5 Wege, wie Du Genuss steigern kannst

29. Januar 2022 - von Christof Herrmann - 18 Kommentare
5 Wege, wie Du Genuss steigern kannst (Foto: Tirachard Kumtanom von Pexels)

Ich bin ein Genussmensch.

Vieles regt meine Sinne an und bereitet mir körperliches oder geistiges Wohlbehagen: schmackhaftes Essen, ein Glas Wein, ein Cappuccino, ein guter Film, meine Lieblingsmusik, interessante Lektüre, ein spannendes Basketballspiel, die Wunder der Natur, das Gipfelerlebnis am Berg, anregende Gespräche, gekonnte Berührungen …

Was als Genuss empfunden wird, ist subjektiv, also individuell unterschiedlich, auch wenn es geschlechtsspezifische, kulturelle und soziale Gemeinsamkeiten gibt. Rund ein Viertel der deutschen Erwachsenen gilt als nicht oder nur eingeschränkt genussfähig.

Seit ich mich mit dem minimalistischen Leben beschäftige, habe ich Wege entdeckt, die zu mehr Genuss führen. Ich zeige sie Dir, weil ich mir sicher bin, dass Du genussfähig bist (sonst würdest Du meinen Blog nicht lesen ;-)) und noch mehr genießen möchtest.

1. Konzentriere Dich auf den Genuss

Eile, Stress und Multitasking sind genussfeindliche Faktoren. Der hanebüchene „Kaffee“ in deutschen Büros konnte sich nur durchsetzen, weil dort niemand die Zeit und Muße hat, die braune Brühe in den Tassen mit den lustigen Sprüchen auf ihren Inhalt und Geschmack zu prüfen.

Genuss braucht Zeit und Fokus. Ich höre schon mal Musik, während ich koche oder meine Wohnung putze. Wenn ich mich aber auf die Couch begebe, den Kopfhörer aufsetze, meine Augen schließe und einfach bewusst einem Album lausche, dann erst ist das Genuss pur.

2. Unterbrich den Genuss

Wir unterbrechen eine Tätigkeit gerne, wenn sie uns unangenehm ist. Ich sage nur Steuererklärung. Beim Genießen hingegen lassen wir uns ungern unterbrechen. Eine Tafel Schokolade ist schneller verputzt, als man „Lecker!“ sagen kann. Wir handeln so, weil wir davon überzeugt sind, dass Unterbrechungen unser Glück stören und den Genuss schmälern.

Es ist aber genau andersherum! Bei unangenehmen Tätigkeiten vermindert jede Unterbrechung die Gewöhnung und lässt uns noch mehr leiden, wenn wir zum Unangenehmen zurückkehren müssen. Genuss hingegen sollten wir öfter unterbrechen. So vermeiden wir die Gewöhnung. Nach jeder Unterbrechung freuen wir uns wieder aufs Neue. Wir haben also länger etwas davon und können es mehr genießen.

Probiere es aus. Gönn Dir alle drei Stunden eine Rippe oder jede Stunde ein Stück Schokolade.

3. Verzichte eine Zeit lang auf den Genuss

Askese und Genuss schließen sich nicht aus. Für mich sind beide sogar essenziell für ein glückliches und gesundes Leben. Nur wer Verzicht üben kann, findet das richtige Maß, entwickelt echte Vorfreude und kann sich ganz dem Genuss hingeben. „Dem Unersättlichen in jeglichem Genuss wird selbst das Glück zum Überdruss“, erkannte der deutsche Schriftsteller Ludwig Bechstein schon im Jahr 1831.

Ich habe kürzlich wieder eine Woche gefastet, also nur Brühe, Wasser und Tee zu mir genommen. Der Apfel zum Fastenbrechen und die erste warme Mahlzeit aus Pellkartoffeln und Möhrengemüse rufen stets Geschmacks- und Glücksexplosionen in mir hervor.

Dir steht dieser Zaubertrick ebenfalls zur Verfügung. Verzichte eine Zeit lang, fröne dann bewusst Deinem Genuss und folge ihm in ungeahnte Höhen.

4. Teile den Genuss mit anderen

Ein bekanntes Zitat von Albert Schweitzer beschreibt diesen Ansatz sehr gut: „Glück ist das Einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt.“

Manche Vergnügen, etwa die meisten Sportarten oder das Singen im Chor, kann man nicht allein ausüben und viele gewinnen durch das gemeinsame Erlebnis. Eine Flasche Wein zu zweit an einem Abend zu leeren und über das Weinbaugebiet, die Rebsorte, den Geschmack und den Geruch zu diskutieren, sorgt eher für Wohlbehagen, als sich an zwei Abenden allein mit dem Getränk zu beschäftigen.

Voraussetzung ist, dass die Beteiligten sich darauf einlassen wollen und Genussmenschen sind. Ich war einmal auf einem Konzert, auf das ich mich lange gefreut habe, das mir dann aber verleidet wurde, weil meine Begleitung nur am Kritisieren war.

5. Entdecke neue Genüsse

Am Anfang dieses Blogartikels steht, was mir körperliches oder geistiges Wohlbehagen bereitet. Da es viele unterschiedliche Genüsse sind, kann ich meine freie Zeit auf sie verteilen und werde keinem überdrüssig. Es passiert, dass ich einen Monat nicht zum Filmschauen komme. Umso größer sind dann die Vorfreude und das Vergnügen.

Es kann auch erfüllend sein, das Leben auf nur eine Leidenschaft auszurichten. Das führt oft zu Expertenwissen und spannenden Einblicken, birgt aber die Gefahr von Routine und Gewöhnung.

Ich empfehle Dir, Stift und Papier zu nehmen und aufzuschreiben, welche Deine Genüsse sind, wie viel Zeit Du mit ihnen verbringst und was Dich sonst noch begeistern könnte. Sei offen, wirf Vorbehalte über Bord, probiere Neues aus, komm in den Genuss neuer Genüsse.

5 Wege, wie Du Genuss steigern kannst - Foto: Schaukeln auf der Frankenalb (Christof Herrmann, 2021)

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18 Kommentare für “5 Wege, wie Du Genuss steigern kannst”

  1. Genießen…
    Nach ein paar sehr stressigen Jahren genieße ich es wieder mehr und mehr ein Buch zu lesen. Mit Begeisterung habe ich deine Bücherliste sowie die deiner Leser gelesen. Ein paar kenne, ich ein paar davon werde ich vielleicht dieses Jahr lesen. Wie stehts denn mit einer Musikliste? Ich liebe Musik, sie ist für mich ebenso Genuss in unterschiedlichen Stimmungen wie Motivation beim Putzen. Ich würde mich sehr über ein paar Empfehlungen freuen.
    Viele Grüße
    Viola

  2. Ich würde mich auch als Genussmensch bezeichnen, habe aber zu selten Zeit, irgendwas muss immer erledigt werden. Ich will das wieder ändern und werde mir deine Tips zu Herzen nehmen Danke!

    1. Nach Phasen mit viel Stress und wenig Zeit kann es sein, dass man das Genießen erst wieder lernen muss. Der Einstieg klappt wohl am ehesten mit nicht so zeitintensiven Dingen wie Kaffeetrinken. Eine viertel Stunde ohne Ablenkung und mit bewusstem Wahrnehmen des Genusses – mehr braucht es nicht.

  3. Lieber Christof,
    so einfach – und doch auch in der Alltagshektik so schwierig! Danke für Deinen Impuls, ich werde das genießen mehr üben und mich nicht ablenken lassen. Das probiere ich jetzt gleich mit meiner Runde ums Dorf mal aus…
    Herzlichst, Andrea

    1. Hat es geklappt, konntest Du die Runde ums Dorf genießen?

      Ich habe auch gerade einen Runde (um den See) gemacht, mir einen Cappuccino geleistet und nun genieße ich Eure Kommentare.

      Viele liebe Grüße

      Christof

      1. Es war wunderbar – und einen Kaffee hatte ich tatsächlich nach meiner Runde auch;-). Ich konnte auch meinen Mann motivieren, mit zu gehen :-)

  4. Lieber Christof,
    herzlichen Glückwunsch zu 9 Jahren „Einfach bewusst“ !
    Vielen Dank für deine inspirierenden Beiträge. Mit diesem Artikel hast du ein eigentlich ernstes Thema angesprochen. Denn wer nicht genießt (oder nicht kann), wird ungenießbar! Das Leben zu genießen ist eine bewusste Entscheidung. Nach 2 Jahren voller Stress (u. a. Verlust des Elternhauses) habe ich mir Anfang des Jahres vorgenommen, mein Leben neu auszurichten. Dazu gehört auch der Genuss, die Wahrnehmung des Augenblickes mit allen Sinnen. Dabei die innere Zufriedenheit spüren – es gibt nichts schöneres. Es sind diese Kleinigkeiten, die schönen Momente, die uns das Leben versüßen.

    Viele Grüße
    von Marianne

    1. Ich danke Dir!

      „Denn wer nicht genießt (oder nicht kann), wird ungenießbar!“ Das hast Du schön gesagt. Diesen Aphorismus habe ich schon in verschiedenen Varianten gelesen, z. B. von Anselm Grün: „Wer nicht verzichten kann, kann nicht genießen. Wer aber so auf das Verzichten fixiert ist, dass er das Genießen vergisst, der wird ungenießbar.“ Vom Wem der Spruch ursprünglich stammt, konnte ich nicht verifizieren.

      Habe Freude am Genießen der schönen Augenblicke in Deinem Lebens …

      Viele Grüße

      Christof

  5. Hi Christof,

    ganz starker Artikel. Generell auch ein hochinteressantes Thema. Ein maßvoller Genuss und das „Ausleben“ von Leidenschaften mit Sinn und Verstand, ist existenziell für die Zufriedenheit des Menschen. Das gesunde Maß dabei zu halten ist den meisten aber leider abhanden gekommen und somit wird die Tür weit für Abhängigkeiten oder Süchten geöffnet. Was dann wiederum dazu führt, dass man das genaue Gegenteil davon erreicht was man eigentlich damit bezwecken wollte. Schön dass Du dich damit auseinander setzt und es nochmal anschaulich verdeutlichst. Davon lese ich gerne zukünftig mehr ;-)

    LG
    Henry

    1. Hallo „Henry“,

      bin ganz Deiner Meinung. Das Thema Genuss und Leidenschaften ist spannend. War auch schon ein paar Mal Thema in meinen Texten und werde ich sicher wieder drüber schreiben. Bei der minimalistischen Lebensweise geht es ja auch darum, sich auf die wichtigen Dinge im Leben zu konzentrieren, was auch die Leidenschaften einschließt.

      Ohne Studien zu kennen, fürchte ich, dass wir in den letzten Jahrzehnten das Genießen ein wenig verlernt habe und mehr und mehr Menschen nicht oder eingeschränkt genussfähig sind. Ein paar Gründe dafür liegen auf der Hand, andere eher im Verborgenen.

      EBG

      Christof

  6. „Komm in den Genuss neuer Genüsse“ – was für ein wundervoller Satz zum Schluss. :-)

    Zu Punkt 3 „Verzichte eine Zeit lang auf den Genuss“ ploppte bei mir direkt ein Zitat im Kopf auf: „Nur Sonne macht Wüste“ – dauerhafter Genuss hat irgendwann nix mehr mit Genuss, sondern mit Gewöhnung bishin zu Überdruss zu tun. Genuss braucht meiner Meinung auch immer Kontrast. Sei es durch den Verzicht oder durch eine andere Art von Kontrast – von laut zu leise, von kalt zu warm etc. – erst dann kann Genuss sich so richtig entfalten und genießbar werden.

    1. Freue mich über Dein Lob.

      Guter Punkt. Wenn es immer und überall leise wäre, könnten wir die Stille nicht genießen. Es muss naturgegeben sein, dass unser Leben aus Höhen und Tiefen, aus Freude und Leid besteht. Ich glaube aber, dass wir es selbst in der Hand haben, dass die Höhen und die Freude überwiegt. Die meisten meiner Texte zielen darauf ab, das Leben ein wenig lebenswerter zu machen, also die schönen und wichtigen Dinge zu erkennen und in den Vordergrund zu rücken.

      Wäre das Thema Genuss & Co. nicht auch mal etwas für Deinen Blog?

      Einfach bewusste Grüße

      Christof

  7. Hallo Christof,

    was für ein spannender Artikel mit wunderbar genusssteigernden Tipps! Vor allem Tipp 2, den Genuss hinauszuzögern, finde ich super und praktiziere ihn selbst.

    Ich finde auch, Genuss darf nicht zur Gewöhnung werden, weil er sonst im schlimmsten Fall in eine Sucht führen kann. Die Kunst des Genusses liegt darin, innezuhalten, wenn wir eigentlich noch mehr haben könnten. Und wenn uns ein Genusserlebnis nicht mehr zufriedenstellt, ist das für mich ein Zeichen, dass wir es zu oft genossen haben. Spätestens dann wäre Zeit für eine Unterbrechung.

    Liebe Grüße

    Annabel

    1. Hallo Annabel,

      freue mich sehr über Dein Lob.

      Bei was alles zögerst Du denn den Genuss hinaus?

      Wann wird ein Genuss zur Gewohnheit? Wann zur Sucht? Kann jeder Genuss süchtig machen? Sind Leseratte etwa Suchtis? Und ist diese Sucht dann immer ungesund? Zu diesen Fragen könnte man in einem weiteren Text Antworten suchen.

      Viele liebe Grüße

      Christof

      1. Mit Schokolade mache ich es definitiv so. Während ich früher eine ganze Tafel sofort verputzt habe, komme ich jetzt eine ganze Woche mit einer hin (wobei ich nicht jede Woche Schokoladentafeln verputze, das würde gegen meine Genussprinzipien verstoßen ;-)).

        Auch beim Lesen gehe ich so vor. Wenn ich ein tolles Buch oder ein schönes Magazin lese, teile ich es mir bewusst über einen längeren Zeitraum ein. Ich will manchmal einfach nicht, dass sie zu schnell zu Ende gelesen sind. Dadurch lese ich aber hin und wieder mehrere Bücher zu unterschiedlichsten Themen im selben Zeitraum, anstatt mir eines nach dem anderen vorzunehmen.

        Außerdem lassen sich die meisten Genussmomente auch zeitlich gut begrenzen, sodass ich mir nicht zu viel auf einmal gönne. So erhält eine Unterbrechung die Freude daran aufrecht.

        Ob jeder Genuss süchtig machen kann, ist eine gute Frage. Ich sag ja, das ist ein spannendes Thema! :-)

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