mitarbeiter und Entscheidungsträger im Handel, in der Gastronomie und in der Politik auf das Thema Less Waste an. Je mehr Menschen nachfragen, desto eher ändert sich etwas.
- Engagiere und informiere Dich in Less- und Zero-Waste-Gruppen oder -Stammtischen.
Einkaufen & selbst anbauen
- Erstelle einen Kochplan und eine Einkaufsliste. Das ist einer der größten Hebel gegen die Lebensmittelverschwendung, weil man das in der richtigen Menge kauft, was man benötigt.
- Nimm Rucksack, Einkaufskorb, Beutel und Säckchen für Brot, Obst und Gemüse, Schraubgläser und Behälter zum Abfüllen von Flüssigem, von Reis, Linsen, Gewürzen und mehr mit.
- Kaufe möglichst unverpackte Lebensmittel. Wenn es in Deiner Stadt keinen Unverpacktladen gibt, wirst Du auch in Bioläden, Bauernläden und auf dem Markt fündig. Selbst „normale“ Supermärkte führen teilweise loses Obst und Gemüse.
- Was Du nicht lose bekommst, gibt es manchmal in Mehrweggläsern oder -flaschen.
- Kaufe Lebensmittel, deren Mindesthaltbarkeitsdatum bald abläuft, und Obst und Gemüse mit Schönheitsfehlern, um sie vor dem Wegwerfen zu retten.
- Auch über eine Biokiste und die solidarische Landwirtschaft kann man verpackungsarm Lebensmittel beziehen.
- Baue Gemüse, Obst und Kräuter selbst an. Optimal ist ein eigener Gemüsegarten. Aber auch auf dem Balkon oder Fensterbrett gedeihen essbare Pflanzen.
- Informiere Dich, ob es in Deiner Region Projekte wie Urban Gardening, Essbare Stadt und Foodsharing gibt.
- Stadt, Wald und Flur sind voller essbarer Pflanzen wie Wildgemüse, Wildkräuter und Pilze. Du solltest aber genau wissen, was Du sammelst und verzehrst.
- Auf der Onlinekarte von Mundraub sind Fundstellen von Obstbäumen, Beerensträuchern, Nussgewächsen und Kräutern in Städten und auf dem Land eingetragen.
Küche & Kochen
- Wenn Du Dich überwiegend vollwertig ernährst, also industriell verarbeitete Nahrungsmittel meidest und mit regionalen und saisonalen Lebensmitteln kochst, wirst Du nicht nur gesünder und länger leben, sondern auch weniger Verpackungsmüll produzieren.
- Überprüfe regelmäßig Deine Vorräte und verbrauche Lebensmittel, deren Verfallsdatum naht.
- Die meisten Lebensmittel kann man allerdings über das Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus ohne wesentliche Geschmacks- und Qualitätseinbußen sowie ohne gesundheitliches Risiko konsumieren. Es heißt „mindestens haltbar bis“ und nicht „sofort tödlich ab“.
- Schaff die Küchenrolle ab. Gemüsereste beförderst Du direkt in den Biomüll. Zum Aufwischen verwendest Du Stofftücher, die Du aus alten Frotteehandtüchern zurechtschneidest. Die Tücher können auch die Spülschwämme ersetzen (und in der Waschmaschine gewaschen werden).
- Für Küche und Haushalt gibt es unterschiedliche Bürsten aus Holz mit austauschbaren Köpfen aus Pflanzenfasern.
Hygiene & Körperpflege
- Verwende Haar-, Körper- und Handseifen statt Shampoo, Duschgel und Flüssigseife im Plastikspender.
- Auch Zahnpasta gibt es als festes Produkt ohne Plastiktube, zum Beispiel als Zahnputztabletten.
- Ziehe kompostierbare Zahnbürsten denen aus Plastik vor.
- Benutze zum Ohrensäubern den kleinen Finger statt der üblichen Wattestäbchen.
- Nimm für die Nase Stofftaschentücher statt Papiertaschentücher.
- Es gibt Rasierhobel aus Stahl mit austauschbaren Klingen oder Rasiermesser statt Einwegrasierer, Rasierseife statt Rasierschaum aus der Plastikdose.
- Frauen können Menstruationstassen und waschbare Binden benutzen statt Tampons und herkömmliche Binden.
Babys & Kinder
- Gönne den Kleinen Stoffwindeln statt Wegwerfwindeln.
- Vielleicht möchtest Du es windelfrei probieren. Das ist bei vielen Völkern der Erde selbstverständlich, bei uns als TopfFit-Methode bekannt und kann von Geburt an funktionieren.
- Auch Kinderklamotten und (Holz-)Spielzeug kann man leihen, secondhand bekommen oder selbst herstellen.
- Meide Quetschies (gezuckertes Obstmus aus Kunststoffbeuteln) oder fülle wiederverwendbare Quetschbeutel mit selbst zubereitetem Smoothie.
Haushalt & Büro
- Mit den fünf günstigen Hausmitteln Natron, Soda, Essig, Zitronensäure und Kernseife kannst Du fast alle Reinigungsarbeiten im Haushalt bewältigen. Dazu kommen Anwendungen bei Körperpflege und Wäschewaschen, im Garten, in der Küche, der Ernährung und in der Gesundheit.
- Ein „Keine Werbung und kostenlose Zeitungen“-Aufkleber auf dem Briefkasten reduziert Papiermüll erheblich.
- Verwende Akkus statt Batterien.
- Alte Briefumschläge und unbedruckte Rückseiten von Schreiben und Dokumenten eignen sich als Schmierpapier.
- Luftpolstertaschen können wiederverwendet werden.
- Nutze alte Landkarten, Noten und Magazine, um Geschenke einzupacken und Briefumschläge zu basteln. Aus Zeitungspapier kann man Tüten für den Müll und anderes falten.
Reisen & unterwegs
- Bereite am Vorabend oder am Morgen Dein Essen fürs Büro oder für die Reise vor. Ich mag zum Beispiel die Reste vom Abendessen, Vollkornbrot mit selbst gemachten Aufstrichen oder Taboulé. Du kannst das Essen in Schraubgläsern oder Behältern aus Edelstahl transportieren (Besteck nicht vergessen). Überlege Dir, ob Du vorhandene Plastikbehälter weiterverwenden oder lieber auf Dauer loshaben möchtest.
- Nimm Leitungswasser oder Tee von zu Hause in einer Flasche aus Glas oder Stahl mit, statt Wasser oder Limo in einer Plastikflasche zu kaufen.
- Schaff Dir einen Mehrwegbecher für Coffee-to-go an.
- Weise den Kellner bei Deiner Bestellung darauf hin, dass Du keinen Plastikstrohhalm, keine Zitronenscheibe, keinen verpackten Keks und keinen Kassenbon brauchst.
- Die Reste einer großen Portion im Restaurant kannst Du in einen mitgebrachten Behälter geben. Aus der dümmlichen Devise „Lieber den Magen verrenkt, als dem Wirt was geschenkt“ wird: „Lieber ans Schraubglas denken, als dem Wirt was schenken.“
- Die kostenlose App Too good to go zeigt an, in welchen Restaurants und Geschäften vor Ladenschluss günstige Gerichte und Lebensmittel abgeholt werden können, die sonst in den Abfall wandern würden.
Nachtrag: Eigentlich ganz einfach
Sogar im Marianengraben, der mit 11.000 Metern unterhalb des Meeresspiegels tiefsten Stelle des Ozeans, wurde Plastik gefunden. Und wir schlürfen weiter vergnügt Heißgetränke in Einwegbechern aus Pappe und Plastik. In Deutschland werden rund 320.000 verbraucht – pro Stunde! Dabei ist es nur eine Frage der Gewohnheit, einen eigenen Mehrwegbecher mitzuführen, wenn man sein Heim verlässt und ein Faible fürs Schlürfen hat.


Lieber Christof,
danke für den wegweisenden Artikel (obwohl ich ihn in Deinem Buch natürlich auch schon gelesen habe!). Ich habe meine Kinder bereits 2002 in Stoff gewickelt, es gibt solche Hosen aus Frottee, die wie Einwegwindeln angezogen werden, darin liegt ein Tuch fürs Gröbere und eine wasserdichte Überhose kommt drüber – fertig! Wir haben das System gebraucht gekauft und auch nach beiden Kindern wieder weiter verkauft. Es klappte super! Und die Kinder waren früher trocken als andere…
Soviel als Anregung für werdende Eltern :-)
Herzlichst, Andrea
Liebe Andrea,
besten Dank für Deinen Kommentar. Ich habe das Buchkapitel kürzlich für mich hervorgeholt, weil ich selbst noch zu viel Plastik und Müll produziere. Da kam mir die Idee, den Text für alle zur Verfügung zu stellen.
Ich freue mich, dass Ihr mit den Einwegwindeln und der Überhose so gute Erfahrung gemacht habt. Kannst Du Dich an Details wie den Hersteller erinnern? Könnte für andere interessant sein.
Viele Grüße gen NRW
Christof
Hallo, Christof,
die Firma heißt Mother Ease und gibt es auch immer noch (hab mal schnell nachgeguckt).
Mir ist jetzt beim nochmaligen Lesen auch aufgefallen, dass wir bereits seit Jahren einen Wochenplan fürs Kochen machen. Und da wird nicht nur festgelegt, was gekocht wird, sondern auch wer kocht :-) Da haben wir die Kinder schon früh mit einbezogen und beide können wunderbar kochen! Der oder die, die kocht, darf aussuchen, was es gibt. Dann mache ich eine Liste und kaufe danach ein. Voilà! Und ich bin nicht automatisch jeden Abend mit Kochen dran ;-)
Es gibt viele Wege, es sich einfacher zu machen und Plastik einzusparen.
Liebe Grüße zurück in den „Süden“, Andrea
Früh übt sich, wer später nicht vom Lieferdienst leben will. Dass die oder der Kochende bei Euch entscheiden darf, was es gibt, hat mich gerade an meine Kochgruppe auf der Arbeit bei meiner letzten Anstellung erinnert.
Lass(t) es Euch gut gehen!
Christof
Danke für diesen wichtigen Artikel. Ich will versuchen ein paar deiner Vorschläge umzusetzen. Plastik verschmutzt auch immer mehr die Weltmeere. Liebe Grüße von Lucia
Das ist leider wahr, liebe Lucia. In diesem Zusammenhang empfehle ich die Dokumenatation „Planet Erde – Die Macht des Lebens“. Sie erzählt die Evolutionsgeschichte unseres Planeten. Nach 4,5 Milliarden Jahren hat es der Mensch in wenigen Jahrhunderten geschafft, den dynamischen Kreislauf verheerend zu verändern. Plastiglomerat könnte der Marker des Anthropozäns werden. Es ist ein neuartiges Gestein, das entsteht, wenn sich geschmolzenes Plastik mit natürlichem Material wie Steinen, Sand, Muscheln, Treibholz oder Lava verbindet.
Sehr schöne und wertvolle Tipps, Dankeschön lieber Christof!
Aber ich widerspreche bei den Quetschies. Warum muss es denn eine alternativer Quetschie sein, der schon mal benutzt wurde? Ich wollte immer, dass meine Kinder KEIN Plastik in den Mund stecken. Ein Löffel und ein Gläschen erfüllen den selben Zweck, beides läßt sich auswaschen. Werden wir Menschen wirklich immer fauler, dass wir nicht mal mehr unser Kind füttern möchten? Warum überhaupt ein Kind haben wollen, wenn man es so lieblos behandeln möchte um Zeit am Handy zu gewinnen? Die Mütter von Heute sind doch nicht stärker belastet als ich vor 30 Jahren….ich hab gearbeitet, das Haus in Ordnung gehalten, gekocht! und den Garten und Haustiere gehabt. Mein EXmann ist leider nicht der gewesen, der seine Frau entlasten wollte…und eine Spülmaschine gabs erst, als die ersten 5 Jahre geschafft waren. Meine Breichen waren sogar selbst gekocht…aber das mutet ja niemand mehr einer Frau zu, oder? Vielleicht sollte man genau darüber mal nachdenken, slow living…
Lieben Gruß!
Beate
Besten Dank für Deinen ehrlichen Kommentar!
Du hast natürlich recht. Löffel und Gläschen oder Tellerchen sind die einfachste, beste und nachhaltigste Lösung. Die wiederbefüllbaren Quetschies meinte ich eher als bessere Alternative zu Wegwerfverpackungen, nicht als Ersatz für Nähe oder Aufmerksamkeit.
Viele liebe Grüße
Christof
Hallo Christof,
danke für den Artikel und damit die Aufmerksamkeit für dieses Thema. Dein Stichwort Wegwerfeifer fand ich sehr treffend gewählt ;-)
Hier ein paar Ergänzungen für weitere kleine und größere Ideen:
– auswechselbare Zahnbürstenköpfe
– festes Deo oder Cremes
– feste Reinigungsmilch (oder weniger Schminken)
– Kleidung, Stoffe, Wolle aus Baumwolle, Leinen, sprich Nicht-Chemiestoffe, wo es sinnvoll ist;-)
– Bibliotheken nutzen, inbesondere mit Kindern, deren Interessen sich naturgemaß ändern. Die schönsten Bücher und Medien kaufen / schenken wir dann.
– Bibliothek der Dinge und Makers Spaces nutzen, z. B. Musikinstrumente, Fensterputzgerät, Sportgeräte, Nähmaschinen (in Berlin Teil der öffentlichen Bibliotheken)
– weniger bestellen sondern vor Ort prüfen und kaufen (Verpackungsmüll)
– auch wenn Kinderkleidung über Flohmärkte und Co. sehr günstig zu haben ist, das „30. T-Shirt“ darf hinterfragt werden
– Gebrauchsgüter und Kleidung reparieren / flicken und pfleglich behandeln
– für den Garten mehrjährige Pflanzen anbauen, vermehren und Saatgut selber ziehen (ist dann auch standortangepasster)
– Apotheke der Natur nutzen und selber sammeln, wie Spitzwegerich, Lindenblüte, Schafgarbe
Vielen Dank für deinen Blog und ich freue mich auf viele weitere Artikel und Sichtweisen.
Viele Grüße
Claudia
Hallo Claudia,
schön, mal wieder von Dir zu lesen.
Danke für Deine tollen Ergänzungen – da steckt viel Erfahrung und Alltagspraxis drin.
Letztlich geht es ja genau darum, dass jede und jeder eigene Wege findet, weniger wegzuwerfen und bewusster zu leben.
Viele Grüße aus Franken
Christof