
Zeit ist unser knappstes Gut – und doch gehen wir oft erstaunlich sorglos damit um. Wie lässt sich im Alltag wieder mehr Zeit für das schaffen, was uns wirklich wichtig ist?
Für diesen Artikel habe ich 19 Blogger*innen, Autor*innen und Coaches gefragt, wie sie Zeitwohlstand ganz konkret leben und gestalten. Entstanden ist eine vielfältige Sammlung persönlicher Perspektiven, praktischer Impulse und leiser Aha-Momente.
Es ist bereits der achte Round-up-Post auf Einfach bewusst. Frühere Zusammenstellungen zu Themen wie Winterblues, Glück und Zufriedenheit oder Gewinn durch Verzicht haben gezeigt, wie inspirierend gemeinsames Nachdenken sein kann.
Christof: „Wissen, was zählt.“

„Zeitwohlstand beginnt für mich mit Klarheit darüber, was mir wichtig ist: meine Werte, meine Ziele, meine Leidenschaften und die Menschen, die mir nahestehen. Ist mir das bewusst, fällt Entscheiden leichter – fehlt diese Klarheit, verliere ich Zeit an Dinge, die mich eher auslaugen als nähren. Ein guter Hinweis sind Tätigkeiten und Begegnungen, bei denen ich die Zeit vergesse und mit einem guten Gefühl zurückbleibe. Zeit wird dann nicht länger nur verplant, sondern bewusster eingesetzt. Mein Tipp: Notiere einmal schriftlich, was und wer Dir wichtig ist. Lebe eine Zeit lang mit dieser Liste und prüfe regelmäßig, ob sich Dein Kalender noch daran orientiert – und was bewusst weniger werden darf. Fällt Dir das schwer, hilft manchmal ein Gedankenspiel. Stell Dir vor, Du bist 88 Jahre alt und blickst auf Dein Leben zurück. Mit welchen Menschen willst Du Deine Zeit verbracht haben, für welche Spuren und Haltungen willst Du gestanden haben?“
Christof Herrmann ist Autor, Wanderer und Minimalist. Auf Einfach bewusst teilt er Gedanken und Erfahrungen zu Minimalismus, Nachhaltigkeit, veganer Ernährung und (Fern-)Wandern. Sein Ratgeber „Das Minimalismus-Projekt“ ist bei Gräfe und Unzer bereits in sechster Auflage erschienen.
Rebecca: „Wenn Warten plötzlich Zeitwohlstand wird.“

„Du sitzt im Wartezimmer, scrollst gelangweilt durchs Handy. Ärgerst Du Dich, dass Du immer noch nicht aufgerufen wurdest? Du gehst einkaufen. Glaubst Du, die Supermarktkasse, die Du wählst, ist immer die langsamste? Jeden Tag warten wir auf irgendetwas – darauf, dass das Essen fertig ist, auf die Nachricht eines Freunds, auf den Feierabend. Wir warten auf besseres Wetter, den großen Sommerurlaub, Weihnachten. Und während wir uns sehnlichst den Moment herbeiwünschen, mit dem das Warten ein Ende nimmt, verrinnt unsere Lebenszeit. Unerwartet schnell, wenn wir einmal innehalten und auf den bisherigen Teil davon zurückblicken. Als Kind können wir es kaum erwarten, älter zu werden. Wenn wir dann älter sind, fällt uns auf, dass Zeit das Wertvollste ist, das wir haben. Nicht nur die Zeit mit den Menschen und den Dingen, die wir lieben, sondern auch die Zeit, die wir mit Arztterminen und Einkäufen verbringen. Zeitwohlstand bedeutet für mich, Zeiten des Wartens als das zu erkennen, was sie von Anfang an waren: eine Einladung, das Jetzt zu genießen. Tief durchatmen, die Welt um mich herum wahrnehmen und spüren, dass gerade nichts fehlt.“
Rebecca Broich bloggt auf Frei-mutig über Minimalismus, gute Gewohnheiten, geordnete Finanzen und bewusste Auszeiten – für ein einfach besseres Leben.
Constantin: „Warum geplante Solo-Dates für mich Wertschätzung bedeuten.“

„Zeitwohlstand für sich zu nutzen, bedeutet keineswegs, möglichst viele Dinge unterzubringen, sondern den geschaffenen Raum bewusst für sich zu nutzen. Es mag im ersten Moment seltsam klingen, aber ein Solo-Date mit mir selbst hat sich als effektive Methode bewährt. Ich blocke mir Zeit für bewusste Auszeiten und Ruhemomente im Kalender – genauso verbindlich wie einen Termin mit Freunden. Ein Solo-Date kann vieles sein. Manchmal genieße ich eine Atemwahrnehmung oder gehe auf Entspannungsreise. An anderen Tagen nehme ich mir Zeit, um am Strand zu spazieren oder einfach die Natur zu beobachten. Ein Solo-Date bedeutet für mich auch, das Nichtstun zu akzeptieren. Gerade in diesen Momenten merke ich, wie wertvoll es sein kann, keine Erwartungen erfüllen zu müssen. Ein Buch lesen, Sport treiben oder eine Serie schauen sind gute Möglichkeiten, um sich abzulenken. Doch der Input von außen blockiert den Blick nach innen. Oft wird dieses Nichtstun als einsam verstanden, dabei ist es eher inspirierend und aktivierend. Es hilft, die Zeit nicht nur effizient, sondern auch erfüllend zu nutzen. Denn geplante Solo-Dates bedeuten Wertschätzung für mich selbst und schenken Energie und Klarheit.“
Constantin Jacob ist Entspannungs- und Stilletrainer. Er bietet in seinem Lübecker Studio Nordic Relaxing und in mehrtägigen Retreats den passenden Raum für bewusste Ruhemomente. Seine Liebe zu Irland, Skandinavien und Island prägt seine Arbeit und fließt in die angeleiteten Entspannungseinheiten ein. Natürliche Elemente des Nordens verstärken mit ihrem harmonisierenden Effekt die geschaffenen Ruheinseln. Auf Einfach bewusst ist von Constantin der Gastartikel „Ständig unter Strom – warum wir verlernt haben zu entspannen“ erschienen.
Petra: „Ein Abendritual für mehr Klarheit und Dankbarkeit.“

„Seit vielen Jahren schreibe ich jeden Abend fünf Momente oder Erlebnisse in mein kleines Dankbarkeitstagebuch, die mich die letzten Stunden kurz Revue passieren lassen. Dabei scanne ich den Tag noch einmal durch: Was ist heute Gutes passiert? Natürlich passieren auch weniger gute Dinge, doch diese lasse ich abends getrost an meinem inneren Auge vorbeiziehen. Ich fange nur die ein, die gut und erinnerungswert sind. Anfangs tat ich mir schwer, fünf Dinge zu finden – doch das änderte sich schnell. Meist sind es deutlich mehr Momente, die mich lächeln lassen. So sortiere ich jeden Abend mein Leben, fokussiert auf das Gute. Das kann alles Mögliche sein: vom Lächeln eines Fremden, über den ersten Sonnenstrahl am Morgen, den Kaffee mit den Kolleginnen, mein Lieblingslied im Radio oder ein leckeres Mittagessen im Park, bis hin zum Lesen eines tollen Textes, dem Treffen mit dem Liebsten und vielem mehr. Durch den Blick auf das Gute sehe ich klarer – sowohl am Abend beim Notieren als auch tagsüber. Ich weiß früh, dass ich meine Aufmerksamkeit auf das lenken möchte, was mir wichtig ist. Das schafft mentale Ordnung, Klarheit und Ausrichtung. Wie oft begegnen mir Momente im Alltag, die ich gedanklich mit einem Vermerk ‚abends unbedingt in mein Dankbarkeitsbüchlein notieren‘ versehe. Das Ritual lässt mich ohne negative Gedanken einschlafen und wirkt wie eine kleine Reinigung für die Seele. So wache ich erholt und mit klarem Blick auf die wertvollen Momente auf – bereit für den Tag und für das, was mir wichtig ist: mir bewusst erinnerungswerte und schöne Momente zu schaffen.“
Petra Bäumler schreibt über Minimalismus, Resilienz, Persönlichkeitsentwicklung, Büchertipps, Caféempfehlungen, Erkenntnisse aus der Ausbildung zum systemisch-integrativen Coach und alles, was sie gerade beschäftigt.
Christine: „Bewusste Pausen statt automatischem Scrollen.“

„Wie oft scrollst Du auf Deinem Handy, völlig automatisiert auf der Suche nach Ablenkung? Das kostet unnötig Kraft und Zeit, die Dir im Alltag fehlen. Seit ich mich entschieden habe, die Zeit in öffentlichen Verkehrsmitteln bewusster zu verbringen, habe ich spürbar Zeit und Energie gewonnen. Zu den bewussten Dingen zählt alles, was offline geschieht und entschleunigt, etwa den Augen beim Rausschauen Weite gönnen, ein Buch lesen oder bewusst atmen. Wenn Du doch durch Social Media scrollst, dann zeitlich begrenzt und mit Absicht. Hinterfrage auch beim Joggen, ob Du Podcasts hörst, um Deinen Geist zu übertönen, oder weil Du den Inhalt wirklich aufnehmen möchtest, und ob Beschallung in der Natur für Dich stimmig ist. Triff beim nächsten U-Bahn-Fahren bewusst die Entscheidung, wofür Du Dein Handy nutzt, setze Dir ein Zeitlimit und atme die restliche Zeit oder beobachte die Menschen um Dich herum. Als zertifizierte Heilberaterin weiß ich, dass bewusste Pausen ohne Bildschirm Dein Nervensystem beruhigen und Dir Kraft schenken, sodass Du Dich später nicht erschöpft erholen musst.“
Christine Fabijenna Pauligk ist Energiecoach, Heilberaterin, Autorin und Wegbegleiterin für Frauen auf dem Weg aus Erschöpfung hin zu mehr Schöpferkraft. Auf ihrem Blog Lebensweite schreibt sie über Leben, Fühlen, Dankbarkeit und ganzheitliche Gesundheit.
Marion: „Eins nach dem anderen.“

„Hast Du auch das Gefühl, ständig nicht genug Zeit zu haben für all die Dinge, die Du tun musst und willst? Ich hatte jahrelang eine prima Lösung für dieses Problem und quetschte einfach so viele Aktivitäten wie möglich in die wachen Stunden, die ich hatte. Schnell noch einen wichtigen Termin in den Kalender eintragen, während das Kleinkind versucht, sich die Schuhe zu binden. Beim Formatieren der lästigen Excel-Tabelle für den Chef noch eben das Abendessen mit den Mädels im Gruppenchat koordinieren. Im Meeting neben dem Protokoll rasch noch einen Geburtstagsglückwunsch an die Mutter entwerfen. Beim Kochen die Wäsche aufhängen und schon mal das Frühstücksgeschirr abspülen. Bis ich merkte, dass ich die falsche Uhrzeit eintrage, das Kind einen Tobsuchtsanfall bekommt, die Tabelle lauter Fehlermeldungen ausgibt, ich fünfmal denselben Socken aufhänge und das Nudelwasser auf der Herdplatte einbrennt. Und vor allem, dass alles länger dauert, als wenn ich in Ruhe eins nach dem anderen erledigen würde. Multitasking spart nur scheinbar Zeit, tatsächlich kostet es mehr. Ich mache mehr Fehler, muss Schritte wiederholen und Patzer ausbessern. Auch meiner mentalen Gesundheit tut das nicht gut. Der ständige Wechsel zwischen Tätigkeiten kostet mentale Kapazitäten. Abends bin ich schlapp und ausgelaugt, innerlich unruhig statt superproduktiv. Dann habe ich damit aufgehört und für mich entschieden, Schluss mit dem Jonglieren, ich erledige nur noch eine Sache auf einmal. Das spart Zeit und bereitet mir mehr Freude, weil ich mich voll und ganz auf eine Tätigkeit konzentrieren kann. Das Ergebnis: Ich habe nicht nur mehr Zeit, sondern bin entspannter und besser gelaunt, weil ich öfter im Moment bin und kleine Dinge bewusst wahrnehme, etwa das Knirschen von Zwiebeln, wenn sie geschnitten werden, oder die Schönheit eines glattgestrichenen Baumwollstoffs. Probier’s doch auch mal aus.“
Marion Schwenne schreibt auf Frugales Glück über Minimalismus, Nachhaltigkeit, vegane Ernährung und ein einfaches Leben mit Kindern.
Janina: „Nur noch Lieblingsstücke im Kleiderschrank.“

„Trotz der großen Menge Kleidung, die ich vor einigen Jahren noch besaß, griff ich immer wieder zu den gleichen, wenigen Teilen, die halbwegs alltagstauglich und bequem waren. An vielen Stücken musste ich ständig rumzuppeln, damit sie an Ort und Stelle blieben. Andere waren einfach unbequem und unvorteilhaft, weshalb ich sie gar nicht trug. Obwohl mein Kleiderschrank fast die Hälfte meiner Zimmerwand einnahm, hatte ich kaum etwas anzuziehen. Im Netz stieß ich auf den Pareto-Effekt. Dass die meisten Menschen in achtzig Prozent ihrer Zeit nur zwanzig Prozent ihrer Kleidung tragen, traf auch auf mich zu. Mein Ziel war, nur noch Lieblingsstücke zu besitzen. Heute, mehr als sieben Jahre später, passt meine Kleidung in eine einzige, etwas größere Schublade. Ich habe meinen Stil gefunden und besitze fast ausschließlich schwarze Kleidung. Im Grunde trage ich jeden Tag das gleiche Outfit. Schwarze Jeans, schwarzes Shirt, darüber ein schwarzes Hemd, meist offen getragen. Dazu ein Paar schwarze Boots. In der warmen Jahreszeit entsprechend eine schwarze Stoffhose und schwarze Sneakers oder Schlappen. Die Vorteile liegen für mich auf der Hand: Meine Kleidung ist kombinierbar, zeitlos und bequem für jeden Anlass, funktioniert im Schichtenprinzip, färbt in der Waschmaschine nicht ab, spart Entscheidungen im Alltag und schafft dadurch mehr Zeit und mentale Kapazität für das, was wirklich zählt.“
Janina Behrendt ist seit 2017 im Schuldienst tätig. Auf Aurabytes schreibt sie über Minimalismus, Essentialismus und die konsequente Vereinfachung ihres Lebens – vor dem Hintergrund wachsender Komplexität, Digitalisierung und hohen Mental Loads.
Vanessa: „Weniger Zeug, mehr Zeit.“

„Die Dinge, mit denen wir uns umgeben, nehmen einen nicht zu unterschätzenden Teil unserer Zeit ein. Dabei nutzen wir einen nicht unerheblichen Teil dieser Sachen nicht einmal, investieren aber dennoch Energie und Raum, um sie aufzubewahren, zu entstauben und hin und her zu räumen. Für viele ist die erste Reduktion des eigenen Besitzes auf ein sinnvolles Maß (wobei jeder für sich individuell entscheiden muss, was sinnvoll ist) ein wichtiger Befreiungsschlag. Bei mir waren es gar nicht so viele Dinge, sondern eher solche, die mit negativen Erinnerungen behaftet waren. Vor allem aber war und ist es mir bis heute wichtig, den gewonnenen Freiraum nicht wieder mit Neuem vollzupacken. Das zeigt sich auch in meinen Einkaufsgewohnheiten. Ich kaufe, was ich wirklich brauche, und nie aus Langeweile oder in der Hoffnung, dass mich dieses oder jenes zu einem glücklicheren Menschen machen würde. Viele Menschen betreiben Shopping als Freizeitbeschäftigung, doch wer sein Konsumverhalten überdenkt, wird von den positiven Auswirkungen überrascht sein. Um nicht gleich wieder in alte Verhaltensmuster zurückzufallen, können eine zeitlich begrenzte Konsumpause oder die Teilnahme an einer No-Buy-Challenge helfen. Plötzlich bleibt erstaunlich viel Zeit. Wir müssen viel weniger aussuchen, anschaffen, unterbringen und am Ende wieder loswerden. Stattdessen nutzen wir bewusst die vorhandenen Dinge. Zugleich brauchen weniger Dinge weniger Stauraum, alles hat seinen Platz. Aufräumen wird fast zum Selbstläufer – ein schöner Nebeneffekt, durch den wir noch mehr Zeit gewinnen. Weniger Konsum bedeutet nicht nur weniger unnötiges Zeug, sondern auch weniger ausgegebenes Geld. Das kann ein erster Schritt zur Arbeitszeitreduktion sein oder ein langfristiges Investment in einen früheren Renteneinstieg. Probier es aus – Du hast nichts zu verlieren.“
Vanessa Strauch nutzt ihre gesparte Zeit gerne zum Schreiben. Sie bloggt auf queen all über Minimalismus, aber auch über alles andere, was sie als bekennende Generalistin für interessant und beschreibenswert hält.
Nadine: „Regionale Gemüsekiste statt Einkauf im Supermarkt.“

„Was mir sehr viel Druck genommen und dafür Zeit beschert hat, war der Umstieg auf die Gemüsekiste eines Demeter-Bauernhofes in meinem Landkreis. Jahrelang wollte ich sie bestellen, lebte aber außerhalb des Liefergebiets. Irgendwann hatte ich so viele Neukund*innen geworben, dass unser Dorf angefahren wurde. Jeden Sonntag bekomme ich nun per E-Mail eine Liste mit den Gemüsesorten, die in der kommenden Lieferwoche enthalten sind. Ich wähle aus, was ich gerne hätte, und bestelle gleich noch Käse, Obst und andere Lebensmittel, die ich benötige, dazu. Ich spare dadurch ordentlich viel Geld, verglichen mit dem Einkauf im Supermarkt. Aber das ist nicht das Wichtigste. Die Zeit, die mir dadurch bleibt, weil ich sie nicht mit der Fahrt, in den Gängen oder an den Theken verbringen muss, ist unbezahlbar. Außerdem unterstütze ich eine Familie in meiner Heimat, die Landwirtschaft nachhaltig betreibt, Verantwortung für später übernimmt und faire Preise verlangt. Ich werde das weiterhin unterstützen. Denn ich habe für mich entschieden: Mein Geld bekommen die, die es besser machen. Das habe ich in der Hand. Und Du. Und wir. Mit unserem ‚bisschen Geld‘ können wir ein Zeichen setzen. Damit sollten wir anfangen. Lieber jetzt als später.“
Nadine Schubert ist Autorin des Spiegel-Bestsellers „Besser leben ohne Plastik“. Sie ist das Gesicht der deutschen Anti-Plastik-Bewegung und hat mit ihrer Mission hunderttausende Menschen erreicht und zum Umdenken bewegt.
Elli: „Kleidertauschpartys statt Onlineshopping.“

„Kein stundenlanges Durchklicken. Stattdessen: nette Begegnungen, entspannte Atmosphäre, oft sogar noch Kaffee und Kuchen. Kleidertauschpartys machen mir persönlich viel mehr Spaß als Onlineshopping, und am Ende habe ich nicht nur Geld und natürliche Ressourcen, sondern auch Zeit gespart. Kein Scrollen mehr, kein Vergleichen; kein Durchlesen von Bewertungen, kein Befühlen von Stoffen mit den Augen (die am Ende sowieso meistens anders aussehen); kein Abholen oder Zurückbringen von Paketen zur Post. Bei einer Kleidertauschparty ist alles ganz einfach: Man nimmt ein paar gut erhaltene Teile von sich daheim mit, begibt sich zur Party, legt die eigene Kleidung an den zugewiesenen Stellen ab (meistens geordnet nach Kleiderarten, manchmal auch -größen) – und kann dann vor Ort alles anprobieren und sich kostenlos die Kleidungsstücke mitnehmen, die einem gefallen. Meistens gibt es eine richtig gute Auswahl (und mindestens eine Person, die ungefähr die gleiche Größe und den gleichen Kleidergeschmack hat wie man selbst). Und wenn Du dann wieder nach Hause gehst, erwartet Dich ein Kleiderschrank, in den auch wirklich neue Klamotten passen (weil Du ja vorher einige Teile ausgemistet hast), zusätzlich aber vermutlich auch gute Laune. Weil es einfach schön ist, wenn man auf eine so angenehme Weise Zeit und Ressourcen sparen kann.“
Elli Kolb schreibt Romane und bloggt auf understandingly über Mind-Body-Connections bei Depressionen. Ihr letzter Roman „Das Leuchten des Himmels an dunklen Tagen“ erschien 2025 bei Lübbe und erzählt von Trauer, Resilienz und Stadttauben – lakonisch, traurig und witzig zugleich. Auf Einfach bewusst sind zwei Gastartikel von Elli erschienen.
Jonas: „Fokus ist, was Du gewinnst, wenn Du den Mut hast, etwas anderes zu verlieren.“

„In einer fragmentierten Welt wird unsere ungeteilte Aufmerksamkeit zur Superpower. Dein Fokus ist begrenzt, und folglich ist er gemäß dem Gesetz von Angebot und Nachfrage in einer Aufmerksamkeitsökonomie wertvoll. Die mächtigsten Geschäftsmodelle der Welt sind um Deinen Fokus herum gebaut. Als ich das verstanden habe, habe ich begonnen, mich viel bewusster zu entscheiden, worauf ich mich fokussiere – und worauf nicht. Dabei ist der entscheidende Punkt das Weglassen. Ich habe Kompetenzen im Weglassen, Ignorieren und Verzichten entwickelt. Dazu nutze ich bewusst Zeiten ohne Push, also ohne Mails, die aufblinken, ohne Nachrichten, die klingeln, ohne Menschen, die mich stören. Ich bin einfach nicht erreichbar – und das ist wundervoll. In diesen Zeiten erschaffe ich Dinge, zum Beispiel Texte, Konzepte oder Ideen. Das sind für mich Zeiträume, die erfüllt sind, nicht einfach nur gefüllt. Ich bin selbstwirksam, ich entscheide und werde nicht entschieden. Außerdem dient mein Fokus dann meinem eigenen Geschäftsmodell. Und das fühlt sich viel besser an. Das ist für mich echter Zeitwohlstand. Um zu entscheiden, worauf ich mich fokussiere, arbeite ich mit einer Let-it-be-Liste. Immer wenn wir etwas tun, lassen wir vieles andere sein. Wir operieren also ohnehin ständig mit der Unterscheidung von Tun und Lassen. Mir hilft es, ab und zu bewusst auf das Lassen zu blicken und zu entscheiden, was ich weglasse, damit ich mich auf etwas anderes einlassen kann. Das Resultat sind Wirksamkeit und Gelassenheit – sowie die Akzeptanz, dass wir ohnehin nie fertig werden, dass es immer mehr Dinge gibt, die nicht zu tun sind. Der Anspruch, alles zu schaffen, öffnet Tür und Tor für Scheitererfahrungen. Und ich möchte abends nicht als schuldiges Subjekt ins Bett gehen. Es gibt viel zu tun. Lassen wir es sein.“
Jonas Geißler ist Zeitexperte, Autor und Organisationsberater. Er beschäftigt sich mit der Frage, warum wir immer weniger Zeit haben, obwohl täglich neue nachkommt. Und damit, was Organisationen und Individuen für einen gelingenden Umgang mit Zeit tun und lassen können. In Vorträgen, Podcasts, Workshops und Publikationen unterstützt er dabei, Zeit nicht nur effizienter, sondern sinnvoller zu gestalten und so Fokus, Wirksamkeit und Zeitwohlstand zu gewinnen. Jonas ist Autor von „Time is honey“ und dem Spiegel-Bestseller „Alles eine Frage der Zeit“.
Philipp: „Eliminieren statt delegieren – ein anderer Blick auf Arbeit.“

„Etwa ein Fünftel unseres Lebens als Erwachsene verbringen wir mit Arbeit. Da ist es doch das Mindeste, dabei Freude zu empfinden, oder? Falls auch Du jetzt denkst, dass das nicht immer funktioniert, weil Du eben nicht zu den ganz Finanzstarken gehörst und einfach alles Unangenehme wegdelegieren kannst, möchte ich dazu einladen, Deine Glaubenssätze in Bezug auf Arbeit zu überdenken. Dabei denke ich nicht nur an Erwerbsarbeit, sondern auch an Hausarbeit, administrative Aufgaben und belastende Gewohnheiten, die sich längst wie Arbeit anfühlen. Denn auch, wenn Du Aufgaben nicht an andere delegieren kannst, gibt es noch eine wesentlich effektivere und kostengünstigere Option. Sie lautet Elimination. Oder anders gesagt: Was kann ich reduzieren oder gar ganz weglassen? Wichtig ist hierbei, wie so oft, der Fokus auf das Wesentliche anhand der eigenen Bedürfnisse und Lebensumstände, statt blindem Kopieren fremder Lebensentwürfe. Für mich hieß das jüngst: Kann ich es mir leisten, weniger zu arbeiten oder einen beruflichen Wechsel mit geringerem Einkommen zu wagen, um mehr Freude bei der Arbeit zu empfinden? (– Ja, weil ich aufgrund meines Lebensstils keine allzu hohen Ausgaben habe und keine finanzielle Verantwortung für andere Menschen außer mich selbst trage.) Muss ich wirklich jede Woche meinen rigorosen Putzplan verfolgen? (– Nein, weil auch hier mit 20 % Zeiteinsatz 80 % des Ergebnisses erzielt werden können.) Reicht für das Festessen nicht auch die Hälfte der Gerichte? (– Definitiv, weil nach drei Gerichten ohnehin alle satt sind.) Elimination kostet nichts; nicht zu eliminieren hingegen kostet Dein wertvollstes Gut.“
Philipp Drehmann arbeitet als freiberuflicher Drehbuchautor. Wenn er gerade nicht arbeitet, probiert er gern Lebensstile abseits der Konvention aus und bloggt darüber auf Wo ist Philipp?.
Nicole: „Klar und wertschätzend Nein sagen – für ein achtsames (Familien-)Leben.“

„Tagtäglich versuchen wir, möglichst effizient viele Dinge parallel zu erledigen, in der Hoffnung, uns irgendwann Zeit für das wirklich Wichtige freizuräumen. Gerade als Eltern jonglieren wir im Alltag nicht nur unsere eigenen Termine, sondern die mehrerer Familienmitglieder gleichzeitig. Zwischen Kita, Logopädie, Fußballtraining, Kuchenbasar und Verabredungen verlieren wir leicht aus den Augen, wie wir unseren Familienalltag eigentlich gestalten wollen. Hier liegt der Knackpunkt: Wir alle haben nur 24 Stunden am Tag und können nicht auf allen Hochzeiten gleichzeitig tanzen, während die Kindheit unserer Kinder so schnell verfliegt. Die entscheidende Frage ist also nicht, wie wir noch mehr unter einen Hut bekommen, sondern wie wir Raum für die wirklich wichtigen Dinge schaffen – jetzt und nicht irgendwann. Für mich liegt die Antwort in klarer, wertschätzender Kommunikation und im bewussten Setzen eigener Grenzen. Ich muss nicht zu jeder Anfrage sofort Ja sagen, nur um Erwartungen zu erfüllen oder ein gutes Bild abzugeben. Anfangs meldete sich dabei oft mein schlechtes Gewissen. Inzwischen weiß ich, dass nicht sofort Ja zu sagen kein Egoismus ist, sondern notwendig. Es ist schlicht unmöglich, allem gerecht zu werden. Deshalb nehme ich mir heute bewusst Zeit für Entscheidungen, indem ich freundlich antworte, dass ich in Ruhe schaue, ob es gerade passt und mich dann melde. Ich muss mich auch nicht rechtfertigen. Ein einfaches ‚Danke, dass Du an uns denkst, aber gerade passt es nicht so gut‘ reicht aus, um klar und freundlich Nein zu sagen. So entsteht Raum, bewusst zu entscheiden, ob ich unsere Familienzeit diesem Zweck widmen oder anders investieren möchte. Wichtig ist mir dabei, respektvoll zu bleiben. Wenn beim Gegenüber dennoch ein unangenehmes Gefühl entsteht, habe ich gelernt, dass es nicht meine Verantwortung ist. Ich kann nur für mich sorgen und auf meine Worte und mein Verhalten achten. Welche Gefühle sie bei anderen auslösen, hängt oft mit deren eigenen Themen zusammen. Diese Verantwortung darf ich ohne schlechtes Gewissen loslassen. Auch bei Kita- oder Schulaktionen gilt: Ich muss mich weder als Person noch als Elternteil über Beiträge definieren. Mal ist mehr möglich, mal weniger. Wie so oft im Leben ist es eine Frage der Balance. Für mich ist genau das der Inbegriff von Slow Parenting oder Slow Family – also ein achtsames Familienleben im eigenen Tempo.“
Nicole Lohmann ist bindungsorientierte Elternberaterin, Mama von zwei Kindern und Gründerin des Blogs Grow With Less und des gleichnamigen YouTube-Kanals. Sie begleitet Eltern mit digitalen Angeboten und alltagsnahen Impulsen – besonders Familien mit introvertierten, hochsensiblen oder gefühlsstarken Kindern.
Angelika: „Prüfe, welche Beziehungen Dir wirklich guttun.“

„Weniger Zeug, mehr Zeit – diesem Credo folge ich konsequent, seit ich vor 15 Jahren zur Freiraumfrau wurde. In all den Jahren warf ich Schritt für Schritt und Zwiebelschicht um Zwiebelschicht realen und mentalen Ballast ab. Nur ein Thema umschiffte ich dabei sehr gekonnt. Auch wenn ich gerne von Grottenehrlichkeit spreche, die Auseinandersetzung mit meiner jahrzehntelangen Ehe scheute ich. Gewohnheit und Prägungen hielten mich davon ab genauer hinzuschauen. Zusätzlich gab es genügend andere Gründe, die hier keine Rolle spielen. Genau vor einem Jahr konnte ich endlich Nein sagen, weil ich körperlich wie seelisch spürte, wieviel Zeit ich in eine Ehe investiert hatte, die mir meine Lebensenergie blockierte. Das Nein zur Beziehung schenkte mir das Ja für die Dinge, die mir in der Seele wichtig sind. Freiraum für meine Herzensthemen. Mein Tipp für mehr Zeitwohlstand lautet daher: Sei grottenehrlich, was Deine Beziehungen zu anderen Menschen angeht. Wenn sie Dir mehr Energie rauben, als sie schenken, dann ist es Zeit, sie zu beenden. Das Leben ist zu kurz für faule Kompromisse!“
Angelika Bungert-Stüttgen ist die Freiraumfrau und unterstützt Menschen dabei Freiraum zu kreieren. Die Essenz dieser Coachings verankert sie in Unikat-Kunstwerken für ihre Klient:innen. Sie ist zweifache Buchautorin und hat mittlerweile drei Coachingkarten-Sets mit Begriffen gezeichnet. Sie liebt Leuchttürme und ist sehr oft in ihrem Freiraumbus, einem kleinen Wohnmobil unterwegs.
Andrea: „Die besten Ideen kommen im Garten.“

„Ich erinnere mich noch sehr gut an den Tag, als ich wieder mal in meinen Gemüsebeeten das Kraut zwischen meinen Möhren herausgezupft habe und plötzlich mein Partner mit der Kaffeetasse in der Hand neben mir stand und quatschen wollte. Ich bekam ad hoc schlechte Laune und wusste zunächst nicht, was mit mir los war. Erst als ich es ausgesprochen hatte, wurde mir klar, was mich in besonders stressigen Zeiten in den Garten treibt. Ich sagte damals zu ihm: ‚Es mag zwar nicht so aussehen, aber ich arbeite hier an meinem Buch.‘ Dann musste ich selber lachen und erklärte ihm, dass ich mir während der Gartenarbeit Konzept, Ideen und Sätze für den nächsten Einstieg überlege. Deswegen habe ich im Garten leider keine Zeit für Smalltalk. Von diesem Tag an habe ich ganz bewusst meine Konzept- und Denkarbeit in den Garten gelegt. Tatsächlich hatte es mich vorher ziemlich angeödet, beim Nachdenken auf den flimmernden Bildschirm zu blicken; obendrein hat es mich frustriert, weil das Wetter so gut war und ich drinnen saß. Ich nehme seitdem mein Nachdenkthema einfach mit nach draußen, schnappe mir meine Gartenhandschuhe und rücke den Beikräutern an den Kragen. Dinge mit den Händen zu erledigen, macht einfach glücklich. Nebenbei räumt es im Kopf auf, und irgendwie sortieren sich dabei auch die Gedanken neu. Positiver Nebeneffekt: Ich sehe, was ich geschafft habe, und kehre mit einem Glücksgefühl an den Schreibtisch zurück. Das gibt mir viel Energie, und zurück am Computer geht es dann gleich doppelt so schnell, da ich mich über das Geschaffte freue, Sonne getankt habe und mein Konzept fertig im Kopf abgewogen ist. Es nutzt einfach nichts, auf gute Einfälle zu warten und auf den Bildschirm zu starren. Diese Zeit kann ich besser nutzen und werkle im Garten vor mich hin. Und im Winter? Da bastele ich gern – das hat den gleichen Effekt.“
Andrea Lammert ist Journalistin und Autorin und hat sich auf das Thema Reisen spezialisiert. Auf ihrem Blog Indigoblau berichtet sie über Abenteuer in der Nähe, meist in Niedersachsen, wo sie auch lebt.
Jasmin: „Der tägliche Spaziergang als Priorität.“

„Ich gehe los, einen Fuß vor den anderen, und sofort breitet sich dieses wohltuende Gefühl aus, das mich jeden Abend begleitet. Gegen 18 Uhr, kurz bevor die Sonne untergeht, schließe ich die Tür hinter mir und trete hinaus in die frische Luft. Egal, wie turbulent mein Tag war oder welche Gedanken noch in meinem Kopf kreisen, dieser tägliche Spaziergang ist mein Anker. Ein Schritt, dann noch einer. Mehr braucht es nicht. Der einfache Rhythmus meines Gehens erdet mich und holt mich in den Moment zurück. Seit etwa einem Jahr habe ich mir ganz bewusst eine einzige, klare Priorität gesetzt: meinen inneren Frieden und damit ein niedriges Stresslevel. Ich habe mich entschieden, dass diese Ruhe nicht nur ein angenehmer Nebeneffekt sein soll, sondern mein täglicher Fokus. Die Forschung ist hier eindeutig. Ein achtsamer Umgang mit Stress, ausreichend Bewegung und tägliche Erholungsmomente fördern langfristig Gesundheit und Wohlbefinden. Doch viel wichtiger als jede Studie ist für mich das Gefühl in mir, das sich festigt, seit ich diesen Weg gehe. Diese Priorität begleitet mich durch meinen Alltag wie ein innerer Kompass. Ich betrachte mein Leben durch diesen einen Filter und frage mich, was meine Ruhe unterstützt und was meine Gesundheit stärkt. Natürlich gibt es Projekte, Verpflichtungen und Ziele, die mir wichtig sind. Aber mit dieser Priorität im Herzen sehe ich alles gelassener. Ich spüre, wie sich die Schwere vieler Aufgaben und Entscheidungen auflöst, weil mein Maßstab plötzlich ein ganz einfacher ist – nämlich ob es mir guttut. Genau an dieser Stelle entsteht für mich etwas Wohltuendes: innerer Frieden und echter Zeitwohlstand. Nicht mehr freie Stunden, sondern mehr Weite und Ruhe in mir. Je regelmäßiger ich meine Spaziergänge absolviere, desto deutlicher spüre ich, wie sehr dieser tägliche Moment mir entspricht. Mein Perfektionismus wird leiser, als würde er mit jedem Schritt an Kraft verlieren. Ich verlange weniger von mir und höre mehr in mich hinein. Mein Fitnesstracker unterstützt mich spielerisch dabei. Zehntausend Schritte am Tag sind ein kleines, klares Ziel, das meiner Gesundheit langfristig guttut. Wenn meine innere Ruhe steht, erledigt sich vieles andere entweder später oder überraschend schnell, weil ich wieder Energie habe, statt sie zu verlieren. Mein täglicher Spaziergang und mein innerer Frieden sind inzwischen mein fester Fokus. Eine Priorität, die mein Leben einfacher, klarer und reicher macht.“
Jasmin Mittag produziert die Podcast-Show Minimalismus Jetzt!, in der sie Minimalismus mit wissenschaftlichen Perspektiven verbindet. Im Rahmen ihres Projekts the one thing dokumentiert sie Lieblingsgegenstände von Menschen rund um den Globus und präsentiert diese in einer Wanderausstellung.
Gabi: „Vorüberziehende Wolken beobachten statt auf Social Media abzuhängen.“

„Die einfachste Methode, um mir Zeitwohlstand zu verschaffen, ist, dass ich seit 2018 keine Social-Media-Accounts mehr habe. Zu dem Zeitpunkt nahmen die Algorithmen der sozialen Netzwerke zu. Das gefiel mir nicht und daher habe meine vorhandenen Accounts gelöscht. So erspare ich mir, im sinnlosen Doomscrolling zu versinken. Ich erliege nicht den suchterzeugenden Strukturen und erspare mir jede Menge Zeit und Nerven. Mir ist es lieber, ich konzentriere mich auf die zwischenmenschlichen Kontakte im realen Leben. Der direkte Austausch ist mir wichtiger, als die Anzahl der Clicks und Likes im Internet. Die Zeit dehnt sich so wunderbar, wenn ich ungestört die vorbeiziehenden Wolken beobachte, gemächlich die Natur durchstreife oder mir den notwendigen neuen Schal einfach selber stricke. Aktuelle Nachrichten und Informationen erreichen mich im Bedarfsfall trotzdem. Aber auch in dem Bereich muss ich nicht jede Wasserstandsmeldung und jede Meinungsäußerung mitbekommen, schon gar nicht muss ich diese auf Social Media kommentieren. Und was soll ich sagen: Ich lebe trotzdem und es geht mir gut damit.“
Gabi Raeggel war beruflich rund 45 Jahre in der sozialen Arbeit tätig. Als Rentnerin bloggt sie zu Minimalismus und weiteren Themen auf gabi.raeggel.de.
Sara: „In Phasen leben – inspiriert von Simone Weil.“

„Ich habe viele Interessen. Viele Ideen. Viele Projekte, die mich wirklich erfüllen. Und lange dachte ich, das sei ein Problem. Unsere Zeit erzählt uns gern, dass es nur den einen Job, das eine Hobby, die eine Aufgabe geben müsse, die alles trägt. Doch mein Leben fühlte sich anders an. Ich wechselte zwischen Rollen, Themen und Aufgaben – nicht aus Unruhe, sondern aus echtem Interesse. Natürlich gibt es den naheliegenden Rat, sich zu fokussieren, auszumisten und weniger zu machen. Und ja, das habe ich versucht. Achtsamer, klarer, reduzierter. Aber irgendwann merkte ich, dass das nicht immer reicht. Nicht, wenn man sich nicht entscheiden kann, weil mehrere Dinge wahrhaftig wichtig sind. Die entscheidende Inspiration kam für mich von Simone Weil. Ihr Leben war alles andere als reduziert im äußeren Sinn. Sie engagierte sich politisch, reiste, schrieb und arbeitete in Fabriken. Aber sie lebte nicht alles gleichzeitig. Sie lebte in Phasen. Sie richtete ihre Tätigkeiten nach ihrem Leben aus – nicht ihr Leben nach festen Tätigkeiten. Dieses Prinzip habe ich auf mein eigenes Leben übertragen. Ich teile mein Leben bewusst in Phasen und unterstütze es durch einen minimalistischen Lebensstil. Im Studium war der Fokus klar. Nach dem Abschluss folgten ein bis drei Monate Reisen. Dann ein Job für zehn Monate, um Routinen aufzubauen. Wieder Reisen. Ein neuer Job für mehrere Jahre, parallel eine Weiterbildung im Bereich Finanzen. Später eine Fokuszeit für meine Webseite. Als sie stabil lief, reduzierte ich dort meine Zeit und widmete mich einem Buchprojekt. Heute habe ich neben meinem Vollzeitjob drei Projekte, die mich erfüllen. Ich versuche nicht mehr, alles gleichzeitig gleich wichtig zu nehmen. Stattdessen gestalte ich mein Jahr in drei Phasen, in denen jeweils ein Projekt Priorität erhält. Dazwischen plane ich bewusst Urlaub oder Reisen. So entsteht kein innerer Konkurrenzkampf, sondern ein Rhythmus. Für mich bedeutet Zeitwohlstand nicht, weniger Interessen zu haben, sondern ihnen nacheinander Raum zu geben. Phasen statt Entscheidungen. Bewegung statt Stillstand. Und die Erlaubnis, dass ein erfülltes Leben nicht eindimensional sein muss.“
Sara Theimann ist Gründerin von MindshiftCompass. Geprägt von Biologie, Bionik und ihrer Liebe zu Geschichten denkt sie analytisch und schreibt suchend. Glaube, Neugier und das Vertrauen in Umwege zeigen ihr: Der innere Kompass lässt sich jederzeit neu ausrichten. Mit Mindshift Compass lädt sie Menschen ein, innezuhalten und ihren eigenen Weg bewusster zu gehen.
Gilbert: „Zeit braucht Struktur – und manchmal genau das Gegenteil.“

„Und was machst Du, wenn Du es nun geschafft hast, Dir einen ordentlichen Zeitwohlstand zu organisieren? Was würdest Du mit der Zeit anfangen? Diese Frage hatte ich mir gar nicht gestellt, als ich gekündigt wurde und auf einmal dank Freistellung und Abfindung so viel vermeintlich sorgenfreie Zeit vor mir hatte. Nach ungefähr sechs Wochen des Trödelns stellte sich die Frage wie von selbst. Ich merkte, wie die im Überfluss vorhandene Zeit durch den Alltag sickerte, spurlos wie Regen durch Kies. Wo blieb die viele Zeit? Ich unternahm jetzt viel mit meinem Kind, bereitete täglich gutes Essen zu, kümmerte mich um meine Gesundheit und machte viel Sport. Ich las wieder mehr und lief stundenlang durch den Wald. Mein anfängliches Gefühl, die Zeit nicht optimal zu nutzen, wich der Erkenntnis, dass genau diese nicht optimierte Nutzung das ist, was ich jetzt so dringend brauche. Der ganzen Familie geht es besser, meine Gesundheit ist zurück, der Stress weg und mein innerer Kosmos reichert sich langsam wieder mit jenem fruchtbaren Sediment an, das gute Literatur in uns hinterlässt. Aber was müsste ich tun, wenn ich beispielsweise selbst ein Buch schreiben wollte? Und was ist, wenn der nicht durch Arbeit strukturierte Zeitraum nach hinten offen ist, etwa in der Rente? Ganz bewusst stelle ich mir jetzt in zeitlichen Abständen die Frage, was ich brauche. Was braucht meine Familie, was braucht mein Geist, was braucht mein Körper? Sind die Systeme stabil genug? Wenn ja, kann ich über die grundlegenden Bedürfnisse und Organisation im Alltag hinausgehen und z. B. ein größeres Projekt starten – in einer Firma, beim Schreiben oder auch in Gemeinnützigkeit. Wenn ich ein Projekt angehe, dann strukturiere ich meinen Kalender, blocke morgens, mittags, nachmittags jeweils Zeit für familiäre oder individuelle Notwendigkeiten. Mit der Projektzeit selbst gehe ich sehr geizig um und lasse mich nicht ablenken. Ich denke dann auch den Raum mit. Denn ohne passenden Raum passt auch die Zeit nicht. Was nützt Zeit in einem Raum, der uns nicht abschirmt? Raum und Zeit leben von Organisation und Struktur. Einfach sich selbst überlassen, versickern unsere Ressourcen. Aber manchmal ist es genau das, was wir brauchen.“
Gilbert Dietrich geht der Frage nach dem richtigen und guten Leben nach und begreift das Streben nach Glück als eine legitime Aufgabe eines jeden Menschen. Auf Einfach bewusst hat Gilbert den Gastartikel „Geld oder Zeit – Wer ist reich?“ veröffentlicht.

Lieber Christof,
ein großartiger Jahresauftakt! Danke für diese inspirierende Sammlung und dass ich einen Beitrag leisten durfte. Freue mich schon darauf, viele der Tipps in meinen Alltag zu integrieren.
Herzliche Grüße und uns allen ein glückliches Jahr 2026!
Rebecca
Ja, so kann 2026 weitergehen. :-)
Schön, dass Du mitgemacht hast.
Alles Gute für Dich!
Christof